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Thema: DEAN CORVIN  (Gelesen 1334 mal)

ulimann644

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DEAN CORVIN
« am: Februar 01, 2016, 02:05:58 Nachmittag »
Hi Community

Momentan habe ich etwas mehr als die Hälfte der ersten Episode (von geplanten 6-8 Episoden a ca. 125.000 Wörter) einer Militäry/Space-Opers SciFi Serie geschrieben. Zeit das Konzept, den Prolog und das erste Kapitel hier in einem eigenen Thread dazu vorzustellen, ohne dabei zu viel zu spoilern. Später einzusteigen würde zu wichtige Dinge zu früh vorwegnehmen.

Am Beginn der Episode (gerade bei einer OF, wo der Leser mit einem komplett neuen Universum vertraut gemacht wird) werden zunächst natürlich erst einmal die wichtigsten 4-6 Personen vorgestellt und die grobe Lage umrissen. Das läuft bei einer OF bekanntermaßen etwas anders, als bei FF bei denen der Leser zumindest Technik, wichtige Canon-Charaktere und oft zudem die Geschichte des verwendeten Universums bereits kennt.

Ich weise darauf hin, dass dieser Part bislang weder von mir Korrektur gelesen wurde, noch in der Endfassung vorliegt, da einige Dinge sich noch in der Schwebe befinden und ändern können.


COVER-CREDITS:
Darsteller: Colton Haynes als Dean Everett Corvin; Taeyeon Kim als Kim Tae Yeon
Hintergrund und Raumschiffsmodell: Von mir

Der Spielplatz bleibt mit einem Raumgebiet, in dem kein relevanter Handlungsort weiter als 3000 Lichtjahre von Sol entfernt liegen wird, relativ übersichtlich. Außerirdische, im Sinne von Aliens, gibt es in der Serie nicht - da werden sich also die Menschen ganz unter sich an die Wäsche gehen.

Das bis zum Jahr 3220 erforschte Weltall.
Da diese Karte nur 2D ist stimmen zwar die Abstände zwischen Sol und allen aufgeführten Ortschaften (in etwa - abhängig vom momentanen Wissensstand), nicht aber zwangsläufig die Abstände dieser anderen Locations untereinander. Die Karte kann also nur einen beschränkten Ausblick auf die tatsächlichen Verhältnisse geben.
Worauf es mir beim Erstellen der Karte hauptsächlich ging ist, die einzelnen Locations den fünf Splitterreichen der Menschheit im Jahr 3220 zuzuordnen und mir selbst ein grobes Bild von der jeweiligen, taktischen Situation machen zu können.
Einige Abstände sind dabei stark interpretiert, da keine exakten, bzw. nur grobe, Daten bis heute verfügbar sind.



Technik:
Die Technik der Raumschiffe ist relativ ausgereift, weshalb sich in den letzten 500 Jahren auch sehr wenig daran verändert hat. So benötigen die Raumschiffe der Serie keine Schub- oder Steuerdüsen, sondern sie besitzen einen sogenannten Gravo-Magnetfeld-Antrieb. Andererseits bedingen die physikalischen Eigenschaften des Hyperraums, in der Serie, dass dort eine Maximalgeschwindigkeit von 4,23 Lichtjahren pro Stunde nur in Ausnahmefällen (und dann auch nicht bahnbrechend) überschritten werden kann. Allerdings meiden Raumfahrer, die ihre Sinne halbwegs beisammen haben, unter normalen Umständen Raumgebiete, wo dies ermöglicht wird.
Bereits früh wird eine hochstehende Terraforming-Technik entwickelt, die es ermöglicht, selbst so lebensfeindliche Planeten, wie Venus, oder Monde, wie den Saturnmond Titan, in für Menschen bewohnbare Planeten, bzw. Monde, umzuwandeln.

Raumschiffe:
In den Kriegsflotten der fünf Splitterreiche gibt es fünf verschiedene Schiffsklassen, die sich, wegen des gemeinsamen Ursprungs, auch im Jahr 3220 nur geringfügig von einander unterscheiden - hauptsächlich bestehen diese Unterschiede in verschiedenen Schiffssystemen, wodurch die äußeren Formen und Größen, der Raumschiffe aller fünf Splitterreiche annähernd identisch sind.
Hier Ansichten der größten Kriegsschiff-Klasse. 3D-Modell von mir (das mittlerweile nicht mehr WIP ist).
Die Längen dieser fünf Raumschiffsklassen liegen zwischen 952 Metern (über Alles, also inklusive der vorderen Antennenpods), und 147 Metern.






Staatsformen:
Von Demokratie (Farradeen-Allianz, Terranisches Reich) bis zu einer straffen Diktatur (Konföderation Deneb) ist ein bunter Mix vertreten. Wie genau zwei der Splitterreiche regiert werden knobele ich momentan noch aus.

Hauptpersonen:
Die Titelfigur, Dean Everett Corvin und sein bester Freund, Kimi Korkonnen, sind beiden wichtigsten Personen der Serie. Um ihr Wirken und Werden dreht sich diese Geschichte, die ich vom ausgehenden zweiten Kadettenjahr beider Charaktere, bis zu ihrem späten Erwachsenenleben, in dem sie hohe militärische Ränge innehaben werden, erzählen möchte.
Das literarische Vorbild dieser Form der Erzählung ist für mich die Buchreihe um Horatio Hornblower, von C. S. Forester, der in 11 Büchern die Karriere Hornblowers vom Fähnrich, bis zum Admiral erzählt.
Zum engeren Dunstkreis der beiden Freunde zählen u.a. ihre Kommilitonen: Andrea von Garding, Rodrigo Esteban, Miriam Rosenbaum und Jayden Kerr. (Einige weitere Personen stoßen später noch dazu.)
Die maßgeblichen Antagonisten dieser Original-Fiction sind - zu Beginn - Kim Tae Yeon, und der Diktator der Konföderation Deneb, Laskarin Carom. Ich hoffe, dass es mir gelingen wird, gerade diese beiden Charaktere sowohl glaubhaft, als auch finster genug darzustellen, ohne dabei zu überzeichnen.

Veröffentlichungstakt:
Da diese Episoden etwa 300% des Umfangs einer durchschnittlichen (längeren) Episode, die ich für meine FF schreibe, haben, plane ich momentan alle 2 Jahre eine DC-Episode zu veröffentlichen. Zwischendurch möchte ich ja auch irgendwie meine anderen Schreibprojekte weiter verfolgen. ;)

Leseprobe:


Prolog

   Nachdem sich die Menschheit, wegen separatistischer Bewegungen in den Osteuropäischen Nationen, nahe am Rand eines Dritten Weltkrieges befunden hatte, wurde, im Jahr 2028, eine übergeordnete Instanz gebildet, die sich aus den Vertretern aller ehemaligen Einzelnationen zusammensetzte.
   Noch in demselben Jahr wurde von den politischen Vertretern dieser Nationen beschlossen, dass die UNO in dieser neuen Organisation aufgeht. Der Notwendigkeit enthoben, einen Großteil des Bruttosozialproduktes für Kriegsangelegenheiten aufzubringen, nahm die technische und wissenschaftliche Entwicklung der Menschheit, zu diesem Zeitpunkt, einen rasanten Aufschwung. Die Ziele der Menschen richten sich fortan vordringlich auf die Eroberung des Weltalls.
   Bereits ein Jahr später wurde die erste Mondbasis mit einer permanenten Besatzung errichtet.
   Im Jahr 2048 fand dann der erste bemannte Flug zum Mars statt. Dabei wurden von den Raumfahrern dieser Mission umfangreiche Daten gesammelt, welche die Voraussetzungen für eine spätere Besiedlung des Mars sein sollen. In der Folge hat die Menschheit im Jahr 2063 auf dem Mars die erste ständig bemannte Forschungsstation errichtet.
   Forschungen im Bereich Antriebstechnik ermöglichten im Jahr 2097, noch vor Beginn des 22. Jahrhunderts, die erste bemannte Mission zum Saturnmond Titan. Bei dieser Mission stellte sich heraus, dass der Titan gute Voraussetzungen für eine Forschungsbasis bot, von der aus Missionen zu den äußeren Planeten des Sol-Systems durchgeführt werden konnten.
   Politisch rückte die Menschheit zu dieser Zeit immer enger zusammen und bildet im Jahr 2102 die erste Weltregierung. Alle von Menschen besiedelten Territorien wurden von nun an unter dem Begriff Terranisches Reich zusammengefasst und Casablanca wurde beinahe einstimmig, von den Regierungsvertretern, zur neuen Hauptstadt bestimmt. Doch erst ab dem Jahr 2105 wurde das Terranische Reich vom neuen Regierungsgebäude in der Hauptstadt Casablanca aus regiert.
   Ab dem Jahr 2132 wurden von Titan aus die ersten bemannten Weltraummissionen zum Pluto und nach Eris gestartet. Dabei wurden in der Folgezeit auch ein halbes Dutzend weiterer transneptunischer Objekte, durch Minilabore die von Sonden abgesetzt wurden, erforscht. Hierbei gelangten die Wissenschaftler der Erde zu neuen Erkenntnissen über den äußeren Aufbau des Sol-Systems.
   Der erste Fusionsreaktor wurde im Jahr 2177 erfolgreich getestet. Diese Entwicklung kann man mit Bestimmtheit als einen der bedeutendsten technischen Sprünge der modernen Menschheit bezeichnen, denn es löste ihr drohendes Energieproblem nachhaltig und dauerhaft.
   Im Jahr 2204 entwickelten terranische Wissenschaftler auf dem Mars den ersten funktionsfähigen Schwerkraftgenerator. Schon wenige Jahre später hielt dieses Gerät Einzug in die Raumfahrttechnik und auch alle Außenposten abseits der Erde wurden mit solchen Geräten ausgestattet.
   Der EM-Schutzschild wurde im Jahr 2217 entwickelt. Wie wir alle wissen bildet er, in vielfacher Stärke, das Elektro-Magnet-Feld der Erde nach. Mit dieser Schildtechnik wurden zunächst alle planetaren Außenbasen ausgerüstet. Nach einer Phase von permanenten Verbesserungen dieses Systems konnten schließlich auch Aggregate gebaut werden, die kompakt genug waren, um sie in Raumschiffen einzubauen wodurch die Insassen fortan vor der gefährlichen Weltraumstrahlung geschützt werden konnten. Dicke Raumschiffspanzerungen, die diesen Zweck bis dahin erfüllten, konnten von da an entfallen, was einen Quantensprung in der Raumschifffahrt bedeutete.
   Mit der Entwicklung des Protonen-Strahltriebwerks, im Jahr 2231, machte die terranische Raumschifffahrt einen weiteren wichtigen Schritt. Nicht lange danach wurden alle irdischen Raumschiffe mit diesem Antrieb ausgerüstet.
   Als Konsequenz der rasanten technischen Entwicklung wurden im Jahr 2250 schließlich die ersten Sonden nach Sirius A und B entsandt.
   Nur sechs Jahre später wurde der Hyperfeld-Konverter entwickelt. Er umgab ein Raumschiff mit einer besonderen Art von Energiefeld, das es dem betreffenden Raumschiff ermöglichte in den Hyperraum einzudringen. Nach ersten erfolgreichen Testflügen stand fest, dass Raumschiffe, die mit diesem Gerät ausgestattet waren, bis zu 4,23 Lichtjahre pro Stunde zurücklegen konnten. Wissenschaftler versuchten in der Folgezeit herauszufinden, warum keine höhere Geschwindigkeit im Hyperraum erreicht werden konnte, doch es blieb schließlich bei der Theorie, dass es sich hierbei um eine natürliche Eigenschaft des Hyperraum handelte.
   Im Jahr 2259 fand schließlich die erste bemannte, interstellare Mission statt – und zwar zu Barnards Stern. Dieser Flug bewies, dass die Hyperflugtechnik sicher war. Jedoch stellte sich gleichfalls heraus, dass es im Hyperraum Strömungen, Strudel und sogar so etwas wie Stürme gibt, welche sich auf den Flug eines Raumschiffs auswirken.
   Auf Terra wurde beginnend mit dem Jahr 2267 die Begrünung der Wüste Sahara, und einiger weiterer unwirtlicher Gegenden Terras in die Wege geleitet, um neuen Lebensraum für seine Bewohner zu schaffen.
   Im Jahr 2271 stellte sich heraus, dass der zweite Planet des Sirius-Systems erdähnliche Bedingungen aufweist, und so wurde dort die erste extrasolare Kolonie gegründet.
   Ab dem Jahr 2280 erfolgte, dank gewaltiger Fortschritte in der Ökologietechnik, das Terraformen der Venus und des Mars. Diese Entwicklung wurde bis zum Jahr 2292 abgeschlossen und Venus und Mars verfügten nun über eine atembare Sauerstoffatmosphäre. Als Konsequenz konnte ab diesem Zeitpunkt ein erdähnliches Ökosystem auf beiden Planeten etabliert werden.
   Im Jahr 2302 begann die Menschheit damit auch den Saturnmond Titan zu terraformen.
   In der Raumfahrttechnik ersetzt ab dem Jahr 2312 der Gravo-Magnet-Antrieb auch kurz: GMA genannt, die bisherigen Rückstoßaggregate auf irdischen Raumschiffen.
   Um das Jahr 2320 herum wurden erste Langstreckensonden ausgerüstet, die, mit der neuesten irdischen Technik ausgerüstet, die Hyaden erforschten. Zwölf Jahre später wurden auch die ersten Langstreckensonden zu den Plejaden entsandt.
   Bis zum Jahr 2335 hatte die Menschheit drei von insgesamt 42 Planeten des Wega-Systems kolonisiert - und zwar den siebten, den achten und den neunten Planeten.
   Im Jahr 2351 wurde auf dem vierten Planeten des Capella-Systems ein Außenposten errichtet, welcher reinen Forschungszwecken diente, da eine Kolonisierung wegen des widrigen Klimas nicht in Frage kam.
   Im Jahr 2382 kam es auf dem achten Planeten der Wega zu einem politischen Umsturz und die Rebellen starteten bewaffnete Übergriffe auf Wega-VII und Wega-IX, mit dem Ziel alle drei Planeten des Systems in ihre Gewalt zu bekommen. Da die Menschheit zu dieser Zeit über keine bewaffnete Raumflotte verfügte konnte dieser Aufstand erst im Jahr 2383 von Truppen der Erde niedergeschlagen werden. Die Drahtzieher des Unternehmens, bei dem zehntausende Kolonisten den Tod gefunden hatten, wurden von einem Tribunal auf Terra zum Tode verurteilt und wenige Tage danach hingerichtet.
   Aufgrund der Ereignisse im Wega-System wurde im Jahr 2384 von der Regierung auf Terra beschlossen, eine bewaffnete Raumflotte aufzustellen, mit dem Ziel solche Revolten zukünftig im Keim ersticken, und die zivile Bevölkerung besser schützen, zu können.
   Zu Beginn des Jahres 2400 wurde die Erste Flotte der Raumflotte, welche insgesamt 90 Kriegsschiffe und 10 Versorgungseinheiten umfasste, zu Beginn des neuen Jahrhunderts in Dienst gestellt. Die Hauptbewaffnung der Kriegsschiffe bestand dabei aus Railguns, die Explosivladungs-Projektile mit halber Lichtgeschwindigkeit verschießen konnten.
   Bis zum Jahr 2450 wurden vier weitere Raumflotten derselben Stärke in Dienst gestellt. Zu diesem Zeitpunkt wurde das Offiziers-Korps der Flotte auf der Venus, dem Mars, auf Terra und auf Titan ausgebildet.
   Im Jahr 2459 wurde in den Luna-Werften das erste Kriegsschiff mit phasengesteuerten Plasmakanonen, und einem zweifach gestaffelten Dual-Schild, der wahlweise entweder feste Objekte, oder Energiestrahlen abwehren kann, in Dienst gestellt. Dieses Kriegsschiff war allen anderen Kriegsschiffen seiner Zeit, an Schlagkraft weit überlegen. Bis zum Jahr 2460 wurden in der Folgezeit alle Kriegsschiffe der Flotte mit Plasmageschützen nachgerüstet.
   Mit dem Jahr 2502 begann die Expansionsphase der Menschheit in Richtung geeigneter Planeten der Hyaden und der Plejaden. Dieser Zeitpunkt markierte den Beginn dessen, was später in den Geschichtsbüchern, als die sogenannte "Erste große Expansionsphase" bezeichnet wurde.
   Im Jahr 2514 wurden Planeten im System Delta-Cephei und Antares kolonisiert.
   Die "Zweite große Expansionsphase", in Richtung der offenen Sternenhaufen M-7 und M-34, nahm im Jahr 2570 seinen Anfang. Nur wenige Jahre später wurden die ersten Sternensysteme in der Umgebung des Falken-Nebels kolonisiert.
   Im Jahr 2625 wurde das Deneb-System und das Zeta-Puppis-System kolonisiert. Gerade ersterem von diesen beiden Systemen kam in späterer Zeit eine wichtige, militärisch-politische Bedeutung zu.
   Bis zum Jahr 2648 wurden der Orion-Nebel, M-6 und das weit entfernte Sternensystem Harrel, benannt nach seinem Entdecker, Wayne Harrel, angeflogen und erforscht.
   Um das Jahr 2720 herum wurden des weiteren die Kolonisierung der Hyaden, der Plejaden und der Gegend um den Falken-Nebel herum massiv vorangetrieben. Die Menschheit breitete sich immer weiter über das bekannte Weltall aus, das nun bis zu einer maximalen Entfernung von 3000 Lichtjahren rund um das Sol-System herum, weitgehend kartographisch erfasst worden war.
   Ab dem Jahr 2900 drifteten die Interessen der Menschen, auf den verschiedenen kolonisierten Welten, immer weiter auseinander und schließlich zersplittert das Terranische Reich in die fünf autarke Sternenreiche: Antares Sternenreich, Bund von Harrel, Farradeen-Allianz, Konföderation Deneb und Terranisches Reich.
   Bis zum Jahr 2950 rüsteten alle fünf Splitterreiche massiv auf. Im Bestreben, die Macht ihrer Gebiete zu festigen, wurden bald darauf mehrere, mit aller Härte ausgefochtene, Kriege geführt, die sich über weite Gebiete des bekannten Weltalls ausbreiten. Kaum eine von Menschen besiedelte Welt blieb seinerzeit davon unberührt.
   Erst zur Mitte des Jahres 2987 hin kam es, unter Terras Führung, der Hauptwelt des Machtbereiches der sich zu dieser Zeit noch immer Terranisches Reich nannte, schließlich zu Friedensverhandlungen, und eine Reihe von Verträgen, die den einzelnen Sternenreichen die vollkommene Autarkie garantierte, wurden ratifiziert.
   Ab dem Jahr 2992 entstand ein immer reger werdender Handelsverkehr zwischen den fünf Sternenreichen.
   Im Jahr 3100 beschloss das Oberkommando der Terranischen Raumflotte, die Sektion-Terra fortan als besondere Kaderschmiede zu nutzen.
   In den nächsten Jahren begannen sich die verschiedenen Sternenreiche, bei den jährlich abgehaltenen Handelsgesprächen, von den anderen Sternennationen übervorteilt zu fühlen. Einige gewiefte Politiker versuchten zu dieser Zeit erfolglos, diese Unzufriedenheit für ihre eigenen machthungrigen Ziele auszunutzen. Man kann es als unmittelbare Folge daraus ansehen, dass sich, im Jahr 3114, aus dem Terranischen Reich das Terranische Imperium entwickelte. Es stimmt jedoch, dass besonders Terra seinen Reichtum deutlich durch diese Handelsverträge, die sich für das Imperium als sehr vorteilhaft erwiesen, ausbauen und an Macht gewinnen konnte.
   Bis zum Jahr 3216 konnte sich der, zunächst fragile, Frieden zwischen den fünf Sternenreichen festigen, und das Terranische Imperium galt gegenwärtig noch immer als das mächtigste von ihnen allen.
   In demselben Jahr wurde eine Handvoll junger, ehrgeiziger Kadetten der Terranischen Raumflotte, unter ihnen Dean Everett Corvin, in einen Strudel von Konflikten und Ereignissen gerissen, die schon bald interstellare Dimensionen annehmen, und bestimmend sein sollten, für das weitere Schicksal der gesamten Menschheit.



1.

