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Thema: Darstellung von Vergewaltigung in FFs  (Gelesen 757 mal)

ulimann644

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Darstellung von Vergewaltigung in FFs
« am: März 12, 2018, 08:00:52 Vormittag »
Manche Menschen sagen, das Thema sei ausgelutscht (es ist ne Vergewaltigungsstory)...

Bei dem Thema kommt es IMO sehr stark darauf an WIE der Autor/die Autorin an das Thema herangeht.

Ich selbst klammere diese Thematik in meinen Geschichten selbst aus, behandele sie aber andererseits - im Spiegeluniversum - insofern, dass ich in Rückblenden darauf verweise (bzw. in der nächsten ICICLE-Episode, die weitgehend im MU spielt, verweisen werde). Da gibt es (gab es) eine cardassianische Intendantin die sich u.a. den MU-Gegenpart zu Pasqualina Mancharella als Lustsklavin hielt. Einen jungen Mann machte sie andererseits mit Drogen gefügig (was letztlich in etwa auf dasselbe hinausläuft wenn auch weniger brutal).
Bei diesem Thema geht es mir mehr um die psychischen Folgen, als um die vordergründige Brutalität der Handlung als solche.

Abseits des MU in Star Trek vermeide ich das Thema Vergewaltigung ganz bewusst. Zwar ist es etwas blauäugig zu vermuten, dass das in einem Krieg des 33. Jahrhunderts nicht vorkommen könnte, doch ich werde es zum Bleistift in DEAN CORVIN dennoch nicht thematisieren - und wer weiß, ob es in 1200 Jahren nicht doch allgemein verpönt ist. Durch die Hölle schicken kann ich meine Charaktere auch anders. Und die physische Gewalt, die eine gewisse Geheimdienstangehörige in DEAN CORVIN ausübt, hat es auch so schon in sich.
« Letzte Änderung: März 12, 2018, 03:06:04 Nachmittag von Oriane »

Lady Q

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Antw:Vergewaltigung in FFs
« Antwort #1 am: März 12, 2018, 02:49:59 Nachmittag »
Ich mag doch noch ein paar erklärende WOrte hierlassen. Ich hatte bisher nirgends einen Rahmen gefunden, wo ich das vielleicht dazu schreiben kann.

Bei dem Thema kommt es IMO sehr stark darauf an WIE der Autor/die Autorin an das Thema herangeht.

...Bei diesem Thema geht es mir mehr um die psychischen Folgen, als um die vordergründige Brutalität der Handlung als solche.

...Durch die Hölle schicken kann ich meine Charaktere auch anders.

Ja, definitiv. Ehrlich gesagt störte mich beim Lesen einiger Storys, dass die Charaktere zwar offenbar massiv getroffen waren, aber nach einigen vorsichtigen Küssen und der Versicherung, nie alleine zu sein, war dann wieder alles "gut". Ja, öhm. Nein.

Ich hab eine GEschichte über die Aufarbeitung geschrieben, nicht über das Trauma an sich. Denke ich zumindest.

Ich hatte (und habe) Gründe dafür, dass ich darüber schrieb, auch dieses ELement wählte und nicht nur das Thema physische Gewalt. Hat was mit der Frage "wieviel Einfluss habe ich auf mein Leben, und wann hat man wirklich eine Wahl" zu tun, und mit der Frage "was passiert, wenn externe Ereignisse, auf die man einfach keinen EInfluss hatte, einen physisch und psychisch fertigmachen". Und der Mittelungsdrang bezüglich "Machtmissbrauch und andere gesellschaftliche Vorstellungen" habe ich damit ein bißchen auf die Spitze getrieben. Achja, und dann war da noch das Element der "ich schaffe eine unmögliche Situation, die sich  - im Gegensatz zur Serie - einfach nicht resetten LÄSST." Ich meine, auch auf der Voyager gab es massive körperliche VErletzungen, Gefangenschaft und Folter, auch psychisch, und alles wurde resettet.

Die genauen Gründe, warum man so was schreibt, sind sicherlich sehr unterschiedlich.


Was ich bezüglich Vergewaltigungen weiß, ist, dass es für das "danach" kein richtig oder falsch gibt. GIbt es nicht. Es ist so dermaßen abhängig von persönlicher Resilienz, und davon, wie überwältigend das erlebt wurde, und es gibt Menschen, die kommen (mit etwas Hilfe) mit einer Vergewaltigung klar, und es gibt Menschen, die kommen nicht klar. Ich persönlich kenne aus, ähm, Ehrenamtsgründen manche wahre Geschichte, bei der ich einfach nur staunen kann, was Menschen überleben können. Das war übrigens noch ein Grund, das zu schreiben. Für manches, von dem ich jetzt weiß, dass es das gibt,  hatte ich nicht genug Phantasie, und das haben Menschen überlebt, und können trotzdem mit mir reden, erzählen, und lieben.

UNd der Weg, den ich in der Story gewählt habe, ist einer von vielen möglichen, und ja: Manche hielten (trotz wirklich viel Auseinandersetzung mit dem Thema) auch diesen für nicht möglich, andere dagegen für total realistisch. Ich sage, ich war schon mal selbstbewusster bzgl. dieser Story, weil ich es schlicht nicht mehr weiß. Betroffene können dadurch unangenehm getriggert werden, das ist möglich.

Und liebe Oriane, du musst das nicht lesen, wenn du sowas nicht gerne liest. Ich bin da gar nicht enttäuscht, es ist nur etwas, was in meinem Kopf war, rausmusste, und ich habe sehr bewusst diese Story hier nicht hochgeladen. Reicht, dass sie verlinkt ist.

Deine Fanfiktion würde ich trotzdem total gerne lesen!!!

Oriane

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Antw:Darstellung von Vergewaltigung in FFs
« Antwort #2 am: März 12, 2018, 03:19:20 Nachmittag »
Vorab: Entschuldigung! Irgendwie habe ich etwas Chaos verbreitet, bin mit den Mod-Funktionen noch nicht so vertraut  :-[
Jetzt sollte aber alles stimmen. Ich dachte mir, das Thema verdient einen eigenen Thread.

Und liebe Oriane, du musst das nicht lesen, wenn du sowas nicht gerne liest. Ich bin da gar nicht enttäuscht, es ist nur etwas, was in meinem Kopf war, rausmusste, und ich habe sehr bewusst diese Story hier nicht hochgeladen. Reicht, dass sie verlinkt ist.

