Neuigkeiten

:writer: Noch auf der Suche nach der passenden Inspiration für den Dezember? Dann mach mit beim Trekzember! :xmas-tree:

Thema: Warum FF? - Was bedeutet es euch als Leser/Autor?  (Gelesen 791 mal)

Amber

  • Trägerin des Schmökerkampfordens 1. Klasse
  • Commander
  • ****
  • Commodore
  • Beiträge: 2425
  • Happy Fluffy Tutu
Warum FF? - Was bedeutet es euch als Leser/Autor?
« am: Februar 19, 2018, 04:12:49 Nachmittag »
Darüber kann man nicht genug reden und einen ganz allgemeinen Thread dazu haben wir auch noch nicht.  ^^

Mich interessiert, was für euch FF ausmacht? Was ist euch da wichtig, warum liebt ihr FF, worauf legt ihr Wert, was zieht euch da magisch an? Und ich meine nicht nur als Autor sondern auch als Leser.

Mein primäres Interesse liegt auf den liebgewonnen Charakteren, ich liebe es einfach, immer wieder von ihnen zu lesen und zu schreiben, sie neu zu erleben und auch gerne in ganz neuen Situationen zu erleben. Darum mag ich auch AUs total gerne. Klar, ST ist einfach großartig und natürlich liebe ich die vertraute Umgebung, das Altbekannte. Aber das eine schließt das andere ja nicht aus.

Wichtiger als "geschlossene Logiklöcher" und "fachliche Korrektheit" (uh, grade ST lässt da ja viel Spielraum bein Thema "was ist alles möglich?") ist es mir, die Charaktere wiederzuerkennen - und das schließt auch "weiterentwickelte" Charaktere ein. ^^
Und jetzt, Achtung: Der Kanon! Ja, der ist mir absolut egal - Obacht! - so lange der Autor/in darauf hinweist, ob er sich an den Kanon halten will oder nicht. Ich mag beides. Und wenn jemand halt den Canon zu "seinen Gunsten" biegen will - warum nicht?

Hauptsache, man kann die "Liebe" zu der Geschichte und zu den Charakteren lesen.

So, jetzt ihr! :)

Ijan'kato

  • Lieutenant Commander
  • ****
  • Beiträge: 1054
  • Tropifrutti-Fusseldödel: 1a Wahrheitsschleimometer
Antw:Warum FF? - Was bedeutet es euch als Leser/Autor?
« Antwort #1 am: Februar 19, 2018, 05:16:09 Nachmittag »
Ich sehe das im Großen und Ganzen ganz genau gleich wie du, mit nur einer Ausnahme: Ich lese keine FFs mit den Hauptcharakteren, mit denen ich meine Herz-FF schreibe (und Geschichten mit den beiden gibt es hier auf TN eh nicht - (egoistischerweise) zum Glück!). Ich glaube, da bin ich sehr verkorkst. Meine Herz-FF ist mein persönliches Universum, mein Kopfcanon und ich habe mir die beiden Süßen quasi "großgezogen" (will heissen - ich glaube, nach mittlerweile 700 Seiten, sind sie so viel weiterentwickelt, dass sie nicht mehr so sind, wie ST sie gezeigt hat - Loni eh nicht, bei den drei Folgen, in denen er vorkam und seinen 10 Sätzen Sprechrolle, die er hatte). Gerade Loni hab ich ja eine ganze Lebensgeschichte erfunden. Ich kann und will in diesem Bezug nicht "outside the box" denken und lesen, denn es "beschmutzt" mein Universum. Boah, klingt das fies XD

Auslöser dafür war eine Geschichte, die ich auf ner englischsprachigen FF Seite überflogen bin, wo Loni von Chakotay vergewaltigt wurde (und es toll fand, weil er ja der "Verrückte" ist). Danach konnt ich gar nicht mehr soviel essen, wie ich kotzen wollte und ich hab mir geschworen: Nienienienie wieder wirst du auch nur den Hauch eines fremden Einflusses an dein Herzchen dran lassen. Das war einfach nur... ne? Im wahrsten aller Sinne: Beschmutzend. Jeder (der ihn überhaupt will) soll seinen Kopfcanon (mit Loni) haben, ist legitim, ist okay - solange ich das nicht lesen muss.

Alles andere wird von mir liebend gern konsumiert. AU und Non-Canon ebenso. Ich finde es hochinteressant, wenn Leute ihre Charas "weiterentwickeln". Ihnen eine Geschichte geben, die in der Serie nicht erzählt wird - ihre Lücken füllen. Dafür darf der Canon gern gebrochen werden. Besonders schön und aufgeflauscht werde ich, wenn ich aus jeder Zeile spüre, wie sehr der Autor seine Charas liebt. Das wärmt mir immer das Herz. Oft entwickel ich dann sogar Sympathien für Charaktere, die ich in der Serie gar nicht mochte - weil der Autor sie einfach viel besser schreibt, als sie tatsächlich sind.

Was ich übrigens lustig finde, ist das gegenseitige Chara-Ausborgen. Quasi - wenn jemand einen Charakter (egal ob EC oder OC) aus dem Kopfcanon eines anderen "entführt" und irgendwo in seine Geschichte mit einbaut, ohne, dass der Chara verändert wird. Das finde ich besonders aus der Perspektive interessant, weil da zwei Welten aufeinanderkrachen und es inspirierend für einen selbst sein kann, wenn der eigene Chara mal von jemand anderem entführt wird und einen Urlaub "ausserhalb" machen kann ^^

Ich ertappe mich auch oft dabei, dass Charas aus dem Kopfcanon eines anderen die originalen Charas "überschreiben" und ich dann vor der Glotze sitze und ST kugge und dann die Charas auf der Mattscheibe kritisiere à la "Ey, das würdest du NIIIIE tun, weil in Geschichte XYZ war das VOLL gegen deine Prinzipien". Hja...

Viel gelabert, nix gesagt. Hömpf.

Racussa

  • Ensign
  • **
  • Beiträge: 241
Antw:Warum FF? - Was bedeutet es euch als Leser/Autor?
« Antwort #2 am: Februar 20, 2018, 06:44:13 Vormittag »
Für mich ist das Faszinierende an FF, das man hier die Geschichten schreiben kann, die man auf dem Bildschirm vermisst hat. Mir geht es deshalb ganz besonders so, wenn ich irgendwelche 'Randgruppen' mehr ins Zentrum stelle, die in den Serien nur als einfältige Bösewichte ohne eigene Geschichte und Idee vorkam (Breen, Tholianer, Hierarchie, und natürlich Romulaner).
Es ist auch ein ganz lustiges Spiel, mal das Föderationsgeschehen, das oft sehr ungefiltert positiv dargestellt wird, aus der Außenperspektive anzuschauen und nicht mit einem Sternenflottenhappyend aufzulösen.
Und bei einigen FFs gefällt mir einfach die Kreativität der AutorInnen, die Pairings entwickeln, auf die ich NIE gekommen wäre. Auch das ist horizonterweiternd.

Amber

  • Trägerin des Schmökerkampfordens 1. Klasse
  • Commander
  • ****
  • Commodore
  • Beiträge: 2425
  • Happy Fluffy Tutu
Antw:Warum FF? - Was bedeutet es euch als Leser/Autor?
« Antwort #3 am: Februar 20, 2018, 10:00:05 Vormittag »

Was ich übrigens lustig finde, ist das gegenseitige Chara-Ausborgen. Quasi - wenn jemand einen Charakter (egal ob EC oder OC) aus dem Kopfcanon eines anderen "entführt" und irgendwo in seine Geschichte mit einbaut, ohne, dass der Chara verändert wird. Das finde ich besonders aus der Perspektive interessant, weil da zwei Welten aufeinanderkrachen und es inspirierend für einen selbst sein kann, wenn der eigene Chara mal von jemand anderem entführt wird und einen Urlaub "ausserhalb" machen kann ^^


Ooooh ja! Das finde ich auch klasse! Ich hab mir da ja von der lieben Gunni ihren Kal-Jinn (Risaner) ausgeborgt und hach, er ist einfach eine Bereicherung und ich liebe ihn. Und ich hab meine Augen auch schon auf einen ganz bestimmten Andorianer geworfen ... *zu julo schmul* Den brauch ich unbedingt! Lass uns tauschen: *iza hinschubs*

Was mir noch eingefallen ist: Fanfiction zu Fanfictions schreiben, das ist genial. XD Emony zB hat sich ja ganz dreist mit einer Geschichte in meiner "Waldsinfonie"-Serie eingenistet (*mwah* das ist sooooooo cooooool!!!!).




