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Thema: Definiton von Star Trek wichtiger Nachtrag  (Gelesen 148 mal)

Bareil Nerys

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Definiton von Star Trek wichtiger Nachtrag
« am: Januar 14, 2019, 01:47:38 Vormittag »
Ich habe noch etwas zu ergänzen, was bisher keiner in den Definitionen erwähnt hat :

Star Trek ist eine Utopie der Aufklärung (philosophische Strömung und Epoche, welche die Vernunft in den Mittelpunkt stellt), und Moderne d.h.  es wird vom Menschenbild des autonomen Subjekts ausgegangen, d.h. eine Wesen, dass seine moralischen Entscheidungen selbständig und auf autonomer Vernunft basierend trifft, ohne sich von emotionalen "Trieben" oder kulturellen Normen leiten zu lassen. Picard ist das Musterbeispiel für den Typus des autonomen Subjekts, dem Idealmenschen dieser Ära.

Kant (Philosoph der Aufklärung) :  frei  zitiert : "Habe Mut dich deines eigenen Geistes ohne die Lenkung eines anderen zu bedienen !" > Denke selbständig !
Alle  Sternenflotten-Trek-Figuren folgen diesem Motto ! Niemand ist nur Befehlsempfänger oder nur Produkt seiner Kultur.
, sondern für sein Tun selbst verantwortlich, also autonomes Subjekt. Auch Aliens werden so gesehen, d.h. Picard appelliert auch bei Aliens ! an die Vernunft des Einzelnen und sieht sie nicht als "graue Masse", wo alle böse sind.

In DS9 läuft ein Weyoun-Clon zur Föderation über, weil er selbständig zu der Erkenntnis gekommen ist, dass der Krieg falsch ist.

In "das unentdeckte Land" siegt die Vernunft über die Feindschaft mit den Klingonen, weil einige Klingonen bereit waren, einzulenken und sich mit der Föderation auszusöhnen, was die "Hardliner" zu sabotieren versuchten.

Das ist für mich der Kern von Star Trek und Discovery befolgt ihn !
L'Rell (Klingonin) folgt zuerst T'Kuvmas Hetze gegen die Föderation, erkennt dann aber selbst, dass die Föderation nicht der Feind ist, als den man ihn ihr "verkauft" hatte.
Die Föderation könnte die Klingonen als Ganzes vernichten, tut es aber nicht, da ja nicht alle per se schlecht  sind > L'Rell.
Letztendlich siegt die Vernunft "Lass und kooperieren" über die Emotion  "bringt alle um".



 
« Letzte Änderung: Januar 14, 2019, 02:04:05 Vormittag von Bareil Nerys »

Racussa

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Antw:Definiton von Star Trek wichtiger Nachtrag
« Antwort #1 am: Februar 12, 2019, 05:56:34 Nachmittag »
Ein sehr interessanter Standpunkt. Ich sah Star Trek (und das legt ja auch schon der Name nahe) eher als in Zukunft und Weltraum verlegte Westmission, eine Allegorie auf die teils wirtschaftliche, teils militärische Ausbreitung zuerst der europäischen Großmächte, dann der US-Amerikaner immer tiefer in indianisches Territorium hinein. Das fällt zwar mit dem Zeitalter der Aufklärung zusammen, und wird damals auch als Vernunftpflicht zu Bildung und Zivilisation diskutiert, kommt aber im postkolonialistischen Zeitalter sehr oft auf ganz neue Weise zur Sprache.

Ich fand es bei Star Trek bei aller Buntheit immer beklemmend, dass am Ende nach der pflichtmäßigen Diskussion doch der relativ häufige Einsatz von Waffen steht. Jedes Gespräch bekommt dadurch eine etwas andere Wendung, wenn meine Freiheit der Antwort zwar gegeben ist, aber ich im Fall einer 'falschen' Antwort dann doch niedergephasert werde. Nur ganz wenige Folgen kommen ohne Sieg der Föderation aus (daher liebe ich Endars Sohn in TNG). 'Feinde' sind immer gierig, bösartig oder lächerlich.


