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Thema: Die Struktur - oft unterschätzt  (Gelesen 5635 mal)

MaLi

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Antw:Die Struktur - oft unterschätzt
« Antwort #30 am: Juni 12, 2016, 03:58:58 Nachmittag »
Was dieses Thema betrifft, wäre es darum umso wichtiger, wenn etwas mehr Leute reviewen würden! So würden dann sowohl die Struktur-Schreiber, als auch die Chaos-Schreiber Rückmeldungen und somit eine Bestätigung erhalten, ob ihr (verborgener) Schreibstil bei den Lesern Anklang findet oder nicht.

Ich persönlich bin der absolute Chaos-Schreiber. Ich brauche lediglich einen einzigen Funken, um daraus eine ganze Story zu kreieren. Meine aktuelle Quintologie ist das allerbeste Beispiel dafür. Von den fünf geplanten Bänden mit jeweils rund 20 Kapiteln, stehen pro Band nur zwei, drei Ereignisse, die von Anfang an fix eingeplant sind. Der Rest entsteht spontan und wird z.T sogar zwischen zwei fertige Kapitel hinein geschoben. Trotzdem habe ich nicht das Gefühl, hier ein schriftstellerisches Desaster fabriziert zu haben. Auch meine Charaktere entwickeln sich spontan und aus der Situation heraus und das zum Teil so drastisch, dass sich der ganze mögliche Rest des Bandes dann daran anpassen muss.

Bisher hat zwar nur Gabi den 1. Band komplett gelesen, aber sie hat soviel Mühe und Zeit in die Kapitel investiert, dass sie von jedem einzelnen Sinn und Seele erkannt hat. Ich kenne sie als ehrliche und aufrichtige Person und würde ihr niemals unterstellen, dass sie mir lediglich Honig ums Maul geschmiert hat. Ihr gefällt die Geschichte, die lediglich aus Schnipseln und Fetzchen zusammengesetzt wurde.


Lange Rede, kurzer Sinn: Ich vertrete die Meinung, dass auch ein Chaos-Schreiber eine Geschichte zu Stande bringt, die einen Leser zu begeistern vermag, ohne dass der Autor gleich seine Persönlichkeit umkrempeln und zum Struktur-Schreiber werden muss. Denn einen Leser zu begeistern und ihm eine schöne oder auch lehrreiche Zeit mit dem Werk zu schenken, ist doch meines Erachtens der Sinn des Schreibens. Ganz egal, wessen Stils sich der Autor dabei bedient hat.   

Die Tipps rund ums Struktur-Schreiben sind mir wertvoll und willkommen! Doch bei diesem Thema fürchte ich, beginnt ein Streit um des Esels Schatten, denn auch wenn ich dem Struktur-System eigentlich zustimme, werde ich doch niemals vom Chaos -zum Struktur-Schreiber werden können. Ich schreibe seit über 20 Jahren so und bin somit ein alter Baum, der sich kaum mehr verpflanzen lassen wird …

Racussa

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Antw:Die Struktur - oft unterschätzt
« Antwort #31 am: Juni 12, 2016, 07:07:55 Nachmittag »
Ich denke nicht, dass es nur eine richtige Methode des Geschichtenbauens gibt; mir gefällt es einfach sehr, die Struktur grob zu planen, dann mit den Personen zu füllen. das Schreiben ist dann mehr die Nacherzählung des Kopfkinos...

Und noch eine Frage: Gibt es das Wort 'Quintologie'; müsste es nicht analog zu Trilogie und Tetralogie eine Pentalogie sein (griechische Zahlworte mit griechischem Wort logos verknüpft)? Respekt vor so einem großen Plan  ;D 8)

MaLi

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Antw:Die Struktur - oft unterschätzt
« Antwort #32 am: Juni 12, 2016, 07:54:57 Nachmittag »
@Racussa: Hast Recht, Quintologie ist auch eher ein Wortspiel von mir! (Quintett-Pentalogie = Quintologie)
Daran müsst ihr euch wohl gewöhnen, wo ich doch jetzt hochoffizieller Schiffsnarr bin   ;D
Pentalogie ist natürlich richtig!
Falls es aber zu viele verwirrte Kommentare danach gibt, werde ich mich in Zukunft schweren Herzens beherrschen  ;)

Das Projekt kommt übrigens gut voran! Der zweite Band ist schon bis über die Hälfte fertig ...