Fanfictions bieten meiner Meinung nach einfach total viel Raum, mit den Charakteren zu spielen. Das, was wir als Kinder gemacht haben, wenn wir uns mit unseren Fantasiefreunden getroffen und unterhalten haben, wird hier auf eine ähnliche Art gemacht.





Und bei einigen FFs gefällt mir einfach die Kreativität der AutorInnen, die Pairings entwickeln, auf die ich NIE gekommen wäre. Auch das ist horizonterweiternd.

:lol:  ^^ Also, die mit Abstand kreativsten Pairings entspringen doch meistens deinem Hirn!  :-*

Gabi

Antw:Warum FF? - Was bedeutet es euch als Leser/Autor?
« Antwort #4 am: Februar 20, 2018, 10:40:30 Vormittag »
Das hat sich bei mir mittlerweile ziemlich geändert. Vor drei Jahren bin ich hier mit dem Gefühl reingekommen, dass ich für alle da sein möchte und möglichst vieles, möglichst verschiedenes lesen möchte (kann man auch an meinen Review-Zahlen sehen). Aber das hat sich mit der Zeit sehr ernüchtert und ich lese derzeit kaum noch FFs (schon rein zeitlich kann ich mir derzeit keine großen Lesesessions leisten)

Ich suche bei FFs nach Geschichten, welche die Seriencharaktere gut im Griff haben, emotional weiter ausleuchten, und das im Rahmen einer soliden (SF-)Handlung tun.  Auch habe ich mich mittlerweile der Mehrheit angeschlossen und lese nur noch FFs derjenigen Serien, die mich interessieren.

Racussa

  • Ensign
  • **
  • Beiträge: 241
Antw:Warum FF? - Was bedeutet es euch als Leser/Autor?
« Antwort #5 am: Februar 20, 2018, 03:52:46 Nachmittag »
:lol:  ^^ Also, die mit Abstand kreativsten Pairings entspringen doch meistens deinem Hirn!  :-*

Also ich wäre nie auf Chekoy gekommen ::)

Das mit dem Ausborgen traue ich mich fast nicht, weil ich dann immer Angst habe, dass mein eher ironischer Zugang als Nicht-Ernst-Nehmen rüber kommt. Allerdings war ich ganz hin und weg von dem Weihnachtswichteltext, wo ich mit etwas beschenkt wurde, was mir wie aus dem Herzen geschrieben war...Deanna-Weyoun-Beverly-Triangel  :cheer:

ulimann644

  • Serious Andorian
  • Commander
  • *****
  • Beiträge: 3258
  • a.k.a. Code Blau
    • RED UNIVERSE
Antw:Warum FF? - Was bedeutet es euch als Leser/Autor?
« Antwort #6 am: Februar 20, 2018, 09:35:22 Nachmittag »
Mich interessiert, was für euch FF ausmacht? Was ist euch da wichtig, warum liebt ihr FF, worauf legt ihr Wert, was zieht euch da magisch an? Und ich meine nicht nur als Autor sondern auch als Leser.

Für mich ist es das: "Was wäre wenn...??"
Man kennt das. Man sieht einen Film oder auch eine Serie (oder man liest ein Buch) und fragt sich dabei: "Was wäre wenn dies oder das nun passieren würde? Oder was weiter passieren würde, wenn man nun selbst diese Serie, diesen Film oder dieses Buch weiterspinnen würde?"

Zumindest habe ich mir diese Frage zuerst gestellt, als ich meinen Andorianer-Captain ausarbeitete (damals ohne die Absicht je FF zu schreiben) und sich mir bei diesem Charakter plötzlich genau diese entscheidende Frage aufdrängte. So kam es überhaupt erst dazu, dass ich für eine ganze Weile weg von Original-Fictions ging - hin zu FF.

Was ich allerdings nicht verleugnen kann, und daher die Angewohnheit lieber mit OC´s zu arbeiten, ist, dass ich es liebe auch Original-Fictions zu schreiben weil man dort seine Charaktere selbst ausarbeiten kann, was, zumindest für mich, einer der hauptsächlichen Spaß-Faktoren ist, beim Schreiben. Ein Vorteil, den FF vielleicht gerade gegenüber eigenen Geschichten hat, ist dabei fraglos, dass man in den meisten Fällen auf ein komplett vorhandenes Universum mit vielen Hintergründen zurückgreifen kann. Man muss sich hier kaum mit der Ausarbeitung von Spezies, Technik oder Historie befassen, sondern kann gleich loslegen. Wer schon Original-Fictions geschrieben hat, der weiß, was ich damit sagen will.

Mein primäres Interesse liegt auf den liebgewonnen Charakteren, ich liebe es einfach, immer wieder von ihnen zu lesen und zu schreiben, sie neu zu erleben und auch gerne in ganz neuen Situationen zu erleben. Darum mag ich auch AUs total gerne. Klar, ST ist einfach großartig und natürlich liebe ich die vertraute Umgebung, das Altbekannte. Aber das eine schließt das andere ja nicht aus.

Was ich daran mag ist, dass im Grunde jeder Fan-Autor das entsprechende Franchise (egal ob nun ST, Babylon5 oder SPACE 2063) individuell anders sieht und dabei auf jeweils andere Punkte Wert legt. Und dem entsprechend vielfältig sind die Fan-Geschichten. Klar ist es dabei auch schwieriger, die Spreu vom Weizen zu trennen, doch gerade im Bereich ST gibt es für mich mehr gute FF als gute kommerzielle Geschichten.

Was mir als Leser wichtig ist: Dass die Geschichten sich beim Lesen so anfühlen als gehörten sie dazu. Fanboy-Geschichten mit "Borgwürfel-Trägerraumschiffen" der Föderation, die bis zu acht dieser drei Kilometer langen Borgwürfel an Bord haben, gehören für mich eindeutig nicht dazu.

Und jetzt, Achtung: Der Kanon! Ja, der ist mir absolut egal - Obacht! - so lange der Autor/in darauf hinweist, ob er sich an den Kanon halten will oder nicht. Ich mag beides. Und wenn jemand halt den Canon zu "seinen Gunsten" biegen will - warum nicht?

Da frage ich gerne ketzerisch: "Warum dann noch FF und nicht OF?"

Den Canon "ganz sacht" zurecht zu biegen lasse ich gerne angehen, vor allen Dingen, wenn er dann runder erscheint, als vorher. Das mache ich selbst an Stellen, an denen die Macher einen unmöglichen Schmarrn verzapft haben, oder auch, wenn sie sich schlicht gegenseitig widersprochen haben. Wie bei Khans Flucht von der Erde, die von Serie zu Serie mal 1996 und mal 2090 herum (TOS) liegt. Wobei beide Zeitpunkte wiederum viel zu weit vom Dritten Weltkrieg entfernt liegen, der sich diesem Ereignis nicht lange danach angeschlossen haben soll - aber erst in den 2030ern lag.

