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Thema: Warum FF? - Was bedeutet es euch als Leser/Autor?  (Gelesen 792 mal)

ulimann644

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Antw:Warum FF? - Was bedeutet es euch als Leser/Autor?
« Antwort #15 am: März 02, 2018, 09:57:25 Nachmittag »
Wir hatten uns vor einiger Zeit mal über EC vs. OC unterhalten und ich glaube, dass das was hier passiert, dem sehr ähnlich ist.

Yo - wobei es hier eher um das Verbiegen von EC´s vs. OC die man nicht verbiegen muss ging.
Da sehe ich schon einen speziellen Unterschied.

Für mich sind Fanfictions vor allem Shipping! Aber ich muss trotzdem das Gefühl haben, dass "meine" Charaktere wiederkennbar sind. Ob man das jetzt AU oder Klone oder Zwillinge oder wwi nennen will ist mir relativ pille.
Wenn ich OCs lesen will, lese ich sie - innerhalb Stories die zu 100% original sind. Aber halb Universum "geklaut" und halb eigene Charas sind einfach nicht meine Teetasse.

Ich finde deine Original-Fantasy immer noch genial.
Dass du das kannst, davon habe ich mich überzeugen dürfen. Ich hoffe, davon irgendwann noch mehr zu bekommen. :)

Was das Halb-und-Halb betrifft: Ich selbst schreibe sowohl Original-Fictions (wie DEAN CORVIN) wo komplett alles von mir ist, als auch eben FF mit OC´s. Was aber nicht heißt, dass es mir keinen Spaß machen würde, wenn ich mit diesen EC´s arbeite. Die haben ja auch dann hier und da ihre Gastauftritte. In TIMELINE etwas mehr, als in ICICLE. Und ich schreibe ja auch nicht ALLE FF nur mit OC´s in den Hauptrollen. Bei STAR TREK und BABYLON-6 ja, aber ich habe auch andere Projekte, bei denen es nicht so ist.

In SPACE 2064 z.B. nutze ich die gesamte EC-Truppe (die nach der letzten TV-Episode noch da ist) und das macht mir einen bannigen Spaß.
Klar - da sind auch neue Charaktere dabei. Aber letztlich wird das schon eine Fortsetzung, in denen die "Wildcards" eine tragende Rolle spielen.

In BUCK ROGERS wiederum werde ich, ab Sommer, wie es aussieht, weitgehend nur mit den Film/Serien- und Comic-Charakteren arbeiten. Da werden vielleicht hier und da ein paar neue Charaktere auftauchen (das lässt sich fast in keiner Geschichte mit einer längeren Handlung vermeiden) aber die laufen (fliegen, schießen) dann nur mal durch das Bild und die Hauptcharaktere sind samt und sonders die EC´s.

Ich sehe da bei beiden Herangehensweisen Potenzial, und für mich hat beides sowohl besondere Vor- und Nachteile, als auch eine Berechtigung gleichberechtigt nebeneinander zu existieren.

FFs müssen mir das geben, was ich in der Serie nicht sehen kann - weil da sehe ich es ja schon. Ich habe Star Trek immer wegen der Charaktere (nicht wegen der Schauspieler, mind you! Die interessieren mich meist nicht, auch wenn natürlich inzwischen das Aussehen der Schauspieler innerlich mit dem des Charakters verschmolzen ist - aber dann schaue ich mir keine anderen Produktionen des Schauspielers an, damit das eine 1:1 Beziehung bleibt) geschaut. Deren "Alltagsabenteuer" sehe ich ja in der Serie - ihre romantischen Abenteuer eher nicht, bzw. mit Charakteren, die ich nicht leiden kann.

Das glaube ich dir unbesehen, und von meiner Seite ging es in Bezug auf die "Vorstellung der Schauspieler" rein um Slash-Geschichten.
Mir ist klar, dass das bei Abenteuer (oder Shipper-Geschichten mit Handlung) dann eher weniger ein Punkt ist, als speziell bei Slash.