Sektion-Venus

Montag - 23. Mai 3216
Akademie der Terranischen Raumflotte
Sektion-Venus


   Um Dean Everett Corvin, Kadett der Terranischen Raumflottenakademie im zweiten Ausbildungsjahr, herum tobte das Chaos der Weltraumschlacht. Über zwanzig Kriegsschiffe aller Größen, davon sieben die zur Raumflotte des Terranischen Imperiums gehörten, feuerten seit etwa drei Minuten unablässig aus allen Geschützen. Grell violette, gerichtete Plasma-Entladungen jagten zwischen den gewaltigen Raumkreuzern hin und her, brachten die Dual-Schutzschilde der Metallkolosse zum Aufleuchten oder schlugen, mit verheerender Wirkung, in den Stahl gepanzerten Schiffskörpern ein. Dazwischen jagten immer wieder Raumtorpedos zwischen den Schiffen hin und her – dort wo sie trafen leuchteten grellweiße Energiebälle in der Dunkelheit des Alls auf.
   Die hellgraue Uniform Corvins spannte sich vor seiner Brust als er seine breiten Schultern nach hinten zog, während seine beinahe fiebrig glänzenden Augen die Anzeigen der Steuerungsdisplays des Leichten Kreuzers RUBICON überflogen. Unterbewusst nahm er die Blicke des diensthabenden Navigators, Kadett Andrea von Garding, wahr, die zu seiner Linken saß und nicht weniger angespannt wirkte, als Corvin selbst. Dessen grau-blaue Augen fingen kurz den Anblick seiner Kommilitonin ein und er bemerkte dabei ihr kritisches Stirnrunzeln, welches fraglos ihm galt. Im nächsten Moment hatte er bereits wieder alle Hände voll damit zu tun, den Kreuzer aus der Schusslinie zweier Schwerer Kreuzer des Gegners zu steuern, wobei er das schlanke, 397 Meter lange, Kriegsschiff des Terranischen Imperiums zwischen drei gegnerischen Zerstörern, die, in Flugrichtung gesehen, ein etwas schiefes, etwa gleichseitiges Dreieck bildeten, hindurch manövrierte.
   Andrea von Garding, der bewusst war, dass die RUBICON in der momentanen Situation eine Reihe von Manövern ausführen konnte, um sie aus der unmittelbaren Gefahrenzone zu bringen, nur nicht, zwischen den Zerstören hindurch zu fliegen, zischte ihrem Kameraden zu: „Das, was du da offensichtlich vorhast, ist keine gute Taktik, Dean.“
   „Wir sind weg, bevor die bemerken, was ich vorhabe“, gab der, in Toronto geborene, Pilot der RUBICON leichthin zurück, wobei er das unwillige Auflodern in den blau-grünen Augen seiner Kameradin, die im bläulichen Schein der momentan aktivierten Gefechtsbeleuchtung der Zentrale noch intensiver als üblich zu funkeln schienen, ignorierte. In Gedanken fügte er schnell hinzu: Sobald das Manöver funktioniert hat, wirst du meinen scharfen, taktischen Verstand und meine Fähigkeiten als Pilot bewundern, mein Engel.
   Mit etwas fassungsloser Miene blickte sich Andrea von Garding zu Kimi Korkonnen um, der links neben Dean Corvin an den Maschinenkontrollen saß, sich aber bisher jeglicher Kommentare in Bezug auf das Manöver seines besten Freundes enthalten hatte. Die rotblonde, junge Frau hoffte, Kimi Korkonnen würde ebenfalls gegen den Kurs, den Dean einschlug, intervenieren würde, doch die beiden hielten mal wieder zusammen, wie Pech und Schwefel, wie es schien. Sie blickte aufgebracht nach Rechts, wo Jayden Kerr an den Waffenkontrollen seine Finger über die Sensorflächen huschen ließ und die Feindschiffe unablässig unter Feuer nahm. Auch von dem dunkelhäutigen Jamaikaner aus dem kleinen, westlichen Küstenort Negril, war keine Hilfe zu erwarten, und in der Magengegend der Kadettin begann es zu brodeln. Die Wirklichkeit holte sie schnell wieder ein, als Dean Corvin sie ansprach.
   „Andrea, ich brauche den günstigsten Kurs, nachdem wir durchgebrochen sind, um erst einmal außer Waffenreichweite zu gelangen.“
   Die Ruhe des Kameraden wurmte die junge Frau zusätzlich, doch sie konzentrierte sich und übertrug wenige Augenblicke später die entsprechenden Daten zu seiner Konsole. Danach blickte sie schnell über die Schulter, zum Kommandanten des Kreuzers, der es nach seinem Befehl, die RUBICON aus der Schusslinie zu bringen, ihnen überlassen hatte, diesen Befehl entsprechend ihrer Ausbildung, auszuführen. Die Miene des erfahrenen Offiziers verriet nicht die Spur von dem, was momentan in ihm vorging und so blickte die junge Frau wieder auf ihre Konsolenanzeigen und Displays, auf denen sich die beginnende Katastrophe abzuzeichnen begann.
   Die RUBICON wurde nun aus drei verschiedenen Vektoren unter Feuer genommen und Dean Corvin versuchte, einen unvorhersehbaren Kurs einzuschlagen, wobei er seinem Freund Kimi Korkonnen zurief: „Notreserven auf die hinteren Antriebsprojektoren und auf die Schilde!“ Danach wandte er sich an Jayden Kerr und forderte: „Waffenfeuer auf den Zerstörer in Vektor Grün, Jayden. Wir sind gleich durch.“
   Fast so, als wolle das Schiff seine Worte Lügen strafen, begann die Zentrale des Kreuzers heftig zu erzittern, und Korkonnen meldete: „Schilde sind überlastet und brechen in wenigen Sekunden zusammen. Antrieb arbeitet im Grenzbereich!“
   Gleich darauf meldete sich Jayden Kerr: „Waffen bekommen keine Energie mehr und fallen aus! Achtzig Prozent der Torpedorampen sind nicht mehr einsatzbereit.“
   Andrea von Garding, die immer noch hoffte, der Kreuzer könne dennoch entkommen fluchte herzlich und suchte fieberhaft nach einem günstigeren Fluchtkurs, doch noch bevor ihre Bemühungen von Erfolg gekrönt werden konnten, durchlief ein heftiger Schlag die Zentrale, welcher die vier Kadetten fast aus ihren Sitzen warf. Gleichzeitig setzten die Alarmgeber des Schiffes ein und eine seelenlose Computerstimme meldete: „Vakuumeinbruch im hinteren Bereich des Schiffes! Schildgeneratoren versagen. Antriebsprojektoren überlastet! Schiff muss aufgegeben werden!“
   Das Ende der RUBICON kam lautlos.
   Alle Systeme der Zentrale fuhren gleichzeitig herunter, und lediglich auf den Konsolendisplays erschien der beinahe süffisant wirkende Satz: Der Leichte Kreuzer RUBICON wurde durch Feindbeschuss vernichtet. Im nächsten Moment erhellte wieder die normale Beleuchtung die Zentrale - genau genommen eine 1:1 Nachbildung des Nervenzentrums eines leichten Kreuzers, wie es in der Flotte des Terranischen Imperiums mehr als zweihundert gab - und die Gefechtsbeleuchtung erlosch dafür.
   Noch während Dean Everett Corvin seine Fäuste ballte, schnitt die Stimme des hinter ihnen sitzenden Majors durch die entstandene Stille und brachte die vier Kadetten in die Wirklichkeit zurück: „Übungsende! Die Nachbesprechung findet direkt im Anschluss in Konferenzraum II statt.“
   Damit erhob sich Major Omar de la Hoz, dem man seine arabischen Vorfahren deutlich ansehen konnte, und marschierte mit raumgreifenden Schritten zum Ausgangsschott des Simulators.
   Die vier Kadetten im zweiten Ausbildungsjahr folgten ihm schweigend und, mehr oder weniger, mit betretenen Mienen. Während sie hinter dem Major durch den breiten, weißen Gang schritten, schoss Andrea von Garding immer wieder wütende Blicke auf ihren Kommilitonen Dean Corvin ab. Er war ein Dickkopf durch und durch, und dieser Dickkopf war an diesem Tag ihr Untergang gewesen, wenn auch nur ein simulierter Untergang.
   Seit fast zwei Jahren waren sie nun Kameraden an der Sektion-Venus und sehr gut mit einander befreundet, doch in diesem Moment hätte die ehrgeizige junge Frau ihn am liebsten geohrfeigt, denn ihre Leistungen bei der eben so spektakulär schiefgegangene Übung wurden insgesamt gewertet, und nicht für jeden Kadetten einzeln, wie bei zahlreichen anderen Gelegenheiten. Sie selbst galt unter ihren Kameraden als sehr diszipliniert, und Dean war das genaue Gegenteil. Bei vielen praktischen Ausbildungen entschied er aus dem Bauch heraus, statt die Ratio zu Wort zu bitten.
   Gerade so, als habe Corvin die Blicke der Kameradin gespürt, blickte er kurz zu ihr, wobei man ihm deutlich anmerken konnte, dass er sich im Moment nicht wohl in seiner Haut fühlte. Dem entsprechend schnell wandte er den Blick wieder ab und stapfte, mit  verdrossen wirkender Miene neben seinem besten Freund, Kimi Korkonnen hinter dem Major her.
   Korkonnen und Dean Corvin kannten sich bereits aus Kindertagen. Corvins Eltern waren tödlich verunglückt, als der Junge fünf Jahre alt war, und sein Patenonkel, der in Helsinki lebte, hatte den Jungen aufgezogen. Dort hatte der Kanadier den damals fast unnatürlich ruhigen Finnen bei der Einschulung kennengelernt. Trotz ihres damals extrem gegensätzlichen Temperaments waren die beiden Jungen schnell Freunde geworden, was nicht wenige Leute, die die Beiden kannten, verwundert hatte. Ganz im Gegensatz zu seinem besten Freund war Kimi Korkonnen von ernsthafter Natur, keinen Unfug zulassend; jemand, von dem man sich wünscht, dass er stets in der Nähe war und einem den Rücken freihielt.
   Stellte Korkonnen den ruhenden Pol ihrer ihrer verschworenen Gemeinschaft dar, so konnte man Jayden Kerr als das Gute-Laune-Zentrum bezeichnen. Fast immer lag auf den Lippen des fast 1,90 Meter großen, athletischen Jamaikaners ein leises Lächeln, und oft schien er von einer stillen Heiterkeit beseelt zu sein. Eine positive Lebenseinstellung, die sich auch in seinen dunklen, fast schwarzen Augen wiederfand. Außerdem konnten seine Freunde und Kameraden sich nicht daran entsinnen, ihn jemals fluchen oder schimpfen gehört zu haben, seit sie ihn, zu Beginn ihrer Ausbildung auf der Venus kennengelernt hatten. Doch selbst Jayden Kerr schien in diesem Moment etwas angespannter zu sein, als üblich.
   Zwischen den jungen Männern, von denen Corvin mit 1,84 Meter der kleinste war, hätte die junge Kadettin, adeliger Abstammung, beinahe verloren gewirkt, wenn da nicht die Ausstrahlung ihrer Augen gewesen wäre, die jeden Menschen unwillkürlich davor warnte sie, oder ihren Intellekt, zu unterschätzen. Und das zurecht, denn Baroness Andrea von Garding besaß einen messerscharfen Verstand und sie war auch sonst in jeder Hinsicht belastbar.
   Als Kimi Korkonnen neben Dean Corvin in den rechten Seitengang einbog, fing er einen der Blicke ihrer Kameradin auf und raunte dem Freund warnend zu: „Die Hölle misst augenblicklich einen Meter achtundsechzig und sie marschiert in diesem Moment direkt hinter uns her, mein Freund. Oder besser gesagt, hinter dir, denn ich habe ja nichts angestellt. Halt gleich, beim Verriss, bloß deine große Klappe.“
   In Dean Corvins blau-grauen Augen lag Widerspruch, doch beim beschwörenden Blick des Blonden verbiss er sich den Kommentar, der ihm bereits auf der Zunge gelegen hatte. Nur selten bedachte Korkonnen ihn mit einer solchen Eindringlichkeit, und wenn er es tat, dann war es geraten zurückzustecken, etwas, das Dean Corvin oft äußerst schwer fiel.
   Sie erreichten endlich den Besprechungsraum, und Omar de la Hoz deutete einladend auf die bequemen, blau bezogenen Sessel, die um einen länglichen, sechseckigen Tisch aus schwarzem, venusianischen Pharran-Holz, einem der wichtigsten Exportartikel des Planeten, gruppiert waren.
   Andrea von Garding beobachtete, wie Dean Corvin rechts des Majors Platz nahm, und demonstrativ steuerte sie selbst einen der Sessel auf der anderen Seite des Tisches an. Sich umständlich in den Sessel setzend mied sie den Blick des Kameraden und starrte mit mürrischer Miene auf das feine, silbrige Muster der glasharten Tischoberfläche.
   Aus einem nicht erklärbaren Grund schien es jedem Betrachter dieses Materials so, als würde sich diese Maserung bis tief in dieses seltene Edelholzes hinein verfolgen lassen, wobei wissenschaftlich nie geklärt worden war, wodurch dieser Effekt entstand.
   Dass sich Jayden Kerr neben ihr niederließ beobachtete Dean Corvin mit verkniffener Miene, denn insgeheim sah er, seit einiger Zeit bereits, weit mehr in der jungen Frau als nur eine Kameradin, oder gute Freundin. Dabei konnte er nicht sagen, wann diese Entwicklung seinen Anfang genommen hatte. Er spürte lediglich seit einigen Wochen das da, von seiner Seite, mehr war. Er wurde abgelenkt, als Major Omar de la Hoz sich räusperte, nachdem Korkonnen sich, als Letzter, seufzend neben ihm am Tisch niedergelassen hatte.
   Der erfahrene Ausbildungsoffizier der Terranischen Raumflotte blickte mit undurchdringlicher Miene in die Runde, wobei sein Blick schließlich bei Dean Corvin hängen blieb. Für einen Augenblick ruhten die hart wirkenden Augen des Majors auf dem Kadett, bevor er seinen Blick wieder abwandte und mit dunkler Stimme erklärte: „Zunächst möchte ich vorausschicken, dass das, was ich heute im Simulator gesehen habe, mit das Beste war, während meiner mehr als zwanzigjährigen Zugehörigkeit dieser Akademie-Sektion. Ihre Entscheidungen und Reaktionen waren überdurchschnittlich gut.“
   Er richtete sein Augenmerk wieder voll auf Dean Corvin.
   „Zumindest bis zu dem Moment, als der Pilot der RUBICON den Suizid der gesamten Besatzung beschlossen hat. Jeder Kadett lernt bereits in seinem ersten Jahr an der Akademie, dass man sein Schiff nicht zwischen mehreren Feindeinheiten hindurch steuert – warum, das haben Sie und ihre drei Kameraden eben sehr nachhaltig erfahren, Kadett Corvin. Ich halte Sie, nach wie vor, aufgrund ihrer bisherigen Leistungen in der Praktischen Ausbildung, für einen künftigen Flottenoffizier mit sehr viel Potenzial. Doch im Moment möchte ich von Ihnen erfahren, welcher Teufel Sie geritten hat, dieses Wahnsinnsmanöver zu initiieren?“
   Mit einer Mischung aus Trotz und fehlender Einsicht blickte Dean Corvin seinen Ausbilder an. Er räusperte sich nervös und sagte dann, mit fester Stimme: „Nun, Sir, diese Simulationscomputer gehen bei ihrer Berechnung auf Nummer-Sicher. Außerdem haben die simulierten Feindschiffe schneller reagiert, als ein überraschter Gegner es getan hätte. Erschwerender Weise traf der Feind besser, als Wilhelm Tell zu seinen besten Zeiten. In einem realen Gefecht hätte dieses Manöver, nach meiner Ansicht, funktioniert.“
   Omar de la Hoz blickte kurz in die Runde und er registrierte dabei sowohl die fassungslosen Blicke der jungen Frau am Tisch, als auch die, teils erstaunten teils unwilligen, Blicke der Kadetten Kerr und Korkonnen.
   Der Major selbst blieb ruhig und sachlich. Das Argument des Kadetten Corvin war nicht zu einhundert Prozent zu widerlegen, aber doch zu über fünfzig Prozent, und so antwortete er schließlich ruhig: „Kadett Corvin, ihre Annahme ist sowohl provokant, als auch gewagt. Provokant deswegen, weil Sie selbst nie an einem realen Raumgefecht teilgenommen haben, und gewagt, weil die Simulationscomputer dieser Akademie-Sektion, die zu den besten im bekannten Weltall gehören, eine über fünfzigprozentige Wahrscheinlichkeit für den erlebten Ausgang des Gefechts errechnet haben. Ihr Vorhaben war, das ist meine persönliche Ansicht, zu riskant, denn Sie hätten im Ernstfall nicht nur für sich die Verantwortung getragen, sondern für weitere einhundertvierundneunzig Menschen an Bord. Bitte denken Sie über diesen Punkt sehr gut nach, bis zur nächsten Simulationsübung, bei der es um die hauptsächliche Bewertung für die Jahres-Abschlussprüfungen gehen wird.“
   Dean Corvin presste seine Lippen zusammen, bei dem milden Verweis und der gleichzeitigen versteckten Warnung in den Worten des Majors. Es kostete ihn Überwindung, als er nach einem Moment knapp antwortete: „Aye, Sir.“
   De la Hoz blickte erneut sinnend in die Runde, bevor er ernst meinte: „Falls Jemand in diesem Raum der Ansicht sein sollte, dass dieses Team so nicht funktioniert, dann bitte ich darum es nun zu sagen, Kadetten.“
   Dean Corvins Blick zuckte unwillkürlich zu Andrea von Garding, die es vermied ihn anzusehen. Der Junge bemerkte, dass sich die gespreizten Finger ihrer schlanken, gepflegten Hände auf der Tischplatte, in rascher Folge, an- und entspannten. Sie hielt jedoch ihren Blick gesenkt und schwieg beharrlich - zur Erleichterung des Jungen.
   Omar de la Hoz nickte in Gedanken.
   „Nun gut. Ich nehme an, Sie alle werden etwas aus dieser Übung gelernt haben. Sie können wegtreten, Kadetten.“
   Der Major erhob sich von seinem Platz und verließ den Besprechungsraum.
   Dean Corvin hatte es eilig, es dem Offizier nachzutun, denn langsam setzte sich bei ihm die Erkenntnis durch, wenn auch etwas zu spät, dass er Mist gebaut hatte, und er wollte jetzt nur noch seine Ruhe haben, um darüber nachzudenken. Schnell erhob er sich und schritt zum Ausgangsschott.
   Auf dem Gang hörte der Kanadier schnelle Schritte hinter sich, und als er sich umwandte da stand nicht sein Freund Kimi Korkonnen hinter ihm, sondern Andrea von Garding, die ihn mit ihren blau-grünen Augen zornig anfunkelte. Noch bevor Corvin zu einer Entschuldigung ansetzen konnte hatte die junge Frau ihn mit den Händen gegen die Wand des Ganges gedrückt, und herrschte ihn mit lauter Stimme an: „Du hast da eben einen Riesenscheißdreck verzapft, geht das in deinen verdammten Dickschädel? Ja…??“
   Erneut wollte Dean Corvin zu einer Erwiderung ansetzen, und erneut kam er nicht zu Wort, denn die aufgebrachte Kameradin wetterte bereits weiter.
   „Hör mir gut zu, Kamerad! Dieses Mal verzeihe ich dir noch einmal, aber wenn du dir jemals wieder so etwas leisten solltest, dann lernst du mich kennen! Ich habe mich nicht fast zwei Jahre lang hier auf der Venus abgerackert, um im Sommer vielleicht doch nicht das Ziel zu erreichen, zur Sektion-Terra versetzt zu werden! Also reiß dich gefälligst zusammen, du Querkopf, und nimm dein verdammtes Ego aus der Gleichung, solange ich mit dir zusammen in einem Team bin, klar?!“
   Übergangslos gab die junge Kadettin Dean Corvin wieder frei und stürmte, ohne eine Antwort des Kameraden abzuwarten, davon.
   Konsterniert blickte Corvin der Kameradin hinterher und sah dann zur anderen Seite des Ganges, von dem sich Jayden Kerr und sein finnischer Freund näherten und machte eine etwas hilflose Geste, wobei er brummelnd meinte: „Ich hätte gerade eure Unterstützung brauchen können.“
   „Oh, und wir haben uns absichtlich Zeit gelassen“, versetzte Korkonnen trocken. „Wir sind in diesem Fall nämlich genau der Ansicht von Andrea, und sie hat uns lediglich die Mühe abgenommen ein ernstes Wort mit dir zu reden.“
   „Danke“, knurrte Corvin finster und zupfte nervös seine Uniform zurecht.
   „Dir muss klar sein, dass sie Recht hat, mein Freund“, mischte sich Jayden Kerr ein, der sich bisher zurückgehalten hatte. „Kein Grund für verletzten Stolz. Du hast dir das selbst zuzuschreiben, und das weißt du.“
   „Selbstverständlich weiß ich das!“, brauste der Kanadier auf. Dann seufzte er schwach und erklärte: „Aber das muss mir nicht passen, oder?“
   Während der blonde Finne entsagungsvoll den Kopf schüttelte, bei den Worten seines besten Freundes, lächelte Kerr lediglich und fuhr dabei mit den Fingerspitzen über die Insignien eines Kadetten des zweiten Jahrgangs an seinem Uniformkragen – ein angeschrägter, silberner Querbalken mit zwei kleinen, goldenen Rechtecken darin.
   „Na schön, also: Oder“, stellte Dean Corvin missgestimmt fest. Er blickte die beiden Freunde an und erkundigte sich mit veränderter Stimmlage: „Wie lange wird Andrea wohl sauer auf mich sein?“
   Kimi Korkonnen zog seinen besten Freund grinsend mit sich, und der Jamaikaner schloss sich ihnen wortlos an. „Hey, du kennst doch unsere Freundin. Die ist mit Lichtgeschwindigkeit auf Hundert, aber sie kriegt sich genauso schnell wieder ein. Du kannst es ihr jedoch nicht verübeln, dass sie laut geworden ist, denn wir alle wollen am Ende dieses Jahrgangs zu den besten fünf Prozent gehören, um zur Sektion-Terra versetzt zu werden.“
   Corvin nickte schwach, während sie in den Gang zum Hauptgebäude des Komplexes einbogen. Er wusste, dass es eine große Chance für ihre Karrieren war, zusammen mit den besten fünf Prozent aller Kadetten der übrigen Zehn Sektionen, nach Terra zu dürfen, denn die Sektion-Terra galt seit einhundertundachtzehn Jahren als Kaderschmiede der Flotte. Wer dort seine letzten beiden Jahre studieren durfte, der konnte sich quasi aussuchen wo er später Dienst tun würde – und das betraf die begehrtesten Posten innerhalb der Raumflotte. Er war zwar in der Praxis einer der Besten, wenn nicht gar Jahrgangsbester, doch die Theorie machte ihm mitunter zu schaffen, und gerade Andrea hatte ihn in den letzten beiden Jahren immer wieder mit durchgezogen, indem sie ihm schwer verständlichen Stoff so erklärt hatte, dass er ihn besser verstand als im Unterricht. Nicht zuletzt darum störte es ihn, dass er Andrea verärgert hatte, doch es gab auch noch jenen einen anderen Grund.
   „He, hör auf Trübsal zu blasen“, riss Jayden Kerr den Freund aus seinen Gedanken. „Ich fand übrigens den Spruch mit Wilhelm Tell klasse.“
   Dean Corvin, der Kerrs verdrehten Sinn für historische Studien nur all zu gut kennengelernt hatte, in den letzten beiden Jahren, seufzte leise, während Kimi Korkonnen, der wusste was nun folgen würde, lediglich raunte: „Und es geht los...“
   Jayden grinste breit und meinte prompt: „Ihr wisst ja, dass ich historische Studien betreibe. Besonders in Sachen Sprache und Sprichwörter. Hört euch einmal dieses an, das ich mir gestern, anhand mehrerer Geschichtsdateien, zusammengereimt habe: Have you die Kappe on the left Ohr?
   „Interessant“, heuchelte Kimi Korkonnen Interesse. „Und was bedeutet es?“
   Kerr, dessen Gesicht immer noch nach Beifall heischte, machte eine bedauernde Geste. „Keine Ahnung, aber ich weiß, dass ich mich historisch korrekt ausgedrückt habe. Seinerzeit gab es in der menschlichen Sprache noch sehr viel mehr Anglizismen, bevor sich schließlich, in den letzten fünfhundert Jahren, die germanischen und spanischen Einflüsse weitgehend durchgesetzt haben.“
   Dean Corvin lachte amüsiert, wobei sich seine von Sommersprossen gesprenkelte Nase kraus zog, was seinem Gesicht eine pfiffige Note verlieh. Währenddessen gab Korkonnen dem Dunkelhäutigen, genervt dreinblickend, einen leichten Schlag gegen den Hinterkopf und beschwerte sich: „Das Sprichwort hast du eben selbst erfunden, gib es zu.“
   „Habe ich gar nicht“, verteidigte sich Jayden Kerr mit überzeugender Miene.
   „Schon klar!“, lachte Korkonnen und legte den beiden Freunden die Arme um die Schultern. So und nun ab zur Messe denn ich habe einen Mordshunger und in knapp zehn Stunden müssen wir eine schwere, nächtliche Dschungelkampf-Übung überstehen.“

* * *

   Nach dem gemeinsamen Abendessen machte sich Dean Corvin schnell rar, und sein finnischer Freund ahnte, wo er seinen Freund später finden würde. Der blonde, hoch aufgeschossene, Kadett wusste bereits seit vielen Jahren schon, wie der Freund tickte. Nachdem er noch eine geraume Weile mit Jayden Kerr in der Messe verbracht hatte, verabschiedete er sich schließlich von Kerr und machte sich auf den Weg zu Corvin.
   Wie es Kimi Korkonnen erwartet hatte, traf er seinen Freund in der ansonsten menschenleeren Rundgang des oberen Radarturms, dem höchsten Punkt des ausgedehnt angelegten, venusischen Akademie-Komplexes. Von hier aus hatte man, durch die großen Glasscheiben des zur Außenseite abgeschrägten Rundganges, eine fantastische Aussicht auf die Umgebung des Akademie-Komplexes.
   Das Licht der nahen Sonne, die eine Handbreit über dem östlichen Horizont stand, schien orangegelb in den Gang hinein und es schien die hellen Wände in Gold zu verwandeln. Wegen der retrograden Rotation des Planeten würde der Stern dort in etwa acht Stunden sehr langsam untergehen. Diese Rotationseigenschaft war dafür verantwortlich, dass ein Venustag knapp 117 Stunden dauerte.
   Mit zusammengekniffenen Augenlidern schritt der Finne zu Corvin und blieb zwei Schritt neben ihm stehen. Er folgte dem Blick des Freundes, hinaus über die beiden weiten, mit dichtem Dschungel bewachsenen, Talsenken. Erst in mehr als einem Kilometer Abstand erhoben sich die ersten sanften Hügel.
   In der Ferne, gerade noch im ultrablauen Dunst zu erkennen, erstreckten sich zwei langgezogene Gebirgsketten, hinter deren linker eine größere Stadt lag, wie Korkonnen wusste, obwohl er sie, in den beinahe zwei Jahren, die er nun an dieser Akademie-Sektion ausgebildet wurde, noch nie besucht hatte. Bei diesem Anblick konnte sich der Finne kaum vorstellen, dass diese Welt, vor annähernd eintausend Jahren noch, eine tote Hitzehölle gewesen war, mit einem atmosphärischen Druck, der neunzig Mal höher gelegen hatte, als heutzutage. Beginnend mit dem Jahr 2280 hatte sich dies allmählich, durch gezieltes Terraforming, verändert bis der Planet im Jahr 2292 über eine atembare Sauerstoffatmosphäre verfügt hatte. Ab diesem Zeitpunkt war danach ein erdähnliches Ökosystem etabliert worden, in dem sich bis zum heutigen Tag eine ganz individuelle Flora und Fauna entwickelt hatte. Wegen der relativen Sonnennähe herrschte hier eine höhere Durchschnittstemperatur, als auf der Erde. Deshalb hatten sich auch zu keiner Zeit Eiskappen bilden können, da dies unter anderem durch eine recht hohe Wassertemperatur und durch starke, warme Winde in den höheren Schichten der Atmosphäre verhindert wurde.
   Auch gab es auf der Venus, wegen der geringen Neigung des Äquators zur Bahn-Ekliptik von nur 2,64 Grad, keine Jahreszeiten. Wegen der recht langsamen Rotation des Planeten kam es am Terminator zumeist zu heftigen Stürmen, mit sehr heftigen Gewittern. Während der langen Tag- und Nachtphasen hingegen war die Wetterlage auf der Venus zumeist sehr stabil. Das Klima auf dem ausgedehnten Hochplateau, auf dem die Sektion-Venus lag, war relativ gemäßigt, zu den tiefer gelegenen Dschungeln hin änderte es sich zu subtropischen Verhältnissen hin, mit einer, den menschlichen Körper extrem belastenden, Luftfeuchtigkeit die zumeist über 90% lag. Die flachen Meere der Venus, die an keinem Punkt eine Tiefe von 200 Metern überschreiten, bedecken etwa 58% der planetaren Oberfläche, doch von hier aus, war nichts von diesen Meeren oder von den größeren venusischen Seen zu entdecken. Wohl aber wurden die sichtbare, weite Ebene von zwei größeren Strömen, und mehreren Nebenflüssen, durchzogen.
   Momentan lebten 250 Millionen Menschen auf der Venus, die zum überwiegenden Teil Agrargüter und Holzerzeugnisse produzieren. Schwerindustrie gab es so gut wie keine auf der Venus, da die Erzlager dieses Planeten zu gering waren. Auch davon war hier, auf der nördlichen Halbkugel des Planeten, hauptsächlich wegen der weitgehend unberührten Dschungel, nichts zu bemerken.
   „Nicht zu vergleichen mit Wellington“, sagte Kimi Korkonnen schließlich nachdenklich. „Das heißt, falls wir es tatsächlich zur Sektion-Terra schaffen.“
   „Ich habe es kapiert, Kimi“, fauchte Dean Corvin ungehalten zurück, ohne den Blick vom fernen Horizont abzuwenden. „Ich habe vorhin Mist gebaut.“
   Sie schwiegen eine Weile, bis Corvin seinen Freund offen ansah und ernst versicherte: „Ich verspreche dir, dass das nie wieder vorkommen wird.“
   Der Finne sah in das, zur Hälfte sonnenbeschienene, Gesicht des Freundes und nickte zufrieden. „Alles klar, Alter.“
   „He, du bist älter als ich“, spöttelte Corvin, erleichtert darüber, dass damit die Angelegenheit für seinen Freund erledigt zu sein schien. Seit Dean Corvin den Freund kannte hatten sie noch niemals ernsthaft miteinander gestritten, und er war nicht erpicht darauf herauszufinden, wie das sein würde. „Also, wer ist hier der Alte?“
   „Vielleicht sollte ich besser Kleiner zu dir sagen – wie wäre das?“
   „Untersteh´ dich...“
   Sie lachten und Korkonnen kam einen Schritt näher heran. „Dann benimm dich gefälligst. Im übrigen meinte ich es ernst, als ich vorhin sagte, dass Andrea die Sache schnell vergessen haben wird. Außerdem ist sie nicht nachtragend, aber das weißt du ja.“
   Corvin nickte schnell und warf einen kurzen Blick auf die beeindruckende Landschaft hinaus, bevor er wieder seinen Freund ansah. Er schien etwas sagen zu wollen, ließ es dann aber. Es blieb einen langen Moment still zwischen ihnen, bevor der Kanadier schuldbewusst fragte: „Es ist Andrea sehr wichtig zur Sektion-Terra zu kommen, oder?“
   Korkonnen nickte lächelnd. „Das kannst du dir doch denken. Ihre Familie stellt mittlerweile in siebter Generation einen Offizier der Terranischen Raumflotte. Außerdem war ihr Urgroßvater Konteradmiral der Flotte. Da ist der Druck, an der Akademie überdurchschnittlich gut abzuschneiden, dem entsprechend hoch. Sie lebt für dieses Ziel.“
   „Außerdem hat sie mir in Mathematik und Navigation sehr auf die Sprünge geholfen, darum tut es mir leid, dass ich nun eine ihrer Bewertungen versaut habe“, murmelte Dean Corvin schuldbewusst und warf einen etwas hilflosen Blick zu seinem Freund.
   Kimi Korkonnen grinste offen. „Sag das ihr und nicht mir.“
   Corvins Blick sprach Bände. „Werde ich, aber nicht mehr heute.“ Er blickte auf das Chrono-Feld seines, zur Standardausrüstung gehörenden, Vielzweckarmbandes und meinte ablenkend: „Komm, wir legen uns hin, denn morgen werden wir alle Kraft für die Übung brauchen, fürchte ich.“