Ansonsten: WENN schon FF dann sollte der Canon dabei schon nicht ZU stark verbogen werden - in dem Fall ist es IMO gescheiter gleich ein eigenes Universum zu schaffen. Was hindert einen denn daran seine Charaktere ähnlich auszuarbeiten, wie seine FF-Lieblingsfiguren? (Bei den meisten Hobby-Schreibern würde das ohnehin keinen nennenswerten Unterschied machen IMO, denn wirklich die canonischen Charaktere trifft nur ein ganz geringer Prozentsatz  - so im unteren, einstelligen Bereich - aller Hobby-Autoren.)

Ijan'kato

  • Lieutenant Commander
  • ****
  • Beiträge: 1054
  • Tropifrutti-Fusseldödel: 1a Wahrheitsschleimometer
Antw:Warum FF? - Was bedeutet es euch als Leser/Autor?
« Antwort #7 am: Februar 20, 2018, 10:11:32 Nachmittag »
Zitat von: ulimann
Da frage ich gerne ketzerisch: "Warum dann noch FF und nicht OF?"

Weil OF nicht die Charaktere enthält, auf die es ankommt.

Zitat
Was hindert einen denn daran seine Charaktere ähnlich auszuarbeiten, wie seine FF-Lieblingsfiguren?

Weil sie nur ähnlich sind, aber nicht DIE Charaktere. Und gerade jetzt bei Amber ist es eigentlich recht deutlich: Sie liebt Garak und Bashir. Diese beiden und nur diese beiden. Jetzt eigene Charas zu entwerfen, ist dann nichts anderes, als irgendwen an diese Charaktere anzulehnen, aber sie SIND es eben nicht. Und gerade dieses SEIN ist ja das, worauf es ankommt.

Das ist wie, wenn man im RL eine Person liebt, die einen eineiigen Zwilling hat. Der Zwilling mag vielleicht ähnlich sein und aussehen, aber deshalb ist es einem noch lange nicht egal, wer wer ist.

Amber

  • Trägerin des Schmökerkampfordens 1. Klasse
  • Commander
  • ****
  • Commodore
  • Beiträge: 2425
  • Happy Fluffy Tutu
Antw:Warum FF? - Was bedeutet es euch als Leser/Autor?
« Antwort #8 am: Februar 21, 2018, 10:10:40 Vormittag »
Weil OF nicht die Charaktere enthält, auf die es ankommt.
Das ist wie, wenn man im RL eine Person liebt, die einen eineiigen Zwilling hat. Der Zwilling mag vielleicht ähnlich sein und aussehen, aber deshalb ist es einem noch lange nicht egal, wer wer ist.

Genau meine Meinung.

 
Und gerade jetzt bei Amber ist es eigentlich recht deutlich: Sie liebt Garak und Bashir.
  :-[ :) :wolke7: jaaaaaa ....




Für mich ist es das: "Was wäre wenn...??"
Man kennt das. Man sieht einen Film oder auch eine Serie (oder man liest ein Buch) und fragt sich dabei: "Was wäre wenn dies oder das nun passieren würde? Oder was weiter passieren würde, wenn man nun selbst diese Serie, diesen Film oder dieses Buch weiterspinnen würde?"

Da stimme ich dir voll zu. Dazu kommt dann oft noch, dass man als Leser/Schauer (sagt man das?) nicht ganz zufrieden ist, wie eine Szene oder so im Original ablief und das "muss" man dann einfach korrigieren, damit es für einen selbst wieder passt und runder ist.

ulimann644

  • Serious Andorian
  • Commander
  • *****
  • Beiträge: 3258
  • a.k.a. Code Blau
    • RED UNIVERSE
Antw:Warum FF? - Was bedeutet es euch als Leser/Autor?
« Antwort #9 am: Februar 21, 2018, 02:44:16 Nachmittag »
Weil OF nicht die Charaktere enthält, auf die es ankommt.

Ohne jetzt irgendjemanden zu nahe treten zu Wollen:
99% aller FF enthalten diese Charaktere genauso wenig.

Weil sie nur ähnlich sind, aber nicht DIE Charaktere. Und gerade jetzt bei Amber ist es eigentlich recht deutlich: Sie liebt Garak und Bashir. Diese beiden und nur diese beiden. Jetzt eigene Charas zu entwerfen, ist dann nichts anderes, als irgendwen an diese Charaktere anzulehnen, aber sie SIND es eben nicht. Und gerade dieses SEIN ist ja das, worauf es ankommt.

Ich behaupte mal kühn (;)), dass Garak und Bashir, als Paar, garantiert nicht mehr die sind, wie in der Serie. Denn (und hier halten wir uns mal an den bekannten Canon - nicht an das, was angeblich einige Verantwortliche vorhatten, wenn Ebbe und Vollmond zusammen fiel) in der Serie hat sich gerade Bashir ein ums andere Mal um FRAUEN bemüht, nicht um Männer.

Klar ist auch das ein "Was wäre wenn?" aber in dem Fall zu behaupten, es wären noch die Original-Charaktere, das halte ich für... übertrieben.

Das ist wie, wenn man im RL eine Person liebt, die einen eineiigen Zwilling hat. Der Zwilling mag vielleicht ähnlich sein und aussehen, aber deshalb ist es einem noch lange nicht egal, wer wer ist.

Und genau das, was du mir hier einreden willst ist es eben nicht, denn anders, als besagten Zwilling kann man Romanfiguren genau so formen, wie man sie haben will. Nein, das ist nur eine Ausrede, die ich, der selbst schreibt, absolut nicht bestätigen kann.

Ich, für meinen Teil, finde es auch unerheblich, ob ein Charakter nun Julian oder John oder Laskant heist - entscheidend ist doch, wie ich den Charakter, als Hobby-Autor - dem Leser darstelle. Wenn mir es gelingt, ihn gelungen darzustellen ist der Name egal - gelingt es mir nicht, dann nützt dem Autor auch der Name nichts.

Und hier haben wir - das ist meine Meinung - den Irrglauen, dem IMO zu viele FF-Autoren aufsitzen. Weil sie denken, der Name allein macht den Charakter. Ich sage, das Können des Autors macht den Charakter, und sonst gar nichts. Mag sein, dass ich nicht der Durchschnittsleser bin, doch wenn jemand mir eine Fan-Geschichte offeriert und er schafft es nicht, den Charakter adäquat darzustellen, dann identifiziere ich den, der da angeblich XY sein soll nicht mit XY und wenn der Name noch so oft in der Geschichte wiederholt wird.

Was mich betrifft: In einem solchen Fall wären sogar BEIDE - Autor UND Leser - besser dran. Denn als Leser erwarte ich bei Julian Bashir den, den ich aus der Serie kenne und nicht den, der er durch eine rosarote Fan-Brille sein könnte.

Was ich durchaus verstehe: Dass die Autorin (meistens weniger der Autor, was natürlich trotzdem auch passieren kann) beim Schreiben der Geschichte die Gesichter der entsprechenden Charaktere vor Augen hat, und die Leser(innen) dieser Geschichten sie gerne vor ihren Augen sehen wollen.
Doch jetzt mal ernsthaft: DAS verstehe ich nun so gar nicht unter FF und wenn ich es nicht schaffe einen eigenen Charakter so zu beschreiben, dass man ihn beim Lesen genauso mag, dann würde das IMO eine Menge über meine Fähigkeit Geschichten zu schreiben aussagen. Aber ich schreibe selbst keine Slash- oder Shipper-Geschichten (sagt man das so?) sondern bei mir sollte eine FF aus mehr bestehen, als daraus dass sich Mann-Mann, Mann-Frau, Frau-Frau, Mensch-Alien oder Alien-Alien am Ende um den Hals fallen und aufs Lager niedersinken. (Das darf natürlich gerne ein Teil der Handlung sein, sollte aber nicht das tragende Element der Geschichte sein IMO.)

Auch das ist übrigens ein Punkt, der mir an FF, als Leser, wichtig ist.
Ich lese gerne NEUE Geschichten - ruhig dann auch mit den bekannten Protagonisten, das muss dann nicht auf FF mit OC´s beschränkt bleiben. Natürlich sind mir persönlich neue Charaktere lieber, aber das ist eben dann persönlicher Geschmack.