Mit deinen erklärenden Worten hast du mich aber jetzt neugierig gemacht. Deine Motivation dahinter finde ich interessant und auch beeindruckend. Mein Freund engagiert sich ehrenamtlich bei Amnesty International und hat dabei Flüchtlinge bei Rechtsfragen unterstützt. Er hat nie explizit eine der Flüchtlingsgeschichten erzählt, die er gehört hat, aber ich weiß, dass da teilweise Sachen dabei sind, die wir uns (zum Glück) nie vorstellen könnten.
Deshalb kann ich verstehen, wenn du in deinem Ehrenamt mit dem Thema Kontakt hattest, dass es irgendwie raus muss und verarbeitet werden will.

Die meisten Vergewaltigungs-Storys, die mir bisher über den Weg gelaufen sind waren alle nur Mittel zum Zweck, dass Chakotay kommen und Janeway retten kann. Außerdem scheinen manche Leute einfach Spaß daran zu haben, Charakteren unmöglicher Gewalt auszusetzen, was ich zwar bis zu einem gewissen Grad verstehen kann, je nachdem mit welchen Themen man sich beschäftigt (Krieg z.B.), aber bei den Vergewaltigungs-Storys habe ich nie eine nachvollziehbare Logik dahinter gesehen. Wozu schreibt man das, wenn nachher in gewisser Weise wieder der reset-Knopf gedrückt wird, Janeway sich von Chakotay retten lässt und dann vielleicht noch ein bisschen Angst vor Sex hat, die er ihr natürlich auch wieder gaaaanz sanft nimmt.
Sorry, das ist etwas aus dem Ruder gelaufen, aber ich verstehs halt wirklicht nicht.

Und es ist nicht so, als würde deine FF nicht lesen wollen, weil mich das Thema an sich abschreckt, sondern weil ich einfach noch nie eine gute FF mit dem Thema gelesen habe.

Deine Fanfiktion würde ich trotzdem total gerne lesen!!!

Schicke ich dir :)

ulimann644

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Antw:Darstellung von Vergewaltigung in FFs
« Antwort #3 am: März 12, 2018, 05:28:45 Nachmittag »
Ich hatte (und habe) Gründe dafür, dass ich darüber schrieb, auch dieses ELement wählte und nicht nur das Thema physische Gewalt. Hat was mit der Frage "wieviel Einfluss habe ich auf mein Leben, und wann hat man wirklich eine Wahl" zu tun, und mit der Frage "was passiert, wenn externe Ereignisse, auf die man einfach keinen EInfluss hatte, einen physisch und psychisch fertigmachen". Und der Mittelungsdrang bezüglich "Machtmissbrauch und andere gesellschaftliche Vorstellungen" habe ich damit ein bißchen auf die Spitze getrieben. Achja, und dann war da noch das Element der "ich schaffe eine unmögliche Situation, die sich  - im Gegensatz zur Serie - einfach nicht resetten LÄSST." Ich meine, auch auf der Voyager gab es massive körperliche VErletzungen, Gefangenschaft und Folter, auch psychisch, und alles wurde resettet.

Die genauen Gründe, warum man so was schreibt, sind sicherlich sehr unterschiedlich.

Um Missverständnissen vorzubeugen:
Ich wollte zuvor keine Kritik daran üben, dass sich Leute ernsthaft an dieser Thematik versuchen.

Für mich persönlich ist übrigens JEDE Form von Gewalt verdammungswürdig und kann nie eine Lösung sein. Dennoch schreibe ich mitunter in FF und OF gewalttätige Szenen. Doch das ist, wie bei Krimi-Autoren, die sich zwar raffinierte und perfide Morde ausdenken - aber eben selbst keine Leute umbringen, und vermutlich privat ganz reizende Menschen sind. Es spiegelt nicht das wieder, was ich bin oder wie ich sein möchte. Es ist ein Teil der Erzählung, nicht mehr.

Was ich bezüglich Vergewaltigungen weiß, ist, dass es für das "danach" kein richtig oder falsch gibt. GIbt es nicht. Es ist so dermaßen abhängig von persönlicher Resilienz, und davon, wie überwältigend das erlebt wurde, und es gibt Menschen, die kommen (mit etwas Hilfe) mit einer Vergewaltigung klar, und es gibt Menschen, die kommen nicht klar. Ich persönlich kenne aus, ähm, Ehrenamtsgründen manche wahre Geschichte, bei der ich einfach nur staunen kann, was Menschen überleben können. Das war übrigens noch ein Grund, das zu schreiben. Für manches, von dem ich jetzt weiß, dass es das gibt,  hatte ich nicht genug Phantasie, und das haben Menschen überlebt, und können trotzdem mit mir reden, erzählen, und lieben.

Das auf jeden Fall.
Erst kürzlich habe ich eine Abhandlung gelesen (keine FF oder Roman) die sich mit Vergewaltigungen durch die Soldaten der Siegermächte, nach dem Zweiten Weltkrieg beschäftigt hat. Ich war sowohl überrascht von den Zahlen, die da genannt wurden, wie auch entsetzt. Damit mussten wohl allein hierzulande unmittelbar nach dem Krieg viel mehr Menschen klar kommen, als allgemein bekannt ist.

Vorab: Entschuldigung! Irgendwie habe ich etwas Chaos verbreitet, bin mit den Mod-Funktionen noch nicht so vertraut  :-[
Jetzt sollte aber alles stimmen. Ich dachte mir, das Thema verdient einen eigenen Thread.

Kann nicht schaden, falls das Thema gelegentlich mal aufploppt.

Die meisten Vergewaltigungs-Storys, die mir bisher über den Weg gelaufen sind waren alle nur Mittel zum Zweck, dass Chakotay kommen und Janeway retten kann. Außerdem scheinen manche Leute einfach Spaß daran zu haben, Charakteren unmöglicher Gewalt auszusetzen, was ich zwar bis zu einem gewissen Grad verstehen kann, je nachdem mit welchen Themen man sich beschäftigt (Krieg z.B.), aber bei den Vergewaltigungs-Storys habe ich nie eine nachvollziehbare Logik dahinter gesehen. Wozu schreibt man das, wenn nachher in gewisser Weise wieder der reset-Knopf gedrückt wird, Janeway sich von Chakotay retten lässt und dann vielleicht noch ein bisschen Angst vor Sex hat, die er ihr natürlich auch wieder gaaaanz sanft nimmt.
Sorry, das ist etwas aus dem Ruder gelaufen, aber ich verstehs halt wirklicht nicht.