* * *

   Am nächsten Morgen – natürlich nur nach Erdzeitrechnung, denn auf der Venus war gerade erst die Sonne untergegangen - hatte Dean Corvin die Ereignisse des vergangenen Tages gedanklich weitgehend abgehakt und er konzentrierte sich bereits ganz auf die vor ihm, und seinen Kameraden, liegende Nachtübung.
   Nach dem Frühstück war er, voll ausgerüstet und mit einer Übungswaffe über der Schulter die jedes bekannte Lebewesen bis zu drei Minuten betäuben konnte, ausgerüstet, zusammen mit den übrigen Kameraden seines Jahrgangs, rund zweihundert Kadetten, auf dem Exerzierplatz der Akademie angetreten. Der Platz lag im Zwielicht der bereits einsetzenden, langen Venus-Dämmerung. Zwischen Kimi Korkonnen und Jayden Kerr stehend hörte er gut den Worten des Leiters dieser Übung zu.
   „Kadetten, Sie werden im Anschluss an dieses Briefing von Luftgleitern im Dschungel abgesetzt werden. Sie alle haben eine umfassende Ausbildung darin bekommen, welche Tiere und Pflanzen Ihnen dort draußen eventuell gefährlich werden können, bleiben Sie also hoch konzentriert, damit es nicht zu tragischen Vorfällen kommt. Jedem von Ihnen ist ein Medi-Kit ausgehändigt worden, um kleine bis mittlere Verletzungen schnell behandeln zu können. Kommen wir nun zu den Aufgaben der einzelnen Gruppen: Ausbildungsgruppe Gold wird am weitesten von der Akademie entfernt abgesetzt werden. Die Aufgabe von Gruppe Gold wird es sein, den Bereich der Akademie zu infiltrieren, ohne dabei von den anderen Gruppen bemerkt zu werden. Sie alle werden bei dieser Übung keine Nachtsichtgeräte erhalten. Wer entdeckt und betäubt wird der gilt als getötet. Für den Betreffenden oder die Betreffende ist die Übung dann automatisch beendet und der entsprechende Kadett aktiviert seinen Notsender. Er oder sie wird dann von einem Rettungsgleiter umgehend zu einem Sammelpunkt gebracht werden. Die Gruppe Rot bildet das Jagd-Team, zwischen Gruppe Gold und Gruppe Blau, die am nächsten zur Akademie abgesetzt werden wird, und quasi die letzte Verteidigungslinie vor dem Ziel darstellt. Gruppe Blau hat dabei die Aufgabe sich einzugraben, während Gruppe Rot den Gegner in der Bewegung stellen soll.“
   Während der Übungsleiter im Weiteren darauf einging, dass die Leistungen der Kadetten über, in den Uniformen befindlichen Mikrosensoren später ausgewertet werden würde, blickte Dean Corvin seine beiden Freunde bezeichnend an. Sie gehörten, so wie auch Andrea von Garding, zur Ausbildungsgruppe Gold. „Warum bekommen eigentlich immer wir die ganz leichten Aufträge?“, zischte er spöttisch.
   Der Ausbildungsleiter, der seine Einweisung eben beendet hatte, bekam die Worte mit und erkundigte sich, mit tragender Stimme: „Wollten Sie noch etwas Wichtiges zum Ablauf der Übung anmerken, Kadett Corvin?“
   Ertappt blickte Corvin zu dem Oberstleutnant und antwortete geistesgegenwärtig: „Ich meinte nur, dass ich hoch erfreut bin zu Gruppe Gold zu gehören, Sir.“
   Der Stabsoffizier nickte grimmig. „Dann hoffe ich mal, dass sich das auch in ihren Leistungen bei dieser Übung niederschlagen wird, Kadett!“ Dann räusperte sich der Oberstleutnant und erklärte mit lauter Stimme: „Gruppe Gold verteilt sich auf die Gleiter Eins bis Vier, Gruppe Rot auf die Gleiter Fünf bis Acht und Gruppe Blau auf die Gleiter Neun bis Zwölf – Ausführung!“
   Uniformstiefel erzeugten ein hämmerndes Stakkato auf dem harten Boden und ein Gewirr verschiedenster Stimmen lag in der Luft, als sich die Kadetten in Bewegung setzten.
   Während sich Andrea von Garding, die wie aus dem Nichts auftauchte, sich automatisch zu den drei Kameraden gesellte, spöttelte Jayden Kerr: „Dean, du musst mir das Geheimnis verraten, wie du es schaffst immer wieder unangenehm aufzufallen.“
   „Dazu braucht es ein ganz besonderes Talent das dir fehlt, mein Freund“, konterte Corvin trocken, die Waffe von der Schulter in Vorhalte nehmend und auf einen der besagten vier Gleiter zu haltend. Als Erster die Ladeluke erreichend wandte er sich zu seinen Kameraden um und winkte sie heran. „Nun mal nicht so lahm, Ladies and Gentlemen.“
   „Au Mann, der Spruch ist ja so was von retro“, spottete Rodrigo Esteban, der auf eine geschliffene Ausdrucksweise achtete, grinsend während er hinter Korkonnen, Jayden Kerr und Andrea von Garding ins Innere des Luftgleiters stieg. Er hing öfter mal nach Dienstschluss mit den vier Freunden ab, wenn er nicht gerade mit seiner eigenen Clique unterwegs war. Der etwas beleibte Junge, aus Madrid stammend, zwinkerte Corvin dabei zu und nahm seinen Worten damit die Spitze.
   „Retro kommt wieder groß in Mode“, gab Dean Corvin mit überzeugendem Tonfall zurück und nahm auf einem der, in Flugrichtung, vorderen Plätze im Gleiter Platz.
   Korkonnen warf sich auf den Sitz neben ihn, gefolgt von Kerr, Andrea von Garding und Esteban. Auch die übrigen Plätze füllten sich schnell, und die breite Einstiegsluke fuhr nach oben und bildete damit die gepanzerte Rückseite des Luftgleiters, während ein halbes Dutzend Karabinerkolben gleichzeitig klackend den Stahlboden der Kabine berührten.
   Den Lauf seiner Waffe fest umklammernd beugte sich Rodrigo Esteban leicht vor, was ihm wegen der zuschnappenden Sicherheitsgurte nicht leicht fiel, und er meinte grinsend: „Das glaubst aber auch nur du.“
   „Schluss mit der Schwatzerei, legt lieber schon mal euren Kommunikator an“, mahnte Andrea von Garding und schob sich ihr Kom-Set über das rotblonde Haar, das sie heute in Form eines Bauernzopfes gebändigt hatte.
   „Die Stimme der Vernunft hat gesprochen“, grinste Rodrigo Esteban und wandte sich der jungen Frau zu. „Immer auf Zack, wie? Findest du nicht, dass du diese Übung zu ernst nimmst? Sieh mich an. Ich habe Spaß an dieser Sache.“
   „Deswegen wirst du es auch zu Nichts bringen, in der Flotte“, scherzte die Rotblonde grob. „Du besitzt einfach keinerlei Ehrgeiz.“
   Rodrigo Esteban verzog schmunzelnd das Gesicht. „Na und? Ich will auch kein Bordkommando, sondern nur einen gemütlichen Posten auf dem Mond oder auf dem Mars. Warum ich zur Sektion-Venus gekommen bin ist mir echt ein Rätsel.“
   „Uns auch“, kommentierte die dunkelhaarige, gertenschlanke Miriam Rosenbaum von der gegenüber liegenden Seite und erntete damit unterdrücktes Gelächter. Sie zwinkerte dem Madrilenen verschmitzt zu und tat es dann Andrea von Garding nach, den Kommunikator überzustreifen, wobei sie geflissentlich übersah, dass Esteban ihr eine Grimasse schnitt.
   „Frauen“, knurrte der etwas Beleibte gespielt verdrießlich. Dann folgte auch er dem Beispiel der beiden Kommilitoninnen und begann damit, umständlich seinen Kommunikator, nebst zugehörigem Kehlkopfmikrophon, anzulegen.
   Unter diesen Umständen hob der Gleiter vom Akademiegelände ab und steuerte, an der Spitze dreier weiterer Flugmaschinen, seinem Ziel entgegen.

* * *

   Durch beinahe völlige Finsternis liefen Andrea von Garding und Dean Corvin, dicht nebeneinander, durch den dichten Venus-Dschungel. Vor etwa vier Stunden waren sie von ihren Kameraden getrennt worden, als sie einer Jagd-Gruppe ausweichen mussten um nicht entdeckt zu werden. Der Nachtregen, der vor etwa zwei Stunden eingesetzt hatte prasselte unvermindert auf das Blätterdach der Bäume nieder – lediglich der stürmische Wind schien etwas nachgelassen zu haben, in der letzten Viertelstunde. So vermischten sich Schweiß und Regen im Gesicht der beiden Kadetten, denn die Luftfeuchtigkeit lag in diesen Niederungen, auch ohne Regen, bei zumeist mehr als neunzig Prozent.
   „Wird Zeit wieder eine Positionsbestimmung vornehmen“, hörte Corvin die flüsternde Stimme seiner Begleiterin in seinen Empfängern. Die junge Frau hatte die Worte nur gebildet, ohne sie auszusprechen. Dass Dean Corvin sie dennoch verstehen konnte, als habe die Kadettin sie ihm leise ins Ohr gesagt, lag am hochwertigen Kom-Mikro-System.
   Der Kanadier wischte sich über das triefend nasse Gesicht und machte Andrea von Garding auf eine kleine Buschgruppe aufmerksam, die etwas Sichtschutz bieten würde, wenn er das Holo-PADD aktivierte um ihre Position zu ermitteln. Dort angekommen bückten sie sich im Schutz der Büsche ab, wobei die Beiden ihrerseits mit ihren Körpern den schwach leuchtenden Emitter des PADD´s abschirmten, damit es den Jägern nicht ihre Position verraten konnte. Hastig studierten die beiden Kadetten die Holokarte und Andrea von Garding legte ihren Zeigefinger auf einen bestimmten Punkt, wobei sie flüsterte: „Wir müssen uns mehr nach Links halten. Der Lauf dieses Nebenflusses wird uns Schutz geben.“
   „Toll, noch mehr Wasser“, gab Corvin beinahe lautlos zurück, deaktivierte dabei das PADD und verstaute es wieder wasserdicht in seinem Gepäck. „Als wären wir nicht schon genug innerlich und äußerlich durchnässt.“
   Sie erreichten den Flusslauf eine halbe Stunde später und vertrauten sich ihm ohne zu zögern an. Die Strömung war mäßig und unterstützte sie, da der Fluss in die Richtung floss, in der ihr fernes Ziel lag. Dennoch blieb es anstrengend genug. Wenigstens waren die Uniformen wasserdicht, solange man nicht komplett untertauchte.
   Über zwei Stunden lang wateten sie durch die hüfthohen Fluten und schließlich fragte Dean Corvin keuchend: „Kannst du noch.“
   Fast im gleichen Moment gab er ihr einen Stoß und verschwand mit der jungen Frau unter Wasser. Dicht neben ihm war ein Betäubungsstrahl vorbei gezischt.
   Das kalte Wasser schlug über ihm zusammen. Die Strömung versuchte Corvin und seine Begleiterin davon zu treiben. Ein großer Stein, an den sich beide Kadetten klammerten bewahrte sie davor.
   Dean Corvin zählte die Sekunden. Bei vierzig schrien seine Lungen nach Luft. Seit Stunden waren sie auf der Flucht; seit Stunden umgingen sie ihre Gegenspieler. Überall konnte der simulierte Feind lauern.
   Nach weiteren zehn Sekunden richtete Corvin sich auf. Er schnappte nach Luft. Wo steckten ihre Verfolger?
   Der Kadett erhöhte die Leistung der Außenmikrophone seines Kom-Sets. Nur der Fluss rauschte, sonst war es überall still. Andrea von Garding tauchte neben ihm auf.
   „Weiter!“, flüsterte der Kanadier.
   Sie wateten weiter durch den Nebenfluss, jetzt tropfnass am gesamten Leib und vor Kälte bibbernd. Der Flussboden wurde zudem immer schlammiger und das Waten dadurch schwerer und schwerer. Nach einer gefühlten halben Stunde erkannte Dean Corvin auf der anderen Seite in der finsteren Mauer aus Schlinggewächsen eine Lücke. Er gab Andrea von Garding ein Zeichen mit der Hand und  kletterte das steile Ufer hoch. Danach reichte er seiner Begleiterin die Hand, um sie hinaufzuziehen. Noch während er sie nach oben zog blitzte plötzlich ihre Betäubungswaffe auf.
   Ein halbes Dutzend schenkeldicker Tentakel, die nach Corvin griffen, erschlafften und sanken zu Boden.
   „Danke“, ächzte der Kadett. „Was für ein Vieh war das denn?“
   „Keine Ahnung“, erwiderte Andrea von Garding, griff nach seiner Hand und zog sich aufs Ufer hinauf. Hinter ihnen erklangen leise Stimmen. Ein sonorer Tonfall, der ihnen beiden bereits früher aufgefallen war, erklang. Das trieb die beiden Kadetten vorwärts.
   Von dieser Gruppe Kadetten wurden sie seit Stunden unerbittlich verfolgt, und der Schuss aus Andreas Waffe schien sie wieder auf ihre Spur gebracht zu haben.
   Ohne es bewusst zu bemerken griff Corvin nach der Hand seiner Begleiterin und zog sich durch das Dickicht des Dschungels mit sich, damit sie einander in der Finsternis nicht verloren. Die Leistungen, die ihnen beiden bei dieser Übung abverlangt wurden, schafften sie nur dank ihrer hervorragenden Kondition, wobei die junge Frau Corvin in Nichts nachstand.
   Nachdem sie zwei weitere Stunden lang, beinahe lautlos, durch den dichten Dschungel geschlichen waren, lag mit einem Mal ein freier Streifen vor ihnen, der weit und breit nicht die geringste Deckung bot.
   „Laufen“, flüsterte Corvin seiner Begleiterin, die er noch immer an der Hand hielt, zu.
   Sie nickte. Nur undeutlich war der ferne Waldrand sichtbar.
   Sie passten ihr Tempo einander an. Dabei huschten ihre Blicke immer wieder nach allen Seiten. Einer steinigen Fläche mit Geröll, die sie erst im letzten Moment erkannten wichen sie in weitem Bogen aus. Der noch immer starke Regen peitschte ihnen dabei so heftig ins Gesicht, dass es beinahe schmerzte.
   Endlich hatten sie das jenseitige Ende der freien Fläche erreicht und tauchten wieder im Dickicht des Venus-Dschungels unter. Erst hier ließ Andrea von Garding die Hand des Begleiters wieder los.
   Hatten sie bisher gefroren, so schwitzten sie nun wieder. Sie machten im Schutz einiges gewaltigen, hohlen Baumes eine Pause und aßen einen Bissen von ihren Notrationen, den sie mit einem Schluck Wasser hinunterspülten.
   Dean Corvin horchte in die Nacht hinaus. Langsam aber sicher begann er erneut zu frieren. Sicher, außer den Geräuschen des Dschungels und der in ihm ansässigen Tiere nichts zu hören, raunte er leise: „Andrea, mir tut leid, was ich gestern bei der Simulation verbockt habe. Ich möchte mich dafür bei dir entschuldigen, okay?“
   „Und dazu findest du keinen günstigeren Moment, als ausgerechnet jetzt?“, zischte die junge Frau fassungslos zurück, die Arme um den Körper geschlagen. „Hast du gerade jetzt keine anderen Sorgen.“
   „Nur die eine, dass du vielleicht noch immer sauer auf mich bist.“
   Andrea von Garding versetzte Corvin einen festen Boxhieb gegen die Brust. „Ich bin nicht nachtragend, aber solltest du dir so etwas jemals wieder leisten, mein Freund, dann trete ich dir so in den Hintern, dass du auf einen anderen Planeten fliegst, ist das klar?“
   „Ist klar.“
   „Prima, und ab jetzt will ich nie wieder darüber reden“, gab die junge Frau zurück und erhob sich gleichzeitig aus dem Überhang der Baumhöhle. „Gehen wir weiter, sonst erfriere ich am Ende noch.“
   Corvin lächelte im Dunkeln erleichtert. Willig folgte er Andrea von Garding ins Freie und machte sich wieder mit ihr auf den Weg.
   Langsam ließ der Regen nach und auch der bislang stürmische Wind flaute, bis auf unregelmäßige Böen, merklich ab, was zur Folge hatte, dass sie sich nun noch vorsichtiger bewegen mussten, da verräterische Laute nicht mehr so stark vom Wetter übertönt wurden. Dean Corvin schätzte, dass sie bereits tief in den Ring eingedrungen waren, der von Gruppe Blau um das Ziel gelegt worden war. Spätestens jetzt war doppelte Vorsicht geboten.
   Bedächtig näherten sie sich ein paar Stunden später einem weniger bewachsenen Taleinschnitt. Dunkel malten sich die beiden sanften Hügelketten zu dessen rechter und linker Flanke gegen den nur geringfügig helleren Himmel ab. Der Weg hierher war geradezu verdächtig unbelebt gewesen, und die Senke, die ein leichteres Vorankommen versprach, wirkte sehr verlockend. Besonders nach dem Marsch, den sie bereits hinter sich hatten. Wenigstens war ihnen beiden dabei wieder wärmer geworden.
   Die Deutsche wollte bereits forsch voran gehen, doch Dean Corvins fester Griff an ihrer Schulter hielt sie zurück.
   „Das ist die perfekte Stelle für einen Hinterhalt“, raunte der Kadett, nur durch das Kom-Set für seine Begleiterin hörbar. „Da werden wir ganz bestimmt nicht rein tappen.“
   „Bist du sicher?“, stöhnte Andrea von Garding. „Vom Ende dieser Senke aus ist es nicht mehr weit, bis zum Zielpunkt, und ich bin ziemlich erledigt.“
   „Genau damit würde ich rechnen und mich genau hier auf die Lauer legen, wenn ich zur blauen Gruppe gehören würde“, versicherte Corvin ihr.
   Wie zur Bestätigung seiner Worte trug der immer noch sporadisch auffrischende Wind ihnen einige leise Wortfetzen zu, deren Zusammenhang aber unklar blieb. Dean Corvin, dessen Gesicht dem der jungen Frau ganz nah war, blickte bezeichnend und wies nach rechts hinüber, wo es einen steilen, aber gangbaren, Aufstieg zu geben schien.
   Innerlich über die erneute Schinderei fluchend kletterte Andrea von Garding behände hinter Dean Corvin den steilen Hang hinauf, wobei sie sich dicht gegen den Felsen drängte um einer Entdeckung zu entgehen. Oben angekommen gab es keinen Grund zur Freude, denn nach einem kurzen Stück ebenem Boden fiel das Gelände beinahe genauso steil wieder ab, allerdings, zur Erleichterung der beiden Kadetten nur etwa zwanzig Meter. Danach wurde es erträglich, auch wenn der dichte Bewuchs sie hier immer wieder zu Umwegen zwang - wollten sie sich nicht durch übermäßigen Lärm verraten.
   Schwitzend zogen sie nach einer Weile erneut unter um eine kurze Rast einzulegen, diesmal in einer ausgewaschenen Felsmulde. Auch bei dieser Pause aßen und tranken sie etwas, und im Anschluss zog Corvin erneut das Holo-PADD aus dem Gepäck. Nachdem er es wieder verpackt hatte, erklärte er: „Wir können uns an diesem Felsrücken entlangarbeiten, bis etwa einen Kilometer vor dem Zielpunkt. Ich rechne ab hier zwar kaum noch damit, dass wir auf Kadetten der Gruppe Blau stoßen, aber wer weiß.“
   Andrea von Garding lachte lautlos und meinte: „Wird auch Zeit anzukommen, denn du brauchst ganz dringend eine Dusche, mein Freund.“
   „Du hast auch schon mal besser gerochen“, giftete der Kanadier zurück und fing sich dafür von der Rotblonden einen Stoß in die Rippen ein.
   „Werd´ bloß nicht frech.“
   Das Knacksen eines Astes ließ beide herumfahren, und Andrea von Garding brachte ihre Waffe auf die dunkle Gestalt, die vor ihnen aufwuchs, in Anschlag. Bevor sie abdrücken konnte presste Dean Corvin ihr rechtes Handgelenk gegen den Felsboden und zischte: „Es ist Kimi.“
   „Dean, bist du das? Ist Andrea bei dir?“
   Auch das Mädchen erkannte jetzt, obwohl die Stimme des Blonden nicht mehr als ein Flüstern gewesen war, dass Dean Corvin Recht gehabt hatte. „Mein Gott, ich hätte den Lulatsch aus Helsinki fast ins Reich der Träume geschickt.“
   Gleich darauf wurden drei weitere Gestalten erkennbar und Korkonnen erklärte erheitert: „Bei mir sind Jayden – oder auch der Lulatsch aus Jamaika - Miriam und Rodrigo. Was aus dem Rest wurde wissen wir nicht.“
   „Wie passend“, spöttelte die Deutsche. „Wir nämlich auch nicht.“
   „Wollt ihr hier weiter herumalbern, oder geht es bald vorwärts“, schimpfte Esteban leise. „Wenn die uns jetzt noch schnappen würden wäre das nämlich mehr als lächerlich.“
   Unter allgemeiner Heiterkeit gab Dean Corvin das Zeichen zum Aufbruch. Dass er wieder mit seinen Freunden zusammen war beflügelte ihn ungemein.
   Kimi Korkonnen hielt sich ab jetzt an seiner Seite, während sich Andrea von Garding an das Ende der Gruppe, zu Jayden Kerr gesellte, was Corvin ein wenig gegen den Strich ging. Er sagte jedoch nichts sondern schritt, immer wieder zu allen Seiten sichernd, voran.
   Weniger als zwei Stunden später erreichte die Sechsergruppe die erhöhte Waldlichtung, die ihre Ausbilder als Ziel festgelegt hatten. Rechtzeitig mit dem Ende des Regens wie es schien.
   „Das funktioniert immer“, beschwerte sich Miriam Rosenbaum. „Wie üblich, wenn eine Geländeübung vorbei ist, wird das Wetter gut.“
   Lachend trotteten die sechs Kadetten zu einem beleuchteten Platz, an dem zwei Luftgleiter geparkt waren. Erst jetzt erkannte Dean Corvin die Spuren der Anstrengung in den Gesichtern seiner Begleiter, und er selbst würde kaum besser aussehen. Er erreichte die Gruppe von vier Offizieren die bei den Gleitern stand als Erster, weshalb er es auch übernahm ihre erfolgreiche Rückkehr zu melden.
   Einer der Offiziere trat nun etwas mehr ins Licht und erst jetzt erkannte Corvin, dass es sich um Major Omar de la Hoz handelte. Der Offizier nickte anerkennend und meinte zur gesamten Gruppe: „Gut gemacht, Kadetten. Dann können wir diese Übung nun beenden.“
   Rodrigo Esteban kratzte sich zwanglos am Kopf und fragte dann etwas verdattert: „Wie meinen Sie das Sir?“
   Das feine Lächeln auf dem Gesicht des Ausbilders vertiefte sich und erklärend sagte er mit dunkler Stimme: „Alle anderen Kadetten der Gruppe Gold sind von den anderen beiden Gruppen aufgespürt worden. Sie sind die Einzigen, die es hierher geschafft haben.“
   Rodrigo Estebans dunkle Augen wurden kreisrund und ungläubig blickte er in die Gesichter seiner fünf Kameraden.
   „Tja, das war es dann wohl mit dem gemütlichen Job für dich“, feixte Miriam Rosenbaum und grinste dabei von einem Ohr zum anderen. „Elitekadetten, wie du, werden als leuchtendes Vorbild an vorderster Front gebraucht, mein Lieber.“
   Während Esteban noch immer sprachlos in die Runde sah, schlug ihm Kimi Korkonnen herzhaft auf die Schulter und meinte bedauernd: „Tut mir leid, wenn wir dir einen Strich durch die Rechnung gemacht haben, in Bezug auf den Büro-Posten.“
   „Ich habe ja schöne Kameraden“, murmelte Esteban, während sie zu einem der beiden Gleiter schritten. Doch schon einige Augenblicke später grinste er, hoch zufrieden mit sich.