So, wie ich auch gerne Pre-Canon bzw. Post-Canon Geschichten mag. Auch etwas, mit dem nicht jeder FF-Leser glücklich ist, der FF lieber nur innerhalb des bekannten, canonischen Zeitrahmens sieht, und ausschließlich mit EC´s. Ich persönlich finde jedoch, dass es gerade neue, unverbrauchte Charaktere sind, die dem Franchise neue Impulse geben können.

Da stimme ich dir voll zu. Dazu kommt dann oft noch, dass man als Leser/Schauer (sagt man das?) nicht ganz zufrieden ist, wie eine Szene oder so im Original ablief und das "muss" man dann einfach korrigieren, damit es für einen selbst wieder passt und runder ist.

Dieses "korrigieren" ist weniger mein Fall. Zumindest was die Geschichten anderer Leute angeht.
Da schreibe ich lieber ein eigenes Abenteuer. Das kann ruhig auch mit den betreffenden EC´s sein. Aber grundsätzlich sollte die Geschichte dann, was mich betrifft, keine Korrektur des Bekannten werden sondern ein neues Abenteuer erzählen. Zumindest ist es das, was ICH gerne häufiger sehen würde, bei FF-Geschichten. Generell und nicht nur auf ST bezogen.
« Letzte Änderung: Februar 21, 2018, 02:46:42 Nachmittag von ulimann644 »

Ijan'kato

  • Lieutenant Commander
  • ****
  • Beiträge: 1054
  • Tropifrutti-Fusseldödel: 1a Wahrheitsschleimometer
Antw:Warum FF? - Was bedeutet es euch als Leser/Autor?
« Antwort #10 am: Februar 21, 2018, 03:41:27 Nachmittag »
Zitat von: Uli
Garak und Bashir, als Paar, garantiert nicht mehr die sind, wie in der Serie.

Na, dann frage ich mal ganz kühn (;)) zurück, wo denn der Unterschied besteht, eine in der Serie vorkommende Szene/Handlung in einer FF weiterzuverfolgen und sich mehr entwickeln zu lassen und Charaktere zu nehmen und sie sich weiterentwickeln zu lassen. In der Serie wurde ja dann beides nicht weiter verfolgt und überlässt dem Autor die Weiterentwicklung. Ich geb mal ein profanes Beispiel: Tausendgrilliarden Leuten hat das Ende von VOY nicht gepasst, also haben sie das Ende weitergeschrieben. Oft mit dem kleinen, für viele Leute Pflichtdingsi, dass Janeway und Chakotay nun doch noch zusammenkommen. Wenn man also dieses Pairing nimmt - ist das ebenfalls etwas, was in der Serie nicht gezeigt wird. Genauso, wie die Bashir/Garak Sache nicht gezeigt wurde. Verdreht man also die Charaktere dadurch? Ich glaube ja nicht.

Zitat
Ich, für meinen Teil, finde es auch unerheblich, ob ein Charakter nun Julian oder John oder Laskant heist - entscheidend ist doch, wie ich den Charakter, als Hobby-Autor - dem Leser darstelle. Wenn mir es gelingt, ihn gelungen darzustellen ist der Name egal - gelingt es mir nicht, dann nützt dem Autor auch der Name nichts.

Ist das nicht ein wenig schwarz-weiss? Ich sehe nicht, wie eine Weiterentwicklung bzw. ab einem bestimmten Punkt in der Serie andere Entwicklung den Charakter einer Figur verändern sollte. Das beides geht nicht zwingend Hand in Hand. Sprich: Ob Julian nun nach dem Abend im Replimat Ezris Quartier aufsucht und dort Julian ist, oder ob er Garaks Quartier aufsucht und Julian ist - es macht doch den Charakter (der noch so viel mehr ist, als seine romantisch-sexuelle Präferenz) nicht kaputt.

Ich denke, die Kunst liegt eher darin, die Charaktere was-auch-immer tun oder eben nicht tun zu lassen und dabei trotzdem ihr Wesen glaubhaft rüberzubringen. Da ist es total egal, ob der Sisko nun zum Dominion überwechselt und sich ne Pottschnitt-Haartransplantation machen lässt - solange ich den Sisko darin erkenne und seine Handlungsweise sisko-esk nachvollziehen kann.

Zitat
Und hier haben wir - das ist meine Meinung - den Irrglauen, dem IMO zu viele FF-Autoren aufsitzen. Weil sie denken, der Name allein macht den Charakter.

Da stimme ich bedingt zu. Allerdings denke ich dabei eher an solche Sachen wie teenagerhafte Captains und -um das Beispiel mit dem Sisko nochmal zu nehmen - wenn seine Handlungsweise und Motivation für die Haartransplantation total hanebüchen ist und nicht zum Sisko passt, sondern völlig ooc ist.

Zitat
sondern bei mir sollte eine FF aus mehr bestehen, als daraus dass sich Mann-Mann, Mann-Frau, Frau-Frau, Mensch-Alien oder Alien-Alien am Ende um den Hals fallen und aufs Lager niedersinken. (Das darf natürlich gerne ein Teil der Handlung sein, sollte aber nicht das tragende Element der Geschichte sein IMO.)

auf das "IMO" kommt es an ^^ Und ich denke, es gibt natürlich viele Leute, die das ebenso sehen wie du. Aber dann gibt es auch wiederrum viele Leute, die genau diese Motivation zum Lesen haben, weil sie Shipping lesen wollen und bei denen das im Vordergrund steht. Die Bandbreite an Lesern ist doch riesig.

Zitat
Auch etwas, mit dem nicht jeder FF-Leser glücklich ist, der FF lieber nur innerhalb des bekannten, canonischen Zeitrahmens sieht, und ausschließlich mit EC´s. Ich persönlich finde jedoch, dass es gerade neue, unverbrauchte Charaktere sind, die dem Franchise neue Impulse geben können.

Seh ich ebenso, muss aber die Handlung für gegeben sein. Und das liegt ja wieder im Auge des Betrachters. Es gibt soooo viele OCs, die "neu" dazu kommen, aber wie sie eingebaut werden und wofür, ist ja auch vielseitig. Das kann der neue erste Offizier sein, in einer Geschichte, bei der es um Positionen und derartig relevante Missionen geht, oder eben der vulkanische Popcornverkäufer im Schnulzenkino bei einer Shippinggeschichte. Es ist eben vielfältig.

Ich finde es richtig gut, dass es diese Vielfalt gibt.

ulimann644

  • Serious Andorian
  • Commander
  • *****
  • Beiträge: 3258
  • a.k.a. Code Blau
    • RED UNIVERSE
Antw:Warum FF? - Was bedeutet es euch als Leser/Autor?
« Antwort #11 am: Februar 22, 2018, 02:18:23 Nachmittag »
Na, dann frage ich mal ganz kühn (;)) zurück, wo denn der Unterschied besteht, eine in der Serie vorkommende Szene/Handlung in einer FF weiterzuverfolgen und sich mehr entwickeln zu lassen und Charaktere zu nehmen und sie sich weiterentwickeln zu lassen.

Weiterentwickeln und "sinnvoll" weiterentwickeln (in dem Sinne, dass es "nachvollziehbar" noch dieselben Charaktere sind) sind für mich zwei paar Schuhe.
Um bei dem Beispiel mit dem Borwürfel-Föderations-Trägerschiff zu bleiben: Auch das ist im weitesten Sinne eine Weiterentwicklung dessen, was der Canon hergibt. Aber sinnvoll, oder gar nachvollziehbar...??