Das sind die hauptsächlichen Gründe für mich, das Thema (weitgehend) zu vermeiden.
Bei SMALLVILLE-EXPANDED habe ich hin und her überlegt, mich dann dazu entschieden, es bei Alicia nur fast dazu kommen zu lassen. Der erste Entwurf sah das anders vor. Aber da war dann eben die Überlegung, dass man das, was folgen sollte, eben nicht glaubhaft würde schreiben können. Zumindest nicht, ohne dass die Story einen viel zu ernsten und deprimierenden Verlauf nimmt. Also wurde sie rechtzeitig davor bewahrt.

Was ich fast ebenso nicht verstehe ist: Warum suchen sich die Leute für diese Thematik kein passenderes Genre?
Zu Star Trek - abgesehen vom MU - passt das für mich irgendwie nicht. Andererseits gibt es sehr viele Low-Fantasy-Geschichten, auch gerade kommerzielle, die sich genau dieser Thematik widmen. J. R. Tollkühn ist einer der wenigen Fantasy-Autoren der diese Thematik weitgehend nicht angerührt hat (aber der hat auch High-Fantasy geschrieben).

Lady Q

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Antw:Darstellung von Vergewaltigung in FFs
« Antwort #4 am: März 12, 2018, 09:38:45 Nachmittag »
Ich habe keine AHnung, warum ich dieses Thema ausgerechnet in Star Trek und noch ausgerechneter in der Voyager untergebracht habe.

Bzw. anfangs war ich mir noch sicher (das war die für mich deutlich zu erfühlende Motivation), dass es daran lag, dass die Voyager so seicht war. Das alles so schnell wieder gut war. Zu diesem Zeitpunkt wurde mein Leben grade auf vielfältige Weise durch den Fleischwolf gedreht, und ich hatte das böse Bedürfnis, dieser Seichtheit etwas entgegen zu setzen. Ich wollte was zerstören, weil bei mir auch so viel zerstört wurde. (und hey, auf eine ganz und gar nicht so krasse Art, aber schon...so, das alles, was ich zum festhalten hatte, zerrupft wurde).  Also, warum ausgerechnet Star Trek? Weil da was raus wollte, und Star Trek war halt da! Ich hätte auch Dr. Who schreiben können, aber Dr. Who ist schwieriger zu schreiben als Star Trek. Und die Bosheit musste irgendwo hin.

Dass ich als Synonym für die Bosheit die Vergewaltigungen gewählt habe, das mache ich im Kopf seit besagtem Ehrenamt. Ich bin, was das angeht, ein wenig sekundärtraumatisiert.

Im Laufe der Story gings mir besser, der Fleischwolf wurde eingemottet, das Leben sortierte sich wieder, und parallel zum Sortieren meines Lebens sortierte sich auch das Leben der Protas, und es gab Aussprachen, Abstürze, Therapieversuche, Auswege, HOffnung, und gescheiterte Hoffnung.

Das lässt sich alles wunderbar in Star Trek integrieren. FÜr etwas ganz eigenes fehlt mir denke ich die Ausdauer und Fantasie.

ulimann644

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Antw:Darstellung von Vergewaltigung in FFs
« Antwort #5 am: März 13, 2018, 08:23:36 Vormittag »
Bzw. anfangs war ich mir noch sicher (das war die für mich deutlich zu erfühlende Motivation), dass es daran lag, dass die Voyager so seicht war. Das alles so schnell wieder gut war. Zu diesem Zeitpunkt wurde mein Leben grade auf vielfältige Weise durch den Fleischwolf gedreht, und ich hatte das böse Bedürfnis, dieser Seichtheit etwas entgegen zu setzen. Ich wollte was zerstören, weil bei mir auch so viel zerstört wurde. (und hey, auf eine ganz und gar nicht so krasse Art, aber schon...so, das alles, was ich zum festhalten hatte, zerrupft wurde).  Also, warum ausgerechnet Star Trek? Weil da was raus wollte, und Star Trek war halt da! Ich hätte auch Dr. Who schreiben können, aber Dr. Who ist schwieriger zu schreiben als Star Trek. Und die Bosheit musste irgendwo hin.

Diesen Ansatz finde ich in sofern faszinierend, da ich mein Leben von meinen Geschichten (weitgehend) trenne. Ganz gelingt das vermutlich nie.
Bei mir sieht es so aus, dass ich mir das Konzept für eine Geschichte/Serie überlege, die Ideen niederschreibe, daraus die Exposés für die Episoden bastele und los geht´s.

Natürlich finden dann noch immer genug Spontan-Ideen ihren Weg in die Episoden, doch der grundsätzliche Weg wird dann kaum noch von irgendwelchen Ereignissen des RL erschüttert (außer es passt vielleicht gerade, was aber eher selten der Fall ist).

Wär´s nicht so, dann würde ich nur Utopien schreiben. ;)

Dass ich als Synonym für die Bosheit die Vergewaltigungen gewählt habe, das mache ich im Kopf seit besagtem Ehrenamt. Ich bin, was das angeht, ein wenig sekundärtraumatisiert.

Verständlich.

Im Laufe der Story gings mir besser, der Fleischwolf wurde eingemottet, das Leben sortierte sich wieder, und parallel zum Sortieren meines Lebens sortierte sich auch das Leben der Protas, und es gab Aussprachen, Abstürze, Therapieversuche, Auswege, HOffnung, und gescheiterte Hoffnung.

Vielleicht ist das komisch aber ich selbst schreibe die schlimmsten Brutalitäten immer dann, wenn es mir selbst gerade blendend geht. Die perfidesten Szenen gelingen mir stets aus einer sehr guten Laune heraus. Die humorigsten Szenen übrigens auch - da ich mit eher mäßiger Laune gar nicht schreibe. Als Therapie habe ich das Schreiben nie verwendet.

Das lässt sich alles wunderbar in Star Trek integrieren. FÜr etwas ganz eigenes fehlt mir denke ich die Ausdauer und Fantasie.

Die Fantasie weniger vermute ich.

Wovor die meisten Leute verständlicherweise zurückschrecken ist der Aufwand für eine Original-Fiction. Ich spreche da aus Erfahrung. Ein ganzes Jahr Planung, wie ich sie für meine Original-Fiction DEAN CORVIN im Vorfeld betrieben habe - das ist nicht jedermanns Sache, und das kann ich durchaus verstehen.

BTW: Würde ich beim Schreiben den "Fleischwolf" herausholen - ich glaube ich würde "Sons of Anarchy" oder irgendetwas in Sachen Fantasy wählen, für eine solche Geschichte.