* * *

   Am Nachmittag des letzten Tages vor ihrer Versetzung, beziehungsweise ihres Abschlusses, waren sämtliche Kadetten der Sektion-Venus, in Paradeuniform, auf dem Exerzierplatz des Akademie-Komplexes angetreten.
   Die Leiterin der Sektion, Brigadegeneral Marija Grlzik, hielt die obligatorische Abschlussrede. Zunächst verabschiedete sie feierlich den Abschlussjahrgang und gratulierte den angehenden Offizieren. Danach beglückwünschte sie die übrigen Kadetten zur Versetzung in den nächsten Jahrgang und sie verlas die Abgänge, die es in jedem Jahr zu beklagen gab, weil deren Leistungen nicht genügend waren.
   Besondere Unruhe war bei den Kadetten des abgeschlossenen zweiten Jahrgangs zu beobachten, denn natürlich wollten die Kadetten dieses Jahrgangs wissen, wer es zur Sektion-Terra geschafft hatte. Einer, der besonders nervös war, war Dean Corvin, denn er wusste, dass es einige Kadetten gab, deren Leistungen besser waren als seine eigenen. Zwischen Kimi und Andrea stehend versuchte er nicht nervös auf den Füßen zu wippen. Beim General wäre das sicher nicht gut angekommen.
   Es dauerte Corvin viel zu lange, und die Zeit schien rückwärts zu laufen, bis Brigadier Grlzik endlich damit begann, die Namen jener Kadetten zu verlesen, die dazu ausersehen waren, den Rest ihrer Akademiezeit auf Terra zu verbringen. Seine Nervenkraft wurde dabei auf eine harte Probe gestellt, denn die Akademieleiterin verlas langsam, geradezu andächtig, einen Namen nach dem anderen, ohne dass sein eigener mit dabei war.
   Als Miriam Rosenbaum, nach einer gefühlten Ewigkeit, als Neunte genannt wurde sank Dean Corvins bisherige Zuversicht ins Bodenlose. Er ließ traurig den Kopf hängen, sicher, dass er es, anders als Andrea, Kimi und Jayden, nicht geschafft hatte. In seinem Magen begann es zu rumoren und er spürte eine bittere Übelkeit in sich aufsteigen. Für lange Zeit würde er seine Freunde nun nicht mehr sehen. Er hatte versagt.
   Etwas verwundert blickte er auf, als er eine Berührung an seiner rechten Hand spürte, und er bemerkte, dass Andrea von Garding, deren Name als erster gefallen war, seine Hand in ihre genommen hatte, sie sachte drückte, und ihm dabei zuversichtlich zu lächelte.
   Beinahe im selben Moment hörte er, beinahe wie durch Watte, dass Marija Grlzik seinen Namen, als letzten von zehn, verlas.
   Zunächst ungläubig, dann unendlich befreit lächelnd, drückte Corvin freudig die Hand der jungen Frau. Am liebsten hätte er sie in seine Arme gerissen und herumgewirbelt, doch auch das wäre ein nicht wiedergutzumachender Affront gegen Brigadier Grlzik gewesen.
   Bereits im nächsten Moment zog Andrea von Garding ihre Hand zurück, doch Dean Corvin gewann den Eindruck, sie noch eine geraume Weile in seiner zu spüren. Endlich den Blick abwendend, bevor es peinlich wurde, stellte der junge Mann in diesem Augenblick fest, dass dies einer der glücklichsten Momente seines bisherigen Lebens war. Er durfte zur Sektion-Terra, zusammen mit seinen besten Freunden. Und auch Rodrigo Esteban war mit von der Partie.
   Vom Rest der Zeremonie und von den anschließenden Glückwünschen seiner Kameraden bekam Dean Corvin kaum etwas mit. Immer wieder schweifte sein Blick ab zu Andrea, die er auch in den nächsten zwei Jahren regelmäßig sehen würde. Vielleicht fand er ja auf Terra einen Weg, sie wissen zu lassen, was er für sie empfand.
   Der Kadett ballte seine Hände zu Fäusten, zuversichtlicher denn je, dass sich sein Leben genau so entwickeln würde, wie er es sich momentan vorstellte.
   Woher hätte Dean Everett Corvin auch ahnen können, wie sehr er sich in dieser Hinsicht irren sollte…

ulimann644

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Antw:DEAN CORVIN
« Antwort #1 am: Oktober 12, 2016, 04:26:41 Nachmittag »
Hossa - das Rohskript ist fertig. :drool: :geil: :voila: :boogie: :boogie: :boogie: :yay:

Mit aktuell knapp 115.000 Wörtern (bei zuvor geschätzten 120.000 bis 125.000 Wörtern) schon jetzt fast eine Punktlandung, was den anfangs geschätzten Umfang angeht. Was mich doch verblüfft, bei dem Umfang des Skripts. Bei deutlich weniger Text habe ich schon deutlich weiter daneben gelegen.

Da einige der Szenen noch nicht alles das enthalten, was ich haben will könnte das Endergebnis sogar exakt im geschätzten Bereich liegen.
In den nächsten Tagen werde ich diese letzten Punkte noch mit aufnehmen - danach steht die obligatorische Überarbeitung an, Fehlerbeseitigung, Stilistische Mängel und Widersprüche ausmerzen etc pp.

Ich bin guten Mutes das Ding vielleicht noch dieses WE veröffentlichen zu können - das wäre schon was. Da ich momentan Urlaub habe könnte das klappen. 8) (Wird auch Zeit - immerhin habe ich nun seit Februar 2015 kein Wort mehr veröffentlicht. ;) ;) ;))

Gabi

Antw:DEAN CORVIN
« Antwort #2 am: Oktober 12, 2016, 04:30:23 Nachmittag »
Herzlichen Glückwunsch!

ulimann644

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Antw:DEAN CORVIN
« Antwort #3 am: Oktober 12, 2016, 04:31:49 Nachmittag »
Danke sehr - ich werde wohl jetzt erst einmal Bombast-Musik auflegen und die Anlage aufdrehen (sorry, Nachbarn).

Amber

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Antw:DEAN CORVIN
« Antwort #4 am: Oktober 12, 2016, 05:16:48 Nachmittag »
Yay, cool, Ulli! Glückwünsche!

Gabi

Antw:DEAN CORVIN
« Antwort #5 am: Oktober 12, 2016, 05:19:05 Nachmittag »
Danke sehr - ich werde wohl jetzt erst einmal Bombast-Musik auflegen und die Anlage aufdrehen (sorry, Nachbarn).

 8) Das kann ich mir gut vorstellen!  8)

ulimann644

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Antw:DEAN CORVIN
« Antwort #6 am: Oktober 13, 2016, 12:44:16 Vormittag »
Yay, cool, Uli! Glückwünsche!

Danke sehr. :keks:

8) Das kann ich mir gut vorstellen!  8)

Sie haben es überlebt (das nächste Haus steht aber auch einige Meter weit weg...) ;) :D

ulimann644

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Antw:DEAN CORVIN
« Antwort #7 am: Oktober 15, 2016, 12:29:21 Nachmittag »
So-ho-hoooo... 8)

Die Geschichte ist fertig (Boaah... endlich.)


COVER-CREDITS:
Darsteller: Colton Haynes als Dean Everett Corvin; Taeyeon Kim als Kim Tae Yeon
Hintergrund und Raumschiffsmodell: Von mir


Hier erst einmal der Klappentext:
Im Jahr 3216 ist die Menschheit in fünf autarke Sternenreiche zersplittert. In diesem Jahr absolviert ein junger Kadett namens Dean Everett Corvin, zusammen mit seinem besten Freund, Kimi Korkonnen, das zweite Jahr an der Akademie der Terranischen Raumflotte - Sektion-Venus.
Beide schaffen, nach den ersten zwei Jahren Ausbildung, den Sprung unter die besten Kadetten des Jahrgangs, wenn im Fall von Dean Corvin auch nur denkbar knapp. Dies berechtigt sie dazu, wie die besten Kadetten aller anderen Akademie-Sektionen, die beiden letzten Ausbildungsjahre an der Akademie-Terra zu absolvieren und dort ihren Abschluss zu machen, was sich vorteilhaft auf ihre Karriere auswirken soll.
Zusammen mit ihnen schaffen es auch ihre Kommilitonen, Andrea von Garding und Jayden Kerr, dorthin versetzt zu werden. Dort vertieft sich die bisher schon besondere Kameradschaft zwischen ihnen Vieren, und auch ihre Kameraden Miriam Rosenbaum und Rodrigo Esteban schließen sich ihnen dort immer öfter an.
Etwas später merkt Dean Corvin, dass seine Kommilitonin Kim Tae Yeon seine Nähe sucht. Während einer Silvester-Party zum Jahreswechsel 3216/3217 versucht sie ihm näher zu kommen, doch Corvin, der insgeheim in Andrea von Garding verliebt ist, weist die Avancen der hübschen, in Seoul geborenen, jungen Frau zurück.
Die sehr leidenschaftlichen Gefühle von Kim Tae Yeon schlagen nach dieser Zurückweisung, mit der sie weder gerechnet hat, noch emotional zurecht kommt, in blanken Hass um. Im Zuge dieser Entwicklung ersinnt sie einen Plan um Dean Corvins Karriere an der Akademie empfindlich zu torpedieren. Auch Kimi Korkonnen wird, selbst völlig unbeteiligt, in dieses Ränkespiel verwickelt.
Obwohl beide aus Mangel an Beweisen freigesprochen werden, bleibt der Makel der Anklage an Dean Corvin und Kimi Korkonnen haften, was dazu führt dass sie nach ihrem Abschluss an der Akademie auf einen der langweiligsten Posten der Raumflotte, auf den Saturnmond Titan, versetzt werden, von wo aus sie nur gelegentlich nach Luna, der Waffenschmiede des Terranischen Imperiums, pendeln.
Dort kommen sie zufällig einem Komplott gegen das Imperium auf die Spur. Bevor Corvin und Korkonnen die Zusammenhänge vollkommen enträtseln können, ist es bereits zu spät. Die Feinde des Imperiums schlagen los und die beiden Freunde sind nun gezwungen, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen...


Download-Links:

--> DEAN CORVIN: Das Ende des Imperiums
-->DEAN CORVIN: Das Ende des Imperiums (Reader optimiert)
« Letzte Änderung: März 08, 2018, 09:04:17 Vormittag von ulimann644 »

Kontikinx1404

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Antw:DEAN CORVIN
« Antwort #8 am: Oktober 15, 2016, 03:17:50 Nachmittag »
Auch von mir Herzlichen Glückunsch zur Fertigstellung. Die obige Leseprobe war ja schon sehr interessant.

ulimann644

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Antw:DEAN CORVIN
« Antwort #9 am: Oktober 15, 2016, 07:19:13 Nachmittag »
Auch von mir Herzlichen Glückunsch zur Fertigstellung. Die obige Leseprobe war ja schon sehr interessant.

Vielen Dank.

Der Text der Leseprobe ist final etwas abgewandelt - so habe ich mich dazu entschlossen, den Zeit/Ort-Block für die Kapitel, in der finalen Version, wegzulassen. Außerdem habe ich den historischen Ablauf etwas begradigt, wo mir kleine Logiklücken zu sein schienen. Zu 99,8% ist aber der Text der Leseprobe mit der finalen Version identisch.

ulimann644

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Antw:DEAN CORVIN
« Antwort #10 am: März 08, 2018, 09:40:50 Vormittag »
Nachdem gut ein Drittel der zweiten DEAN CORVIN-Episode fertig ist, gibt es eine kleine Leseprobe, zum Anfixen.
Hinweis: Die Geschichte ist weder Probe gelesen, noch in irgendeiner Form auf mögliche Fehler oder Widersprüche abgeklopft...!!

1.

Emotio versus Ratio

   Dean Everett Corvin beugte sich vorne über, legte seine Hände auf die Knie, und stemmte sich mit gestreckten Armen ab. Dabei versuchte er keuchend wieder zu Atem zu kommen. Nach einem Moment sah er zur Seite und blickte in das feixende Gesicht von Oberstleutnant Vara Kiryn, die aufrecht neben Ihm stand und abwechselnd, mal den rechten mal den linken Fuß in die Hand nahm, und nach hinten, bis zu ihrem Po, anzog. Sie erweckte nicht den Anschein, gerade zehn Kilometer, gemeinsam mit dem Kanadier, gelaufen zu sein.
   Als der dunkelblonde Kanadier wieder einigermaßen Luft bekam, fragte er mürrisch: „Was ist mit Ihnen los, Oberstleutnant? Sind Sie ein verdammter Roboter, oder warum sind Sie kaum aus der Puste, während ich kaum noch lebe?“
   Die Mittdreißigerin lachte vergnügt und fuhr sich mit der Linken durch das kurze, schwarze Haar. Ihre intelligenten, grau-grünen Augen funkelten belustigt, als sie entgegnete: „Hören Sie auf zu Jammern, Major. Sie haben sich an die höhere Schwerkraft und den etwas geringeren Sauerstoffanteil, auf Farradeen, noch nicht gewöhnt. Das wäre auch ein Wunder, in nur drei Monaten. Falls es Ihnen entgangen sein sollte: Mittlerweile laufen Sie die Strecke immerhin in einer sehr guten Zeit. Das, was Sie in den ersten zwei Wochen angeboten habe, war gelinde gesagt, sehr bescheiden. Das bedeutet, Sie machen gute Fortschritte.“
   Corvin massierte seine Wadenmuskeln und sah die hochgewachsene Frau von unten herauf an. Grinsend erklärte er: „Vielen Dank für die Blumen. Dabei sollte ich viel eher Ihnen welche mitbringen. Ihre Leute haben die NOVA SOLARIS wirklich hervorragend in Schuss gebracht, in den letzten drei Monaten.“
   Die Augenbrauen der Frau zuckten nach oben, während sie mit dem rechten Zeigefinger den Rücken ihrer etwas zu großen, leicht gebogenen, Nase rieb. „In Was haben meine Leute Ihren Leichten Kreuzer gebracht?“
   Corvin grinste schief. „Entschuldigen Sie bitte. Das war so eine archaische Redewendung meines Freundes Jayden Kerr, mit denen er mich und meine Kameraden nur zu oft traktiert hat, während unserer Zeit, an der Akademie. Es bedeutet, dass Ihre Leute sehr gute Arbeit geleistet haben.“
   „Ah, verstehe“, gab Vara Kiryn zurück und fragte ablenkend: „Wie weit hat Generalmajor Traren mit Ihnen bereits den Einsatz durchgesprochen, auf den Sie in zwei Wochen gehen werden, wie Sie mir gestern sagten, Major?“
   Der athletische Mann richtete sich langsam auf und meinte ernst: „Netter Versuch, Oberstleutnant. Aber Sie müssen mich nicht davon ablenken, dass ich meine Kameraden nun seit Monaten nicht mehr gesehen habe, sie vermisse, und ich mir ein klitzkleines Bisschen Sorgen um sie mache. Ich komme damit zurecht.“
   Vara Kiryn setzte eine entschuldigende Miene auf. „Das bezweifle ich nicht. Im Übrigen, und nicht um erneut das Thema zu wechseln, würde ich mich freuen, wenn wir uns nicht mehr so unpersönlich, mit unseren Rängen, sondern mit unseren Vornamen anreden würden. Wir kennen uns jetzt immerhin drei Standard-Monate, und ich gehöre nicht zu Ihren direkten Vorgesetzten.“
   Die Lippen des Kanadiers verzogen sich zu einem Lächeln. „Sehr gerne, Vara.“
   Die über zehn Jahre ältere Frau nickte zufrieden. „Dann wäre das geklärt… Dean.“
   Nebeneinander schritten sie den gewundenen Waldweg hinunter, der einen halben Kilometer weiter auf die befestigte Straße mündete, die sie zurück zu dem Randgebiet von Xorolan führen würde. Auch nach mehreren Monaten auf diesem Planeten entdeckte Dean Corvin, wenn er diesen Weg nahm, immer noch etwas Neues, wenn er diesen Weg nahm. Für ihn fremde Düfte, Tiere, die er noch nie gesehen hatte und Geräusche, die sie verursachten. Aber auch die Pflanzen des Waldes hatte er noch immer nicht zur Gänze wahrgenommen.
   Nach einer Weile, nachdem er wieder zu Atem gekommen war, spürte Corvin auch wieder die Feuchte und die Kühle des leichten Morgennebels, der im Begriff war, sich aufzulösen. Xorolan erwartete ein sonniger Tag, wie es schien.
   Im Grunde war Xorolan keine gewöhnliche Stadt, sondern eher die größte Militärbasis auf diesem Planet. Denn mehr, als 80 Prozent, der rund 500.000, Einwohner von Xorolan dienten in der Kriegsflotte von Farradeen. So war es wenig verwunderlich, dass sich der größte, rein militärisch genutzte, Raumhafen, der Stadt anschloss. Hinter den weiten Landepisten erhoben sich, im Westen, die grünen Hügel, hinter denen am Abend Venkara, die Sonne des Systems, unterging.
   Der Planet Farradeen war im Jahr 2502, also direkt zu Beginn der Ersten großen Expansionsphase der Menschheit, entdeckt und besiedelt worden, da er für menschliches Leben ideale Bedingungen aufwies. Farradeen, und seine Sonne, nach seinem Entdecker Urs Farradeen, und dessen Frau Venkara benannt, lagen beinahe im Zentrum der Plejaden, einem offenen Sternenhaufen 444 Lichtjahre vom Sol-System entfernt, im Sternbild des Stier.
   Dabei waren die Sonne Venkara und ihre sieben Planeten quasi Fremdkörper, denn sie existierten bereits weitaus länger und waren erst nach der Entstehung der Plejaden, gravitatorisch von den überwiegend jungen, bläulich-weißen Sternen des Sternenhaufens eingefangen worden. So wie zahlreiche weitere Hauptreihensterne der G- und K-Klasse.
   All das war Dean Everett Corvin bekannt gewesen, bevor er zum ersten Mal seinen Fuß auf diesen Planeten gesetzt hatte. Doch hier zu leben war eine ganz andere Erfahrung, als lediglich die reinen Fakten zu kennen. Die höhere Gravitation des Planeten zu spüren, seine andersartige Flora und Fauna zu erleben; bisher unbekannte Gerüche wahrzunehmen – das war zu Beginn seines Hierseins geradezu atemberaubend gewesen. Selbst der Stern Venkara sorgte, durch sein andersartiges Spektrum, für eine andere, optische Wahrnehmung. Gleichzeitig war all das zu Anfang, bis zu einem gewissen Grad, auch beängstigend gewesen. Mittlerweile war nur die Andersartigkeit geblieben – doch auch sie wurde allmählich zur Normalität. Ähnliches hatte Corvin erlebt, als er, im Sommer des Jahres 3214, seine Ausbildung an der Sektion-Venus begonnen hatte, und wie damals auf der Venus gewöhnte er sich nun auch an seine neue Heimat, Farradeen.
   Damals wie heute waren es andere Menschen gewesen, die ihm bei dieser Umstellung geholfen hatten. Waren es an der Sektion-Venus seine Freunde, die ihm geholfen hatten, so waren es hier seine Kameraden von der NOVA SOLARIS, seine direkten Vorgesetzten, und nicht zuletzt auch Vara Kiryn, die neben ihrer Funktion, als Kommandantin eines Werftkomplexes, auch eine ausgezeichnete Psychologin war.
   Als sie den befestigten Teil des Weges erreichten, bemerkte Corvin die fragenden Seitenblicke seiner Begleiterin. Erst jetzt wurde ihm bewusst, dass er in der Erinnerung gelächelt hatte, und er sagte, bei ihrer unausgesprochenen Frage, nachdenklich: „Ich musste eben daran denken, wie ich mich zum ersten Mal auf einen neuen Planeten umstellen musste. Als ich meine Ausbildung, an der Akademie der Terranischen Raumflotte begann. Mittlerweile ist so viel geschehen, dass es mir vorkommt, wie aus einem anderen Leben.“
   Vara Kiryn, die mittlerweile recht gut zu erkennen wusste, was Dean Corvin jeweils bewegte, wenn sie zusammen waren, erwiderte leise: „Sie werden sie wiedersehen, Dean.“
   Corvin seufzte leise. „Das hoffe ich. Meine Freunde sind mir...“
   „Das meinte ich nicht“, unterbrach ihn die Frau.
   Überrascht sah Dean Corvin seine Begleiterin an. „Was meinten Sie dann?“
   Vara Kiryn nahm ihre Hände hinter den Kopf und machte ein paar Dehnübungen. „Nun, Sie sprechen sehr oft von dieser, etwas hitzigen, jungen Frau, der Sie auf Luna begegneten. Dieser junge Feldwebel der Ihnen auf Luna auf die Nerven gegangen ist, wie Sie bereits häufiger betonten. Ihr Name ist Rian Onoro, oder irre ich mich?“
   Corvin schüttelte bedächtig den Kopf. „Sie irren nicht. Ich war dazu gezwungen, sie, während unserer Flucht von Luna, zurückzulassen. Obwohl mir bewusst ist, dass es keine andere Möglichkeit gab, um die NOVA SOLARIS dem Zugriff des Feindes zu entziehen, lässt mir das keine Ruhe mehr, seit wir das Sonnensystem verlassen haben. Verstehen Sie, ich kann das Gefühl nicht abschütteln, sie im Stich gelassen zu haben, Vara.“
   Die Schuldgefühle des Kanadier waren für Vara Kiryn fast greifbar, als er sie ansah. Spontan legte sie ihre Linke auf seinen Oberarm und sagte ernst: „Sie hatten keine andere Wahl, Dean. Außer sie wären alle auf Luna geblieben und hätten den Experimentalkreuzer den Truppen der Konföderation überlassen. Ich weiß, dass man keine Menschenleben gegeneinander aufrechnen kann, aber manchmal läuft es leider genau darauf hinaus. Sie hat das gewusst, Dean, und Sie selbst wissen das auch. Tief in ihrem Herzen. Dieser Krieg wird uns noch weitaus fürchterlichere Entscheidungen abverlangen, befürchte ich.“
   Die Schwarzhaarige dankbar ansehend, legte Corvin, für einen kurzen Augenblick, seine Hand auf ihre. „Ja, das weiß ich, Vara. Doch ich werde mich niemals damit abfinden.“
   Unmerklich ihre Hand zurückziehend nickte die Frau. „Das erwarte ich gar nicht. Im Gegenteil, es wäre schlimm, wenn Sie so schnell dazu bereit wären. Bewahren Sie sich diese Einstellung, bei allem, was vor uns liegt, bitte so lange wie möglich.“
   Corvin nickte. „Ich werde mein Bestes geben.“
   Vara Kiryn lächelte unmerklich. „Dann kommen Sie, Dean. Wenn ich richtig informiert bin, dann erwartete Sie Generalmajor Arolic Traren in einer Stunde zu einem Treffen, um den Plan, für den bevorstehenden Einsatz der NOVA SOLARIS, weiter auszuarbeiten. Und Traren hasst Unpünktlichkeit.“
   Dean Corvin erlaubte sich ein breites Grinsen. „Anfangs fand ich es reichlich gewöhnungsbedürftig, dass der Generalmajor seine Untergebenen mit ihren Vornamen anspricht. Nachdem ich erkannt hatte, dass er das nicht aus einer Art Respektlosigkeit heraus macht, fand ich es in Ordnung. Der Mann ist ein echtes Original, wie mein Freund Jayden sagen würde. Was seine Art betrifft erinnert er mich etwas an meine Kameradin, Andrea.“
   Vara Kiryn horchte bei den letzten Worten des jungen Offiziers auf. „Sie bezeichnen Jayden und Kimi stets als Freunde, nur bei dieser Andrea verwenden Sie den Begriff Kameradin, so als würden Sie sich scheuen, sie als Freundin zu bezeichnen. Dabei hatte ich von Beginn an den Eindruck, dass sie gerade ihr besonders zugetan sind. Oder täusche ich mich in dieser Hinsicht?“
   „Verstummt die Stimme der Psychologin auch einmal in Ihnen?“, gab Corvin unwillig zurück. Manchmal ist ein Begriff nur ein Begriff.“
   „Und manchmal ist eine Kameradin wesentlich mehr, als nur eine Kameradin“, hielt ihm Vara Kiryn ruhig entgegen, ohne auf seine Frage einzugehen. „Ich denke, dass Sie mir bisher, in Bezug auf diese junge Frau, nicht die ganze Wahrheit gesagt haben, Dean. Da ist, oder war vielleicht, mehr zwischen Ihnen beiden?“
   Dean sah in die Augen seiner Begleiterin. Was sie gesagt hatte verursachte einen Magendruck, der im nur allzu deutlich sagte, dass sie Recht hatte. Dabei verriet ihm der Ausdruck ihrer sphinxhaften Augen, dass sie ihn, in Bezug auf Andrea und seine Gefühle für sie, gerade vollkommen durchschaute. Etwas langsamer gehend sah er die Frau an seiner Seite mit unstetem Blick an und gab er nach einem Moment zu: „Sie haben Recht, Vara. Andrea ist mehr für mich. Viel mehr sogar. Das war bereits zu Akademietagen so. Als ich ihr, vor mehr als vier Jahren, meine Gefühle gestanden habe, da hat sie mich jedoch recht unmissverständlich abblitzen lassen. Sie liebt meinen Freund Jayden, und seit Weihnachten sind beide nun miteinander verlobt.“
   Bei dem fragenden Blick der Frau, fügte Dean Corvin zögerlich hinzu: „Na ja, ich hatte geglaubt, dass ich mich damit abgefunden habe. Doch als ich ihr, zu Beginn des Jahres, die Nachricht vom Tod ihrer gesamten Familie überbrachte, und sie, in meinen Armen ihren gesamten Schmerz herausgelassen hat, da waren all die längst überwunden geglaubten Gefühle für sie wieder da. Aber das ist ausschließlich mein Problem.“
   „Vielleicht ist es nicht gut, wenn Sie sich zu stark an diese Gefühle klammern“, riet Vara Kiryn, mit bedauerndem und dennoch eindringlichen Tonfall. „Sonst wird daraus leicht eine fixe Idee. So schwer es Ihnen fällt, aber Sie müssen Andrea loslassen.“
   Der Blick Corvins sprach Bände als er auf sich selbst deutete. „Und wenn ich das nicht schaffe? Ich meine, wenn sie viel zu tief da drinnen ist?“
   Vara Kiryn lächelte schmerzlich. „Dann ist die einzige Alternative die, um sie zu kämpfen. Doch Sie werden am besten beurteilen können, ob ein solcher Kampf irgendeine Aussicht auf Erfolg hätte, oder nicht.“
   „Gar keine Aussicht“, brummte der Major düster und im Moment deprimiert.
   Die schwarzhaarige Frau an Corvins Seite schwieg für einige Momente. Schließlich sagte sie leise und mitfühlend: „Dann bleibt Ihnen keine andere Wahl, als loszulassen, und das so schnell wie möglich. Denn bei dem Einsatz, der Ihnen bevorsteht, können Sie sich solche emotionalen Kapriolen nicht erlauben, Dean.“
   Der Dunkelblonde atmete tief durch und lächelte schwach. „Wenn das Unternehmen erst einmal abrollt, dann werde ich gar keine Zeit haben, an etwas anderes zu denken, als an das Ziel der Mission. Vielleicht ist es ja auch besser ungebunden zu sein, wenn man an solchen Risikoeinsätzen teilnimmt.“
   Sein plötzlicher Fatalismus verärgerte die Frau etwas und grob gab sie zurück: „Diese Einstellung ist blöd, denn woher nehmen Sie Ihre Motivation zu kämpfen, wenn Sie nichts haben, für das sich das Kämpfen lohnt! Erklären Sie mir das mal! Wie wollen sie Ihre Untergebenen anführen, wenn Sie denken, das alles wäre am Ende sinnlos?“
   Mit gelinder Überraschung sah Corvin in das Gesicht seiner Begleiterin. Seufzend meinte er. „Sie machen es einem wirklich nicht leicht. Als ob Sie nicht wüssten, dass ich das eben nur so in einer emotionalen Aufwallung gesagt habe.“
   Vara Kiryn grinste verschmitzt. „Vielleicht bin ich ja deshalb wütend geworden, weil ich das weiß. Sie sind doch viel zu intelligent, für solche Aufwallungen.“
   Corvin nickte schmunzelnd. Dabei spürte er, dass sich seine innere Anspannung löste und nach einer Weile erwiderte er ernsthaft: „Sie machen das wirklich sehr gut, Vara. Ich bin froh darüber, dass ich mit Ihnen über all das reden kann. Ich darf nicht vergessen, mich gelegentlich bei General Ty-Verrin zu bedanken, weil sie mich Ihnen anvertraut hat.“
   Die Frau erwiderte spöttisch seinen Blick. „Wenn Sie jetzt anfangen, mit mir Süßholz zu raspeln, dann ist es ganz schnell aus damit, das kann ich Ihnen versichern. Und eins kann ich Ihnen versichern: General Ty-Verrin steht darauf so gar nicht.“
   Sie lachten befreit, und Dean Corvin schlug vor: „Laufen wir das letzte Stück lieber, sonst komme ich am Ende wirklich noch zu spät zur Besprechung, mit dem Generalmajor.“
   Sie beschleunigten ihr Tempo, wobei Corvin die Worte seiner Begleiterin nicht aus dem Kopf gingen. Dabei dachte er sowohl an Andrea, als auch an jene junge Technikerin, im Rang eines Feldwebel, die er auf Luna hatte zurücklassen müssen.