Ähnlich empfinde ich, wenn ein (bekanntermaßen) Schürzenjäger wie Kirk mit einem emotional unterkühlten Halbvulkanier (Spock) als Liebespaar zusammengespannt wird. Weiterentwicklung ja, aber (in schriftstellerischem Sinne) wirklich sinnvoll oder nachvollziehbar? Na, ich weiß nicht... ;)

In der Serie wurde ja dann beides nicht weiter verfolgt und überlässt dem Autor die Weiterentwicklung. Ich geb mal ein profanes Beispiel: Tausendgrilliarden Leuten hat das Ende von VOY nicht gepasst, also haben sie das Ende weitergeschrieben. Oft mit dem kleinen, für viele Leute Pflichtdingsi, dass Janeway und Chakotay nun doch noch zusammenkommen.

Das finde ich auch weit weniger schräg, als obige Beispiele.

Wenn man also dieses Pairing nimmt - ist das ebenfalls etwas, was in der Serie nicht gezeigt wird. Genauso, wie die Bashir/Garak Sache nicht gezeigt wurde. Verdreht man also die Charaktere dadurch? Ich glaube ja nicht.

Das sehe ich etwas anders.

Bei J/C ist es ja nun so, dass im Canon gezeigt, bzw. verdeutlicht wird, dass sich Janeway für Beziehungen mit Männern interessiert und Chakotay für Beziehungen mit Damen. Da werden die Charaktere nicht verdreht, wenn statt C/7of9 am Ende J/C zusammenkommen.

Anders sieht es aus, wenn ein Julian Bashir, der ebenfalls ein ums andere Mal mit Frauen anbandelt dann plötzlich das Geschlecht wechselt, ohne, dass der Canon das auch nur ansatzweise hergibt.

Was auch nie gezeigt wurde ist, dass sich besagte Charaktere selbst in den Kopf schießen, aber nach deiner Definition ist nicht ausgeschlossen, dass es sich in allen Fällen um potenzielle Selbstmörder handelt. Zugegeben, dieses Beispiel ist krass, aber nicht weniger schlüssig. Ich vermute aber, du würdest es dennoch als absoluten Nonsens bezeichnen - und genau da würde ich gerne wissen, warum? Denn grundsätzlich ist bei diesem Beispiel die Argumentation dieselbe.

Ist das nicht ein wenig schwarz-weiss? Ich sehe nicht, wie eine Weiterentwicklung bzw. ab einem bestimmten Punkt in der Serie andere Entwicklung den Charakter einer Figur verändern sollte. Das beides geht nicht zwingend Hand in Hand. Sprich: Ob Julian nun nach dem Abend im Replimat Ezris Quartier aufsucht und dort Julian ist, oder ob er Garaks Quartier aufsucht und Julian ist - es macht doch den Charakter (der noch so viel mehr ist, als seine romantisch-sexuelle Präferenz) nicht kaputt.

Würde die Vorlage das auch so hergeben, dann würde ich dagegen rein gar nichts haben.
Der Punkt für mich ist hier: Dieses Umdrehen der sexuellen Ausrichtung der FF-Charaktere geschieht fast nie zugunsten eines Plots, sondern (das wage ich offen zu sagen, ohne das als Kritik verstanden haben zu wollen) zugunsten des (gelinde gesagt) romantischen Kopfkinos beim Schreiben/Lesen einer solchen Geschichte, in der Charaktere (für mich persönlich nicht glaubwürdig) so abgeändert werden.

Ich denke, die Kunst liegt eher darin, die Charaktere was-auch-immer tun oder eben nicht tun zu lassen und dabei trotzdem ihr Wesen glaubhaft rüberzubringen. Da ist es total egal, ob der Sisko nun zum Dominion überwechselt und sich ne Pottschnitt-Haartransplantation machen lässt - solange ich den Sisko darin erkenne und seine Handlungsweise sisko-esk nachvollziehen kann.

Und da haben wir den Punkt (und das war in diesem Thread ja auch die Frage) auf den es mir bei einer FF ankommt.
Ein EC sollte für mich glaubhaft bleiben. Das schließt Weiterentwicklungen nicht aus. Glaubhafte Weiterentwicklungen. Ich selbst habe mir auch schon Einiges anhören müssen, weil ich einem Charakter hier und da (und ich habe bisher noch keinen Charakter auch nur ansatzweise um 180 Grad umgedreht) eine klitzekleine Facette hinzugefügt habe.

Klar gibt es auch diese Leser - diejenigen, die sich schon aufregen, wenn ein Charakter sich die Haare länger wachsen lässt, oder sich den Bart abrasiert. Zu diesen Leuten gehöre ich nicht. Ganz im Gegenteil, ich mag es, wenn ich eine Weiterentwicklung bei canonischen Charakteren zu lesen bekommen. Einer, der das fett drauf hat, wäre für mich MFB. Da fühlen sich die EC´s trotz Weiterentwicklung (und manchmal gerade wegen derselben) irgendwie richtig an. So, als wären sie es tatsächlich.

Da stimme ich bedingt zu. Allerdings denke ich dabei eher an solche Sachen wie teenagerhafte Captains und -um das Beispiel mit dem Sisko nochmal zu nehmen - wenn seine Handlungsweise und Motivation für die Haartransplantation total hanebüchen ist und nicht zum Sisko passt, sondern völlig ooc ist.

Ich sehe in einer neuen Äußerlichkeit weit weniger eine Verdrehen der grundsätzlichen Gesinnung eines Charakters, als wenn Jemand seine sexuelle Grundausrichtung neu "einnordet".

Der Punkt, der mir dabei am meisten quer geht: Ich bekommen vom Autor (in den meisten solchen Fällen aber wohl eher der Autorin) keine Erklärung für diesen doch nicht ganz unerheblichen Wandel. Dabei wäre das so schnell erklärt. Einfach mal nebenbei erwähnt, dass der Zug zu Männern auch schon in der Jugendzeit vorhanden war, das Ganze aber zwischenzeitlich einschlief und erst durch ein bestimmtes Ereignis, bzw. durch das nähere Kennenlernen einer bestimmten Person, wieder voll durchbrach. Das bekommt man aber nicht, weil die FF-Autoren das gar nicht für nötig halten. :bones:

Innerhalb einer reinen Slash-Geschichte ist´s vermutlich eh wurscht - würde aber beispielsweise ein Bashir innerhalb einer (z.B.) Abenteuerserie eine solche Entwicklung nehmen, dann würde ich schon zumindest eine solche Minimalerklärung erwarten um es am Ende zu "kaufen"...

auf das "IMO" kommt es an ^^

Darum steht es da.

Und ich denke, es gibt natürlich viele Leute, die das ebenso sehen wie du. Aber dann gibt es auch wiederum viele Leute, die genau diese Motivation zum Lesen haben, weil sie Shipping lesen wollen und bei denen das im Vordergrund steht. Die Bandbreite an Lesern ist doch riesig.

Und das soll auch so sein.
Ich will auch keinem/keiner etwas wegnehmen, oder behaupten, diese oder jene Richtung sei schlecht.
Doch es geht hier um die Frage: Was für mich FF ausmacht? Und da frage ich dann halt auch mal nach.

Seh ich ebenso, muss aber die Handlung für gegeben sein.

Konsens.

Und das liegt ja wieder im Auge des Betrachters. Es gibt soooo viele OCs, die "neu" dazu kommen, aber wie sie eingebaut werden und wofür, ist ja auch vielseitig. Das kann der neue erste Offizier sein, in einer Geschichte, bei der es um Positionen und derartig relevante Missionen geht, oder eben der vulkanische Popcornverkäufer im Schnulzenkino bei einer Shippinggeschichte. Es ist eben vielfältig.

Ich finde es richtig gut, dass es diese Vielfalt gibt.