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Antw:Darstellung von Vergewaltigung in FFs
« Antwort #6 am: März 13, 2018, 11:20:43 Vormittag »
:D inzwischen mache ich das auch, das Trennen.

Die genannte Geschichte ist mein Erstlingswerk. Beruflich war ich schon schreiberisch unterwegs, aber nicht privat. Und wenn ich jetzt von vorne lese, dann erkenne ich von Kapitel zu Kapitel sehr genau, wie es mir ging. Und was soll ich sagen, von Kapitel zu Kapitel wurde die Story besser, und das Schreiben machte mehr Spaß, und ich habe dazugelernt.

Die Geschichte war für MICH notwendig, und warum ich sie veröffentlich habe, statt sie auf dem PC vermodern zu lassen, lag wohl schlicht daran, dass mich das zwang, mich damit auseinanderzusetzen, und Lösungen zu finden. Es hat mir gut getan. Insofern ist diese Story so ziemlich das persönlichste, was es von mir online gibt. Und etwas so persönliches, mit meinem persönlichen Befinden verküpftes wird es schätzungsweise nicht noch einmal geben.

Weil du Sons of Anarchy erwähnt hast: Dazu müsste ich mich mit diesem (oder ähnlich gelagerten) Fandoms auskennen. Tu ich aber nicht. Hab ich auch nicht die Zeit zu :D (das ist jetzt kein Witz), das auch bezüglich Aufwand und so.

Wenn ich das Hauptziel gehabt hätte, eine Geschichte im Sinne einer OF zu erschaffen, dann wäre das der richtige Weg gewesen. Das Ziel war aber persönliche Verarbeitung und die Notwendigkeit eines Ventils. Meine persönliche Schreibmotivation ist, das schließe ich daraus, einfach eine andere als bei dir :)

CAMIR

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Antw:Darstellung von Vergewaltigung in FFs
« Antwort #7 am: März 13, 2018, 08:02:53 Nachmittag »
Spannendes Thema... eins das mich auch persönlich fasziniert, gerade weil es so schwierig ist.
Oft genug trifft man ja Vergewaltigung als billige Effekthascherei an: um dem Helden mal schnell eine Gelegenheit zu geben, in Aktion zu treten, weil die Dame seines Herzens vom Schurken vergewaltigt wurde, um einem weiblichen Chara einen Impetus zu geben auf Rachefeldzug zu geben usw. Von dieser Darstellung halte ich nichts.

Grundsätzlich bin ich nicht avers gegen Vergewaltigungen in Fanfiction und Literatur, weder als Autorin noch als Leserin. Mich interessiert dabei aber tatsächlich weniger die "Tat" an sich, als eben, wie es mit den Figuren danach weitergeht. Von Rape is Love (Frau wird vergewaltigt findet es aber toll und verliebt sich in den Mann, der sie zu ihrem Glück zwingen musste) oder "Sex is Healing" (Der liebe Loveinterest kann das arme Vergewaltigungsopfer gesund vögeln) halte ich zugleich recht wenig.

Vor vielen Jahren (so 2003) schrieb ich mit einer Freundin während einer Schulfreizeit auf einem Papierblock eine krasse Vergewaltigungsstory (es war eine TNG Fanfic und involvierte eine von uns erfundene Goth-Alienrasse und ein weibliches Crewmitglied). Die Story war eben so wie das ist, wenn 17-jährige schreiben: voller Fetischkram und generell fehlendem Gespür. Aber mehr als die Hälfte der Story widmete sich der Heimkehr und des Heilungsprozesses der armen misshandelten Protagonistin, ohne dass irgendwie ein Gesundvögeln am Ende stand. Soviel Weitblick hatten wir dann doch. Wir hatten die Story schon so angelegt, dass man den brutalen ersten Teil garnicht hätte lesen müssen. Das muss man uns trotz aller Defizite zugute halten. Die Story habe ich niemals veröffentlicht und werde es jetzt bestimmt auch nicht mehr tun (obwohl ich sie mühevoll abtippte...), aber sie wird immer Teil meines künstlerischen Schaffens sein als etwas, das auf mich Faszination ausübt und dem ich irgendwann schriftstellerisch gerecht werden will.

Prinzipiell sehe ich auch nicht, dass sich Vergewaltigung und Star Trek ausschließen. Ja! Ich kann mir bei keinem Charakter der der Föderation angehört und EC ist, vorstellen, dass er sowas tun würde. Aber es gibt genügend andere Spezies, die diese Skrupel nicht haben und dies auch fleißig ausüben. Es wird mehr als einmal impliziert, dass die Cardassianer während der Besetzung Bajors sexuelle Gewalt ausübten, und was Gul Madred Captain Picard in der Episode "Chain of Command 1+2" antut, ist für mich auch Vergewaltigung. Genau wie das, was Troi und einigen anderen Figuren in Violations passiert - was meines Erachtens eine Star Trek Metapher für Vergewaltigung ist, diese Episode.

Was mich primär interessiert wären folgende Fragen:
1) Was passiert, wenn eine Figur, einer Spezies in die Hände fällt, die die Skrupel der Föderation nicht teilt, gar einen Hass auf die Föderation hat?
2) Wie geht diese Figur mit der ihr angetanen Gewalt um?
3) Wie gehen ihre Kameraden damit um? Stichwort: Rache/Vergeltung vs. Erste Direktive
4) Welches Nachspiel/ welche Folgen hat das für die Zukunft sowohl der Figur als auch ihrer Kameraden als auch für die diplomatischen Beziehungen zu der Spezies?
5) Gibt es spezielle psychologische Programme für Überlebende?

Gerade Punkt 3) stelle ich mir ziemlich spannend vor auszuloten, wenn die prinzipientreuen Föderationsvertreter in eine Situation geraten, in der ihre Moral an ihre Grenzen stößt?

Abgesehen davon, finde ich aber auch das spannend, was ich als "Dubcon" bzw. "Dubious Consent" bezeichnen würde. Bei den klassischen Vergewaltigungsszenarien, wie ich sie grade impliziert habe, kommt ja die Gewalt von außen, die Rollen sind klar verteilt. Der Täter ist der Schurke und er zwingt sich dem Opfer auf.
Aber manchmal sind die Rollen nicht ganz so klar. Was ich damit meine, kann man für Star Trek vielleicht am Besten in der Kurzgeschichte In der Tiefe der Nacht nachvollziehen. Die Prämisse ist, dass Beverly nachts zu Picard ins Bett schlüpft, weil dieser noch immer unter seiner Vergewaltigung durch die Borg leidet und nachts nicht er selbst ist. Sie gibt ihm etwas, woran er das unbewusst auslassen kann. Aber wer ist hier das Opfer? Sie will ihm helfen ohne dass er merkt, was sie tut. So klar sind die Grenzen da nicht.