* * *

   Als Diana Elodie Spencer durch die hell erleuchteten, blass-grauen Gänge des Flotten-Hautquartiers, am Rande des großen Raumhafens der Hauptstadt Tiraleen gelegen, schritt, fragte sie sich insgeheim, was sie angestellt haben mochte, dass Generalmajor Arolic Traren sie persönlich zu sehen wünschte. Dabei fuhr sie sich gedankenverloren mit der Rechten durch das weißblonde Haar. Eine unangenehme Angewohnheit, die dafür sorgte, dass ihr, an jedem Morgen sorgsam frisiertes, Haar schon nach einer Stunde Dienst, regelmäßig nach Sturmfrisur aussah. Was ihrem Gesicht mitunter eine wild-verwegene Note verlieh.
   Hatte Diana Spencer diese Angewohnheit am Anfang ihrer militärischen Karriere noch gestört, so achtete sie mittlerweile kaum noch darauf, was wohl auch darin begründet lag, dass ihre Vorgesetzten sie, aufgrund ihrer hervorragenden Leistungen, noch nie deswegen gerügt hatten. Zumindest nicht, seit sie die Akademie, im Jahr 3213, erfolgreich abgeschlossen hatte.
   Bis heute hatte sie es bis zum Rang eines Hauptmanns, beim Militär der Farradeen-Allianz, gebracht, wovon die Rangsymbole am Kragen ihrer schwarzen Uniform zeugten. Ein silberner Querbalken, mit abgeschrägten Schmalkanten, der von drei nebeneinander befindlichen, goldenen Balken gekreuzt wurde. Die grünen Streifen an Schultern, Ärmeln und Hosennähten, und das goldene Abzeichen auf der linken Brustseite der Uniform, verrieten, dass sie nicht dem Fliegenden Personal angehörte. Diana Spencer gehörte den Raumlandtruppen an, und die kleine, dreistellige Zahl im Symbol ihrer Truppengattung besagte, dass es sich dabei um die 501. Raumlandeeinheit handelte.
   Das wild-verwegene Aussehen der Frau war indessen durchaus nicht an der Realität vorbei, was ihren grundsätzlichen Charakter betraf. Denn auch, wenn die schlanke Frau, mit dem gewinnenden oftmals gewinnenden Lächeln, sehr liebenswürdig wirkte – sie hatte es mitunter faustdick hinter den Ohren. Etwas, das sich gelegentlich auch im Ausdruck ihrer intelligenten, grün-grauen Augen wiederfand.
   Diana Elodie Spencer liebte das Leben, und sie lebte es unbeschwert. Eine Reihe von Männern, und auch die ein oder andere Frau, hatten sie bereits für sich allein gewinnen wollen, doch den Einen oder die Eine hatte es für sie bisher nicht gegeben, sondern stets nur Einen oder Eine mehr. In grauer Vorzeit hätte man sie vermutlich, und das auch nur bestenfalls, als ziemlich flatterhaft bezeichnet. Doch das kümmerte Diana Spencer nicht. Sie wusste, was sie wollte, und sie nahm es sich auch, ohne lange zu fackeln, oder Irgendjemanden um Erlaubnis zu fragen, oder danach, was andere Leute davon hielten. Schließlich schrieb man das 33. Jahrhundert, und, anders als vor tausend Jahren, war Persönliche Freiheit mehr, als nur ein Begriff.
   Sie betrat schwungvoll, wie es eben ihre Art war, das Vorzimmer zu Arolic Trarens Büro und ließ sich von der Adjutantin, im Rang eines Majors, bei ihm anmelden. Während sie wartete, wippte sie ungeduldig auf den Zehenspitzen. Sie hasste es, nicht genau zu wissen woran sie war. So, wie in diesem Moment.
   Schneller, als Diana Spencer damit gerechnet hatte, wandte sich die Adjutantin des Generals wieder an sie und sagte auffordernd: „Bitte gehen Sie hinein, Hauptmann, der Generalmajor erwartet Sie bereits.“
   Diana Spencer quittierte die Worte des Majors mit einem freundlichen Lächeln und folgte ihrer Aufforderung. Zu ihrer Überraschung war außer dem General noch niemand anwesend und fragend sah sie in Richtung des Flaggoffiziers.
   Die dunklen Augen des Flaggoffiziers, die in eigenartigem Kontrast zu seinen bereits grauen Haaren standen, schienen wie glühende Kohlen zu funkeln, als er die junge Frau ansah. Sie verrieten, mehr noch als seine Mimik und seine Gesten, dass er nicht gerade zu den geduldigen Menschen gehörte. Dabei war Arolic Traren ein breitschultriger, kräftiger Mann von bald fünfundfünfzig Jahren, nach Terra-Standard gerechnet. Doch von einer Ruhe des Alters war er noch Lichtjahre weit entfernt.
   Traren erhob sich beim Eintreten der Frau hinter seinem Schreibtisch und erwiderte den vorbildlichen militärischen Gruß des Hauptmanns. Danach umrundete das ausladende, modern geschwungene, Möbelstück, wies er mit der rechten Hand auf die Sitzgruppe, an der Fensterfront seiner Büroflucht und sagte: „Bitte nehmen Sie Platz, Diana. Ich habe Sie etwas früher zu mir kommen lassen, als die beiden Offiziere der NOVA SOLARIS, weil ich Sie zuvor unter vier Augen sprechen möchte.“
   Traren wartete ab, bis sich die Frau auf eine der beiden, über Eck stehenden, dunklen Leder-Couchen gesetzt hatte, bevor er in einem der beiden Sessel Platz nahm. Eine schnelle Analyse ihrer Reaktion auf seine Worte ließ ihn erahnen, dass sie um seine Marotte, alle seine Untergebenen mit Vornamen anzureden, wusste. Dabei bemerkte der erfahrene Flaggoffizier gleichfalls die Neugier in ihrem Blick.
   Darum kam Traren rasch zur Sache, indem er sich im Sessel leicht nach vorne beugte und sagte: „Normalerweise ist es nicht meine Art, über Personen zu sprechen, die nicht anwesend sind. Doch in diesem Fall mache ich eine Ausnahme, da die beiden Offiziere, die bald zu uns stoßen werden, einerseits um einige Jahre zu jung für ihre momentanen Ränge sind und sie andererseits erst kürzlich die Staatsbürgerschaft der Allianz angenommen haben. Der Major, der die NOVA SOLARIS kommandiert und sein Erster Offizier, eine Frau im Rang eines Hauptmann, gehörten bis vor drei Monaten zum Militär des Terranischen Imperiums. Wie sie wissen verweigert der Diktator von Deneb, nach der Annexion des Sol-Systems, aufgrund der Tatsache, dass sich die Terranische Regierung momentan nicht auf Terra befindet, wie es nach der Gesetzgebung der Terraner zu sein hat, allen Angehörigen des Terranischen Militärs den Kombattanten-Status. Demzufolge würden bei Kämpfen in Gefangenschaft geratene Terraner, von den Konföderierten wie Spione behandelt, und nicht wie Kriegsgefangene. Was das für die Militärs des Terranischen Imperiums bedeutet, das muss ich Ihnen nicht sagen, Diana.“
   Die blonde Frau nickte. „Erschießungskommando!“
   „Das ist richtig“, bestätigte der Generalmajor. „Momentan wird von der Provisorischen Regierung, die vor einer Woche im System von Delta-Cephei vereidigt wurde, eine entsprechende Änderung der Terranischen Verfassung formuliert. Wenn diese Regierung eine entsprechende Verlautbarung herausgibt, dann sind die Argumente des Diktators im Grunde hinfällig.“
   Diana Spencers Stirn legte sich in Falten. „Ihre Wortwahl, Generalmajor, lässt mich vermuten, dass da jetzt gleich ein Haken folgen wird.“
   Traren machte ein grimmiges Gesicht. „Ich persönlich wette darauf, dass sich der Diktator von Deneb halsstarrig zeigen wird. Ich befürchte, dass er als Anführer der Konföderation die das Sol-System, wenn auch widerrechtlich, annektiert hat, behaupten wird, dass das Terranische Imperium de facto gar nicht mehr existiert. In diesem Fall wird die Imperiale Terranische Regierung vermutlich Verhandlungen mit der Allianz aufnehmen und einen Zusammenschluss unserer Nationen vorschlagen. In diesem Fall wäre jedes Argument der Konföderierten, in Bezug auf den politischen Status des Terranischen Imperiums hinfällig. Zumindest, was das Militärische angeht. Aber bis es, in einem solchen angenommenen Fall, tatsächlich dazu käme würden sicherlich Jahre vergehen. Doch so lange können wir nicht warten, um einen Stoßtrupp in das Sol-System zu entsenden, und für diesen Stoßtrupp brauchen wir Terraner, die sich vor Ort auskennen. Andererseits können wir auch nicht ohne die Flotten des Imperiums alleine gegen die Konföderation bestehen. Deshalb geschah, so zu sagen als erster Schritt, die Einbürgerung der besagten beiden Offiziere des Imperiums und der Crew der NOVA SOLARIS. Die Terranischen Regierung hat uns den Experimentalkreuzer überlassen. Nicht ganz freiwillig, wie ich betonen möchte, denn es handelt sich um den Prototyp einer neuen, schlagkräftigen Klasse von Leichtem Kreuzer.“
   Die blonde Frau fuhr sich mit den Fingern ihrer linken Hand durch das Haar und erkundigte sich dann: „So weit, so gut, aber was hat das mit dem Alter der beiden Führungsoffiziere dieses Experimentalkreuzers zu tun?“
   „Das ist leicht erklärt“, gab Traren Auskunft. „Kurz vor der Intervention unserer Flotten, bei Delta-Cephei, hatte die Oberkommandierende der Imperialen Flotte diese beiden Offiziere, aufgrund ihrer Erfahrung im Umgang mit der NOVA SOLARIS, vorzeitig in den Rang eines Hauptmann ZBV beziehungsweise in den Rang eines Oberleutnant ZBV befördert, damit sie in ihrer Funktion auf dem Kreuzer verbleiben können, ohne dass es Querelen wegen der Flottenbestimmungen zum Führen von Großkampfschiffen gibt. Als diese beiden Offiziere kurze Zeit später in den Dienst der Farradeen-Allianz eintraten stand das Oberkommando unserer Flotte vor dem Problem, dass wir die beiden Offiziere nicht degradieren konnten, was aber quasi der Fall gewesen wäre, hätten wir sie in den Rängen Hauptmann und Oberleutnant übernommen, da unser Militär den Zusatz ZBV, also: Zur Besonderen Verwendung, nicht kennt. Darum blieb nur der Ausweg den Ersten Offizier der NOVA SOLARIS im Rang eines Hauptmanns zu übernehmen, und den Kommandanten des Kreuzers im Rang eines Majors. All das erkläre ich Ihnen deshalb, Hauptmann Spencer, weil Sie, und vierundfünfzig weitere Soldaten der Fünfhundertersten Raumlandeeinheit, schon in zwei Wochen auf der NOVA SOLARIS einsteigen, und an einem Kommandoeinsatz teilnehmen, werden. Eben unter dem Kommando des Majors.“
   „Ich verstehe“, erwiderte Diana Elodie Spencer nachdenklich. „Wir haben also zwei viel zu junge Offiziere als Führungsgespann an Bord dieses Kreuzers. Darf ich fragen, wie alt diese beiden Offiziere sind?“
   Der Generalmajor grinste humorlos. Die junge Frau, die den Posten des Ersten Offiziers bekleidet, hat vor wenigen Tagen erst ihren einundzwanzigsten Geburtstag gefeiert. Der Major wird, nach Terra-Standard, in einem Monat dreiundzwanzig Jahre alt.“
   Die, nach terranischer Standard-Zeitrechnung, achtundzwanzig-jährige Frau fuhr ein Stück von der Couch hoch, bevor sie sich langsam wieder auf die Sitzfläche zurücksinken ließ. „Wie bitte, General? Das ist ja der reinste Kindergarten. Wie eine alte Frau werde ich mir gegen die vorkommen.“
   Der General schmunzelte unmerklich. „Eben wegen dieser Reaktion habe ich Sie etwas früher zu mir gebeten. Mir ist klar, dass es nicht ganz leicht sein wird, sich unter das Kommando dieses jungen Majors zu stellen. Laut seiner ehemals höchsten Vorgesetzten, die große Stücke auf ihn hält, besitzt dieser junge Mann jedoch herausragende Anlagen. Ich vermute das gilt auch für seinen ersten Offizier. Als General Mbena die beiden Offiziere offiziell meiner Obhut übergab, da hatte ich den Eindruck, dass ihr dieser Entschluss in der Seele weh getan hat. Ich selbst hatte bereits persönlich mit dem Major zu tun und kann Ihnen versichern, dass er anders ist, als die meisten Offiziere seines Alters.“
   Hinter der Stirn der blonden Frau arbeitete es und man konnte an ihrem Blick, den sie dem General zuwarf, deutlich erkennen, dass ihr seine Eröffnung gar nicht behagte. Andererseits war sie Profi und so beschloss sie abzuwarten und sich diese beiden Jungoffiziere erst einmal genau anzusehen.
   „Da wäre aber noch etwas Anderes“, wurden die Gedankengängen der blonden Frau von ihrem Vorgesetzten unterbrochen. Aufmerksam sah sie in die dunklen Augen des Generalmajors und beugte ihren Oberkörper etwas nach vorne.
   „Sie haben sich in der Vergangenheit bewährt und im Dienst stets Alles gegeben. Ich bin davon überzeugt, dass Sie die Richtige sind, um eine neue, eigene Raumlandeeinheit zu kommandieren. Darum werde ich Ihnen eine halbe Kompanie bestehend aus den besten Raumlandesoldaten der Fünfhundertersten unterstellen. Sobald Sie aus diesem Einsatz zurückgekehrt sind, werde ich diese Einheit offiziell der NOVA SOLARIS zuteilen und in die Fünfhundertsechste Raumlandeeinheit umbenennen.“
   Diese Eröffnung kam unerwartet für Diana Spencer. Sie hatte sich insgeheim immer ein solches Kommando gewünscht. Sie wusste nur nicht, ob eine permanente Stationierung auf der NOVA SOLARIS ebenso wünschenswert war.
   Noch während sie Traren zu nickte wurde sie abgelenkt, als die Ordonanz des Generals die Ankunft der beiden Offiziere ankündigte, von denen er eben noch geredet hatte.
   Der Generalmajor erhob sich und Hauptmann Spencer tat es ihm nach, als sich das Schott öffnete ein junger, gut aussehender Mann und eine rothaarige Frau das Büro betraten.
   Diana Spencer stellte bei einer ersten, kurzen Musterung der beiden fest, dass der Mann, mit den Insignien eines Majors am Kragen der schwarzen Uniform, etwa eine Handbreit höher gewachsen war, als sie. Seine Begleiterin trug die gleichen Insignien wie sie selbst und sie war annähernd ebenso groß, wie der junge, dunkelblonde Major.
   Die beiden Offiziere grüßen vorbildlich und der Major meldete sich und seine Begleiterin bei Traren, so wie es militärisch Gepflogenheit war.
   Vom Feuer geküsst, schoss es Diana Spencer beim Anblick der jungen Frau durch den Sinn, als Traren den Gruß erwiderte und auf die beiden Neuankömmlinge deutete.
   „Diana, das sind Major Dean Everett Corvin und Hauptmann Irina Hayes, der Kommandant und der Erste Offizier der NOVA SOLARIS“, erklärte Arolic Traren, bevor er sich an die beiden Offiziere des Kreuzers wandte. „Und dies ist Hauptmann Diana Elodie Spencer, Angehörige der Fünfhundertersten Raumlandeeinheit.“
   Sie erwiesen sich gegenseitig durch ein weiteres Grüßen den üblichen  Respekt unter Soldaten und reichten sich anschließend die Hände. Dabei hielt Diana Spencer die Hand der Rothaarigen etwas länger fest, als es gemeinhin üblich war und ließ erst los, als sie fragend von Irina Hayes angesehen wurde.
   Traren schien davon nichts bemerkt zu haben. Er deutete auf die Sitzgelegenheiten und sagte zwanglos: „Bitte nehmen Sie doch Platz.“
   Sie setzten sich und Diana spürte die innere Anspannung der beiden jungen Offiziere ganz deutlich. Dabei schmunzelte sie unmerklich. Dabei dachte sie, irgendwie zufrieden: Für eine gewisse, innere Gelassenheit, im Umgang mit euren hochrangigen Vorgesetzten fehlen euch zwei wohl noch ein paar Jahre. Da ist es, allein mit einem Rang, der euch beiden noch nicht zukommen dürfte, offensichtlich nicht getan.
   Arolic Traren war der Raumlandesoldatin einen fragenden Blick zu, als sie in Gedanken zu lächeln begann und schnell mahnte sich die Frau innerlich zur Ordnung.
   Sich zu Corvin wendend, erkundigte sich der Generalmajor: „Wie weit sind die Vorbereitungen an Bord der NOVA SOLARIS, Dean? Sind Schiff und Besatzung so weit, um mit der letzten Phase der Vorbereitungen zu beginnen?“
   Etwas weniger befangen, als zum Zeitpunkt seiner Ankunft in diesem Büro, erwiderte der athletische junge Mann: „Ja, Generalmajor Traren. Die Besatzung ist darüber informiert, dass das angekündigte Raumlande-Kontingent an Bord kommt. Die Quartiere wurden vorbereitet und sind bezugsbereit. Darüber hinaus habe ich mit den Führungsoffizieren meines Kreuzers bereits mehrere Übungsszenarien durchgesprochen, die wir, im Verbund mit den Raumlandesoldaten, trainieren wollen.“
   Nach seinem letzten Satz wandte sich Dean Corvin zu Diana Spencer. „Natürlich möchte ich dabei zuvor gerne Ihre Meinung zu diesen Szenarien hören, Hauptmann Spencer. Sie kennen sich in der Raumlandetaktik sicherlich länger und besser aus, und Sie werden mir sagen können, welche Szenarien sinnvoll sind, und welche eventuell weniger sinnvoll. Mir ist wichtig, dass wir uns, in dieser Hinsicht, gut abstimmen.“
   Diana Spencer fuhr sich mit der Hand durch das Haar und gewann so einen Moment, um ihre gelinde Überraschung zu überwinden. Nach den Worten des Generals hatte sie mit einem jungen Überflieger gerechnet, und das schien sich nun als falsch zu erweisen.
   „Sie haben Recht, Major Corvin. Ich halte eine enge Zusammenarbeit zwischen Besatzung und Raumlandetruppe ebenfalls für unabdingbar, um erfolgreich gegen den Feind zu operieren. Wie auch immer der Einsatz nun aussehen wird.“
   Ihre letzten Worte waren indirekt an Arolic Traren gerichtet.
   Der Generalmajor runzelte leicht die Stirn, erlaubte sich dabei aber gleichzeitig ein beinahe jungenhaftes Grinsen. „Nun, Diana, Sie kommen schnell auf den Punkt. Dann werde ich mal Ihre Neugier befriedigen, bevor sie überkocht. Es ist ein Einsatz geplant, bei dem die NOVA SOLARIS in das Sol-System vorstößt. Der Experimentalkreuzer wird bis nach Eris vorstoßen. Dort gibt es einen Außenposten der Terranischen Flotte, der mittlerweile von der Konföderation Deneb kontrolliert werden dürfte. Seine Besatzung beträgt maximal zwanzig Personen und die Konföderierten werden diesen Posten kaum personell aufgestockt haben, da es dort keine nennenswerten Abwehranlagen gibt. Noch etwas anderes, das einen solchen Aufwand rechtfertigen würde. Für uns interessant hingegen ist, dass dieser Posten, sofern er in Betrieb ist, einmal die Woche, von einem Transporter angeflogen wird. Er versorgt die kleine Basis mit dem nötigen Nachschub und nimmt gleichzeitig die Protokolle der beiden polaren Ortungs-Phalanxen an Bord, um sie zum Mars zu bringen. Diese Phalanxen besitzen, wegen der Störungen durch die erzhaltigen Schichten der Oberfläche von Eris jedoch einen toten Winkel, rund um den Äquator des Planeten, der sich erst zehntausend Kilometer von der Oberfläche entfernt lückenlos schließt. Es kommt also darauf an, mit der NOVA SOLARIS innerhalb dieser Zone aus dem Hyperraum zu fallen, und dann einen tangentiales Bremsmanöver durchzuführen. Sobald dies funktioniert hat, wird sich der Kreuzer im Tiefflug der Basis nähern und in einem Krater landen, der sich rund zehn Kilometer von der Basis entfernt befindet. Die Ablagerungen von verschiedenen Erzen in dieser Gegend sind ideal um den Anflug zu tarnen. Von dort aus wird dann ein Kommandotrupp die Basis stürmen und die Besatzung ausschalten. Ziel der Operation ist es dann, dort auf einen der Transporter zu warten, und ihn ebenfalls zu kapern, um mit ihm unbemerkt bis zum Mars vorzustoßen und von dort aus weiter zu den Luna-Werften. Dort werden wir, laut Major Corvin, am ehesten die Möglichkeit haben, einen der Störsender zu erbeuten, die von der Konföderation Deneb eingesetzt wurden, beim Angriff auf das System. Vorher ist an einen wirkungsvollen Gegenschlag gar nicht zu denken. Die NOVA SOLARIS ihrerseits würde, selbst wenn wir die Markierungen der Konföderation anbringen würden, niemals unbemerkt bis dorthin gelangen. Die Energiesignaturen der Imperialen Raumschiffe sind leider unverkennbar und sie erfolgreich zu ändern würde uns Zeit kosten, die wir nicht haben.“
   Diana Spencers Augen hatten sich immer mehr geweitet, je weiter sich der Plan vor ihren Augen ausbreitete. Sie ließ einige Sekunden verstreichen, bevor sie sich von dem Generalmajor abwandte und sich bei Dean Corvin erkundigte: „Wie hoch schätzen Sie die Chance ein, dass sie den wahnwitzigen Anflug auf Eris hin bekommen, von dem Generalmajor Traren eben gesprochen hat?“
   „Etwas besser als fünfzig Prozent“, antwortete Corvin ehrlich.
   „Was passiert bestenfalls?“
   Es war Irina Hayes, die auf diese Frage antwortete. „Bestenfalls funktioniert der Anflug, wie geplant, auch wenn ein so nahes Herantasten an einen Planeten, im Hyperraum, die strukturelle Integrität des Kreuzer ziemlich auf die Probe stellen wird.“
   Diana Spencer sah unbeirrt in die blauen Augen der rothaarigen Frau, in ihren Augen, zumindest äußerlich, immer noch mehr einem Mädchen gleichend. „Und was passiert im schlimmsten vorstellbaren Fall?“
   „Der Kreuzer wird, falls wir uns verrechnen und zu nah am Planeten aus dem Hyperraum fallen, von den gewaltigen Scherkräften zerrissen. Sollte dies wider Erwarten nicht geschehen, so werden wir uns, zusammen mit dem Leichten Kreuzer, unangespitzt in die Oberfläche des Planeten rammen. Mit etwas Glück bekommen wir die anschließende Explosion, die den Kreuzer zerreißen wird, nicht mehr mit.“
   Diana Spencer sah Irina Hayes fassungslos an, ob der Ruhe, mit der sie über diese fatale Möglichkeit gesprochen hatte, und sarkastisch meinte sie: „Wenn Sie das Glück nennen dann will ich gar nicht wissen, was Sie als Pech bezeichnen würden.“
   Es war Dean Corvin, der ruhig betonte: „Hauptmann Spencer, die NOVA SOLARIS ist das beste, jemals gebaute, Kriegsschiff. Mit anderen Worten, dieser Kahn hält etwas aus, und er ist sehr schnell zu beschleunigen. Zudem besitzt er zwei zusätzliche Komponenten, von denen besonders eine den, eben von General Traren erklärten Einsatz, überhaupt erst möglich macht. Die NOVA SOLARIS besitzt eine besondere Verbundpanzerung, die mit einem der beiden erwähnten Aggregate gekoppelt ist. Sie ist quasi in der Lage, die Farbe zu verändern und kann den Kreuzer somit gegen eine optische Entdeckung schützen. Allerdings funktioniert das nur bei abgeschaltetem Antrieb und bei deaktivierten Dual-Schilden. Der Kreuzer wird also nach der Landung auf Eris, optisch so gut wie nicht auszumachen sein. Mit einem anderen Kreuzer würde ich diesen Einsatz jedenfalls nicht versuchen. Außerdem habe ich selbst nicht vor, in naher Zukunft zu sterben. Meine Crew wird das schaffen.“
   Diana Spencer bedachte den jungen Offizier mit einem langen Blick, bevor sie, das Thema wechselnd, fragte: „Welche Art von gemeinsamen Trainingsszenarien mit meinen Leuten schwebt Ihnen nun genau vor, Major Corvin?“
   Dean Corvin, der seine anfängliche Befangenheit nun gänzlich abgelegt hatte, erwiderte den fragenden Blick der Raumlandesoldatin und führte aus: „Nun, ich dachte da an mehrere schnelle Annäherungsmanöver an einen der kleineren Planeten in diesem Sternensystem. Der äußerste Planet dieses Systems ähnelt in seinem Aufbau Eris sehr. Den Ausstieg aus dem Kreuzer, mit und ohne direkte Landung auf der Oberfläche, sollten wir so lange üben, bis sowohl Sie und Ihr Team, als auch meine Crew, dies im Schlaf beherrschen. Dabei ist mir persönlich wichtig, dass insbesondere die Kommunikation zwischen Landekommando und Schiffscrew reibungslos und unmissverständlich funktioniert. Darüber hinaus würde ich gerne selbst, während der Hälfte der Trainingszeit, gemeinsam mit Ihrer Einheit trainieren. Der Grund dafür ist, dass einer den Transporter fliegen wird, der uns zum Mars bringen soll, und das werde dann ich sein. Sobald wir auf Luna sind, werden wir nämlich darauf vorbereitet sein müssen, notfalls auch ein Kriegsschiff der Konföderation zu kapern um von dort heil wieder zu verschwinden, oder falls sich herausstellt, dass das die einzige Möglichkeit ist, an einen der Störsender zu gelangen. Neben den beiden Piloten meines Kreuzers bin ich einer derer, an Bord der NOVA SOLARIS, der im Notfall einen Kampfkreuzer zu steuern vermag Zudem kenne ich mich etwas aus auf der Luna-Werft, um die es bei dem Einsatz gehen wird. Der Proband für die zweite Woche ist mein Kommunikationsoffizier, Leutnant Moana Adamina. Sie gehörte bis vor Kurzem zu den Terranischen Kommandotruppen. Wie wir genau dieses Training aufbauen, das besprechen wir dann aber, wie bereits gesagt, am besten gemeinsam, an Bord des Kreuzers. Wann sind Sie und ihre Leute bereit an Bord zu kommen?“
   Arolic Traren, der sich bewusst in den letzten Minuten zurückgenommen und nur beobachtet hatte, antwortete an Stelle der Frau. „Hauptmann Spencer wird, gemeinsam mit ihrem Team, heute Abend um 24:30 an Bord kommen. Zuvor gibt es noch einige letzte Vorbereitungen zu treffen.“
   Dean Corvin lächelte verbindlich und wandte sich zu Diana Spencer. „Ich werde für diesen Zeitpunkt einen kleinen Empfang für Sie und ihre Offiziere vorbereiten lassen. Damit sich unsere Führungsoffiziere schon mal etwas miteinander bekanntmachen können.“
   Arolic Traren machte ein zufriedenes Gesicht und sah in die Runde. „Wie ich sehe, werden Sie miteinander klarkommen. Wenn es sonst keine Fragen geben sollte, so können Sie wegtreten. Diana, meine Ordonanz wird Sie heute Nachmittag, bezüglich des Ihnen zugeteilten Teams, noch einmal kontaktieren und Ihnen den Zeitpunkt nennen, zu dem ich Sie nochmal bei mir, zu einem abschließenden Gespräch, erwarte.“
   „Verstanden, General!“
   Der Generalmajor gab den drei Offizieren Gelegenheit, sich vor ihm zu erheben. Nachdem sie sich abgemeldet hatten verließen sie hintereinander sein Büro.
   Auf dem Gang begab sich Diana Spencer an die Seite von Irina Hayes und legte ihre Hand kurz auf den linken Oberarm der hochgewachsenen jungen Frau: „Haben Sie einen Moment für mich, Hauptmann Hayes?“
   Dean Corvin, der die Frage mitbekam, sah zu Irina Hayes und meinte: „Wir sehen uns um 15:00 Uhr Lokalzeit an Bord.“
   Die Rothaarige machte eine zustimmende Handbewegung und sah ihm nach, wie er davon schritt, bevor sie sich Diana Spencer zuwandte. „Worum geht es?“
   Die blonde Frau deutete den Gang hinunter. „Ich wollte Ihnen ein paar Fragen stellen, die den General nicht unbedingt interessiert hätten. Gehen wir dabei ein Stück.“
   Die beiden unterschiedlichen Frauen schritten den Gang entlang, und Diana Spencer sah ihre Begleiterin von der Seite an. „Mich würde interessieren, ob es der General war, der den Plan, auf Eris zu landen, ausgebrütet hat, oder der Major.“
   Das Schmunzeln der rothaarigen Frau verwirrte Diana Spencer etwas, bis diese erklärte: „Weder noch. Der Plan ist mir eingefallen, und glauben Sie mir – Dean, ich meine der Major, hat ebenso geschaut, wie Sie vorhin, bei der Besprechung. Der Generalmajor hat es zwar besser versteckt, doch auch seine Reaktion fiel ganz ähnlich aus.“
   „Ich verstehe. Dann sind Sie also der Wahnsinnsmensch, und nicht der Major.“
   „Knapp vorbei“, grinste Irina Hayes. „Normalerweise ist tatsächlich er es, der sich die wahnsinnigen Pläne ausdenkt. Ich wollte ihm nur nicht länger nachstehen, darum habe ich mich auch einmal daran versucht. Vielleicht färbt aber auch nur seine Art auf mich ab.“
   Die Rothaarige beobachtete die Reaktion der älteren Frau und sagte dann ernsthaft: „Der Major und ich haben sehr intensiv darüber diskutiert und danach die übrigen Führungsoffiziere der NOVA mit einbezogen, bevor wir dem Generalmajor diesen Vorschlag unterbreiteten. Hätte ich Dean Corvin nicht bereits im Einsatz erlebt, dann hätte ich vermutlich dieselben Bedenken, wie Sie, Hauptmann Spencer. Doch seit der Flucht von Luna, an Bord der NOVA, und im Anschluss aus dem Sonnensystem, und dem späteren Kampfeinsatz bei Delta-Cephei, vertraue ich ihm bedingungslos. Was er über die Fähigkeiten unseres Kreuzers sagte, das entspricht der Wahrheit. Die NOVA kann diesen Einsatz überstehen, Hauptmann Spencer. Eher, als jedes andere Kriegsschiff seiner Klasse.“
   Diana Spencer spürte die unmerkliche Veränderung, die mit Irina Hayes vor sich ging, als sie ihren Blick auf sie richtete, und beruhigend meinte sie: „Ich wollte die militärischen Fähigkeiten des Majors nicht in Frage stellen, und auch die Ihren nicht. Dazu kenne ich Sie und den Major viel zu wenig.“
   „Aber Sie halten uns beide für viel zu jung, um unsere Posten adäquat auszufüllen“, erwiderte Irina Hayes ohne sich darum zu bemühen diplomatisch zu sein. „Wissen Sie, mir selbst ging es zu Beginn ebenso, und bis zu einem gewissen Punkt haben Sie sogar Recht. Ich war absolut nicht darauf vorbereitet, meine Heimat hinter mir zu lassen und vor brutalen Eroberern aus dem Sonnensystem zu fliehen. So, wie ich nicht darauf vorbereitet war, an Bord dieses Experimentalkreuzers in einen Krieg zu ziehen, den ich noch vor wenigen Jahren für völlig absurd und unmöglich hielt. Oder darauf, Kameraden sterben zu sehen. Doch das alles haben wir erlebt – der Major und ich - und wir werden nicht die Einzigen bleiben, die für diesen Wahnsinn viel zu jung sind.“
   Diana Spencer hatte Mühe, dem Blick der jüngeren Frau stand zu halten, deren Gesicht plötzlich so viel härter und entschlossener wirkte, als noch vor einem Augenblick. Nach einem kurzen Moment gab sie zu: „Sie haben ganz Recht, Hauptmann Hayes. Das habe ich vorhin wirklich gedacht. Vielleicht lag ich damit falsch. Es tut mir leid, wenn ich Sie damit beleidigt haben sollte.“
   „Schon vergessen“, gab Irina Hayes zurück und lächelte schwach. „An Ihrer Stelle hätte ich vielleicht genauso gedacht.“
   Diana Elodie Spencer schluckte und wechselte schnell das Thema. „Sie und der Major scheinen sich sehr gut zu verstehen? Zumindest nach dem, was ich beobachten konnte. Habe ich das richtig mitbekommen, dass Sie beide sich duzen?“
   „Nur wenn wir unter uns sind“, wehrte Irina Hayes schnell ab. „Abseits dieser Ausnahme lassen wir beide so etwas nicht zu. Und nein, wir sind kein Paar, noch waren wir je eins. Wir sind lediglich gute Freunde und Kameraden. Nur um jede mögliche Quelle für wilde Spekulationen im Keim zu ersticken.“
   „Na, dann wäre das ja auch geklärt“, gab Diana Spencer ironisch zurück. „Ich kann mir schon vorstellen, dass das, was Sie gemeinsam erlebt haben, sehr verbindet.“
   „Das, und seine Art zu tanzen“, erwiderte Irina Hayes und amüsierte sich über den Blick der blonden Frau. „Das erkläre ich Ihnen vielleicht besser ein anderes Mal. Vielleicht heute Abend beim Empfang auf der NOVA. Sie entschuldigen mich nun, bitte, Hauptmann Spencer, ich habe noch einige Vorbereitungen zu treffen. Wir sehen uns dann.“
   Damit schritt Irina Hayes schneller aus.
   Diana Spencer, die ihr langsamer folgte, sah ihr sinnend nach, wobei ihr erst nach einer Weile auffiel, dass sie viel zu lange auf den knackigen Po der jungen Frau starrte. Sich innerlich zur Ordnung rufend dachte sie: Glückliche Jugend. Ich frage mich, wie lange sie noch in der Lage sein wird, Ärgernisse so schnell abzustreifen.