Ich auch.
Mir ist bewusst, dass es manchmal so erscheinen mag, als würde ich gerade Slash generell verteufeln. Das ist nicht der Fall, ich frage mich nur, warum man dafür unbedingt Charaktere verbiegen muss, statt selbst welche zu schaffen?
Klar drängt sich dabei auch eine vordergründige Antwort auf. Eben dass der Autor/die Autorin bzw. der Leser/die Leserin dabei genau das Gesicht des entsprechenden Schauspielers vor Augen haben will. Was ich in Frage stelle ist dabei: Kommt es da wirklich noch auf den "Charakter" der Serie an, oder rein auf die Erscheinung des jeweiligen Schauspielers?
Rein gefühlsmäßig tendiere ich dazu, eher Letzteres zu vermuten.
« Letzte Änderung: Februar 22, 2018, 02:22:18 Nachmittag von ulimann644 »

Ijan'kato

  • Lieutenant Commander
  • ****
  • Beiträge: 1054
  • Tropifrutti-Fusseldödel: 1a Wahrheitsschleimometer
Antw:Warum FF? - Was bedeutet es euch als Leser/Autor?
« Antwort #12 am: Februar 22, 2018, 03:21:53 Nachmittag »
Zitat
Um bei dem Beispiel mit dem Borwürfel-Föderations-Trägerschiff zu bleiben: Auch das ist im weitesten Sinne eine Weiterentwicklung dessen, was der Canon hergibt. Aber sinnvoll, oder gar nachvollziehbar...??

Naja, nee. Sinnvoll oder nachvollziehbar ist es nicht, weil a) der Weltraum ist nicht der Wasserraum und im All braucht man keinen "Flugzeugträger" (macht gar keinen Sinn!) und b) für die Borg zu abwegig. Aber da stimme ich dir ja auch uneingeschränkt zu.

Zitat
Ähnlich empfinde ich, wenn ein (bekanntermaßen) Schürzenjäger wie Kirk mit einem emotional unterkühlten Halbvulkanier (Spock) als Liebespaar zusammengespannt wird.

Auch hier stimme ich dir zu, weil hier Verdrehung in Extremform vorliegt. Aber um das anhand Kirk/Spock mal mit Bashir/Garak zu veranschaulichen: (TOS) Kirks herausragendstes Merkmal ist eben diese Schürzenjägerkacke. Sein ganzer Rest ist doch quasi nur um diesen Aspekt drumrum gebastelt, während bei Spock eben diese emotionale Unterkühlung der Hauptaspekt ist. Wenn man diese beiden Aspekte also verdreht und verändert, dann verändert man die ganzen Charaktere. Bei Bashir und Garak ist das was anderes, denn die haben ausgereiftere Persönlichkeiten und ihre sexuelle Präferenz ist nur ein kleiner Teil ihres Charakters. Wenn man also lediglich diese Präferenz ändert, ändert man dadurch nicht den Rest ebenfalls, denn da ist noch viel zu viel anderes Zeug, das den Charakter ausmacht.

Zitat
Da werden die Charaktere nicht verdreht, wenn statt C/7of9 am Ende J/C zusammenkommen.

Hier hat zb der Canon selbst Charaktere verdreht. C/7 ist dermaßen ooc, dass das überhaupt reingenommen wurde, ist mir ein komplettes Rätsel. Das kann ich zb nicht nachvollziehen, OBWOHL es canon ist.

Zitat
Anders sieht es aus, wenn ein Julian Bashir, der ebenfalls ein ums andere Mal mit Frauen anbandelt dann plötzlich das Geschlecht wechselt, ohne, dass der Canon das auch nur ansatzweise hergibt.

Hmmm, aber auch da denke ich zwischen Stockhetero und Stockhomo gibt es tausend winzige Abstufungen. Und ob jemand nicht beides mag, bzw das eine präferiert, aber mit dem anderen auch gut leben kann, ist letztendlich ne Frage, die wir eh niemals beantwortet kriegen würden. Ich finde gerade diese sexuellen Präferenzen ziemlich... hmm... zu nichtssagend, wenn man nicht gerade von einem Kirk redet, der zu 90% aus Sexualpräferenz besteht (o_O)

Zitat
Was auch nie gezeigt wurde ist, dass sich besagte Charaktere selbst in den Kopf schießen, aber nach deiner Definition ist nicht ausgeschlossen, dass es sich in allen Fällen um potenzielle Selbstmörder handelt. Zugegeben, dieses Beispiel ist krass, aber nicht weniger schlüssig. Ich vermute aber, du würdest es dennoch als absoluten Nonsens bezeichnen - und genau da würde ich gerne wissen, warum?

Da kommt es doch genau auf das "Warum" an. Wenn "sich in den Kopf schießen" plausibel ist, dann hab ich damit kein Problem. Nehmen wir zum Beispiel die fiktive Situation, EC X sitzt im romulanischen Knast, weil die Romulaner ihm mit Folter eine Information entlocken wollen, die die Türen zur Vernichtung der Föderation öffnet. Der EC X hat keine Möglichkeit mehr, auszubrechen und nur noch die Wahl "Entweder bringe ich mich um um die Information sicher zu wissen, oder sie werden sie bekommen und die Föderation auslöschen" - dann finde ich das einen verdammt guten Grund, sich in den Kopf zu schießen. Daher - auch hier kann man nix pauschalisieren.

Zitat
Dieses Umdrehen der sexuellen Ausrichtung der FF-Charaktere geschieht fast nie zugunsten eines Plots, sondern (das wage ich offen zu sagen, ohne das als Kritik verstanden haben zu wollen) zugunsten des (gelinde gesagt) romantischen Kopfkinos beim Schreiben/Lesen einer solchen Geschichte

Da widerspreche ich dir übrigens überhaupt nicht. Das ist tatsächlich sehr oft der Fall.

Zitat
Und da haben wir den Punkt (und das war in diesem Thread ja auch die Frage) auf den es mir bei einer FF ankommt.
Ein EC sollte für mich glaubhaft bleiben.

So sehe ich das ebenfalls :D Nur weichen wir wohl in dem Punkt voneinander ab, ob ein hetero/bi/homo gleich den ganzen Charakter verändert. Denn das ist (für mich) nicht pauschal zu beantworten. Bei manchen (Kirk) tut es das, bei anderen (Bashir) empfinde ich das nicht so.

Zitat
Der Punkt, der mir dabei am meisten quer geht: Ich bekommen vom Autor (in den meisten solchen Fällen aber wohl eher der Autorin) keine Erklärung für diesen doch nicht ganz unerheblichen Wandel.

DAS verstehe ich ebenfalls. Das täte mir genauso gehen - wobei ich an dieser Stelle auch zugeben muss, dass ich eigentlich so gut wie gar keinen Slash lese - zumindest keinen Slash um des Slashes Willen. Das muss mir schon einleuchtend sein und irgendwie ne Geschichte mitbringen. Vielleicht liegt es einfach daran, dass ich im RL auch ziemlich oft die Erfahrung gemacht hab, dass sexuelle Präferenzen im Grunde sehr oft nicht in Stein gemeisselt sind. Dass es viele Leute gibt, die jahrelang hetero gelebt haben und plötzlich allmählich Gefühle für den besten Freund bekommen - aus intensivem Kontakt heraus zum Bleistift. Da verliebt man sich dann nicht in den Körper, sondern in das Wesen der Person und der Körper wird "egal". Das Phänomen gibt es ja auch bei Heteros, wo dann jemand kommt, der optisch so gar nicht dem entspricht, was man anziehend findet, aber der Charakter das alles in den Schatten stellt und man lernt, den Körper mitzulieben, einfach, weil man den Charakter liebt.

Zitat
Das bekommt man aber nicht, weil die FF-Autoren das gar nicht für nötig halten.

Sowas hab ich immer nur bei PWP vermutet. Aber das ist ja eh ne eigene Kategorie...

Zitat
würde aber beispielsweise ein Bashir innerhalb einer (z.B.) Abenteuerserie eine solche Entwicklung nehmen, dann würde ich schon zumindest eine solche Minimalerklärung erwarten um es am Ende zu "kaufen"...

Das einzige Garak/Bashir, das ich lese, ist Ambers Zeug und das tut genau DAS. Es ist ne Entwicklung im Zuge einer Reise zu zweit. Und das kauf ich vollkommen.