Ein anderes Beispiel wäre das, was meiner Protagonistin Amaryll in meinem Schreibprojekt zustößt. Für die Lesefaulen fasst es vielleicht diese Illustration zusammen.

Diese grauen Grenzbereiche faszinieren mich dann doch, wenn die Sexualbeziehungen der Figuren nicht so einfach sind. :D Oder um eine Freundin von mir schon von 2009 zu zitieren: "Du bist so scheiße zu deinen Charas!"

Wichtig ist, dass es nie geschmacklos wird! So, das ist mein Senf.
« Letzte Änderung: März 13, 2018, 08:05:06 Nachmittag von CAMIR »

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Antw:Darstellung von Vergewaltigung in FFs
« Antwort #8 am: März 13, 2018, 10:21:50 Nachmittag »
Wichtig ist, dass es nie geschmacklos wird!

Ich glaube, genau DAS ist der springende Punkt!

Was du zu der Rollenverteilung gesagt hast, da stimme ich dir ebenfalls zu. Es musst nicht klar gut und böse definiert sein. In Lady Qs Story gibt es auch einen Aspekt der Rollenverteilung, der nicht ganz klar ist, was ich sehr spannend finde (ohne  spoilern zu wollen ;) )

Eins weiß ich aber, ich wäre nie in der Lage so eine Geschichte zu schreiben. Früher hatte ich tatsächlich Spaß daran, gewalttätige Szenen zu schreiben, aber das schaffe ich mittlerweile nicht mehr. Irgendwas hat sich geädert, aber fragt mich nicht was...

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Antw:Darstellung von Vergewaltigung in FFs
« Antwort #9 am: März 13, 2018, 11:20:29 Nachmittag »
Hmmm... also, ich finde Vergewaltigungen immer ein recht schwieriges Thema bei Geschichten, weil ich wirklich glaube, dass der Grat extrem schmal ist, auf dem man sich bewegen muss, damit es a) glaubhaft rüberkommt und b) nicht geschmacklos/billig wirkt. Dazu kommt dann das übergreifende c), die Geschichte muss im Kontext, dem Vorher, dem Nachher, absolut passen und realistisch vermitteln können, wie es mit den Charas weitergeht. Um sowas schreiben zu können, benötigt es einen psychologisch versierten, empathischen und ebenfalls sozial-intelligenten Menschen hinter dem Blatt Papier. Und diesem Jemand wird ja nicht nur abverlangt, ein "themenfremdes" Publikum zu überzeugen, sondern auch vielleicht jene Betroffene, die die Geschichte lesen (ja, es gibt sie tatsächlich - diese Vergewaltigungsopfer, die sowas lesen können, ohne gleich den globalen Triggeralarm zu betätigen - und jene Betroffene sind vielleicht bei einem solchen Geschichtstoff die besten Betaleser und zugleich die schärfsten Kritiker). Schwierig!

Das Thema "Gewalt", "Misshandlung" und "Therapeutischer Werdegang" ist allerdings eines, das ich selbst schreibe. Und ebenfalls bei mir ist es so, dass - je mieser es in der Realität gerade aussieht, desto plüschiger wird die Geschichte, desto mehr wird "geheilt", statt "geschadet". Als würde man sich dort einen Ort schaffen, wo man seine Güte und Hoffnung sicher aufbewahrt weiss, bis die schlechte Zeit vorbei ist und wo jene Zeit dieser Hoffnung nichts anhaben kann.

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Antw:Darstellung von Vergewaltigung in FFs
« Antwort #10 am: März 14, 2018, 01:46:09 Vormittag »
Interessante Diskussion.
Ich selbst betrachte dieses Thema in FFs als "rotes Tuch".
Ich brauche so was in einer Geschichte nicht - weder als Leser, noch als Schreiber.
Es gibt IMO einfach Dinge, die man in einer Geschichte nicht erzählen muss.

Es ist - unterm Strich - zwar begrüßenswert, dass Literatur sich bemüht, Grenzen einzureißen aber in meinen Augen sollten sich so manche Autoren wirklich ein Zitat von Captain Janeway zu Herzen nehmen:
"Die letzte Grenze hat einige Linien, die nicht überschritten werden sollten."
« Letzte Änderung: März 14, 2018, 01:51:04 Vormittag von David »

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Antw:Darstellung von Vergewaltigung in FFs
« Antwort #11 am: März 14, 2018, 03:23:28 Nachmittag »
:D inzwischen mache ich das auch, das Trennen.

Die genannte Geschichte ist mein Erstlingswerk. Beruflich war ich schon schreiberisch unterwegs, aber nicht privat. Und wenn ich jetzt von vorne lese, dann erkenne ich von Kapitel zu Kapitel sehr genau, wie es mir ging. Und was soll ich sagen, von Kapitel zu Kapitel wurde die Story besser, und das Schreiben machte mehr Spaß, und ich habe dazugelernt.

Die Geschichte war für MICH notwendig, und warum ich sie veröffentlich habe, statt sie auf dem PC vermodern zu lassen, lag wohl schlicht daran, dass mich das zwang, mich damit auseinanderzusetzen, und Lösungen zu finden. Es hat mir gut getan. Insofern ist diese Story so ziemlich das persönlichste, was es von mir online gibt. Und etwas so persönliches, mit meinem persönlichen Befinden verküpftes wird es schätzungsweise nicht noch einmal geben.

Was das Trennen betrifft.
Wie alles im Leben gibt es da auch die Kehrseite. Wenn man sehr emotional beteiligt an ein Thema herangeht bzw. es schreibt, dann spürt man das in der Geschichte mitunter und der Autor/die Autorin schafft es vielleicht dadurch den Leser viel mehr "abzuholen und mitzunehmen" als wenn man trennt.

Ich selbst versetze mich durch das Verwenden von passender Musik und der Vorstellung was die Charaktere in der Geschichte gerade aushalten müssen in die Stimmung um bestimmte Szenen zu schreiben. Was mal mehr und mal weniger gut funktioniert. Einmal hat das sogar so gut funktioniert, dass der Bildschirm vor meinen Augen verschwamm, vor Ergriffenheit, und ich erst einmal eine kleine Pause einlegen musste. Aber so läuft das nur selten.