Racussa

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Antw:Die Struktur - oft unterschätzt
« Antwort #33 am: Juni 12, 2016, 08:21:15 Nachmittag »
Herrlich; ich mag Zahlenspielereien. In meinem romulanischen Imperium ist 12 die magische Zahl. Für Senatoren, die Ecken der Räume, die Anzahl der Speisen am Tisch  :D Ob ich wohl eine Dodekalogie schreiben sollte  :tempo:
Viel Erfolg beim Weiterschreiben ;D

Drago

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Antw:Die Struktur - oft unterschätzt
« Antwort #34 am: Juni 13, 2016, 07:39:24 Vormittag »
Auffällig bei diesem "Spontanschreiben" ist für mich:
Das ist (zu 99,9%) ein reines Hobby-Autoren-Ding. So gut wie kein kommerzieller Autor (Bekannte Ausnahme: Konsalik hat das gemacht, aber das hat man seinen Geschichten - negativ - angemerkt) tut sich das an. Gerade bei Geschichten, die über eine Kurzgeschichte weit hinaus gehen.

Bevor ich sage, was ich sagen will, möchte ich klarstellen, das ich hier keine Werbung machen will!

Nun zum Thema: Wer meine Bio gelesen hat, weiß, das ich schon mit 13 ein Buch geschrieben hab (500) Seiten. Ich habe mir sagen lassen, das man dem Buch mein damaliges Alter anmerkt, ihr wisst schon, Vokabular, Schreibstil usw. Und hier hab ich es genauso aufgezogen, wie mit meinem FFs ich verknüpfe die Bilder und Ideen, die ich für die Geschichte gehabt habe und ich persönlich bin der Meinung es habe funktioniert.

Letzteres verhindert (sogenannte) Schreibblockaden, die keine sind, sondern nur das Ergebnis planlosen und unstrukturierten Vorgehens. Man macht sich, schlicht gesagt, selbst das Leben schwer.
Aber das muss nun wirklich jeder mit sich selbst abmachen - wer´s unbedingt schwer haben will... ;)

Ob es mir das Schreiben erschwert hat? Nicht wirklich. Ich weiß nämlich das ich dran eingehen würde, schon vorab die ganze Handlung zu kennen. Aber dein Standpunkt ist interessant.

Gabi

Antw:Die Struktur - oft unterschätzt
« Antwort #35 am: Juni 13, 2016, 09:43:19 Vormittag »
@Drago: zur "Beruhigung" ;) - Stephen King ist der berühmteste Verfechter der Nicht-Plotter-Fraktion, GRR Martin (der Autor von song of ice and fire), unterteilt Autoren in Gärtner und Architekten (was grob auch wieder auf die Pantser und Plotter hinausläuft), und bezeichnet sich selbst als Gärtner, weil er zwar das Ende seines Epos kennt, aber den Weg dorthin noch nicht, oder Terry Pratchett hat in einem Interview einmal gesagt, dass er sich bei jedem neuen Buch hingesetzt hat, erst einmal 20.000 Wörter in die Tastatur fließen lässt und sich erst danach an das erste Editieren setzt.
Und das sind alles drei doch recht gut verkaufte Autoren (ob man ihren Stil mag oder nicht - sie verdien(t)en ihr Geld damit).

Es ist einfach eine Frage der Präferenzen, oder wenn man so möchte, der Gehirn-/Denkstruktur. Nicht ohne Grund unterteilt man in der Wissenschaft Menschen in verschiedene Auffassungs-/Lerntypen.

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EDIT: Drago ich wollte noch was zu Deinem veröffentlichten Roman fragen, damit aber nicht hier den Thread off topic führen ... hast Du keinen Vorstellungsthread? (oder habe ich den bloß nicht gefunden)

Drago

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Antw:Die Struktur - oft unterschätzt
« Antwort #36 am: Juni 13, 2016, 06:19:46 Nachmittag »
@Drago: zur "Beruhigung" ;) - Stephen King ist der berühmteste Verfechter der Nicht-Plotter-Fraktion, GRR Martin (der Autor von song of ice and fire), unterteilt Autoren in Gärtner und Architekten (was grob auch wieder auf die Pantser und Plotter hinausläuft), und bezeichnet sich selbst als Gärtner, weil er zwar das Ende seines Epos kennt, aber den Weg dorthin noch nicht, oder Terry Pratchett hat in einem Interview einmal gesagt, dass er sich bei jedem neuen Buch hingesetzt hat, erst einmal 20.000 Wörter in die Tastatur fließen lässt und sich erst danach an das erste Editieren setzt.
Und das sind alles drei doch recht gut verkaufte Autoren (ob man ihren Stil mag oder nicht - sie verdien(t)en ihr Geld damit).