Deswegen lese ich Shipping-Fics, weil ich da was bekomme, was ich sonst nicht kriege. Und auch wenn ich die langen bevorzuge, wo das Shipping langsam und neben einer würdigen Handlung passiert-  die im Idealfall auch auf die Serie und dortige Ereignisse Bezug nimmt - und sie erst am Schluss im Bett landen, bevorzuge ich doch, wenn es mindestens eine Sexszene gibt. Und manchmal lese ich auch PWPs. Aber meine Favs sind es nicht.

Da sehe ich persönlich auch viel weniger dieses reine Quietschen (wegen des/der Schauspieler(innen).

Und ich sehe Kirk tatsächlich nicht wie einen Weiberhelden, sondern eher jemanden, der Spaß an körperlicher Liebe oder generell an Jugendlichkeit hat. Japp, alle gezeigten Kontakte waren Damen. Trotzdem sehe ich keinen eklatanten Widerspruch dazu, ihn mit Spock zu shippen. In den Kinofilmen (den alten - die neuen schaue ich nicht!) gab es einige Szenen, die ich zumindest diesbezüglich zweideutig fand. Und ich habe es nicht drauf abgelegt, die beiden zu shippen. Wie viel mehr Futter gibt es für diejenigen, die das darauf ablegen?

Jetzt hätte ich fast gesagt: Wenn Kirk kein Schürzenjäger ist dann war auch Julio Iglesias kein Weiberheld.
Ich sehe bei Kirk/Spock in den Kinofilmen tatsächlich eine Form von Liebe zwischen beiden Männern - nur keine romantische. Bei allem guten Willen nicht. Ich glaube hingegen schon, dass sich beide auf eine Art lieben, wie sie es eben gegenüber keiner Frau wirklich könnten.

Sprich: Liebe zwischen beiden? Absolut. Romantik zwischen beiden? Never ever!

Fakt ist: Alles was wir über einen Charakter zu wissen glauben, ist immer Interpretation. Die Wahrnehmung kann eine ganz andere sein, beim selben Charakter. Und so in "Stein gemeißelt" sind einfach die wenigsten Sachen. Wie sehr stellenweise der canon die Charaktere verbiegt, zeigt ja das Beispiel Janeway.

Widersprüche durch verschiedene Autoren und das komplette Verbiegen eines Charakters: Siehe die vorangegangenen Posts.
Ich sehe da schon zwischen besagten Widersprüchen, und dem, was da einige (nicht ALLE) Fans aufführen schon einen signifikanten Unterschied.

Als jemand, der auch an einem Universum mit OCs schreibt, kann ich nur sagen: Ich bin froh, mich manchmal in das gemachte Bett legen zu können. Und wenn ich dann meine 100ste Picard/Crusher Story schreibe, dann geht es mir nicht um die Schauspieler, sondern um die Charaktere. Ich hole sie an einem bestimmten Punkt ab und dann interessieren mich die Erfahrungen, die sie bis zu diesem Zeitpunkt gemacht haben um darauf meine Story aufzubauen. Ich mag diese Konstellation und diese Charaktereigenschaften der beiden um daraus eine Geschichte zu schreiben, die - aus meiner Sicht - mit keinen anderen Figuren funktionieren würde. Ich weiß nicht, wie es besser sagen soll, aber es ist diese Kombination aus "Aussehen, das ich jetzt mit den Charakteren verbinde, das aber beliebig ist" und "was den den Charakter charakterlich ausmacht an diesem Platz und keinem anderen". Das funktioniert für mich nur mit diesen beiden Charakteren. Für andere Geschichten habe ich wieder andere (eigene) Charaktere.