Weil du Sons of Anarchy erwähnt hast: Dazu müsste ich mich mit diesem (oder ähnlich gelagerten) Fandoms auskennen. Tu ich aber nicht. Hab ich auch nicht die Zeit zu :D (das ist jetzt kein Witz), das auch bezüglich Aufwand und so.

Das ist nur ein Beispiel unter vielen. Ich hätte auch andererseits verschiedene Fantasy-Franchises heranziehen können.

Wenn ich das Hauptziel gehabt hätte, eine Geschichte im Sinne einer OF zu erschaffen, dann wäre das der richtige Weg gewesen. Das Ziel war aber persönliche Verarbeitung und die Notwendigkeit eines Ventils. Meine persönliche Schreibmotivation ist, das schließe ich daraus, einfach eine andere als bei dir :)

Das denke ich auch.
Ich selbst verarbeite weniger, als das ich das Schreiben von Geschichten als reine Entspannung betrachte. Ich komme dann innerlich meistens absolut runter - gerade bei richtig krachenden Actionszenen. Egal was am Tag vorher so war. Ist vielleicht auch eine Form von Verarbeiten, aber irgendwie doch anders.

Spannendes Thema... eins das mich auch persönlich fasziniert, gerade weil es so schwierig ist.
Oft genug trifft man ja Vergewaltigung als billige Effekthascherei an: um dem Helden mal schnell eine Gelegenheit zu geben, in Aktion zu treten, weil die Dame seines Herzens vom Schurken vergewaltigt wurde, um einem weiblichen Chara einen Impetus zu geben auf Rachefeldzug zu geben usw. Von dieser Darstellung halte ich nichts.

100% agree.

Für die Spiegelvarianten von Pasqualina und Valand habe ich diese Misshandlungen in der Vergangenheit eingefügt (die Charaktere verwende ich das erste Mal zum Jahreswechsel 2381/2382 - mit Rückblenden zu diesen Ereignissen) weil die psychische Abhängigkeit Valands von Pasqualina (umgekehrt auch aber etwas weniger krass, was das Psychische betrifft) ein für mich wichtiges Thema ist im MU des 24. Jahrhunderts. Wofür letztlich die traumatischen Ereignisse der Auslöser sind.

Grundsätzlich bin ich nicht avers gegen Vergewaltigungen in Fanfiction und Literatur, weder als Autorin noch als Leserin. Mich interessiert dabei aber tatsächlich weniger die "Tat" an sich, als eben, wie es mit den Figuren danach weitergeht. Von Rape is Love (Frau wird vergewaltigt findet es aber toll und verliebt sich in den Mann, der sie zu ihrem Glück zwingen musste) oder "Sex is Healing" (Der liebe Loveinterest kann das arme Vergewaltigungsopfer gesund vögeln) halte ich zugleich recht wenig.

Dem kann ich nur zustimmen.

Vor vielen Jahren (so 2003) schrieb ich mit einer Freundin während einer Schulfreizeit auf einem Papierblock eine krasse Vergewaltigungsstory (es war eine TNG Fanfic und involvierte eine von uns erfundene Goth-Alienrasse und ein weibliches Crewmitglied). Die Story war eben so wie das ist, wenn 17-jährige schreiben: voller Fetischkram und generell fehlendem Gespür. Aber mehr als die Hälfte der Story widmete sich der Heimkehr und des Heilungsprozesses der armen misshandelten Protagonistin, ohne dass irgendwie ein Gesundvögeln am Ende stand. Soviel Weitblick hatten wir dann doch. Wir hatten die Story schon so angelegt, dass man den brutalen ersten Teil garnicht hätte lesen müssen. Das muss man uns trotz aller Defizite zugute halten. Die Story habe ich niemals veröffentlicht und werde es jetzt bestimmt auch nicht mehr tun (obwohl ich sie mühevoll abtippte...), aber sie wird immer Teil meines künstlerischen Schaffens sein als etwas, das auf mich Faszination ausübt und dem ich irgendwann schriftstellerisch gerecht werden will.

Warum auch nicht?
Ich lese da auch irgendwie heraus, dass du dir schon die richtigen Gedanken zu der Thematik gemacht hast.

Für mich git es da auch kein "Das Thema ist tabu!".
Solange da keine Absurditäten geschrieben werden, bei denen Opfern solcher Verbrechen die Zornesröte ins Gesicht steigt.

Prinzipiell sehe ich auch nicht, dass sich Vergewaltigung und Star Trek ausschließen. Ja! Ich kann mir bei keinem Charakter der der Föderation angehört und EC ist, vorstellen, dass er sowas tun würde.

DAS meinte ich, als ich schrieb, dass ich mir das bei ST (mit Ausnahme des MU) nicht vorstellen könnte. :)

Aber es gibt genügend andere Spezies, die diese Skrupel nicht haben und dies auch fleißig ausüben. Es wird mehr als einmal impliziert, dass die Cardassianer während der Besetzung Bajors sexuelle Gewalt ausübten, und was Gul Madred Captain Picard in der Episode "Chain of Command 1+2" antut, ist für mich auch Vergewaltigung.

Yo - es gibt da schon die verschiedensten Abstufungen, die nicht alle rein sexuell ausarten müssen. In NEMESIS erlebt Troi das ja auf paramentaler Ebene (wie auch eines der Crewmitglieder der ICICLE in ihrer Vergangenheit).
So gesehen ist das Thema also auch bei mir im FF-Primäruniversum vorhanden, wenn man diese geistige Ebene mit einbezieht.

Was mich primär interessiert wären folgende Fragen:
1) Was passiert, wenn eine Figur, einer Spezies in die Hände fällt, die die Skrupel der Föderation nicht teilt, gar einen Hass auf die Föderation hat?
2) Wie geht diese Figur mit der ihr angetanen Gewalt um?
3) Wie gehen ihre Kameraden damit um? Stichwort: Rache/Vergeltung vs. Erste Direktive
4) Welches Nachspiel/ welche Folgen hat das für die Zukunft sowohl der Figur als auch ihrer Kameraden als auch für die diplomatischen Beziehungen zu der Spezies?
5) Gibt es spezielle psychologische Programme für Überlebende?

Da hast du ganz toll die entscheidenden Punkte aufgezählt.

Gerade Punkt 3) stelle ich mir ziemlich spannend vor auszuloten, wenn die prinzipientreuen Föderationsvertreter in eine Situation geraten, in der ihre Moral an ihre Grenzen stößt?