* * *

   Am späten Nachmittag saßen Dean Corvin und Irina Hayes im Quartier des Kanadiers und unterhielten sich, bei einem Kaffee über das Gespräch bei Generalmajor Arolic Traren, an diesem Morgen.
   Corvin, der seinen Kaffee schwarz trank, nahm vorsichtig einen Schluck von dem heißen Getränk, wobei er seine Kameradin über den Rand der Tasse hinweg neugierig ansah, bevor er die Tasse auf dem Tisch absetzte und fragte: „Worüber hat sich Diana Spencer eigentlich mit dir unterhalten, Irina? Ich hatte vorhin das Gefühl, als wärst du danach etwas aufgewühlt gewesen.“
   Die junge Frau rührte abwesend mit dem Löffel in ihrem Milchkaffee und schien durch Dean Corvin hindurch zu sehen. Erst nach einer Weile sah sie Corvin in die Augen und erklärte: „Ich war weniger aufgewühlt, als rechtschaffen sauer. Na, ja, diese Frau hat mehr oder weniger durchblicken lassen, dass sie uns für zu jung in unseren Rängen hält.“
   „Aber das sind wir doch auch“, gab Corvin trocken zurück. „Das wissen wir beide aber, nicht wahr? Wo liegt denn da das eigentliche Problem?“
   „Das Problem ist, dass sie uns offensichtlich für inkompetent hält!“, platzte Irina Hayes wütend heraus. „Was bildet sich diese alte Zicke überhaupt ein?“
   Dean Corvin blieb ruhig in seinem Sessel sitzen, was Irina noch mehr in Fahrt brachte. Erneut einen Schluck von seinem Kaffee nehmend fragte er: „Hat sie das genau so formuliert, oder interpretierst du das lediglich in ihre Worte hinein?“
   Irina Hayes funkelte Corvin aufgebracht an, umso mehr, da sie nicht wirklich mit Sicherheit behaupten konnte, dass sie es tatsächlich so gemeint hatte. Schließlich schnaubte sie: „Auf wessen Seite stehst du eigentlich?“
   Der Major seufzte leise. „Was soll denn nun diese Frage, Irina? Ich habe dir nur eine simple Frage gestellt. Doch deine Reaktion darauf lässt tief blicken. Also was ist nun? Hat sie, oder hat sie nicht?“
   „Sie hat nicht!“, fauchte Irina. „Aber das heißt nichts.“
   Dean Corvin beugte sich im Sessel nach vorne, legte die Ellenbogen auf die  Oberschenkel und faltete seine Hände. Dabei sah er die Kameradin von unten herauf an und fragte eindringlich: „Jetzt mal ernsthaft, Irina, was ist wirklich los.“
   Die Rothaarige wich seinem forschenden Blick aus und trank von ihrem Kaffee. Tief durchatmend sah sie schließlich zu Dean und Tränen glitzerten in ihren Augen, als sie leise antwortete. „Es ist… Sie ist… Dean, als ich gestern die neuesten Verlustlisten durchgegangen bin, die General Mbena der Allianz geschickt hat, da fand ich den Namen meiner Freundin darauf wieder. Ich hatte das bereits vor Monaten befürchtet, doch es zu wissen ist entsetzlich. Diese Diana Spencer… Sie ähnelt ihr. Sehr sogar.“
   Corvin nickte ernst und fragte vorsichtig: „Wie gute Freundinnen wart ihr denn?“
   Tränen rannen über Irinas Wangen. „Du verstehst nicht, Dean. Sie war nicht einfach eine Freundin. Sie war viel mehr für mich. Die Freundin eben.“
   „So etwas, wie eine Schwester?“
   Irina Hayes sprang fast aus dem Sessel. Sich die Tränen von den Wangen wischend fuhr sie den Kameraden an: „Verrate mir mal was, Dean. Gehen bei dir neuerdings nur noch die falschen Lampen an?“
   Sie wandte sich ab und schlug die Hände vor das Gesicht, und erst jetzt dämmerte Corvin, was ihm Irina hatte sagen wollen. Er erhob sich und schritt langsam zu ihr. Wortlos drehte er die Frau an den Schultern zu sich herum und nahm sie in den Arm, wobei er leise sagte: „Tut mir leid, dass ich zu blöd war zu verstehen worum es geht, Irina. Warum hast du vorher denn nie mit mir darüber gesprochen?“
   Die junge Frau antwortete nicht sondern gab ihrem Schmerz nach, was Corvin nur allzu gut verstand. Dabei verwünschte er, nicht schneller erkannt zu haben, dass Irina und diese Freundin, von der sie erzählt hatte, sich offensichtlich geliebt hatten. Die Fragen, die ihm in diesem Moment durch seinen Kopf gingen unterdrückte er dabei, denn dafür war momentan ganz bestimmt nicht der richtige Zeitpunkt. Später vielleicht.
   Corvin wartete eine ganze Weile, während der er Irina einfach nur in seinen Armen hielt, bevor er leise sagte: „Ich bin für dich da, wenn du mich brauchst, aber falls du jetzt lieber allein sein willst, dann...“
   „Nein“, schniefte die junge Frau leise. „Ich bin froh, dass ich nicht allein bin, und dass ich mit dir darüber reden kann, Dean. Es tut nur so weh.“
   Dean Corvin streichelte sacht über ihr Haar. So, wie er es einmal bei der Schwester seines besten Freundes gemacht hatte, als sie noch Kinder gewesen waren. Damals hatte sich Famke beim Spielen fürchterlich weh getan, und niemand sonst war in der Nähe gewesen. Und so, wie heute, hatte es ihm damals fast das Herz zerrissen. Famke war, nach dem Tod seiner Eltern, fast so etwas wie eine Schwester für ihn geworden. Eine Schwester, die er nie gehabt hatte. Ganz ähnlich empfand er für Irina, seit einiger Zeit bereits. Doch von diesen geschwisterlichen Gefühlen für sie ahnte die junge Frau nichts. Irgendwann würde er mit ihr über all das reden. Doch ganz bestimmt nicht jetzt.
   Erleichtert stellte Dean Corvin nach geraumer Weile fest, dass sich Irina langsam wieder beruhigte. Ihr Griff, mit dem sie ihn umklammert hielt lockerte sich und schließlich nahm sie ihre Wange von seiner und wischte sich die Tränen fort.
   „Ich bin froh, dass wir uns so toll verstehen, Dean.“
   Corvin, der die Kameradin langsam los ließ, lächelte aufmunternd. „Ja, ich auch – obwohl bei mir nur noch die falschen Lampen angehen. Geht es wieder einigermaßen?“
   Irina Hayes nickte tapfer und gab ihm, ob seiner letzten Bemerkung einen Schlag mit der flachen Hand gegen die Brust. „Ja, das Ganze musste einfach erst einmal raus. Es wird dauern, bis ich wirklich darüber hinweg bin, doch ich werde es schaffen. Du musst dir deswegen keine Sorgen machen, Dean. In zwei Wochen werde ich voll da sein.“
   „Das weiß ich“, erwiderte Corvin überzeugt. „Bis dahin werden wir uns aber, am besten nach den jeweiligen Trainingseinheiten, für mindestens eine Stunde zusammensetzen und über Gefühle reden. Du über deine und ich über meine, okay?“
   Irina Hayes nickte dankbar. „Okay, Dean.“
   Dean Corvin schluckte und atmete befreit auf. „So, und jetzt versprichst du mir noch, dass es mit dieser Diana Spencer keinerlei Probleme geben wird.“
   „Du bist aber auch mit nichts zufrieden spöttelte Irina und nickte dabei seufzend. „Also schön, ich werde ihr eine faire Chance geben.“
   Corvin machte eine ausladende Geste mit den Armen. „Mehr will ich doch gar nicht.“
   Ihr Kerle seid ja so leicht zufriedenzustellen“, seufzte Irina Hayes ironisch und war innerlich froh darüber, allmählich wieder zurück in die Spur zu finden. Daran hatte Dean seinen Anteil und sie nahm sich fest vor, ihn nicht zu enttäuschen. Darum würde sie Wort halten, und dieser Diana Spencer beim nächsten Mal unvoreingenommen begegnen. Vielleicht war sie ja doch gar nicht so übel.


2.

Gefangen auf dem Mars

   Ein gequälter Schrei entfuhr Rian Onoro, als sie die Faust ihrer Peinigerin, zum wiederholten Mal, hart im Gesicht traf.
   Gefesselt an einen unbequemen Stuhl aus Metall starrte Rian die Asiatin, die dicht vor ihr stand, aus blutunterlaufenen Augen, an. Im nächsten Moment glaubte sie, dass etwas in ihrem Gesicht explodieren würde, und ihr Kopf flog zur Seite, als Kim Tae Yeon sie erneut schlug. Die Verräterin, die den Truppen der Konföderation Deneb dabei geholfen hatte, das Sol-System zu überrennen, funkelte ihrerseits ihre Gefangene, mit hasserfülltem Blick an. Sie quälte nun seit bereits einer Stunde die dunkelhäutige Technikerin, die Dean Corvin dabei geholfen hatte, sich ihrem Zugriff zu entziehen.
   Dem entsprechend mitgenommen sah die Technikerin des Terranischen Imperiums aus. Eine Blutfahne rann aus ihrer Nase und ihre Unterlippe war aufgeplatzt. Zudem spürte sie schmerzhaft, wie ihr rechtes Auge langsam zuschwoll. Außerdem begannen die Fesseln an Händen und Füßen, ihr langsam das Blut ab zuschnüren. Dazu kam ein ziehender Schmerz im Rückenbereich, wegen der verkrampften, unnatürlichen Haltung. Tausender winziger Nadeln schienen in ihre Wirbelsäule, Arme und Beine zu stechen.
   Die seit Monaten andauernde Folter und die Folgen der Mangelernährung hatten ihre Schmerzgrenze empfindlich herabgesetzt. So dass es Rian Onoro so vorkommen musste, ihr würde jeder Schlag mindestens dreimal so weh tun, als wäre sie körperlich voll auf der Höhe gewesen. Doch dennoch erwies sich diese Gefangene als ziemlich zäh. Zäher als die meisten anderen Gefangenen, die bisher verhört worden waren.
   Der Widerstand der Gefangenen brachte Kim Tae Yeon, seit dem Verrat am Terranischen Imperium im Rang eines Majors der Konföderation Deneb, nur noch mehr in Fahrt. Die Asiatin mit dem feingeschnittenen Gesichtszügen, die nun die perlnachtblaue Uniform der Konföderation trug, ohrfeigte Rian Onoro mehrmals kräftig rechts und links, bevor sie die Gefesselte anschrie: „Glaubst du, ich würde dich nicht brechen?! Ich werde dich brechen, du verdammtes Miststück! Rede endlich! Was ist mit den Konstruktionsplänen der NOVA SOLARIS passiert?! Wo sind sie! Sprich, ich werde es ja doch erfahren!“
   Kraftlos spuckte Rian Onoro ihrer Peinigerin Blut auf die Schuhe. Dann hob sie mühsam den Kopf an und sah Kim Tae Yeon, von unten herauf, geradezu mörderisch an.
   „Niemals!“, krächzte die Dunkelhäutige fast heiser.
   Kims Hand zuckte nach der Kehle der Gefangenen. Wütend drückte sie immer fester zu, bis der Kopf der Gefesselten vornüber sank.
   Schnell legte die Asiatin zwei Finger an die Halsschlagader der Bewusstlosen. Beruhigt stellte sie fest, dass Rian Onoro noch lebte. So schnell sollte sie sich nicht davonstehlen, denn sie war mit dieser Gefangenen noch nicht fertig.
   Zwei Unteroffiziere der Konföderation, die wie sie selbst die violetten Bein- Schulter- und Ärmelstreifen des Geheimdienstes an den Uniformen trugen, näherten sich, als Kim ihnen einen Wink gab.
   „Bringt dieses Miststück zurück in ihre Zelle. In vier Stunden setzen wir das Verhör fort.“ Damit wandte sie sich ab und verließ den Verhörraum, den sie sich im ehemaligen Strategischen Hauptquartier der Terranischen Raumflotte eingerichtet hatte. Bis zum Überfall der Armada von Deneb waren von hier aus alle militärischen Operationen der Terranischen Raumflotte geleitet worden. Nun lag ein Großteil des Komplexes in Schutt und Asche, denn die Angreifer waren kompromisslos gegen dieses Bollwerk vorgegangen, bis seine Verteidiger, nach hartem Kampf, schließlich kapitulierten.
   Ebenfalls in Schutt und Asche lagen mehr als dreißig Prozent der nahegelegenen Stadt Red Sands. Ein unvermeidbarer Kollateralschaden, wie Kim befand. Eilig schritt sie durch die verlassen wirkenden Korridore des Komplexes zu einem der Aufzüge, der sie zu ihrem Büro bringen würde, dass sie sich im oberen Stockwerk eingerichtet hatte.
   Nachdem die Truppen der Konföderation die letzten Widerstandsnester auf der Erde, der Venus, dem Mars, und auf Titan zerschlagen hatten, war sie vom derzeitigen Kommandeur des Sol-Systems in den Flottendienst der Konföderation aufgenommen worden, so wie es abgemacht gewesen war. Sie hatte dabei auf eine Übernahme, im Rang eines Majors bestanden, und so trug sie nun die entsprechenden Insignien am Kragen ihrer neuen, perlnachtblauen Uniform.
   Als die Asiatin die Aufzugkabine betrat, rief sie sich ins Gedächtnis, dass die Frau, die sie eben gefoltert hatte, dabei half, den Experimentalkreuzer, NOVA SOLARIS, dem Zugriff der Truppen des Deneb zu entziehen. Sie trug gleichfalls dazu dabei, dass Dean Corvin die Flucht aus dem Sonnensystem hatte glücken können, an Bord des besagten Experimentalkreuzers.
   Bei dem Gedanken an den Kanadier trat Kim Tae Yeon wütend, mit dem rechten Fuß, gegen eine der Kabinenwände. Ihre Hoffnung, ihn in die Finger zu kriegen, und im Anschluss daran ebenso foltern zu können, wie diese närrische Technikerin, die seit drei Monaten verzweifelt versuchte sich ihr zu widersetzen, war nicht erfüllt worden. Lange aber würde zumindest diese kleine Närrin, die sich in ihren Händen befand, das nicht mehr durchhalten. Ihre Gedanken kehrten unwillkürlich zu dem Geflohenen zurück.
   Dean Everett Corvin.
   Die Überzeugung, ihn vernichten zu müssen, war bei Kim Tae Yeon, seit er ihre Liebe zurückgewiesen hatte, zu einer fixen Idee geworden. Dabei waren sie, ein Jahr nach dieser Schmach, doch noch zusammengekommen. Allerdings war dieses Zusammensein mit Corvin, zu diesem Zeitpunkt, bereits Teil eines umfassenden Rachefeldzuges gegen ihn gewesen, denn echte Liebe hatte sie zu diesem Zeitpunkt nicht mehr für ihn empfunden. Obwohl es damals einen kurzen Moment der Schwäche gegeben hatte, in dem sie sich ernsthaft fragen musste, ob sie nicht zufrieden mit der Entwicklung sein, und auf die Rache, die sie ihm ein Jahr zuvor geschworen hatte, verzichten sollte.
   Diesen Moment hätte sie am liebsten aus ihrer Erinnerung verbannt, doch das konnte sie nicht, worüber sie noch mehr in Wut geriet.
   „Ich hasse dich, Dean Everett Corvin!“, schrie sie unbeherrscht. Doch tief in ihrem Herzen wusste sie nur zu gut, dass das nicht die volle Wahrheit war. Tief in ihrem Innern, an einem Ort, an den sie nicht schauen wollte, regten sich auch andere Gefühle, wenn sie an Dean Corvin dachte. Und sie dachte sehr oft an ihn. Viel öfter, als es ihr lieb war.
   Als sie der Lift im obersten Stockwerk entließ stürmte sie durch den Gang zum Schott ihres Büros, legte die Rechte auf den Öffnungskontakt und trat eilig ein, kaum dass sich die beiden Hälften vor ihr geteilt hatten. Leise zischend schloss es sich hinter ihr, doch darauf achtete die Asiatin nicht. Sie schritt eilig hinüber in ihren Arbeitsraum, warf sich in den Sessel, der hinter dem Schreibtisch stand und legte die Arme auf die Tischplatte. Dabei sah sie zum Fenster hinaus.
   Draußen erstreckte sich ein teil jener roten Wüste, der diese Stadt ihren Namen verdankte. Sie war das letzte Relikt jener Zeit, als der Mars noch unwirtlich gewesen war. Vor dem Terraformen und der groß angelegten Besiedlung.
   Ohne zu bemerken, füllten sich ihre Augen mit Tränen. Nach einer Weile legte sie die Stirn auf ihre Arme. Rohe, helle Töne drangen aus ihrem Mund, und ihre Schultern zuckte unmerklich, als sie ihren unterdrückten Gefühlen nachgab.
   Dabei jagten sich ihre Gedanken, nach einem Ausweg aus diesem Gefühlschaos suchend, von dem sie wusste, dass es ihn nicht gab. Dean Corvin würde ihr niemals den Verrat an seiner Heimat verzeihen, dessen war sie sich völlig sicher. Ebenfalls nicht den Verrat an ihm selbst, nachdem sie ihn gezielt verführt und mit ihm geschlafen hatte. Nur um kurz darauf seine Karriere an der Akademie der Terranischen Raumflotte zu torpedieren und empfindlich zu beeinträchtigen. Zumindest bis zum Angriff auf das Sol-System.
   Sich etwas zurück beugend, schlang sie Arme um ihren Körper. Ihr Schluchzen wurde eine Spur intensiver dabei, und ihr Oberkörper wiegte sich leicht vor und zurück. Nein, Dean würde ihr niemals verzeihen, und sie ihrerseits würde ihn nicht aus ihren Gedanken bannen können, solange er lebte. Deshalb gab es nur eine einzige Möglichkeit. Sie würde ihn aufspüren und töten müssen. Doch das war einfacher gedacht, als getan. Sie wusste ja nicht einmal, wo sie mit ihrer Suche beginnen sollte.
   Gemeinsam mit seinen Freunden und einer Gruppe von Angehörigen der Terranischen Flotte war ihm die Flucht aus dem Sonnensystem gelungen. An Bord eines Experimentalkreuzers. Es gab zwar Hinweise darauf, dass er die NOVA SOLARIS, unter dem Schutz mehrerer terranischer Kreuzer, zum Wega-System gebracht hatte, doch das war bisher nicht vom Geheimdienst der Konföderation bestätigt worden. Er konnte sonst wo sein. Indes glaubte Kim auch nicht recht daran, dass das Imperium dumm genug war, den wertvollen Kreuzer in unmittelbarer Nähe des Sol-Systems zu belassen.
   Bei diesem Gedanken straffte sich die Haltung der Asiatin etwas. Sich über die tränennassen Augen wischend, überlegte sie, dass nach dem Wega-System, das Delta-Cephei-System das am stärksten befestigte terranische System war. Und es lag weit ab. Sowohl von Sol, als auch von der Einflusssphäre der Konföderation.
   Dort könntest du stecken, überlegte Kim nachdenklich, fingerte dabei nach dem Taschentuch, in der Hosentasche ihrer Uniform, und trocknete ihr Gesicht ab. Danach schnäuzte sie sich und stopfte das Taschentuch wieder in ihre Hosentasche.
   Sie besaß nicht genug Macht, Agenten der Föderation dorthin zu beordern.
   Noch nicht.
   Gedankenverloren spielten die Finger ihrer linken Hand mit dem Rangabzeichen an der linken Seite ihres Kragens. Ein nach innen zeigender, goldener Winkel mit einer kleinen, silbernen Raute im Innern des Winkels. Ein identisch aussehendes, spiegelverkehrtes Pendant prangte auf der rechten Seite des Uniformkragens.
   Dabei fiel ihr ein, dass sie einen Mann kannte, der genug Macht besaß, das zu tun, was sie nicht tun konnte. Bei diesem Gedanken hellte sich ihr hübsches Gesicht, dessen glatte Haut an Porzellan erinnerte, zusehends auf und ein zartes Lächeln huschte über die naturroten Lippen der Koreanerin. Dabei dachte sie: Ich sollte Larenan Farralen, so schnell es geht, einen Besuch abstatten.