Als jemand der sowohl OF als auch FF (und bei FF sowohl mit, als auch ohne EC´s) schreibt kenne ich das nur zu gut.
Meine erste große Liebe (in Sachen Schreiben) war ja die Original-Fiction. Aber auch für mich ist es mitunter angenehm, wenn ich (z.B. bei SPACE 2064) alles habe, was ich brauche - inklusive der Charaktere und deren Vorgeschichte. Und bei BUCK ROGERS wird das noch mehr zutreffen, da ich dort fast ausschließlich mit EC´s arbeiten werde. Und gerade mit den Comics als zusätzliche Quelle kann man bei BR sehr viel erzählen und weiterspinnen.

Ich sage darum auch nicht: OC´s sind besser, als EC´s.
Ich verstehe halt nur nicht jene Leute, die FF MIT OC´s generell abwerten (damit bist nicht du gemeint) oder sich aus Prinzip solchen Geschichten verweigern. Denn wer MIT EC´s eine spannende Geschichte erzählt, der kann das auch ohne. Und wer mit OC´s KEINE interessante Geschichte erzählt, dem nützen auch keine EC´s etwas. Darum finde ich diesen "absoluten" Standpunkt mancher Leute weiterhin etwas schräg.

Wie ich oben sagte: Bei der vorangegangenen Diskussion ging es, mir zumindest, rein um Slash, bzw. um Pairing-Geschichten die auch in jeder anderen Umgebung funktionieren würden, weil sie oft rein wegen des Pairings geschrieben werden und nicht wegen einer Geschichte.
Ich kenne deine Art zu schreiben etwas, und weiß daher, dass du, für deinen Teil, gute Geschichten schreibst. Ich glaube auch nicht, dass deine FF-Geschichten "Quietsch-Geschichten" sind, sondern schon eine gewisse Tiefe besitzen. Daher fallen speziell deine Geschichten auch nicht unter das, was ich oben unter "Warum dann überhaupt FF?" angeführt habe.

Leider ist das (zumindest sehe ich das so) eher die angenehme Ausnahme.

CAMIR

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Antw:Warum FF? - Was bedeutet es euch als Leser/Autor?
« Antwort #16 am: März 03, 2018, 07:05:58 Nachmittag »
Ich denke, die "Crux" ist, dass gerade bei Slash die Debatte besteht, dass OC verbogen werden, wenn sie plötzlich homosexuelle Neigungen verspüren. Für dich ist das ganz klar der Fall, für andere Fans nicht.

Um aus Henry Jenkins' Textual Poachers zu zitieren - ich habe das entsprechende Kapitel diesem Beitrag angehängt, weil es schön ist, auch eine wissenschaftliche Perspektive darauf zu haben:

Zitat
Writing from an explicitly lesbian position, Tennison questions the heterosexist logic of commercial television narratives and of fans who object to slash because it is inconsistent with their characterizations on the episodes: As a gay person who doesn't consider being gay to be abnormal or bad, I object to the idea that an "undeclared" character on screen cannot, within the normal framework of life and the universe, be developed as gay. [...] I also challenge the notion that attraction toward members of the opposite sex necessarily excludes attraction towards one's own sex; bisexuality is also an option (and, again, it may not be a momentous decision to characters in an SF universe.) ... All of which is to say, the screen universe is already an alternative to our own, cultural mores, sexual standards and all; we do not have to consider that a character's sexual choices are dictated by what we consider more likely or most common in our environment. We as viewers certainly don't have to be governed by what the scriptwriters consider normal for their culture.
(Jenkins 1992:204-205)

Ich denke, das ist eine gute Zusammenfassung der Position von Slashfans und ganz ehrlich, mich zumindest überzeugt sie. Das Argument, Slash verdrehe die Charaktere, ist so alt wie das Genre selbst - das ja mit Kirk/Spock seinen Anfang nahm und es hat schon eine gewisse Berechtigung. Inzwischen sehe ich es einfach nicht mehr so eng, zumal mal das Quellenmaterial das hergeben kann.