Ich habe die Weyouns ja deshalb immer so bewundert, weil bei ihnen Loyalität gegenüber den GründerInnen und sehr selbstbestimmtes Handeln verbunden waren. Und ich finde alle ffs spannend, die einmal aus der Perspektive der von der Föderation nach außen Gestellten erzählen (weshalb ich wohl Romulaner und Dominion so mag).


Ich frage mich mit Blick auf Adornos 'Dialektik der Aufklärung', ob genau dieser hocherhobene Siegeszug der Vernunft und des Berechnenden nicht  Ursache vieler heutiger Probleme ist. Der einzige wirkliche substanzielle Fortschritt zu heute in Star Trek ist die quasi unendliche Verfügbarkeit der Produktionsgüter für alle (Replikatortechnologie). Dass Kriegsschiffe Forschung und Diplomatie machen, das ist eher frühe Neuzeit (und ggf. Gegenwart). Und dennoch liebe ich Picard und Janeway, die wie Columbus und Magellan den Raum durchreisen; ich mag die soziale Interaktion gerade innerhalb der total hierarchisierten Gemeinschaften und die schier unerschöpfliche Fülle von Szenarien, die den Drehbuchautorinnen über hunderte von Folgen eingeflossen sind.


Bei DIS muss ich noch überlegen, aber ich kam schon in AOS nicht mit dem Design und der hektischen, pathetisch-gewalttägigen Art zurecht. Vielleicht ist es wie bei ENT, dass man vier Staffeln abwartet und sich dann rückwärts auch die ersten Staffeln anders erschließen.

ulimann644

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Antw:Definiton von Star Trek wichtiger Nachtrag
« Antwort #2 am: Februar 13, 2019, 11:11:20 Vormittag »
Ich habe die Weyouns ja deshalb immer so bewundert, weil bei ihnen Loyalität gegenüber den GründerInnen und sehr selbstbestimmtes Handeln verbunden waren. Und ich finde alle ffs spannend, die einmal aus der Perspektive der von der Föderation nach außen Gestellten erzählen (weshalb ich wohl Romulaner und Dominion so mag).

Ich hatte woanders mal eine heftige Diskussion, weil ich die Gründe für den Ausbruch des Dominion-Krieges mal etwas kritisch beleuchtet habe, um danach der Föderation die Hauptschuld zu geben.
Denn man stelle sich das mal umgekehrt vor: Schwer bewaffnete Raumschiffe des Dominion wären permanent in den Alpha-Quadrant eingeflogen und das Dominion hätte, in von der Föderation beanspruchten Bereich, eine Kolonie gegründet bzw. eine Sensoren-Phalanx errichtet. Die hätte doch Mord und Brand geschrien. Und nachdem sie das Dominion aufgefordert hätten, ihren Raum nicht länger zu verletzen, wären sie wenig später mit einem der stärksten Schlachtschiffe ihrer Flotte, unterstützt von zwei leichteren flankierenden Einheiten, dennoch erschienen. Was wäre dann wohl, von Seiten der Föderation, passiert? EBEN!
Aber im umgekehrten Fall? OMG !!

Der Dominion-Krieg spiegelt - mehr als alle anderen Vorkommnisse in STAR TREK - das amerikanische Weltbild von ihrer ach so heeren "Überlegenheit" wieder. Und von ihrem Größenwahn, wirklich Alles und Jeden als ihr ganz persönliches Eigentum anzusehen. Und sitzt wer Anderes auf etwas, das man haben will, dann fängt man einfach einen Krieg an und behauptet dreist, das war nötig, um den Anderen dann Alles wegzunehmen. Zumindest in dem Konflikt Dominion vs. Föderation habe ich den viel zitierten "Geist von STAR TREK" wirklich nicht gesehen...

Dass ich DS9 dennoch mag liegt weniger an dieser Aussage, oder irgendeinem (hier nicht vorhandenen) "Geist von STAR TREK", als viel mehr an der Tatsache dass es (abgesehen von dem oben angeführten üblichen US-Klischees) eine gut gemachte SciFi-Serie ist.