* * *

   Mit angezogenen Beinen lag Rian Onoro auf der Seite und betastete vorsichtig ihr Gesicht, wobei sie gelegentlich ein heiseres Seufzen von sich gab. Die Pritsche, auf der ihr geschundener Körper ruhte, war hart und unbequem, doch das war gegenwärtig ihre geringste Sorge. Ihr gesamter Körper schien eine einzige Schmerzzone zu sein und in ihren Augen war es nur eine Frage der Zeit, bis Kim sie endgültig umbrachte.
   Seit nun mehr ungefähr vier Monaten befand sie sich auf dem Mars. Zwar hatte sie längst, bedingt durch die permanente Folter durch diese koreanische Höllenbraut, jegliches Zeitgefühl verloren, doch als Frau besaß sie eine relativ zuverlässige Körperfunktion, durch die sie die ungefähre Länge eines Monats bestimmen konnte.
   Um sich von ihren Schmerzen etwas abzulenken, versuchte sie an etwas zu denken, das sie ablenkte. Wie fast immer bei solchen Ablenkungen richteten sich ihre Gedanken auf Dean Everett Corvin. Jener Offizier der Flotte, mit dem sie, unmittelbar nach ihrem ersten Zusammentreffen heftig aneinander geraten war. Wie immer an dieser Stelle ihrer Überlegungen korrigierte sie sich in Gedanken, denn im Grunde waren sie sich nicht während der gemeinsamen Flucht, an Bord des Frachters KIROV, zum ersten Mal begegnet, sondern bereits über zwei Jahre früher. Beim Akademie-Ball, im Sommer 3218, in Casablanca.
   Auf der großen Freitreppe der Festhalle hatte er sie versehentlich angerempelt und bevor er sich dafür bei ihr hatte entschuldigen können, war ein Trottel von Kamerad aus ihrer Einheit dazwischen gefahren. Sie hatte ihn später in einem Saal der Festhalle gefunden, in dem Moment, als eine andere Frau ihn zum Tanzen aufforderte und mit sich auf die Tanzfläche zog. Vermutlich wusste Dean Corvin bis heute nicht, dass sie genau dasselbe vorgehabt hatte. Vielleicht hatte er sie sogar längst vergessen.
   Dieser Gedanke beschäftigte sie, seit ihm und den übrigen Flüchtigen, an Bord der NOVA SOLARIS, die Flucht von Luna geglückt war. Sie hatte zurückbleiben müssen, um diese Flucht möglich zu machen, und den Experimentalkreuzer dem Zugriff des Feindes zu entziehen. Dabei hatte sie Corvin geradezu dazu zwingen müssen, sie zurückzulassen.
   In der Erinnerung an seinen brennenden Blick und an die Berührung seiner Hand an ihrem Oberarm, bevor er sich abwandte und davon eilte, traten Tränen in ihre Augen. Seit diesem Moment tobten widerstreitende Gefühle in ihrem Innern; jedesmal erneut und intensiver, wenn sie an Dean Corvin dachte.
   „Dean Corvin, du verdammter Mistkerl!“, krächzte sie wütend, ohne zu wissen warum sie plötzlich diese namenlose Wut auf ihn empfand.
   Aus der gegenüber liegenden Zelle, in der ein Techniker mittleren Alters eingesperrt war, kam die ironische Frage: „Ist heute wieder einmal das Verfluchen dieses ominösen Dean Corvin dran? War bereits überfällig, wenn du mich fragst, Rian.“
   „Oh ja, dein unqualifizierter Kommentar dazu ist gerade das Letzte, was ich dazu brauche, Karambalos Papadopulous“, schimpfte Rian Onoro erbost zurück. Im Grunde mochte sie den griechischen Hünen von fast zwei Metern. Während der letzten Wochen und Monate hatten sie sich, während ihrer gemeinsamen Gefangenschaft, angefreundet. Was nicht so leicht gewesen war, denn wenn sie sich unterhielten beließen sie es bei Smalltalk oder rein persönlichen Dingen. Ihnen beiden war nämlich klar, dass diese Zellen rund um die Uhr abgehört wurden, und dem Feind irgendwelche Informationen zuzuspielen war das Letzte, was ihnen eingefallen wäre. Darum hatte Papadopulous nie weitergehende Fragen zu ihrem emotionalen Verhältnis, in Bezug auf Corvin, oder ihre Familie, gestellt. So wenig, wie sie sich ihrerseits erkundigt hatte, ob er Familie besaß.
   Auf diese Weise so etwas aufzubauen, wie Vertrauen, war schwierig. Doch es half, sich auf den Klang der Stimme seines Gegenübers zu konzentrieren. Aus Wortwahl und Tonfall konnte man eine ganze Menge ableiten, auch wenn man sein Gegenüber nicht sah. Vielleicht auch gerade deshalb. Zumindest bildete sich Rian Onoro ein, dass sich in dieser Hinsicht, während der Zeit ihrer Gefangenschaft, eine besondere Begabung dafür bei ihr herausgebildet hatte.
   Sie war Karambalos Papadopulous bisher dreimal kurz auf dem Gang begegnet, wenn man sie zum Verhör abgeholt, oder vom Verhör zurückgebracht hatte. Während ihrer Dienstzeit auf Luna hingegen war sie ihm nie begegnet, soweit sie sich erinnern konnte. Zu Beginn waren mehrere Mitgefangene in den umliegenden Zellen verteilt gewesen. Mit der Zeit waren, zu Beginn ihrer Gefangenschaft, immer weniger von ihnen zurückgekehrt.
   Rian vermutete, dass sie selbst wohl auch längst nicht mehr da wäre, wenn ihr Körper nicht, aus einem Grund, den sie selbst nicht kannte, stark allergisch auf sämtliche Verhör-Drogen der Konföderierten reagiert hätte.
   Beim ersten Verhör hatte man ihr welche verabreicht, und fast wäre sie elendig daran verreckt. Es hatte mehrere Tage gedauert, bis sie außer Lebensgefahr gewesen, und wieder einigermaßen genesen war. Seitdem wurde sie von Kim Tae Yeon täglich gefoltert.
   Major Kim Tae Yeon – die Überläuferin. Die Verräterin am Imperium.
   Dean Corvin hatte, in der kurzen Zeit, in der sie gemeinsam auf der Flucht vor den Truppen der Konföderation gewesen waren, von Kim gesprochen. Er hatte ihr verraten, dass er, während seiner Zeit an der Akademie der Terranischen Raumflotte, kurzzeitig mit der Koreanerin zusammen gewesen war. Eine Vorstellung die Rian umso mehr anwiderte, je öfter sie darüber nachdachte. Vielleicht war das der Grund dafür, dass ihre Gefühle in Bezug auf Dean Corvin immer wieder auf einen wilden Überlichtflug, mit unberechenbarem Kurs, mit ihr gingen. Sie fragte sich, ob sie ihm möglicherweise insgeheim die Schuld an der gesamten Misere gab, in der sie steckte. War sie vielleicht der Ansicht, dass das Alles nicht passiert wäre, wenn Dean sich Kim gegenüber anders verhalten hätte, während dieser Zeit?
   Wie immer an diesem Punkt ihrer Überlegungen verneinte sie. Dean Corvin die Schuld daran zu geben, dass die Konföderation Deneb, zu Beginn des Jahres 3221, in das Sol-System eingefallen war wäre ziemlich schräg gewesen. Nein, Corvin war, so wie sie selbst, nur ein kleines Rädchen, in der Maschine der Geschichte dieses Universums.
   Die dunkelhäutige Frau mit den kurzen Haaren, die jetzt allerdings länger waren, als üblich, gab ein leises Stöhnen von sich, als sie sich auf die andere Seite drehte. Mit geschlossenen Augen versuchte sie, die Gedanken an Corvin zu verbannen. Dabei stellte sie einmal mehr fest, dass sie stank. Und ihre Kleidung, die sie seit ihrer Gefangennahme nicht mehr hatte wechseln können, starrte vor Dreck. Man hielt sie wie ein Tier.
   Zu Beginn ihrer Gefangenschaft waren Rian Onoro die Tränen gekommen und sie hatte sich jedesmal selbst bemitleidet, wenn sie diese Feststellung traf. Mittlerweile war sie diesbezüglich weitgehend abgestumpft. Nichtsdestotrotz erschauderte sie bei dem Gedanken, dass sie vielleicht auf dem besten Wege war, diesen erniedrigenden Zustand als normal wahrzunehmen. Noch wehrte sie sich dagegen, doch sie hegte insgeheim die Befürchtung, dass sich das irgendwann ändern würde.
   Tief durchatmend zwang die junge Frau ihre Gedanken in eine andere Richtung. Seit ihrer Gefangennahme hatte Kim Tae Yeon immer wieder von ihr erfahren wollen, was mit den Konstruktionsplänen der NOVA SOLARIS passiert war. Die Koreanerin hätte vermutlich Tränen gelacht, wenn sie gewusst hätte, dass sie dem Verhör nur deshalb seit Monaten standgehalten hatte, weil sie die Antwort darauf wirklich nicht kannte. In diesem Fall wäre ihr Leben keinen Credit mehr wert gewesen, darum ließ sie Kim in dem Glauben, sie wüsste es.
   Rian Onoro wurde abgelenkt, als die Stimme des Griechen wieder über den Korridor hallte. „Schläfst du, oder hast du nur keine Lust auf ein Gespräch?“
   „Dir ist schon klar, dass der erste Teil deiner Frage ziemlich blöd ist, weil du keine Antwort darauf bekämst, wenn es der Fall wäre?“
   Ein langgezogenes Seufzen des Griechen war die Antwort. „Was mich wirklich brennend interessieren würde, Rian: Wer ist dieser Dean Corvin eigentlich, den du da regelmäßig verfluchst? Den hast du echt gefressen, wie es scheint?“
   In ihrer Zelle runzelte Rian Onoro unwillig die Stirn. Karambalos musste doch klar sein, dass sie abgehört wurden. Auf gar keinen Fall würde sie ihm die Wahrheit sagen. Nach einem Moment rief sie zurück: „Dieser Mistkerl ist die Wurzel allen Übels. Er war der Pilot des Frachters, der mir und einigen Anderen die Flucht aus dem Sol-System ermöglichen sollte. Doch zuerst hat der Kerl mit dem Hobel eine Bruchlandung der Oberfläche von Luna gemacht und danach ließ er mich einfach zurück, als er mit den anderen floh. Kannst du dir so einen Scheißkerl vorstellen?“
   In ihren Gedanken leistete sie bei Dean Corvin Abbitte für diese wilde Flunkerei und hoffte dabei in einem Anfall von schrägem Humor, seine Ohren würden nicht allzu sehr klingeln, in diesem Moment. Aber viel wahrscheinlicher schien es ihr, dass er stattdessen einen irreparablen Tinnitus bekommen würde.
   „Scheint ein richtiger Gewinn für das Imperium zu sein!“, kam die giftige Antwort des Griechen. „Dem würde ich gerne mal im Dunkeln begegnen. Dann würde es aber mal Zack-Wumm gehen, sage ich dir.“
   „Ja, das wünsche ich mir auch jeden Tag!“, gab Rian zurück, wobei sie in Gedanken hinzufügte: Aber wohl ganz anders, als du dir das jetzt ausmalst, Karambalos. Doch davon darf ich dir nichts erzählen, denn ich werde Kim ganz bestimmt keine Munition gegen mich in die Hände spielen.
   Laut sagte Rian nach einer Weile, in der es still geblieben war: „Es heißt, dass man sich immer zweimal im Leben begegnet. Wenn das stimmt, dann werde ich meine Chance vielleicht noch erhalten, ihm in den Arsch zu treten.“
   „Ich halte ihn fest“, versprach Karambalos Papadopulous und Rian Onoro hielt sich die Hände vor das Gesicht, unter denen sie schmerzhaft das Gesicht verzog. Nicht auszudenken, dass sie das hier vielleicht nicht überlebte und Karambalos eines Tages zufällig auf Dean Corvin traf. Hoffentlich hatte sie da nichts angerichtet, was am Ende einen Unschuldigen traf.
   „Du bist ein wahrer Freund“, gab sie schließlich ironisch zurück. „Aber meine Kämpfe erledige ich schon selbst. Du hältst dich da mal ganz raus. Und jetzt gib endlich mal Ruhe, ich will schlafen.“
   „Melde mich ab“, spöttelte Karambalos und Rian glaubte so etwas, wie Bedauern, in der Stimme des Mitgefangenen herauszuhören. Aber vielleicht täuschte sie sich auch.
   Dabei war gegenwärtig nicht an Schlaf zu denken. Einerseits hatte sie noch Schmerzen, die sie davon abhielten und andererseits hatte sie mit Dean Corvin ein Thema angefangen, das ihr für mindestens eine halbe Stunde nicht mehr aus dem Kopf gehen würde. Sie wollte die Gedanken an ihn auch gar nicht wegschieben, sondern mit ihnen für sich sein.
   Anfangs, als sie in ihrer Zelle, nach den ersten paar Verhören, an den dunkelblonden Offizier gedacht hatte, da war es jedesmal nur für einen flüchtigen Moment gewesen. Doch je länger sie hier gefangengehalten wurde, desto mehr Einzelheiten an ihn waren in ihr Gedächtnis zurückgekehrt. Plötzlich hatte sie sich wieder an den traurigen Blick seiner blau-grauen Augen erinnert, als er sie zurücklassen musste. Sie hatte die Tränen darin bemerkt, als sie ihn fast anschrie, damit er endlich verschwand, um die übrigen Flüchtigen zu retten und einen Experimentalkreuzer der Flotte dem Feind zu entziehen.
   Sie hatte sich gleichfalls wieder an seine Sommersprossen erinnert, die sich von den Partien unter seinen Augen über seine markante Nase hinweg zogen. An die blutverkrustete Narbe, einen Finger breit unter seinem rechten Auge, die er sich beim Absturz des Frachters zugezogen hatte, und die ihn recht verwegen hatte erscheinen lassen.
   Er war im Grunde, und das seit geraumer Zeit schon, immer bei ihr. In ihren Gedanken – in ihrem Herzen. Dabei waren sie unmittelbar nach dem Absturz der KIROV ziemlich heftig aneinandergeraten.
   Eine Kameradin von Dean war bei dem Absturz gestorben. Sie ihrerseits hatte ihn dennoch, aufgrund der Dringlichkeit ihres Weiterkommens zur Eile gemahnt. Wenig taktvoll, wie sie im Nachhinein zugeben musste, doch es war notwendig gewesen.
   Im weiteren Verlauf war es dann erneut zu einem kurzen Wortgefecht zwischen ihnen gekommen, doch Dean Corvin gehörte nicht zu den Personen, die Anderen lange etwas nachtrugen und so hatten sie kurz darauf einen Waffenstillstand geschlossen.
   Vielleicht hatte sie sein emotionaler Abschied von ihr deshalb so überrascht. Mindestens ebenso sehr überraschte es sie seitdem, dass sie selbst innerlich jedesmal förmlich vibrierte, wenn sie an Dean Corvin dachte.
   Er ging ihr mittlerweile nicht mehr aus dem Kopf, und mehr noch: Diese Gedanken an den Kanadier hielten sie aufrecht. Er gab ihr die Kraft weiterzumachen. Darum versuchte sie schon längst nicht mehr, wie es zu Beginn ihrer Gefangenschaft auf dem Mars der Fall gewesen war, die Gedanken an ihn zur Seite zu schieben. Im Gegenteil sie versuchte sie, so wie in diesem Moment, sehr oft geradezu krampfhaft festzuhalten.
   Was ihr dabei gleichzeitig jedesmal einen kleinen Stich versetzte war die Überlegung, dass Corvin sie möglicherweise längst aus seinem Gedächtnis gelöscht hatte. Das konnte, nein, das wollte sie sich zwar nicht vorstelle, doch es wäre immerhin möglich gewesen. Darum kamen manche Flüche auf ihn auch aus tiefstem Herzen. In jenen schwachen Momenten, in denen sie fast verzweifelte, bei diesem Gedanken.
   Doch bisher hatte dann die Erinnerung an seinen Blick und an seine Berührung, bevor er in der hoch geheimen Luna-Werft fort gerannt war, ausgereicht, um diese dunklen Überlegungen in ihr nicht zu stark werden zu lassen.
   Er hatte ihr vor vier Monaten versprochen wiederzukommen und sie abzuholen. Doch wie wollte er das bewerkstelligen? Er war nur ein kleiner Oberleutnant im Dienst der Flotte und er gehörte nicht einmal zum Fliegenden Personal. An Wunder glaubte sie nicht – und dennoch war da etwas in seinen Worten gewesen; eine Überzeugung, das, was er ihr in dieser verzweifelten Situation versprach, einhalten zu können, dass sie unbedingt glauben wollte. Auch wenn sie wusste wie gering die Wahrscheinlichkeit dafür war. Viel wahrscheinlicher war es, dass sie einander niemals wiedersehen würden.
   Dieser Gedanke schmerzte sie beinahe mehr, als die vorangegangene Folter.
   Rian Onoro drehte sich wieder herum und biss die Zähne zusammen, um das wehe Gefühl in ihrem Magen nicht nach oben steigen zu lassen. Die Beine leicht angezogen umschlang sie mit den Armen ihren Unterleib. Sie schloss ihre Augen und versuchte, an gar nichts zu denken. Bald schon würde man sie erneut zum Verhör abholen, so viel war sicher. Dabei galten ihre letzten bewussten Gedanken Dean Corvin, der sich momentan sicherlich viele hundert Lichtjahre von diesem Ort entfernt in Sicherheit befand, und zum ersten Mal seit Wochen rannen wieder heiße Tränen über ihre Wangen.
   Sie wäre vermutlich ziemlich erstaunt gewesen, hätte sie gewusst, dass Dean Everett Corvin in exakt diesem Moment weniger als zwei Lichtjahr vom Sol-Systems entfernt war...

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Antw:DEAN CORVIN
« Antwort #11 am: April 07, 2018, 11:47:07 Vormittag »
Endlich habe ich die komplette Palette der Rangabzeichen, die bei dieser Original-Fiction von allen 5 Splitterreichen der Menschheit immer noch verwendet werden. Nachdem sie zuvor bereits 550 Jahre lang von der zuvor geeinten Menschheit genutzt wurden. Hier die Symbole der Ränge, die allesamt einheitlich beidseitig am Uniformkragen getragen werden.

Abgebildet sind die Rangabzeichen so, wie sie am rechten Kragen getragen werden. Dabei wird das Rangabzeichen des Majors, als Einziges, am linken Kragen spiegelverkehrt getragen. Sprich: Die goldene Spitze des Abzeichens deutet dort nicht nach rechts, sondern nach links.

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Antw:DEAN CORVIN
« Antwort #12 am: Juni 02, 2018, 10:04:49 Vormittag »
Hi Community
Der zweite, von geplanten 6 - 8, DEAN CORVIN Romanen ist fertig und steht, ab sofort, in 2 verschiedenen PDF-Versionen, (für Drucker und Reader optimiert) zum kostenlosen Download bereit.


COVER-CREDITS:
Darsteller: Colton Haynes als Dean Everett Corvin; Taeyeon Kim als Kim Tae Yeon, Tracy Ifeachor als Rian Onoro
Hintergrund und Raumschiffsmodell: Von mir

Download-Links:

--> DEAN CORVIN: Brennpunkt Mars
--> DEAN CORVIN: Brennpunkt Mars (Reader optimiert)

Zum Inhalt:
Im Jahr 3221 herrscht erneut Krieg zwischen drei der der insgesamt fünf Sternenreiche, der Menschheit.
Nach dem heimtückischen Überfall der Konföderation Deneb auf das Nervenzentrum des Terranische Imperium, konsolidiert die Konföderation ihre Macht im Sol-Sektor und den umliegenden Systemen.
Dabei liegt besonders das Wega-System in gefährlicher Nähe der Flotten des Diktators von Deneb, im Sol-System.
Etwa zu derselben Zeit baut auch die neue Oberkommandierende, General Hilaria Inira Mbena, die Verteidigung ihres momentanen Hauptquartiers im Delta-Cephei-System weiter aus. Dort konnten zwar drei terranische Raumflotten, mit der tatkräftigen Unterstützung von zwei Flotten der Farradeen-Allianz, den Gegner in die Schranken weisen, doch General Mbena ist klar, dass eine erneute Attacke auf das System nur eine Frage der Zeit sein kann. Darum schickt sie einen Leichten Kreuzer der Neunten Flotte, die VESTERGAARD, auf dem Hauptmann Kimi Korkonnen dient, zu einer riskanten Aufklärungsmission aus.
Korkonnens bester Freund, Dean Corvin, der inzwischen in der farradeenischen Sonnenwind-Flotte, als Major, dient, bereitet sich darauf vor, mit dem Leichten Kreuzer NOVA SOLARIS zum Sol-System aufzubrechen. An der Spitze eines Kommandotrupps soll er unbemerkt zum Mars gelangen, und von dort aus weiter zu den Werften auf Luna, um dort eines der Störgeräte zu erbeuten, mit dem die Angreifer von Deneb, vor einigen Monaten, die Abwehr des Systems lahmlegen konnten.
Doch so weit kommt es nicht. Auf dem Mars trifft Dean Corvin auf eine alte Bekannte, und er kann in Erfahrung bringen, dass sich das, was er und sein Team suchen, auf dem Mars befindet. Dabei erfährt Corvin ebenfalls von einer Gefangenen, die sich ebenfalls dort befindet, und er fasst einen tollkühnen Entschluss...