Zitat
Ich sehe bei Kirk/Spock in den Kinofilmen tatsächlich eine Form von Liebe zwischen beiden Männern - nur keine romantische. Bei allem guten Willen nicht. Ich glaube hingegen schon, dass sich beide auf eine Art lieben, wie sie es eben gegenüber keiner Frau wirklich könnten.
Eine absolut valide Interpretation der Beziehung der Beiden. Inzwischen kann ich sie tatsächlich auch als Liebespaar sehen und akzeptieren, genau wie Garak und Bashir. Es gibt einfach gewisse Interaktionen zwischen den Figuren, die man in diese Richtung deuten kann, wenn man das wollte. Dass dem so ist, zeigt ja auch, zu welchen Pairings es vorwiegend Slash gibt. Riker/Picard habe ich noch kaum gesehen oder McCoy/Scotty oder Sisko/Bashir usw. Diese Figuren interagieren einfach anders, sodass einem potentielle romantische Aufhänger einfach nicht ins Auge springen.

Zitat
Ich sehe da bei beiden Herangehensweisen Potenzial, und für mich hat beides sowohl besondere Vor- und Nachteile, als auch eine Berechtigung gleichberechtigt nebeneinander zu existieren.
Absolut. Aber nirgends sonst schreit es so laut "Persönlicher Geschmack" wie bei Fanfiction. Ich bin dankbar für jeden, der schreibt, weil auf diese Art alle Bedürfnisse irgendwo befriedigt werden. Und das macht diese Subkultur so reichhaltig und gut. Ein objektives "gut" und "schlecht" gibt es, finde ich, bei dieser Form der Literatur auch garnicht. Selbst Stories, die wir als "grausam" einordnen finden ihre Leser. Entweder weil es Leuten genuin gefällt, oder aus parodistischen Gründen wie "Half Life Full Life Consequences" oder "My Immortal". Deshalb: Auf jeden Fall haben diese Herangehensweisen Potential und sollen, dürfen und müssen sogar nebeneinander existieren. So kann sich jeder das heraussuchen, was den eigenen Bedürfnissen entgegenkommt.
 
Zitat
Da sehe ich persönlich auch viel weniger dieses reine Quietschen (wegen des/der Schauspieler(innen).
Ist auch nicht mein Primärziel für FF, hat aber auch seine Daseinsberechtigung. Ich freue mich, dass man sich so für was begeistern kann.

Ich denke die Basis der Diskussion ist so ein klassisches "Let's agree to disagree": Es gibt Fans, die sehen in dem Hinzufügen einer weiteren sexuellen Präferenz ihrer Figur kein 180° Umdrehen des Charas, sondern eine (sinnvolle) Erweiterung. Für dich ist das dann nicht mehr der Chara. Ich finde beide Ansichten vollkommen legitim (weil ich in der Beziehung die Seiten gewechselt habe, ohne Slash besonders zu mögen. :D).

P.S.:
Zitat
Wie ich oben sagte: Bei der vorangegangenen Diskussion ging es, mir zumindest, rein um Slash, bzw. um Pairing-Geschichten die auch in jeder anderen Umgebung funktionieren würden, weil sie oft rein wegen des Pairings geschrieben werden und nicht wegen einer Geschichte.
Ich kenne deine Art zu schreiben etwas, und weiß daher, dass du, für deinen Teil, gute Geschichten schreibst. Ich glaube auch nicht, dass deine FF-Geschichten "Quietsch-Geschichten" sind, sondern schon eine gewisse Tiefe besitzen. Daher fallen speziell deine Geschichten auch nicht unter das, was ich oben unter "Warum dann überhaupt FF?" angeführt habe.