Es ist einfach eine Frage der Präferenzen, oder wenn man so möchte, der Gehirn-/Denkstruktur. Nicht ohne Grund unterteilt man in der Wissenschaft Menschen in verschiedene Auffassungs-/Lerntypen.

Gärtner und Architekten. Nett  :)

Wobei natürlich gegen keines von beiden etwas wirklich einzuwenden ist. Aber ich werde es mal versuchen, mit Skript zu arbeiten, nur um es mal getan zu haben.



EDIT: Drago ich wollte noch was zu Deinem veröffentlichten Roman fragen, damit aber nicht hier den Thread off topic führen ... hast Du keinen Vorstellungsthread? (oder habe ich den bloß nicht gefunden)

Ich hab's tunlichst unterlassen, hier einen Thread über mein eigenes Buch zu erstellen. Außerdem ist es ein Fantasy Roman und das ist irgendwie das Gegenteil zu Star Trek.  ;)
Falls es aber jemand wirklich wisse möchte kann ich auch mal ein wenig dazu erzählen. Dann aber nur mit Einverständnis der hier verantwortlichen Personen. Denn weder will ich hier Werbung machen noch mich in den Vordergrund drängen.

MaLi

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Antw:Die Struktur - oft unterschätzt
« Antwort #37 am: Juni 13, 2016, 07:46:35 Nachmittag »
Ob ich wohl eine Dodekalogie schreiben sollte  :tempo:

Also ICH würde sie lesen!

Da fällt mir ein, da du zur Zeit so etwas wie eine Serie aufzuziehen scheinst, könntest du die Reihenfolge vielleicht mit Zahlen versehen? Z.B 1.1 Die grüne Flucht, 1.2 Angst im Amt, 1.3 Dunkle Zeugung oder so? Oder sind deine MBS/GePlaSt Geschichten einfach alles Einzelstories ohne Bezug zueinander und können auch wild durcheinander gelesen werden? 

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Antw:Die Struktur - oft unterschätzt
« Antwort #38 am: Juni 13, 2016, 08:00:40 Nachmittag »
Ich habe mittlerweile beides schon ausprobiert, sowohl den Gärtner, als auch den Architekten.

Mit der Architektenmethode bin ich zügig durch das Pensum durchgekommen, das ich mir vorgenommen hatte. Zuerst gab es einen groben Entwurf der Story und dann wirklich eine Zusammenfassung zu jedem Kapitel, sodass ich später alles nur noch runterschreiben musste. Mir hat dieses Arbeiten schon Spaß gemacht, weil ich im Schreibprozess selber so schnell vorangekommen bin. Andererseits war kein Raum für Ausrutscher-Ideen. In diesem Fall war das egal, weil ich die ganze Geschichte von vorne bis hinten schon vor der Planung im Kopf hatte und wusste, wo ich damit hin will.

Die meisten Sachen plane ich aber nicht so genau. Natürlich muss man bei Krimis immer ein bisschen aufpassen, sich nicht zu verrennen, aber zu den CSI-Star Trek Episoden gibt es meistens nur einen groben Ablauf plus genauen Tathergang. Der Fall daraus entwickelt sich dann schon von selbst.
Zusätzlich sitze ich von Zeit zu Zeit an einem Fantasy-Projekt, bei dem überhaupt nichts geplant ist. Ich weiß gaaaanz grob, was zwischendurch mal passieren soll. Wenn ich daran schreibe, wundere ich mich oft, wie lang das aktuelle Kapitel plötzlich geworden ist, ohne es zu merken.

Also ich tendiere zu einem Mittelding. Bin weder reiner Architekt, noch reiner Gärtner (mein grüner Daumen ist eh nur so mittelmäßig ausgeprägt, deswegen ist vllt. auch die Petersilie wieder mal eingegangen... ;) ).

Racussa

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Antw:Die Struktur - oft unterschätzt
« Antwort #39 am: Juni 13, 2016, 10:36:39 Nachmittag »
Also ICH würde sie lesen!

Da fällt mir ein, da du zur Zeit so etwas wie eine Serie aufzuziehen scheinst, könntest du die Reihenfolge vielleicht mit Zahlen versehen? Z.B 1.1 Die grüne Flucht, 1.2 Angst im Amt, 1.3 Dunkle Zeugung oder so? Oder sind deine MBS/GePlaSt Geschichten einfach alles Einzelstories ohne Bezug zueinander und können auch wild durcheinander gelesen werden?

Ichschaue mal, ob ich das zusammenbringe. Eigentlich wollte ich ja nach der gelungenen Flucht aufhören, aber jetzt gefallen mir manche Charaktere so gut, dass das nicht geht. Allerdings ist grade auch Prüfungszeit und ich komme nicht so zum Schreiben, wie ich gerne wollte...