Diese Frage habe ich mir, seit ich im ST-Universum FF schreibe schon öfter gestellt.
Mit Imania Maray habe ich dann eben einen weiblichen ICICLE-Charakter, der durch einen Kzinti-Telepathen (eine Spezies aus TAS) auf paramentaler Ebene vergewaltigt wurde, während der Zeit an der Akademie (aber nicht direkt dort). Als eine der Folgen davon besitzt Imania Maray (bei Serienstart etwa 30 Jahre alt) eine fast kindliche Unerfahrenheit, was den Umgang mit Männern betrifft, da sie sich seit dieser Zeit von Männern jeglicher Spezies weitgehend ferngehalten hat. Zwar hat sie später, schon durch ihre Arbeit als Counselor, auf freundschaftlich-kameradschaftlicher Ebene wieder Kontakt zu Männern gefunden - einen subtilen Flirt würde sie hingegen vermulich erst einmal gar nicht als solchen erkennen, und wenn, dann wäre sie vermutlich sehr unsicher, wie sie damit umgehen soll.

Abgesehen davon, finde ich aber auch das spannend, was ich als "Dubcon" bzw. "Dubious Consent" bezeichnen würde. Bei den klassischen Vergewaltigungsszenarien, wie ich sie grade impliziert habe, kommt ja die Gewalt von außen, die Rollen sind klar verteilt. Der Täter ist der Schurke und er zwingt sich dem Opfer auf.
Aber manchmal sind die Rollen nicht ganz so klar. Was ich damit meine, kann man für Star Trek vielleicht am Besten in der Kurzgeschichte In der Tiefe der Nacht nachvollziehen. Die Prämisse ist, dass Beverly nachts zu Picard ins Bett schlüpft, weil dieser noch immer unter seiner Vergewaltigung durch die Borg leidet und nachts nicht er selbst ist. Sie gibt ihm etwas, woran er das unbewusst auslassen kann. Aber wer ist hier das Opfer? Sie will ihm helfen ohne dass er merkt, was sie tut. So klar sind die Grenzen da nicht.

Diese Umverteilung der Opfer/Täter-Rolle ist sehr interessant.
Und schon erst recht keine billige Effekthascherei. So etwas kann ich mir, als Geschichte die mich interessiert, sehr gut vorstellen. Das Ding muss ich mir mal zu Gemüte führen.

Ein anderes Beispiel wäre das, was meiner Protagonistin Amaryll in meinem Schreibprojekt zustößt. Für die Lesefaulen fasst es vielleicht diese Illustration zusammen.

Dass ich davon begeistert bin weißt du ja. :)

Diese grauen Grenzbereiche faszinieren mich dann doch, wenn die Sexualbeziehungen der Figuren nicht so einfach sind. :D Oder um eine Freundin von mir schon von 2009 zu zitieren: "Du bist so scheiße zu deinen Charas!"

Wichtig ist, dass es nie geschmacklos wird! So, das ist mein Senf.

Momentan jage ich bei DEAN CORVIN aktuell auch gerade einige der Hauptcharaktere - mal physisch, mal psychisch - durch die Hölle.
Ich glaube, bei deiner Freundin käme ich da - zumindest für diese Geschichte - auch nicht so gut weg.


Ich glaube, genau DAS ist der springende Punkt!

Yo - ich auch.

CAMIR

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Antw:Darstellung von Vergewaltigung in FFs
« Antwort #12 am: März 16, 2018, 06:15:03 Nachmittag »
Für die Spiegelvarianten von Pasqualina und Valand habe ich diese Misshandlungen in der Vergangenheit eingefügt (die Charaktere verwende ich das erste Mal zum Jahreswechsel 2381/2382 - mit Rückblenden zu diesen Ereignissen) weil die psychische Abhängigkeit Valands von Pasqualina (umgekehrt auch aber etwas weniger krass, was das Psychische betrifft) ein für mich wichtiges Thema ist im MU des 24. Jahrhunderts. Wofür letztlich die traumatischen Ereignisse der Auslöser sind.
Im Mirror Universe können natürlich auch die ECs die Vergewaltiger sein... Wenn sie es im PU sein müssen, dann müssen sie halt unter Drogen/Mindcontrol/Erpressung stehen. :D


Zitat
Warum auch nicht?
Ich lese da auch irgendwie heraus, dass du dir schon die richtigen Gedanken zu der Thematik gemacht hast.
So richtig wie die als 17-Jährige halt sein können, die ihr Sexualwissen aus Büchern hat und die zu Vergewaltigung erst recht. (Gut, zu diesem Zeitpunkt bin ich einmal sexuell belästigt worden, aber das war "nur" ein unerwünschter Kuss, den ich aber zu verhindern wusste. Dass das sexuelle Belästigung war, war mit 14 nicht klar.) Inzwischen habe ich zwar bei Punkt 1 aufgeholt, bei Punkt 2 glücklicherweise nicht.

Zitat
Für mich git es da auch kein "Das Thema ist tabu!".
Solange da keine Absurditäten geschrieben werden, bei denen Opfern solcher Verbrechen die Zornesröte ins Gesicht steigt.
Dieses! Und noch was anderes, das ich vergessen hatte: Vorher bitte die Stories entsprechenden taggen, damit man selbst entscheiden kann, ob man sowas lesen will.

Zitat
Da hast du ganz toll die entscheidenden Punkte aufgezählt.
Danke.  :-[ Es wäre halt das, was mich interessieren würde. Man muss es imho sorgfältig auswählen, ob man Figuren so "traumatisieren" will.

Zitat
Diese Umverteilung der Opfer/Täter-Rolle ist sehr interessant.
Und schon erst recht keine billige Effekthascherei. So etwas kann ich mir, als Geschichte die mich interessiert, sehr gut vorstellen. Das Ding muss ich mir mal zu Gemüte führen.
Das finde ich halt schon eher spannend. Was wenn Opfer/Täter in einem nicht ganz so eindeutigen Verhältnis stehen, bzw. der Täter dem Opfer einreden kann, dass es das ja freiwillig macht, bzw. dass es für das Wohl des Schiffs/Kameraden/Galaxis sein muss, dass er/sie sich ihm/ihr hingibt.
Zitat
Dass ich davon begeistert bin weißt du ja. :)
Ich bin immer noch sehr geehrt.