Das werte ich von einem kritischen Geist wie dir als Riesenkompliment!  :-[
Zitat
Ich finde deine Original-Fantasy immer noch genial.
Dass du das kannst, davon habe ich mich überzeugen dürfen. Ich hoffe, davon irgendwann noch mehr zu bekommen. :)
Awwwww!  :-[ Ich auch, du! Ich auch. ._. Durch die Master- und jetzt Doktorarbeit ist das Projekt leider etwas zum Erliegen gekommen.

ulimann644

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Antw:Warum FF? - Was bedeutet es euch als Leser/Autor?
« Antwort #17 am: März 04, 2018, 12:16:13 Vormittag »
Ich denke, die "Crux" ist, dass gerade bei Slash die Debatte besteht, dass OC verbogen werden, wenn sie plötzlich homosexuelle Neigungen verspüren. Für dich ist das ganz klar der Fall, für andere Fans nicht.

Ich kann das nicht so gut beschreiben, worin ich im Wesentlichen dieses Verbiegen sehe, glaube ich.
Es ist für mich weniger die emotionale Seite oder das Handeln des Charakters, das sich dadurch zwingend verändert. IMO ist der Charakter allein deswegen, weil man ihm etwas andichtet, das nachweislich (nach dem was der Canon hergibt UND was er eben auch NICHT hergibt) ein anderer Charakter, als das Original.

Mir ist dabei schon bewusst, dass ich diesen Punkt enger auslege, als vielleicht der Eine oder die Andere.
Ich lasse mir auch nicht gerne einreden, dass das Gezeigte solche wesentlichen Abänderungen eines Charakters HERGEBEN würden, wenn ein Blinder mit Krückstock sehen würde, dass es genau nicht so ist.

Klar - selbst ich könnte nach dem Prinzip: "Unmöglich ist nix!" und mit etwas guten bösen Willen aus jedem hetero veranlagten Film- und Serien-Schürzenjäger einen homosexuell ausgerichteten Charakter zimmern und den Leuten glaubhaft verkaufen: "Das gibt der Charakter her!"
Aber die Realität ist das dann eben nicht, wenn du mich fragst.

Um aus Henry Jenkins' Textual Poachers zu zitieren - ich habe das entsprechende Kapitel diesem Beitrag angehängt, weil es schön ist, auch eine wissenschaftliche Perspektive darauf zu haben:

Wissenschaft in Sachen Gefühle - das hat für mich noch nie gepasst... ;) :D
Es ist ein Standpunkt - aber es ist nicht DER Standpunkt, IMO, und es ist nicht meiner.

Ich denke, das ist eine gute Zusammenfassung der Position von Slashfans und ganz ehrlich, mich zumindest überzeugt sie. Das Argument, Slash verdrehe die Charaktere, ist so alt wie das Genre selbst - das ja mit Kirk/Spock seinen Anfang nahm und es hat schon eine gewisse Berechtigung. Inzwischen sehe ich es einfach nicht mehr so eng, zumal mal das Quellenmaterial das hergeben kann.

Und genau den Punkt sehe ich anders.
Auch nach dutzenden Wiederholungen von TOS und den Filmen 1-7 habe ich auf dieses "kann hergeben" keinen einzigen (ernst zu nehmenden) Hinweis entdeckt. Wirklich keinen, und ich habe mich da wirklich bemüht, in den letzten zehn Jahren.
Für mich gibt gerade dieses immer zitierte Quellenmaterial alles Andere wieder, nur nicht den leisesten Verdacht, dass eine Romanze Kirk/Spock auch nur ansatzweise möglich wäre.

Etwas anders sieht es für mich in Sachen AOS aus. Bei den beiden Schauspielern würde ich eine solche Kirk-Spock-Romanze tatsächlich noch eher glauben, als diese Nyota-Spock-Romanze.

Eine absolut valide Interpretation der Beziehung der Beiden. Inzwischen kann ich sie tatsächlich auch als Liebespaar sehen und akzeptieren, genau wie Garak und Bashir. Es gibt einfach gewisse Interaktionen zwischen den Figuren, die man in diese Richtung deuten kann, wenn man das wollte. Dass dem so ist, zeigt ja auch, zu welchen Pairings es vorwiegend Slash gibt. Riker/Picard habe ich noch kaum gesehen oder McCoy/Scotty oder Sisko/Bashir usw. Diese Figuren interagieren einfach anders, sodass einem potentielle romantische Aufhänger einfach nicht ins Auge springen.