VGer

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Antw:Die Struktur - oft unterschätzt
« Antwort #40 am: Juni 14, 2016, 11:45:11 Vormittag »
Ich bin ja normalerweise eher ein "Gärtner", weil für mich der Reiz am Schreiben ist, mitzuerleben wie die Geschichte sich entwickelt - um es mit einem Zitat von Cornelia Funke zu sagen: "Ich habe diese Geschichte nur gepflanzt, aber sie wächst, wie sie will, und alle verlangen, dass ich voraussehe, welche Blüten sie treiben wird.". Eine vorab festgelegte, allzu starre Struktur langweilt mich schnell, ich empfinde das als stupide und einschränkend. Aber manchmal muss getan werden, was getan werden muss ...

Aktuell arbeite ich ja an einem Gemeinschaftsprojekt mit dem Kuckuck, d.h. wir schreiben beide an derselben Geschichte und das erfordert einige Planung. Hin und wieder kriege ich den Koller und muss mich zum Schreiben zwingen ... aber schön langsam pendelt es sich ein. Wir haben zuerst sicher drei Wochen an der Geschichte geplant, ohne ein Wort zu schreiben, und zusätzlich zu zwei Pirates haben wir ein riesen "Plotdingens-Doc", das wir jetzt nach und nach abarbeiten. Sieht ungefähr so aus:

1.   ✔ Prolog. Sonde. Barclay POV. (Inhalt)
2.   Einleitung
a.   ✔ Sonde. Alternierende POV - Kirk: Harry / Außenteam: Maggie. (Inhalt)
b.   ✔ Sonde. Kate POV. (Inhalt)
c.   Kuckuck. Phil Kerra POV. (Inhalt - Anm. d. Red.: Sinnlose Actionszene weil Baum.)
d.   ✔ Kuckuck Sonde. Naomi POV. (Inhalt)
e.   ✔ Kuckuck. Wells POV. (Inhalt)
3.   Drama Baby!
   etc. pp.

Der meistgesagte Satz der letzten Wochen: "Ich maaag aber nicht 2c schreiben" und "Ich hör nur mimimi ..."  ;D Funktioniert aber trotzdem überraschend gut.

ulimann644

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Antw:Die Struktur - oft unterschätzt
« Antwort #41 am: Juni 14, 2016, 01:53:30 Nachmittag »
Ich persönlich bin der absolute Chaos-Schreiber. Ich brauche lediglich einen einzigen Funken, um daraus eine ganze Story zu kreieren.

Du wirst lachen, aber dieser Punkt läuft bei mir ganz genauso ab.
Eine Story kreiert man ja auch nicht nach einer Struktur - sondern die Struktur entwickelt sich aus der Geschichte heraus, die einer solchen Idee entspringt.

Dies wäre der erste Punkt den ich im Eingangspost erwähnt habe - ob man diesen Punkt nun im Gedächtnis niederlegt, oder auf Papier.

Bei Punkt 2. ist es so, dass sich dieser Aufwand nicht für Kurzgeschichten (das wären für mich persönlich Geschichten unter 15.000 Wörtern) lohnt. So kurze Plots kann ich auch noch mit knapp 50 im Kopf behalten (trotz Alzheimer und so... ;) :D).

Ähnliches Betrifft Punkt 3. bzw hängt davon ab, wieviele Handlungsstränge pro Episode ich verfolge. Ist es einer brauche ich keinen Fahrplan - sind es permanent mindestens drei dann hilft mir ein solcher Fahrplan.

Was dann unter Punkt 4 steht möchte ich nochmal zitieren:

Zitat
4. Erst nun beginne ich mit dem Schreiben der eigentlichen Geschichte, wobei auch in dieser Phase noch neue Story-Elemente mit einfließen können. Mit der beschriebenen Vorarbeit erkennt man jedoch viel besser, was machbar ist, oder wie sich dieses neue Story-Element einfügen lässt.

Mit anderen Worten - da ist längst nichts in Stein gemeißelt, sondern ich habe ganz bestimmt Spielraum für zusätzliche Ideen.

Meine aktuelle Quintologie ist das allerbeste Beispiel dafür. Von den fünf geplanten Bänden mit jeweils rund 20 Kapiteln, stehen pro Band nur zwei, drei Ereignisse, die von Anfang an fix eingeplant sind.

Das sagt mir nichts zum Umfang.
Von wievielen Wörtern pro Episode (Durchschnitt) sprechen wir hier?