Zitat
Doch es geht hier um die Frage: Was für mich FF ausmacht? Und da frage ich dann halt auch mal nach.

Sollst du auch  :thumbup:

Zitat
Mir ist bewusst, dass es manchmal so erscheinen mag, als würde ich gerade Slash generell verteufeln. Das ist nicht der Fall, ich frage mich nur, warum man dafür unbedingt Charaktere verbiegen muss, statt selbst welche zu schaffen?
Klar drängt sich dabei auch eine vordergründige Antwort auf. Eben dass der Autor/die Autorin bzw. der Leser/die Leserin dabei genau das Gesicht des entsprechenden Schauspielers vor Augen haben will. Was ich in Frage stelle ist dabei: Kommt es da wirklich noch auf den "Charakter" der Serie an, oder rein auf die Erscheinung des jeweiligen Schauspielers?

Ich glaub, das ist von Fall zu Fall verschieden. Sicherlich gibt es diese Leute, für die ein Charakter nicht mehr ist als ein Gesicht und ein Name - aber dann gibts auch noch die Leute, für die der Charakter total passt, nur eben DIESE EINE Sache nicht, die dann verbogen wird. Ansonsten bleibt der Chara eben der Chara. Das finde ich zu verschmerzen.

ulimann644

  • Serious Andorian
  • Commander
  • *****
  • Beiträge: 3258
  • a.k.a. Code Blau
    • RED UNIVERSE
Antw:Warum FF? - Was bedeutet es euch als Leser/Autor?
« Antwort #13 am: Februar 22, 2018, 11:44:03 Nachmittag »
Auch hier stimme ich dir zu, weil hier Verdrehung in Extremform vorliegt. Aber um das anhand Kirk/Spock mal mit Bashir/Garak zu veranschaulichen: (TOS) Kirks herausragendstes Merkmal ist eben diese Schürzenjägerkacke. Sein ganzer Rest ist doch quasi nur um diesen Aspekt drumrum gebastelt, während bei Spock eben diese emotionale Unterkühlung der Hauptaspekt ist. Wenn man diese beiden Aspekte also verdreht und verändert, dann verändert man die ganzen Charaktere. Bei Bashir und Garak ist das was anderes, denn die haben ausgereiftere Persönlichkeiten und ihre sexuelle Präferenz ist nur ein kleiner Teil ihres Charakters. Wenn man also lediglich diese Präferenz ändert, ändert man dadurch nicht den Rest ebenfalls, denn da ist noch viel zu viel anderes Zeug, das den Charakter ausmacht.

Ich will das nicht generell als unrichtig abtun.
Doch ich sehe schon eine signifikante Veränderung eines Charakters bei einer 180 Grad Änderung der sexuellen Ausrichtung. Weil damit, in letzter Konsequenz, noch mehr einher geht.

Fakt ist auch, dass der Charakter Kirk schon eindimensionaler dargestellt wurde, aber ganz so krass sehe ich das dann auch wieder nicht. Insbesondere, wenn ich die Filme mit einfließen lasse. Andererseits war auch der Zeitgeist zur Zeit von DS9 ein anderer, als zur Zeit von TOS. Deswegen erachte ich aber bei Julian/Garak die Problematik des charakterlichen Herumdrehens nicht weniger stark, als bei Kirk/Spock. Aber das ist dann halt eine Sache der individuellen Auslegung.

Hier hat zb der Canon selbst Charaktere verdreht. C/7 ist dermaßen ooc, dass das überhaupt reingenommen wurde, ist mir ein komplettes Rätsel. Das kann ich zb nicht nachvollziehen, OBWOHL es canon ist.

Da bin ich ganz bei dir. Ich selbst habe auch J/C favorisiert. 7/C kam für mich fast aus dem Nichts. Mein Verdacht: Das wurde der Quoten wegen so geschrieben, zum Ende hin.

Hmmm, aber auch da denke ich zwischen Stockhetero und Stockhomo gibt es tausend winzige Abstufungen. Und ob jemand nicht beides mag, bzw das eine präferiert, aber mit dem anderen auch gut leben kann, ist letztendlich ne Frage, die wir eh niemals beantwortet kriegen würden. Ich finde gerade diese sexuellen Präferenzen ziemlich... hmm... zu nichtssagend, wenn man nicht gerade von einem Kirk redet, der zu 90% aus Sexualpräferenz besteht (o_O)

Das zweifellos - und würde man dazu nicht bekannte Charaktere verbiegen, dann würde ich über diese Grauabstufungen begeistert sein.
Mir selbst macht es Spaß, gerade bei der aktuellen DEAN CORVIN Episode mit Charakteren zu arbeiten, die man eben nicht in diese beiden Schubladen stecken kann. Und es fordert ebenso auch heraus, solche Charaktere zu entwickeln bzw. nicht Gefahr zu laufen, sie klischeehaft darzustellen.
Zum Glück haben die Menschen im 33. Jahrhundert eine absolut gereifte Gesellschaft, wo keinen mehr juckt, wer mit wem. Und mir liegt sehr viel daran, das als positiv herauszustellen.

Da kommt es doch genau auf das "Warum" an. Wenn "sich in den Kopf schießen" plausibel ist, dann hab ich damit kein Problem. Nehmen wir zum Beispiel die fiktive Situation, EC X sitzt im romulanischen Knast, weil die Romulaner ihm mit Folter eine Information entlocken wollen, die die Türen zur Vernichtung der Föderation öffnet. Der EC X hat keine Möglichkeit mehr, auszubrechen und nur noch die Wahl "Entweder bringe ich mich um um die Information sicher zu wissen, oder sie werden sie bekommen und die Föderation auslöschen" - dann finde ich das einen verdammt guten Grund, sich in den Kopf zu schießen. Daher - auch hier kann man nix pauschalisieren.

Yo - da würden wir bei weiterer Diskussion wieder auf die "Absurditäten-Schiene" geraten.
Es war nur ein Beispiel! Punkt.

So sehe ich das ebenfalls :D Nur weichen wir wohl in dem Punkt voneinander ab, ob ein hetero/bi/homo gleich den ganzen Charakter verändert. Denn das ist (für mich) nicht pauschal zu beantworten. Bei manchen (Kirk) tut es das, bei anderen (Bashir) empfinde ich das nicht so.

Das ist dann der Punkt, bei dem ich eben anderer Meinung bin.
Sicherlich könnte ich mir bei Bashir zugegebenermaßen eine solche Entwicklung eher vorstellen, als bei Jim. Doch für mich ist bei beiden Charakteren eine solche Entwicklung merkwürzig.

Ich bin mir hingegen sicher: Hätten TOS-Kirk und TOS-Spock ausgesehen wie Pine und Quinto, es gäbe bei Kirk (selbst bei derselben Darstellung, wie TOS-Kirk/Spock) diese Bedenken beim Unterschied nicht.

Dass es viele Leute gibt, die jahrelang hetero gelebt haben und plötzlich allmählich Gefühle für den besten Freund bekommen - aus intensivem Kontakt heraus zum Bleistift. Da verliebt man sich dann nicht in den Körper, sondern in das Wesen der Person und der Körper wird "egal". Das Phänomen gibt es ja auch bei Heteros, wo dann jemand kommt, der optisch so gar nicht dem entspricht, was man anziehend findet, aber der Charakter das alles in den Schatten stellt und man lernt, den Körper mit zu lieben, einfach, weil man den Charakter liebt.

Da ist natürlich etwas Wahres dran.
Nur würde ich sagen, dass man sich dafür wirklich sehr gut kennen muss - dafür scheint mir die Zeit, die sich Bashir und Garak kennen jedoch zu knapp.