Der andere Grund, weshalb da nix ins Auge springt, klingt für mich plausibler und ist irgendwie auch einfacher nachzuvollziehen IMO.  ;)

Selbst Stories, die wir als "grausam" einordnen finden ihre Leser. Entweder weil es Leuten genuin gefällt... Deshalb: Auf jeden Fall haben diese Herangehensweisen Potential und sollen, dürfen und müssen sogar nebeneinander existieren. So kann sich jeder das heraussuchen, was den eigenen Bedürfnissen entgegenkommt.

Bei meinen MU-Geschichten merke ich, dass das Diabolische einer solchen Geschichte durchaus - beim Schreiben - faszinieren kann.
Vielleicht gerade deswegen, weil grausame Charaktere sehr viel komplizierter, vielschichtiger, und für den Autor auch herausfordernder sind.

Ist auch nicht mein Primärziel für FF, hat aber auch seine Daseinsberechtigung. Ich freue mich, dass man sich so für was begeistern kann.

Ich auch - aber das ändert nichts daran, dass dieses Quietschen mir persönlich oft schwer auf den Sack geht. Sorry.

Ich denke die Basis der Diskussion ist so ein klassisches "Let's agree to disagree": Es gibt Fans, die sehen in dem Hinzufügen einer weiteren sexuellen Präferenz ihrer Figur kein 180° Umdrehen des Charas, sondern eine (sinnvolle) Erweiterung. Für dich ist das dann nicht mehr der Chara. Ich finde beide Ansichten vollkommen legitim (weil ich in der Beziehung die Seiten gewechselt habe, ohne Slash besonders zu mögen. :D).

Was ich keineswegs bestreiten will ist, dass auch dann die Charaktere funktionieren können. Vielleicht tun sie das beim ein oder anderen sogar besser, als vorher.
Dennoch ist der Charakter dann für mich auf keinen Fall mehr der EC, der er in der Serie, dem Film, dem Buch, war. Das "Verdrehen" des Charakters ist für mich kein Bewertungskriterium, es ist lediglich eine Feststellung bzw. ein Empfinden meinerseits.

Das werte ich von einem kritischen Geist wie dir als Riesenkompliment!

Es war eins.

:-[Awwwww!  :-[ Ich auch, du! Ich auch. ._. Durch die Master- und jetzt Doktorarbeit ist das Projekt leider etwas zum Erliegen gekommen.

Kein Druck. So schnell wird mir der Lesestoff nicht ausgehen. (Tatsächlich habe ich in meinem Alter manchmal Angst, nicht mehr alle Geschichten lesen zu können, die ich daheim habe, bzw. die ich mir vorgenommen habe zu lesen.)

Sollte die Geschichte dennoch irgendwann soweit sein, bitte eine Info an mich, wo ich sie ergattern kann, dann schiebe ich sie sofort dazwischen.

Ijan'kato

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« Antwort #18 am: März 04, 2018, 01:19:35 Vormittag »
Zitat von: Uli
Es ist für mich weniger die emotionale Seite oder das Handeln des Charakters, das sich dadurch zwingend verändert. IMO ist der Charakter allein deswegen, weil man ihm etwas andichtet, das nachweislich (nach dem was der Canon hergibt UND was er eben auch NICHT hergibt) ein anderer Charakter, als das Original.