Der Rest entsteht spontan und wird z.T sogar zwischen zwei fertige Kapitel hinein geschoben. Trotzdem habe ich nicht das Gefühl, hier ein schriftstellerisches Desaster fabriziert zu haben. Auch meine Charaktere entwickeln sich spontan und aus der Situation heraus und das zum Teil so drastisch, dass sich der ganze mögliche Rest des Bandes dann daran anpassen muss.

Es mag Einzelgeschichten geben, bei denen das funktionieren kann.
Ich selbst schreibe SciFi - und das am liebsten in Serie, also Episoden, die auf einander aufbauen. Da käme ich so nicht weiter.

Als Beispiel: Wenn ich einen Admiral brauche, der in der Hälfte der Geschichte in eine Raumschlacht verwickelt wird, in der er sich als effizienter Kommandeur herausstellt, der in der Lage ist, die notwendigen Entscheidungen zu treffen und die nötigen Befehle zu geben, dann wäre es fatal, würde sich der Charakter bis zu diesem Moment zu einem unentschlossenen Pazifisten entwickeln. Für solche Geschichten muss ich schon die grobe Entwicklung des Charakters abgeschlossen haben - und mich auch daran halten, soll es später nicht völlig unglaubhaft werden. Das verhindert aber nicht all die vielen kleinen Entwicklungen des Charakters beim Schreiben, die in der Summe immer noch mindestens die Hälfte ausmachen. Mindestens...

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich vertrete die Meinung, dass auch ein Chaos-Schreiber eine Geschichte zu Stande bringt, die einen Leser zu begeistern vermag, ohne dass der Autor gleich seine Persönlichkeit umkrempeln und zum Struktur-Schreiber werden muss. Denn einen Leser zu begeistern und ihm eine schöne oder auch lehrreiche Zeit mit dem Werk zu schenken, ist doch meines Erachtens der Sinn des Schreibens. Ganz egal, wessen Stils sich der Autor dabei bedient hat.

Ich denke, dass "eine Struktur nutzen" hier etwas verwechselt wird mit "individuellem Schreibstil".
Ein Skript zu nutzen heißt nicht, dass ich die Geschichte unabänderlich vorschreibe. Das Ende (einer Serienepisode) zu kennen bedeutet auch nicht, dass sich nicht einige Details dahin noch ändern können. So die Episoden aber auf einander aufbauen ist es nicht verkehrt das große Ganze im Auge zu behalten.
Das ist etwas anderes, wenn man Oneshots schreibt, oder Episoden ohne durchgängigen Hintergrundplot.

Allgemein noch angemerkt:
Ich denke nicht, dass man einen Schreiber eindimensional in die Schubladen: "Chaos-Schreiber" und "Struktur-Schreiber" stecken oder limitieren kann, bzw "Gärtner" und "Architekt".
Ich würde sagen, dass auf jeden Schreiber beides zutrifft, nur ist die Gewichtung von Fall zu Fall verschieden.

Diese Autorentipps erheben nebenbei auch nicht den Anspruch darauf, dass es nicht anders ginge, oder dass es sich um die einzig sinnvolle Art des Schreibens handeln würde. Viele Projekte werden mit weniger auskommen. Dennoch wollte ich mich beim Posten dieser Tipps auch an die Autoren wenden, die sich irgendwann an größeren Projekten, wie Serien versuchen möchten (dass nicht alle diese Tipps auch bei Kurzgeschichten oder bei jedem Oneshot, bzw jedem Genre Sinn ergeben werden, das war mir dabei schon klar). Denn oft verendet ein vielversprechendes, ambitioniertes Projekt nicht am Können des Schreibers, sondern daran, dass gerade Schreiber mit wenig Erfahrung, gerade auch wegen des Umfangs, etwas in der Luft hängen, was das WIE betrifft.
Besonders dann, wenn es keine FF ist, die geschrieben werden soll, sondern eine Original-Fiction, bei der der Schreiber jeden Pups selbst erfinden (und behalten !!) muss, denn da kann er nicht mal eben auf "Memory-Alpha" nachschauen, wie das nochmal war... Und auch an solche Schreiber sollen sich diese Autorentipps ja richten, nicht nur an reine FF-Schreiber.

Natürlich können dann solche Tipps nicht jeden Extremfall abdecken, und sie sind auch kein muss - wer jedoch so etwas sucht wird sich von diesen Tipps möglicherweise etwas mitnehmen können. Wieviel das ist, das liegt dann ganz beim Schreiber.

Da kann ich dir in meinem Fall widersprechen. :) Ich denke nicht, dass ich dadurch kreativer bin, es ist einfach meine Art.