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Antw:DEAN CORVIN
« Antwort #13 am: Juli 17, 2018, 10:09:06 Vormittag »
Ich habe erst heute bemerkt, dass ich hier noch gar keine Timeline des Projektes gepostet habe, wie in meinem WIKI und auch sonst überall. Zeit das nachzuholen, mit der sehr aktuellen Version des historischen Hintergrundes zum Projekt. Diese gepostete Zeitlinie erstreckt sich lediglich bis kurz vor den Beginn des ersten Romans, um nicht zu spoilern.


2028: Nachdem sich die Menschheit, wegen separatistischer Bewegungen in den Osteuropäischen Nationen, nahe am Rand eines Dritten Weltkrieges befunden hat, wird eine übergeordnete Instanz gebildet, die sich aus den Vertretern aller ehemaligen Einzelnationen zusammensetzt.
Es wird beschlossen, dass die UNO in dieser neuen Organisation aufgeht.
Der Notwendigkeit enthoben einen Großteil des Bruttosozialproduktes für Kriegsangelegenheiten aufzubringen, nimmt die technische und wissenschaftliche Entwicklung der Menschheit einen rasanten Aufschwung.
Die Ziele der Menschen richten sich fortan vordringlich auf die Eroberung des Weltalls.
2033: Mit der Errichtung der ersten Mondbasis, die eine permanente Besatzung beherbergen soll, wird begonnen. Die Basis entsteht, nördlich des Bürg-Kraters gelegen, im Mare Frigoris.
2039: Mit einem feierlichen Festakt nimmt die Mondbasis, am 07. Januar des Jahres, ihre Arbeit auf.
2048: Ein erster bemannter Flug zum Mars wird mit großem Erfolg durchgeführt. Dabei werden von den Raumfahrern dieser Mission umfangreiche Daten gesammelt, welche die Voraussetzungen für eine spätere Besiedlung des Mars prüfen sollen.
2063: Auf dem Mars wird die erste, ständig bemannte, Forschungsstation errichtet.
2097: Dank neuer Antriebstechniken und Verbundstoffe kann noch vor Beginn des 22.Jahrhunderts die erste bemannte Mission zum Saturnmond Titan erfolgen. Bei dieser Mission stellt sich heraus, dass der Titan gute Voraussetzungen für eine Forschungsbasis bietet, von der aus Missionen zu den äußeren Planeten des Sol-Systems durchgeführt werden können.
2102: Die endlich geeinte Menschheit bildet die erste Weltregierung. Alle von Menschen besiedelten Territorien werden von nun an unter dem Begriff Terranisches Reich zusammengefasst.
Casablanca wird zur neuen Hauptstadt der Weltregierung bestimmt.
2105: Ab diesem Zeitpunkt wird das Terranische Reich vom neuen Regierungsgebäude, in der Hauptstadt Casablanca, aus regiert.
2110: Beginnend mit diesem Jahr wird der Credit als offizielle Währung für die gesamte Erde eingeführt. Nach einer Übergangsfrist von zwei Jahren gilt er als einziges Zahlungsmittel für alle Menschen.
2132: Von der Forschungsbasis auf Titan aus werden die ersten bemannten Weltraummissionen zum Pluto und nach Eris gestartet. Dabei werden in der Folgezeit auch ein halbes Dutzend weiterer transneptunischer Objekte, durch Minilabore die von Sonden abgesetzt werden, erforscht. Hierbei gelangen die Wissenschaftler der Erde zu neuen Erkenntnissen über den Aufbau des Sonnensystems.
2177: Der erste Fusionsreaktor wird erfolgreich getestet. Mit diesem technischen Sprung löst die Menschheit ihr drohendes Energieproblem dauerhaft.
2200: Auf Beschluss der Weltregierung wird mit Beginn des neuen Jahrhunderts eine Lingua Franca eingeführt, die fortan an allen Schulen, aber auch an privaten Instituten, gelehrt wird. Die wesentlichen Elemente dieser Sprache setzen sich aus dem Spanischen, Deutschen und Japanischen zusammen.
2204: Wissenschaftler entwickeln auf dem Mars den ersten funktionsfähigen Schwerkraftgenerator. Schon wenige Jahre später hält dieses Gerät Einzug in die Raumfahrttechnik und auch alle Außenposten abseits der Erde werden mit solchen Geräten ausgestattet.
2217: Der EM-Schutzschild wird entwickelt. Er bildet, in vielfacher Stärke das Elektro-Magnet-Feld der Erde nach. Mit dieser Schildtechnik werden zunächst alle planetaren Außenbasen ausgerüstet.
Nach einer Phase von permanenten Verbesserungen dieses Systems können schließlich auch Aggregate gebaut werden, die kompakt genug sind, in Raumschiffen eingebaut zu werden, um die Insassen vor gefährlicher Strahlung zu schützen. Massive Raumschiff-Panzerungen, die diesen Zweck bis dahin erfüllten, entfallen fortan.
2231: Das Protonen-Strahltriebwerk wird entwickelt. Fortan werden alle irdischen Raumschiffe damit ausgerüstet.
2233: Die erste Mondbasis, im Mare-Frigoris, wird aufgegeben, nachdem im Mare Tranquillitatis eine neue, zum größten Teil unterlunar gelegene, Forschungsbasis ihre Arbeit aufnimmt.
2250: Erste Sonden werden nach Sirius A und B entsandt.
Die Lingua Franca wird offizielle Amtssprache auf Terra. Zu diesem Zeitpunkt wird gleichfalls an allen terranischen Lehranstalten nur noch die Lingua Franca verwendet.
2256: Der Hyperfeld-Konverter wird entwickelt. Er umgibt ein Raumschiff mit einer besonderen Art von Energiefeld, das es dem Raumschiff ermöglicht in den Hyperraum einzudringen. Nach ersten erfolgreichen Testflügen steht fest, dass Raumschiffe, die mit diesem Gerät ausgestattet sind, unter normalen Umständen maximal bis zu 4,23 Lichtjahre pro Stunde zurücklegen können.
Wissenschaftler versuchen herauszufinden, warum keine höhere Geschwindigkeit im Hyperraum erreicht werden kann, doch es bleibt schließlich bei der Theorie, dass es sich hierbei um eine natürliche Eigenschaft des Hyperraums handelt.
2259: Erste erfolgreiche, bemannte Mission zu Barnards Stern. Dieser Flug beweist, dass die Hyperflugtechnik sicher ist. Jedoch stellt sich gleichfalls heraus, dass es im Hyperraum Strömungen, Strudel und sogar so etwas wie Stürme gibt, welche sich auf den Flug eines Raumschiffs auswirken.
2267: Die Begrünung der Wüste Sahara, und einiger weiterer unwirtlicher Gegenden Terras wird in die Wege geleitet, um neuen Lebensraum für die Bewohner des Planeten zu schaffen.
2271: Nachdem sich herausstellt, dass der zweite Planet des Sirius-Systems erdähnliche Bedingungen aufweist, wird dort die erste extrasolare Kolonie gegründet.
2280: Dank gewaltiger Fortschritte in der Ökologietechnik können Anstrengungen unternommen werden die Venus und den Mars zu terraformen.
2292: Venus und Mars verfügen nun über eine atembare Sauerstoffatmosphäre und ein erdähnliches Ökosystem kann auf beiden Planeten etabliert werden.
2302: Der Saturnmond Titan wird terraformt.
2312: Der Gravo-Magnet-Antrieb (kurz: GMA) wird entwickelt und ersetzt fortan die bisherigen Rückstoßaggregate auf irdischen Raumschiffen.
2320: Erste Langstreckensonden, ausgerüstet mit der neuesten irdischen Technik, erforschen die Hyaden.
2332: Langstreckensonden werden zu den Plejaden entsandt.
2335: Die Menschheit kolonisiert drei von insgesamt 42 Planeten des Wega-Systems - und zwar den siebten, den achten und den neunten Planeten. Besonders die Auswanderung zu Wega-IX wird signifikant vorangetrieben, und bereits nach zehn Jahren hat sich der Planet zur größten Kolonie der Menschheit entwickelt.
2351: Auf dem vierten Planeten des Capella-Systems wird ein Außenposten errichtet.
2382: Auf dem achten Planeten der Wega kommt es zu einem politischen Umsturz und die Rebellen starten bewaffnete Übergriffe auf Wega-VII und Wega-IX, mit dem Ziel alle drei Planeten des Systems in ihre Gewalt zu bekommen.
2383: Truppen von der Erde schlagen die Revolte im Wega-System kompromisslos nieder.
Die überlebenden Drahtzieher des Aufstandes, bei dem zehntausende Kolonisten dem Terror der Rebellen zum Opfer gefallen sind, werden von einem Tribunal, auf Terra, zum Tode verurteilt und hingerichtet.
2384: Aufgrund der Ereignisse im Wega-System wird von der Regierung auf Terra beschlossen, eine bewaffnete Raumflotte aufzustellen, mit dem Ziel, solche Revolten zukünftig im Keim ersticken und die zivile Bevölkerung besser schützen zu können.
2400: Die Erste Flotte der Raumflotte, welche insgesamt 90 Kriegsschiffe und 10 Versorgungseinheiten umfasst, wird mit einem großen Festakt, zu Beginn des neuen Jahrhunderts, in Dienst gestellt. Die Hauptbewaffnung der Kriegsschiffe besteht dabei aus Railguns, die Projektile mit Explosionsladung, mit halber Lichtgeschwindigkeit verschießen.
2407: Die Mondbasis, im Mare Tranquillitatis, wird massiv ausgebaut und modernisiert. Neben neuen Laboranlagen entstehen in der Mondkruste gewaltige Werftanlagen und der erste, feste Stützpunkt für die Terranische Raumflotte, außerhalb der Erde.
2450: Bis zu diesem Jahr werden vier weitere Raumflotten derselben Stärke in Dienst gestellt. Mittlerweile wird das Offiziers-Corps der Flotte auf der Venus, dem Mars und auf Titan, der ebenfalls erfolgreich terraformt worden ist, ausgebildet.
2459: Das erste Kriegsschiff mit phasengesteuerten Plasmakanonen, und einem zweifach gestaffelten
Dual-Schild, der wahlweise entweder feste Objekte oder Energiestrahlen abwehren kann, wird in Dienst gestellt. Dieses Kriegsschiff ist allen anderen an Schlagkraft weit überlegen.
2460: Alle Kriegsschiffe der Flotte werden mit Plasmageschützen und Dual-Schilden nachgerüstet.
2502: Die Expansionsphase der Menschheit in Richtung geeigneter Planeten der Hyaden und der Plejaden beginnt. Sie markiert den Beginn dessen, was später, in den Geschichtsbüchern, als die sogenannte "Erste Große Expansionsphase" bezeichnet wird.
2514: Planeten im System Cephei und Antares werden kolonisiert.
2554: Weitere Mondwerften zum Ausbau und zur Wartung der Terranischen Raumflotte werden errichtet.
2570: Die "Zweite große Expansionsphase" in Richtung der offenen Sternenhaufen M-7 und M-34 nimmt seinen Anfang.
2582: Mehrere Sternensysteme in der Umgebung des Falken-Nebels werden kolonisiert.
2625: Das Deneb-System und das Zeta-Puppis-System werden kolonisiert.
2648: Bis zu diesem Jahr werden der Orion-Nebel, M-6 und das weit entfernte Sternensystem Harrel, benannt nach seinem Entdecker, Wayne Harrel, angeflogen und erforscht.
2720: Die Kolonisierung der Hyaden, der Plejaden und der Gegend um den Falken-Nebel wird massiv vorangetrieben.
2750: Bis zu diesem Zeitpunkt sind beinahe alle lokalen Einflüsse aus den Sprachgebräuchen der Menschheit verschwunden. Fast überall im Terranischen Reich wird nur noch die Lingua Franca gesprochen und verstanden. Selbst Anglizismen, die sich lange im Sprachgebrauch halten konnten, werden, im Gegensatz zu spanischen und deutschen Wörtern und Redewendungen, fast nicht mehr verwendet.
Die Menschheit breitet sich immer weiter über das bekannte Weltall aus, das nun bis zu einer maximalen Entfernung von 3000 Lichtjahren rund um das Sol-System herum, weitgehend kartographisch erfasst ist.
2898: Kelvin Harrel wird auf dem dritten Planeten des Harrel-Systems geboren.
2900: Bis zu diesem Jahr driften die Interessen der Menschen auf den verschiedenen kolonisierten Welten immer weiter auseinander und schließlich zersplittert das Terranische Reich in fünf autarke Sternenreiche.
2904: Diana Delaney wird auf dem dritten Planeten des Harrel-Systems geboren.
2936: Kelvin Harrel trifft auf Diana Delaney und verliebt sich in die energische, junge Frau.
2940: Kelvin Harrel und Diana Delaney heiraten.
2950: Alle fünf Splitterreiche rüsten Massiv auf. Im Bestreben, die Macht ihrer Gebiete zu festigen, werden mehrere, mit aller Härte ausgefochtene, Kriege geführt, die sich über weite Gebiete des bekannten Weltalls ausbreiten. Kaum eine von Menschen besiedelte Welt bleibt davon unberührt.
2987: Unter Terras Führung, der Hauptwelt des Machbereiches der sich noch immer Terranisches Reich nennt, kommt es schließlich zu Friedensverhandlungen, und eine Reihe von Verträgen, die den einzelnen Sternenreichen die vollkommene Autarkie garantiert, wird ratifiziert.
2992: Ein reger Handelsverkehr entsteht zwischen den fünf Sternenreichen, die sich aus dem Terranischen Reich, der Konföderation Deneb, dem Bund von Harrel, dem Antares Sternenreich und der Farradeen Allianz zusammensetzen.
3001: Diana Harrel, die Witwe von Kelvin Harrel, stirbt.
3100: Das Oberkommando der Terranischen Raumflotte beschließt, die Sektion-Terra fortan als besondere Kaderschmiede zu nutzen. Nur die besten fünf Prozent der Kadetten verbringen die zweite Hälfte ihrer vierjährigen Ausbildung auf Terra, wobei Absolventen der Sektion-Terra, bei der Vergabe von guten Posten, auf eine bevorzugte Behandlung hoffen dürfen.
3102: Eine Gruppe sportlich engagierter Kadetten, an der Sektion-Terra, entwickelt das Mannschaftsspiel Speedball, dessen Regelwerk auf der alt-terranischen Sportart American Football basiert. Es erfreut sich sehr schnell großer Beliebtheit unter den Kadetten der Terranischen Raumflotte. Bereits zwei Jahre später werden die ersten Sektions-Meisterschaften der Akademie ausgetragen.
3110: Einige der Sternenreiche beginnen, sich bei den jährlich abgehaltenen Handelsgesprächen, von den anderen Sternennationen übervorteilt zu fühlen. Einige gewiefte Politiker versuchen, diese Unzufriedenheit für ihre Ziele auszunutzen.
3114: Aus dem Terranischen Reich wird das Terranische Imperium.
3120: Die ersten Imperialen Speedball Meisterschaften werden im Terranischen Imperium ausgetragen und auf allen imperialen Welten übertragen. Dieses Event entwickelt sich zum größten sportlichen und medialen Ereignis der neueren Geschichte der Menschheit.
3158: Hilaria Inira Mbena wird auf dem Mars, in der Hauptstadt des Planeten, Red Sands, geboren.
3166: Laskarin Carom wird auf dem Planet Denebarran, dem Regierungsplaneten der Konföderation Deneb, im Deneb-System, geboren.
Am 17. Mai des Jahres wird Arolic Traren, als zweites von insgesamt vier Kindern seiner Eltern, auf dem Planet Geralaan, der zur Farradeen Allianz gehört, geboren.
3168: Am 27. Oktober des Jahres wird Caitriona Aleen McGowan, in der Stadt Inverness, auf Terra geboren.
3180: Bedingt durch die nun fast zweihundert Jahre anhaltende Friedensphase wiegt sich die Regierung auf Terra in relativer Sicherheit. Niemandem auf der Erde wird bewusst, dass das Imperium den Zenit seiner Entwicklung bereits überschritten hat.
Wichtige technich-wissenschaftliche Fortschritte werden nun überwiegend in den vier anderen Sternenreichen gemacht.
Terra baut auf seinen Reichtum, der sich aus den, für das Imperium sehr vorteilhaften, Handelsbeziehungen ergeben hat.
3181: Hilaria Inira Mbena beschließt, nach dem Abschluss ihres zivilen Studiums, als Raumfahrt-Ingenieur, eine Karriere als Offizier der Terranischen Raumflotte anzustreben.
3182: Arolic Traren beginnt seine Ausbildung an der an der Akadmie der Raumflotte von Farradeen.
3185: Im Sommer des Jahres besteht Hilaria Mbena ihre Ausbildung zum Offizier der Terranischen Raumflotte, an der Sektion-Terra, mit Auszeichnung.
Im Sommer beginnt Caitriona McGovan ihre Ausbildung zum Offizier der Terranischen Raumflotte, an der Sektion-Mars, der Akademie der Terranischen Raumflotte.
3186: Arolic Traren schließt die Akademie mit sehr guten Noten ab. Er wird, als Taktischer Offizier im Rang eines Leutnants auf den Schweren Kreuzer SONNENLICHT, einem Raumschiff der Kometenschweif-Flotte, versetzt.
3187: Hilaria Mbena tritt ihren Dienst, als Stellvertretender Leitender Ingenieur, auf dem Schweren Kreuzer UMBRIEL an.
Zu den besten fünf Prozent aller Kadetten des Jahrgangs gehörend, setzt Caitriona McGowan ihre Ausbildung an der Sektion-Terra fort.
3188: Hilaria Mbena wird zum Oberleutnant befördert.
3189: Im Sommer des Jahres schließt Caitriona McGowan ihre Ausbildung mit Bestnoten ab. Obwohl ihre Ausbilder feststellten, dass die junge Frau in ihren Entscheidungen, speziell in der praktischen Ausbildung, oft unkonventionelle Ansätze verfolgt. Im Rang eines Leutnants tritt sie ihren Dienst auf dem Schweren Kreuzer KARNAK, einem Kriegsschiff der Ersten Flotte, an, als zweiter Taktischer Offizier.
3190: Eine riesige, hoch geheime Flottenwerft, mit der Bezeichnung: ABTEILUNG-III, soll auf Luna entstehen. Als Standort wird das Leibnitz-Gebirge ausgewählt. Nur wenigen Menschen außerhalb des Militärs ist bekannt, dass hier künftig an der Entwicklung neuer Kriegsschifftypen gearbeitet werden wird, die vergleichbaren Kriegsschiffen der übrigen vier Splitterreiche deutlich überlegen sein sollen. Damit reagieren die terranischen Militärs endlich auf wiederholt warnende Geheimdienstberichte, aus dem Machtbereich der Konföderation Deneb, die ihnen Anlass zur Besorgnis geben.
3191: Im Herbst des Jahres wird Caitriona McGowan, aufgrund ihrer vorbildlichen Leistungen im Dienst, zum Oberleutnant befördert.
3192: Mit ihrer Beförderung zum Hauptmann wechselt Hilaria Mbena auf den Schlachtkreuzer JUPITER.
3193: Am 12. Februar des Jahres wird Diana Elodie Spencer auf dem Planet Farradeen, der im Zentrum der Plejaden liegt, in der Hauptstadt Tiraleen, geboren.
3194: Im Sommer des Jahres erlangt Caitriona McGowan den Rang eines Hauptmanns. Ihr wird vom Oberkommando der Terranischen Raumflotte das Kommando über die MURMANSK angeboten. Sie nimmt das Kommando über die schon etwas betagte Fregatte an.
3197: Kimi Korkonnen wird in Helsinki, auf Terra, geboren.
Jayden Kerr wird in Negril, auf Terra, geboren.
Kim Tae Yeon wird in Seoul, auf Terra, geboren.
Rodrigo Esteban wird im Spätsommer in Madrid, auf Terra geboren.
Gegen Ende des Jahres wird Hilaria Mbena zum Major befördert und übernimmt das Kommando über den Leichten Kreuzer NAVARONE.
3198: Dean Everett Corvin wird in Toronto, auf Terra, geboren.
Andrea von Garding wird in Hannover, auf Terra, geboren.
Miriam Rosenbaum wird im Mai, in der Hafenstadt Haifa, auf Terra geboren.
3199: Tabea Madeline Carrick wird in London, auf Terra, geboren.
Nayeli Gabriela García Herández wird in Mexiko-City, auf Terra, geboren.
Renée Aeryn Killkennen wird am 17. April des Jahres, auf der Insel Irland, auf Terra geboren.
Im Frühjahr des Jahres wird Caitriona McGowan zum Major befördert. Sie wechselt zum Schlachtkreuzer CORDOBA, wo sie den Posten des Zweiten Offiziers übernimmt.
Gegen Ende des Jahres nimmt die hoch geheime ABTEILUNG-III endlich ihre Arbeit auf. Inzwischen verdichten sich die Beweise immer mehr, dass die Konföderation Deneb damit begonnen hat, ihre Armada signifikant zu vergrößern und zu modernisieren.
3200: Rian Onoro wird in Nordafrika, auf Terra, geboren.
Irina Hayes wird in Red Sands, auf dem Mars, geboren.
Alexandra Marsden wird am 26. September des Jahres, in der Millionenmetropole Melbourne, in Australien geboren.
Am 28. September des Jahres wird Darweshi Amani Karume in Tansania, in der Stadt Musoma, am Westufer des Viktoria-Sees gelegen, auf Terra geboren.
Kelvin Gorlan wird am 02. Dezember, in Ishtar, der Hauptstadt der Venus geboren.
3201: Laskarin Carom ergreift die Macht und wird Diktator der Konföderation Deneb.
Moshe Melnik wird am 13. Januar des Jahres, in der Stadt Tel Aviv, auf Terra geboren.
Am 31. März wird Famke Korkonnen, als Tochter von Annika-Marie Korkonnen und Samu Korkonnen, in Helsinki, auf Terra geboren.
Der Aborigine Dheran Collard wird im Juni des Jahres, in der australischen Ortschaft Yulara, im Zentrum des Kontinents geboren.
3202: Hilaria Mbena wird, zu Beginn des Jahres, zum Oberstleutnant befördert. Gleichzeitig übernimmt sie das Kommando über den Schweren Kreuzer TITANIA.
Als Bürgerin der Konföderation Deneb wird Yunai Lee am 29. Dezember des Jahres, auf dem Hauptplanet dieses Sternenreiches, Denebarran geboren.
3203: Kenji Tanaka wird am 17. Mai, in der japanischen Stadt Nagoya, auf Terra geboren.
3204: Sarah Anderson wird am 09. Februar, in der kleinen Ortschaft Geelong, an der Westspitze der Port-Philip-Bucht gelegen, in Australien geboren.
Im Winter des Jahres übernimmt Caitriona McGowan an Bord den Posten des Ersten Offiziers. Damit verbunden wird sie zum Oberstleutnant befördert.
3206: Im Herbst des Jahres wird Hilaria Mbena zum Oberst befördert. Sie übernimmt das Kommando über den Schlachtkreuzer CHARON.
3209: Im Alter von 16 Standardjahren beginnt Diana Spencer ihre Ausbildung an der Akademie der Raumflotte von Farradeen.
Caitriona McGowan wird im Sommer des Jahres zum Oberst befördert. Im Zuge ihres neuen Ranges übernimmt sie das Kommando über den Schlachtkreuzer VERMEER, der ebenfalls zur Heimatflotte gehört.
3211: Hilaria Mbena wird zum Brigadier befördert. Sie übernimmt den Posten des Stellvertretenden Flottenkommandeurs der Siebten Flotte.
3213: Diana Spencer schließt die Akademie mit überdurchschnittlich guten Noten in den praktischen Bereichen ab und wird, im Rang eines Leutnants zu den Raumlandetruppen versetzt, was ihrem Wunsch entspricht.
3214: Dean Corvin und Kimi Korkonnen beginnen ihre Ausbildung an der Terranischen Raumflotten-Akademie, Sektion-Venus.
Diana Spencer qualifiziert sie sich für den Einsatz bei der 501. Raumlandeeinheit - einer Eliteeinheit, die der Sonnenwind-Flotte zugeteilt ist.
Das Oberkommando der Terranischen Raumflotte befördert Hilaria Mbena in den Rang eines Generalmajors und vertraut ihr das Oberkommando über die gesamte Siebte Flotte an.
3215: Diana Spencer macht sich auch bei ihren Vorgesetzten in der Sonnenwind-Flotte schnell einen Namen und wird zum Oberleutnant befördert. Sie fungiert im Zuge der Beförderung als Stellvertretende Befehlshaberin einer Raumlandekompanie, die dem Schlachtkreuzer STELLARIS, dem Flaggschiff der Sonnenwind-Flotte, zugeteilt ist.
Im Frühjahr wird Caitriona McGowan in den Rang eines Brigadegenerals befördert um den Posten des ausscheidenden Stellvertretenden Flottenkommandeurs der Ersten Flotte zu übernehmen.
Im Sommer des Jahres beginnt Renée Aeryn Killkennen ihre Ausbildung an der Akademie der Raumflotte. Sie wird der Sektion-Venus zugeteilt, worauf sie insgeheim gehofft hat.
3216: Im Frühjahr des Jahres befindet sich Corvin in seinem zweiten Ausbildungjahr an der Akademie, und er setzt Alles daran, zu jenen Besten zu gehören, die ihre zweite Ausbildungshälfte auf Terra verbringen dürfen...
[Aktualisiert am 17. Juli 2018]

CAMIR

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« Antwort #14 am: Juli 18, 2018, 12:25:22 Nachmittag »
Ich finde das Wordbuilding, das du da reingesteckt hast, echt beeindruckend! Hut ab!