Aber wenn wir tatsächlich danach gehen, was der Canon hergibt, dann sind im Grunde sämtliche EC-FF im Grunde OC-FF. Denn all das, was man in einer FF schreibt, ist ja nichts, was im Canon gezeigt wurde. Das ließe sich dann ja nämlich auf jede Verhaltensweise und Eigenart übertragen und inkludiert ja nicht nur die Sexualpräferenz. Es wäre gemäß dieses Maßstabs ja schon ein Verbiegen, wenn man Janeway Tee statt Kaffee trinken ließe. Tee kam nicht im Canon vor, also ist es ein Verbiegen. Ersetze Kaffee/Tee durch Hetero/Homo und dann hat man die selbe Situation.

Deshalb ist eben die Frage: Wo sind genau die Grenzen?

ulimann644

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« Antwort #19 am: März 04, 2018, 08:58:42 Vormittag »
Aber wenn wir tatsächlich danach gehen, was der Canon hergibt, dann sind im Grunde sämtliche EC-FF im Grunde OC-FF. Denn all das, was man in einer FF schreibt, ist ja nichts, was im Canon gezeigt wurde. Das ließe sich dann ja nämlich auf jede Verhaltensweise und Eigenart übertragen und inkludiert ja nicht nur die Sexualpräferenz. Es wäre gemäß dieses Maßstabs ja schon ein Verbiegen, wenn man Janeway Tee statt Kaffee trinken ließe. Tee kam nicht im Canon vor, also ist es ein Verbiegen. Ersetze Kaffee/Tee durch Hetero/Homo und dann hat man die selbe Situation.

Deshalb ist eben die Frage: Wo sind genau die Grenzen?

Diese Definition ist in der Tat nicht einfach.

Zur besseren Darlegung gehe ich mal bewusst weg von Star Trek - hin zu James Bond. Der hat sich über die Jahrzehnte gewandelt, und der 60er Bond war schon ein anderer, als der 70er Bond, und der wiederum anders als der 80er Bond usw. Schon wegen der verschiedenen Schauspieler. Und ALLE sind anders, als das Original.

Ich beziehe mich auf die wirklich markanten Eckpunkte der Figur:
JB verträgt einen Stiefel, er säuft seine Martinis geschüttelt nicht gerührt, er liebt die Frauen (reihenweise), er riskiert alles für Krone und Vaterland, er kann so gut wie alles, er weiß so gut wie alles, er verliert nie ein Kartenspiel.

Diese Eckpunkte gehören für mich zu den wesentlichen Erkennungsmerkmalen eines James Bond (ohne dass ich behaupte, diese Liste sei vollständig). Jeder (zumindest fast jeder), der die Filme gesehen hat, der erkennt diese Eckpunkte als "typisch JB" wieder, möchte ich behaupten. Egal WELCHER Film-Bond.

Solange diese Punkte (weitgehend) unverändert bleiben spielt es im Grunde für mich keine Rolle, ob ein FF-Bond nun vielleicht etwas gefühlsbetonter handelt und redet, oder aber etwas härter und unsensibler als die Filmvorlagen. Vermutlich (wenn die Betonung etwas nicht stark überzogen wird) würde ich den Charakter in diesen Fällen als EC bezeichnen. Vielleicht auch dann noch, wenn er auf Scotch umsteigt und sagt: "Ich habe geschüttelte Martinis satt!" (Beim ein oder anderen Fan würde es vermutlich da schon aufhören.)
Macht mir jetzt einer aber einen etwas zaudernden Bond daraus, der vor jedem Einsatz hinterfragt, ob das auch gut geht. Oder wäre Bond nicht mehr der Womanizer. Oder würde er beim Kartenspiel nur noch haushoch verlieren. Das wäre dann, zumindest in meinen Augen nicht mehr der EC sondern eindeutig OOC, wobei das mit dem Kartenspiel durchaus MAL vorkommen könnte, aber eben nicht in Serie als Dauerbrenner.

Unabhängig davon, dass ein Bond, der jetzt auf einmal nicht mehr im Kartenspielen gewinnen kann ein gewisses Potenzial hat, indem der Autor darlegen könnte, wie ein Bond damit umgeht, da er das bisher nie gewohnt war. Vielleicht würde das sogar mich als Leser interessieren. Doch ich würde diesen Charakter dennoch eindeutig als OOC ansehen.