Darum steht in meinem Post auch das Wort viele, und nicht alle. ;)

Und beim Malen weiß ich auch, welches Motiv, aber entscheide dann spontan, welches Material und welcher Stil.

Ist nicht vergleichbar IMO.

Dadurch mache ich es mir nicht schwerer. Jeder arbeitet halt anders. Würde ich mich so arg an eine von mir auferlegte Struktur klammern, wäre ich weder glücklich noch wäre das Ergebnis gut. :)

Wie bereits gesagt, das kann nur jeder mit sich selbst abmachen.

Nämlich: ich habe noch nie ausprobiert, auf deine Art zu schreiben. Hast du schon mal intuitiv geschrieben? (Ehrliches Interesse, kein Piesacken! ;) ::)  )

Das sehe ich nicht als Piesacken an, sondern als eine IMO berechtigte Frage.

Kleinere Geschichten, so zwischen 10.000 bis 20.000 Wörter schreibe ich mit nur sehr wenig Notizen, die nur grobe Eckpunkte der Geschichte enthalten - es ist auch ein Unterschied, welches Genre ich gerade schreibe. Bei SMALLVILLE-EXPANDED schreibe ich weitaus intuitiver, als bei meinen STAR TREK-Serien, oder aktuell bei meinem Original-Fiction Projekt: DEAN CORVIN.

Allerdings lässt die die Frage vermuten, dass du von einer falschen Vorstellung meiner Arbeitsweise ausgehst (oder von dem, was ich unter einer Struktur verstehe). Denn selbst mit einem etwas umfangreicheren Skript, wie momentan für DEAN CORVIN (umfangreicher hauptsächlich deshalb, weil ich - anders als bei FF - die gesamte Technik und das Universum mit jedem einzelnen Sternensystem, Planeten und Lebewesen darin selbst erfinden UND behalten muss) ist es nicht so, dass ich am Ende die einzelnen Szenen einfach herunter schreiben kann. Da spielt sich noch so unendlich viel spontan ab.

Jedoch - und das lässt sich bei einem Episoden übergreifenden Hintergrundplot schlecht vermeiden - baut die nächste Episode auf dem auf, was in der vorherigen passiert ist, und da ist es eine gute Idee das Ende einer Episode zu kennen und auch ungefähr so zu erreichen, da sonst alles was nachfolgt nicht mehr funktionieren könnte. Wie ich dorthin komme entspricht dabei bereits jetzt, nach 70% der Episode, schon nur noch zur Hälfte des Skripts, das ich für diese Episode entwickelt habe. Wobei sich das Skript selbst, während des Schreibens der bisherigen Ereignisse, um mindestens 20% vergrößert hat - für den Rest, der noch aussteht.

Ich schreibe grundsätzlich jede einzelne Szene intuitiv, denn ich lege bei einer Episode, wie der aktuell in Arbeit befindlichen (120.000 bis 125.000 Wörter) zwar die Marschrichtung fest, nicht aber, wie die einzelnen Szenen ablaufen werden. Ich behalte dabei, je nach Umfang, zwischen 5 bis 10 Fixpunkte im Auge, an denen es kein Vorbeikommen gibt. Der Rest ergibt sich beim Schreiben - das, was du als intuitives Schreiben bezeichnen würdest. So hatte ich z.B. zu Beginn überhaupt keine Ahnung davon, dass es eine Szene in der Sporthalle geben wird, bzw. welchen Sport die Kadetten des Terranischen Imperiums (DEAN CORVIN) des 33. Jahrhunderts bevorzugen. Oder was für ein Charakter die Kommandeurin der 9.Flotte sein wird. Oder dass der Diktator der Konföderation Deneb eine platonische Freundin haben wird, der er uneingeschränkt vertraut. All das entstand erst während des Schreibens der entsprechenden Szenen.

MaLi

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Antw:Die Struktur - oft unterschätzt
« Antwort #42 am: Juni 14, 2016, 06:59:16 Nachmittag »
Ach SO ist das gemeint ... 
Sorry, Ulimann, da habe ich dich wohl falsch verstanden!  *ascheaufmeinhauptstreu* *hust* *röchel* *würg*

Als du geschrieben hattest, dass man es Autoren negativ anmerke, wenn sie den Pfad des Struktur-Schreibens verliessen, dachte ich, du meinst, dass Langgeschichten ohne Struktur keines Falls funktionieren können. Diese Aussage wollte ich anhand meiner Selbst widerlegen. Jetzt wo du das noch einmal ausführlich erläutert hast, sehe ich erst, dass du auch der Ausnahmen gedacht hast.   :-[