Zitat
Momentan jage ich bei DEAN CORVIN aktuell auch gerade einige der Hauptcharaktere - mal physisch, mal psychisch - durch die Hölle.
Ich glaube, bei deiner Freundin käme ich da - zumindest für diese Geschichte - auch nicht so gut weg.
Sie liest das unfassbar gerne. Aber gleichzeitig bedauert sie meine Charas.

Yo - ich auch.
[/quote]

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Antw:Darstellung von Vergewaltigung in FFs
« Antwort #13 am: März 17, 2018, 11:33:05 Vormittag »
Im Mirror Universe können natürlich auch die ECs die Vergewaltiger sein... Wenn sie es im PU sein müssen, dann müssen sie halt unter Drogen/Mindcontrol/Erpressung stehen. :D

Besser, als in den Serien, finde ich die Darstellung einiger MU-EC´s in der Roman-Trilogie von William Shatner: "Das Gespenst", "Dunkler Sieg" und "Die Bewahrer". Ein sehr interessanter Charakter ist der OC-Charakter (wenn man so will) Teilani - Kirks Frau.
In den drei Romanen arbeiten Kirk und Picard eng zusammen (wie DAS zustande kam, sollte man aber lieber selbst lesen).

So richtig wie die als 17-Jährige halt sein können, die ihr Sexualwissen aus Büchern hat und die zu Vergewaltigung erst recht. (Gut, zu diesem Zeitpunkt bin ich einmal sexuell belästigt worden, aber das war "nur" ein unerwünschter Kuss, den ich aber zu verhindern wusste. Dass das sexuelle Belästigung war, war mit 14 nicht klar.)

Wenn das mitzählt, dann bin ich als Kind auch regelmäßig sexuell belästigt worden, denn mit allen meinen Tanten und Großtanten wollte ich nie kuscheln, oder von ihnen (auf die Wangen) geküsst werden. ;)

Vorher bitte die Stories entsprechenden taggen, damit man selbst entscheiden kann, ob man sowas lesen will.

Das klingt vernünftig.
Werde ich bei der betreffenden ICICLE-Episode dann ganz sicher machen. Meine MU-Geschichten (obwohl ich sie auch unbedenklich ab 16 freigeben würde) habe ich hier ab 18 freigegeben, mit dem Hinweis, dass es hier und da schon etwas rustikaler zugeht.

Man muss es imho sorgfältig auswählen, ob man Figuren so "traumatisieren" will.

Konsens.
Schon weil man sich dabei schnell auch storytechnisch in etwas hineinreitet, aus dem man nur sehr schwer wieder hinaus findet. Was für mich eben der hauptsächliche Grund ist, das Thema in meiner Original-Fiction auszuklammern. Ich habe mich zu Beginn dazu entschieden dass es eine Abenteuergeschichte im Bereich Military-SF sein soll - keine Reise in die Untiefen der Trauma-Verarbeitung.

Klar: Ein Krieg ist auch eine traumatische Angelegenheit und hier und da gehe ich auch auf die Konsequenzen gewisser Kriegshandlungen auf die Psyche meiner Charaktere ein. Gerade aktuell bei DEAN CORVIN. Aber da brauche ich dazu nicht noch zusätzliche traumatische Ereignisse.

Das finde ich halt schon eher spannend. Was wenn Opfer/Täter in einem nicht ganz so eindeutigen Verhältnis stehen, bzw. der Täter dem Opfer einreden kann, dass es das ja freiwillig macht, bzw. dass es für das Wohl des Schiffs/Kameraden/Galaxis sein muss, dass er/sie sich ihm/ihr hingibt.

Eine ähnliche Konstellation habe ich bei DEAN CORVIN mit den beiden Charakteren Kim Tae Yeon und Dean Everett Corvin. Man glaubt zwar, am Ende der ersten Episode zu wissen, wie beide aktuell zueinander stehen, doch in der in Arbeit befindlichen Episode kommen neue Aspekte dazu, die das Ganze etwas auseinanderpflücken.
Ich mag diese Unsicherheit generell - nicht allein auf sexuellen Missbrauch bezogen.

Sie liest das unfassbar gerne. Aber gleichzeitig bedauert sie meine Charas.

Ich bedaure meine Charaktere auch, wenn ich sie quälen muss, doch das geht halt hier und da nicht anders. ;)

CAMIR

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Antw:Darstellung von Vergewaltigung in FFs
« Antwort #14 am: März 18, 2018, 06:43:29 Nachmittag »
Besser, als in den Serien, finde ich die Darstellung einiger MU-EC´s in der Roman-Trilogie von William Shatner: "Das Gespenst", "Dunkler Sieg" und "Die Bewahrer". Ein sehr interessanter Charakter ist der OC-Charakter (wenn man so will) Teilani - Kirks Frau.
In den drei Romanen arbeiten Kirk und Picard eng zusammen (wie DAS zustande kam, sollte man aber lieber selbst lesen).
Ach Gottchen die Shatner Romane! :D Irgendwie sind sie ja schon legendär.

Zitat
Wenn das mitzählt, dann bin ich als Kind auch regelmäßig sexuell belästigt worden, denn mit allen meinen Tanten und Großtanten wollte ich nie kuscheln, oder von ihnen (auf die Wangen) geküsst werden. ;)
Das würde ich gerne nochmal aufgreifen, weil ich glaub, ich hab mich nicht klar ausgedrückt. Ich war 14 Jahre alt und ein schleimiger Alkoholiker in seinen Vierzigern hat sich an mich rangemacht, während eines Urlaubs in Österreich. Ich war noch zu naiv, zu begreifen, was er eigentlich mit mir vorhatte und wollte einfach nur nett zu ihm sein, weil ich dachte, er wird eh von vielen gedisst und verachtet. Bis er anfing mir eindeutige Angebote zu machen und mir in einem unbeobachteten Moment an die Brust fasste und mich küssen wollte. Das ist doch etwas traumatischer, als Familienmitglieder die einen abbusseln.

Zitat
Das klingt vernünftig.
Werde ich bei der betreffenden ICICLE-Episode dann ganz sicher machen. Meine MU-Geschichten (obwohl ich sie auch unbedenklich ab 16 freigeben würde) habe ich hier ab 18 freigegeben, mit dem Hinweis, dass es hier und da schon etwas rustikaler zugeht.
Damit bin ich eigentlich niemals schlecht gefahren. :)

Zitat
Ich bedaure meine Charaktere auch, wenn ich sie quälen muss, doch das geht halt hier und da nicht anders. ;)
Das macht halt doch den Reiz aus.