Natürlich spielen da noch sehr viel mehr kleinere und größere Elemente mit hinein. Angefangen von der Wortwahl, die der jeweilige FF-Autor für diesen Charakter verwenden würde, bis hin zur jeweiligen beschriebenen Körperhaltung.
Ich kann dir die Frage nach einer exakten Grenze nicht pauschal beantworten (ich denke, das könnte Keiner), ich kann dir nur sagen, dass ich das, von Charakter zu Charakter individuell für mich festlege. Das hat auch viel mehr mit dem inneren Gefühl zu tun, dass mir, ohne dass ich darüber nachdenke, sagt: "Jau, das passt!", oder eben "Nope, das ist er nicht!"

Abschließend vielleicht noch ein Beispiel:
Ein JB, der plötzlich Männern schöne Augen macht, oder sich von Männern schöne Augen machen ließe: Sorry, das ist nicht JB weil der Umgang mit den Frauen (und deren Verführung) schon eine wesentliches (permanent wiederkehrendes) Handlungselement aller JB-Filme ist. Ein homosexuell ausgerichteter JB wäre für mich absolut OOC.
Ein JB, der sich mit Moneypenny einließe. Wurde in den Filmen bewusst vermieden bzw. nie gezeigt - widerspräche aber grundsätzlich nicht dem, was man von JB gewohnt ist. Entspricht also auch nicht der Vorlage, wäre aber für mich dennoch nicht OOC, weil der grundsätzliche Charakter und seine Verhaltensweise erhalten bleibt.

Bareil Nerys

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Antw:Warum FF? - Was bedeutet es euch als Leser/Autor?
« Antwort #20 am: März 04, 2018, 10:00:13 Nachmittag »
Hallo, bin auch mal wieder hier, nach langer Zeit... :cheer:

Zurück zur Ausgangsfrage; Ich möchte in FF mehr über meine Lieblingsfiguren lesen, z.B. über Dinge, die in der Serie nur kurz angerissen wurden, aber nicht wirklich erzählt (Vergangenheit der Figuren, Shipping..., ) oder neue Ereignisse mit diesen Figuren, die gern auch nach Serienende spielen können. Ob ich dass, was ein FF-Autor schreibt glaubwürdig und überzeugend finde, kann ich nur anhand der jeweiligen FF beurteilen, nicht pauschal.
Selbst schreibe ich dass, was ich in der Serie gern gesehen hätte, aber ob andere Leser das ebenfalls interessant finden, kann ich vorher nicht einschätzen.

Gerade habe ich einen interessanten Trek-Roman mit Garak in der Hauptrolle gelesen; darin ist er Präsident von Cardassia und Bashir leider auf Grund einer fehlgeschlagenen Geheimdienstmission in einem anderen Roman schwer traumatisiert. Letzteres hat mir gar nicht gefallen >:(, obwohl eine bestimmte Szenen zwischen ihm und Garak rührend war.
Jedoch meiden echte Trek-Romane Themen wie Shipping oder Slash, so dass man sie nur in FFs findet und auch nur hier auf seine Kosten kommt.

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« Antwort #21 am: März 04, 2018, 11:32:41 Nachmittag »
Jedoch meiden echte Trek-Romane Themen wie Shipping oder Slash, so dass man sie nur in FFs findet und auch nur hier auf seine Kosten kommt.

Zweifellos ist gerade einer DER Vorteile von FF der, dass FF-Autoren dazu neigen in mancherlei Hinsicht konsequenter zu schreiben, als es kommerzielle Autoren können/dürfen.
Da gibt es keine Vorgabe-Zwänge, weshalb ich gerade im Bereich ST mehr gute FF gelesen habe, als gute kommerzielle Werke zur Serie.