Zu deiner Frage:
Meine durch und durch improvisierte Chaos-Geschichte wird voraussichtlich einen Umfang von rund 300'000 Worten haben. Ca. 60 - 65'000 Worte pro Band. 100'000 davon sind schon online oder in der Beta. Geplant waren drei Bände; jetzt sind es chaosbedingt schon fünf.  Ich lasse mich überraschen ... :D


Dass du dich so um die Neu-Autoren  kümmerst, finde ich übrigens super! Deine Tipps sind wertvoll und ausgesprochen nützlich! Vielen herzlichen Dank!  :thumbsup:
Und bitte, entschuldige das Missverständnis  :-[

ulimann644

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Antw:Die Struktur - oft unterschätzt
« Antwort #43 am: Juni 15, 2016, 10:37:45 Vormittag »
Ach SO ist das gemeint ... 
Sorry, Ulimann, da habe ich dich wohl falsch verstanden!  *ascheaufmeinhauptstreu* *hust* *röchel* *würg*

Als du geschrieben hattest, dass man es Autoren negativ anmerke, wenn sie den Pfad des Struktur-Schreibens verliessen, dachte ich, du meinst, dass Langgeschichten ohne Struktur keines Falls funktionieren können. Diese Aussage wollte ich anhand meiner Selbst widerlegen. Jetzt wo du das noch einmal ausführlich erläutert hast, sehe ich erst, dass du auch der Ausnahmen gedacht hast.   :-[

Chaos-Schreiben (oder aber Struktur-Schreiben) wäre da wirklich der falsche Begriff.
Mit einer Struktur zu arbeiten bedeutet eher, seinen Arbeitsablauf zu strukturieren. Natürlich kann man auch chaotisch arbeiten, aber dabei verliert man bei Großprojekten gerne den Überblick.

Das ist vergleichbar mit dem Beruf. Da gibt es Leute mit einem sehr guten Zeitmanagement, weil sie sich organisieren können, und Leute mit keinem guten Zeitmanagement.
Die letzteren sieht man immer nur herumwuseln (was nach Fleiß aussieht - aber nicht ist) weil sie für eine Sache zehn mal gehen. Erstere gehen für zehn Sachen nur einmal (was blöderweise immer so ein wenig danach aussieht, als wären sie weniger fleißig, als Letztere).
Der Punkt dabei ist: Beide schaffen am Ende die Aufgaben, und auch mit annähernd demselben Ergebnis, doch es ist ein Unterschied, ob man, wie der Unorganisierte, völlig geschafft und zuweilen entnervt heimfährt, oder aber locker und relativ stressfrei.

Nun darf man raten, wer von den beiden Arbeitstypen am Ende Spaß an der Arbeit hat, und wer möglicherweise irgendwann entnervt die Sachen hinschmeißt. ;)

Um nochmal auf den negativen Effekt beim Drauflos-Schreiben zu kommen.
Bei Konsaliks Buch "Mit Familienanschluss" merkt der Leser, zum Ende des Buches hin, dass er ursprünglich die Geschichte länger geplant hatte (oder besser aufgeteilt). Da verzettelt er sich bis kurz vor dem Ende des Buches mit Ereignissen, die er hätte flotter etwa bis zur Mitte des Buches erzählen können und fasst die Ereignisse, die nochmal so lang hätten erzählt werden müssen, plötzlich auf den letzten Seiten derart zusammen, dass man den Eindruck gewinnt, dass er einerseits an der Stelle die Lust an der Geschichte verloren hat, oder aber schlicht nicht mehr wusste, wie er die losen Enden spannend verknüpfen soll. Gerade dieses Buch ist ein Extrembeispiel dafür, was ohne etwas Vorarbeit passieren kann. Das abrupte Ende des Buches hat mich besonders deshalb wütend gemacht, weil die Geschichte, bis ins letzte Viertel hinein, durchaus sehr humorvoll und kurzweilig geschrieben ist.

Zu deiner Frage:
Meine durch und durch improvisierte Chaos-Geschichte wird voraussichtlich einen Umfang von rund 300'000 Worten haben. Ca. 60 - 65'000 Worte pro Band. 100'000 davon sind schon online oder in der Beta. Geplant waren drei Bände; jetzt sind es chaosbedingt schon fünf.  Ich lasse mich überraschen ... :D

Danke für die Info.
Das klingt nach einem ordentlichen Pfund.
Was ich mir schon vorstellen kann ist: Dass es Spaß machen kann jetzt noch nicht zu wissen wohin das alles 200.000 Wörter später führen kann.
Was ich mir ebenfalls dabei vorstelle, oder besser: was ich mich dabei frage, ist: Wie arbeitet man in dem Fall auf einen Höhepunkt in der Geschichte hin? Es gibt ein geflügeltes Sprichwort, das da heißt: "Der beste Gag verpufft wirkungslos, wenn er nicht rechtzeitig angekündigt wird." Und ein solches Ankündigen kann schlecht stattfinden, wenn man gar nicht weiß, was stattfinden wird, IMO.

Dass du dich so um die Neu-Autoren  kümmerst, finde ich übrigens super! Deine Tipps sind wertvoll und ausgesprochen nützlich! Vielen herzlichen Dank!  :thumbsup:
Und bitte, entschuldige das Missverständnis  :-[

Naturgemäß werden erfahrene FF-Schreiber vielleicht weniger aus diesen Tipps für sich mitnehmen, als Neueinsteiger. Für genau diese Neueinsteiger sind die Tipps vordringlich (aber nicht nur) zusammengestellt. Die werden dadurch nicht von hier auf gleich bessere Geschichten raushauen, aber möglicherweise ein paar Hinweise finden, um auch mit etwas größeren Projekten - besonders in Hinsicht auf Original-Fiction (die schwieriger zu schreiben ist, gerade für Neulinge) - nicht baden zu gehen.

Wie gesagt: Ob und was jemand aus diesen Tipps für sich mitnehmen will, das liegt dann am Ende ganz bei ihm/ihr.
« Letzte Änderung: Juni 15, 2016, 10:43:38 Vormittag von ulimann644 »

David

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Antw:Die Struktur - oft unterschätzt
« Antwort #44 am: September 26, 2016, 01:31:20 Vormittag »
Eine Struktur sollte jede Geschichte haben.
Es ist natürlich auch immer die Frage, wie weit man die Handlung schon im Kopf hat und natürlich was für eine Art von Autor man ist.
Ich kenne vor Allem zwei Arten von Autoren:
  • Den Peniblen
  • Den Spontanen
Der Penible Autor entwickelt vor dem Schreiben fast die gesamte Handlung von A-Z und bereitet eine Geschichte fast wie ein Drehbuch vor.
Der Vorteil: Man kann relativ schnell eine Geschichte erzählen, da man ja genau weis, was passieren soll.
Der Nachteil: Es kann an Spontanität fehlen und man kann festhängen, wenn es mal nicht weiter geht.

Der Spontane gibt sich in der Regel einen groben Rahmen vor.
Er weis, was passieren und wo die Reise am Ende hingehen soll. In der Mitte ist jedoch viel Grau.
Der Vorteil: Er hat Spielraum für spontane Einfälle und Wendungen
Der Nachteil: Man kann mittendrin festhängen, weil man plötzlich feststellt, dass einem die Ideen ausgehen. Das kann aufhalten.

Neben dem "Spontanen" und dem "Peniblen" gibt es natürlich noch zahllose Abstufungen.

Aber Alle haben Eines gemeinsam:
Sie alle gehen an ihre Geschichte grundsätzlich mit einer Struktur heran.
Sie wissen, wo sie anfangen und wo die Reise enden soll.

Daher vertrete ich die Einstellung, dass eine Geschichte eine Struktur haben sollte, die als "Grundgerüst" fungiert.

Ich habe in meinem aktuellen Werk 4 Handlungsstränge.
Die Teile ich in Abschnitte auf und benenne sie mit A, B, C und D.
Alle Abschnitte umfassen einen groben Rahmen, wie sich der jeweilige Handlungsstrang entwickeln soll.
Meist reichen da 1-2 Sätze, die es auf den Punkt bringen.

Also:
A1, A2, A3, B1, B2, B3, B4, C1, C2... usw.
Diese kann man dann gut überschauen und sie weitgehend in eine grobe Reihenfolge bringen.
A1, B1, C1, A2, B2, B3, A3, C2... usw.

Der Vorteil dieser Methode:
Man zwängt die Geschichte nicht in ein starres Drehbuch und behält trotzdem einen Überblick, wo die Geschichte als Ganzes und die einzelnen Handlungsstränge im Verlauf der Handlung stehen (sollen).

Was dann in den einzelnen "Punkten" passieren soll, ist natürlich dann recht offen.
Nur der Rote Faden ist vorgegeben und ... sagen wir mal, das Hauptthema von A1 oder wie auch immer.
Aber es ist in jedem Abschnitt Platz auch für neue Ideen, da man problemlos das Gerüst erweitern kann.
Zumindest, solange die Geschichte nicht schon zu weit fortgeschritten ist.

Ich hoffe, diese Ausführung meiner Arbeitsweise kann in Zukunft dem Einen oder Anderen von Euch behilflich sein.