Schon als ich zwanzig war, hieß es im Freundeskreis, dass es wahre Liebe nur unter Männern gibt. Da ist viel Wahres dran. Ich behaupte mal, dass es in meinem Leben einige Männer gibt, die ich mehr liebe, als ich je eine Frau lieben könnte. Allerdings rein platonisch. Und das sehe ich als völlig normal an. Es gibt diese starke Bande zwischen Männern, wo niemand ein Blatt Papier dazwischen bekommt, und in deren Gesellschaft man Gefühle zeigt. Klar ist auch das Liebe, vielleicht die stärkste, die es überhaupt gibt.

Leider liest man so etwas dann aber kaum, sondern man hat eher das Gefühl: Wenn, dann landen die Freunde ums Verrecken im Bett.
Ich denke, dass ich mich vielleicht mal selbst stärker um diese Thematik bemühen sollte, in meinen Geschichten.

Ich glaub, das ist von Fall zu Fall verschieden. Sicherlich gibt es diese Leute, für die ein Charakter nicht mehr ist als ein Gesicht und ein Name - aber dann gibts auch noch die Leute, für die der Charakter total passt, nur eben DIESE EINE Sache nicht, die dann verbogen wird. Ansonsten bleibt der Chara eben der Chara. Das finde ich zu verschmerzen.

Uuuund genau da lege ich persönlich vermutlich dann das feine Maß an.
Seit Jahren versuche ich eine schlüssige Antwort (außer eben die, der optischen Vorstellung des betreffenden Schauspielers, beim Schreiben/Lesen) zu bekommen, warum man in solchen Fällen nicht mit eigenen Charakteren arbeitet, bzw. warum dann überhaupt SciFi, wenn die Geschichte in so gut wie jeder anderen Umgebung auch funktionieren würde. Eine wirklich zufriedenstellende Antwort darauf (bis eben auf die mit der Vorstellung, in Bezug auf das Aussehen des Schauspielers) konnte mir bis heute niemand geben. Inzwischen vermute ich, es gibt auch keine weitere...

CAMIR

  • Anti Tante
  • Lieutenant Commander
  • ****
  • Beiträge: 1772
  • Gunnǫflugr geisli sólar miskunnar...
    • Mein Deviantart
Antw:Warum FF? - Was bedeutet es euch als Leser/Autor?
« Antwort #14 am: März 02, 2018, 08:07:20 Nachmittag »
Was für eine schönes Diskussion! Ich liebe es, wenn kontrovers diskutiert wird und nicht alle eh die selbe Meinung haben!
Generell würde ich mich - was Fanfiction betrifft - eher bei Ijan'Kato und Amber einordnen, als bei dir, Uli. Das heißt aber nicht, dass ich deine Meinung nicht respektiere und nachvollziehen kann.
Wir hatten uns vor einiger Zeit mal über EC vs. OC unterhalten und ich glaube, dass das was hier passiert, dem sehr ähnlich ist.

Für mich sind Fanfictions vor allem Shipping! Aber ich muss trotzdem das Gefühl haben, dass "meine" Charaktere wiederkennbar sind. Ob man das jetzt AU oder Klone oder Zwillinge oder wwi nennen will ist mir relativ pille.
Wenn ich OCs lesen will, lese ich sie - innerhalb Stories die zu 100% original sind. Aber halb Universum "geklaut" und halb eigene Charas sind einfach nicht meine Teetasse.
FFs müssen mir das geben, was ich in der Serie nicht sehen kann - weil da sehe ich es ja schon. Ich habe Star Trek immer wegen der Charaktere (nicht wegen der Schauspieler, mind you! Die interessieren mich meist nicht, auch wenn natürlich inzwischen das Aussehen der Schauspieler innerlich mit dem des Charakters verschmolzen ist - aber dann schaue ich mir keine anderen Produktionen des Schauspielers an, damit das eine 1:1 Beziehung bleibt) geschaut. Deren "Alltagsabenteuer" sehe ich ja in der Serie - ihre romantischen Abenteuer eher nicht, bzw. mit Charakteren, die ich nicht leiden kann.

Deswegen lese ich Shipping-Fics, weil ich da was bekomme, was ich sonst nicht kriege. Und auch wenn ich die langen bevorzuge, wo das Shipping langsam und neben einer würdigen Handlung passiert-  die im Idealfall auch auf die Serie und dortige Ereignisse Bezug nimmt - und sie erst am Schluss im Bett landen, bevorzuge ich doch, wenn es mindestens eine Sexszene gibt. Und manchmal lese ich auch PWPs. Aber meine Favs sind es nicht.

Ich finde es interessant, dass die, ich sage mal "Erweiterung des sexuellen Horizontes" für dich, Uli, einer Verbiegung eines bestimmten Charakters gleichkommt. Ich finde es deshalb interessant, weil ich selbst auch mal so dachte. Ich bin selbst kein großer Slashfan, deswegen muss ich hier kein Fangirltum verteidigen. Aber ich denke, es ist alles eine Frage der Interpretation. Henry Jenkins, ein amerikanischer Literaturwissenschaftler, der sich mit Fanfiction - vor allem Star Trek - befasste, nennt Slash das Suchen im Subtext. Gerade TOS konnte, selbst wenn es gewollt hätte, keine Homosexualität offen zeigen. Es war so schon revolutionär genug. Aber TOS wie die anderen Serien lassen große Lücken in den Biografien der Charaktere. Und ich sehe Kirk tatsächlich nicht wie einen Weiberhelden, sondern eher jemanden, der Spaß an körperlicher Liebe oder generell an Jugendlichkeit hat. Japp, alle gezeigten Kontakte waren Damen. Trotzdem sehe ich keinen eklatanten Widerspruch dazu, ihn mit Spock zu shippen. In den Kinofilmen (den alten - die neuen schaue ich nicht!) gab es einige Szenen, die ich zumindest diesbezüglich zweideutig fand. Und ich habe es nicht drauf abgelegt, die beiden zu shippen. Wie viel mehr Futter gibt es für diejenigen, die das darauf ablegen?

Fakt ist: Alles was wir über einen Charakter zu wissen glauben, ist immer Interpretation. Die Wahrnehmung kann eine ganz andere sein, beim selben Charakter. Und so in "Stein gemeißelt" sind einfach die wenigsten Sachen. Wie sehr stellenweise der canon die Charaktere verbiegt, zeigt ja das Beispiel Janeway.

Seit Jahren versuche ich eine schlüssige Antwort (außer eben die, der optischen Vorstellung des betreffenden Schauspielers, beim Schreiben/Lesen) zu bekommen, warum man in solchen Fällen nicht mit eigenen Charakteren arbeitet, bzw. warum dann überhaupt SciFi, wenn die Geschichte in so gut wie jeder anderen Umgebung auch funktionieren würde. Eine wirklich zufriedenstellende Antwort darauf (bis eben auf die mit der Vorstellung, in Bezug auf das Aussehen des Schauspielers) konnte mir bis heute niemand geben. Inzwischen vermute ich, es gibt auch keine weitere...

Als jemand, der auch an einem Universum mit OCs schreibt, kann ich nur sagen: Ich bin froh, mich manchmal in das gemachte Bett legen zu können. Und wenn ich dann meine 100ste Picard/Crusher Story schreibe, dann geht es mir nicht um die Schauspieler, sondern um die Charaktere. Ich hole sie an einem bestimmten Punkt ab und dann interessieren mich die Erfahrungen, die sie bis zu diesem Zeitpunkt gemacht haben um darauf meine Story aufzubauen. Ich mag diese Konstellation und diese Charaktereigenschaften der beiden um daraus eine Geschichte zu schreiben, die - aus meiner Sicht - mit keinen anderen Figuren funktionieren würde. Ich weiß nicht, wie es besser sagen soll, aber es ist diese Kombination aus "Aussehen, das ich jetzt mit den Charakteren verbinde, das aber beliebig ist" und "was den den Charakter charakterlich ausmacht an diesem Platz und keinem anderen". Das funktioniert für mich nur mit diesen beiden Charakteren. Für andere Geschichten habe ich wieder andere (eigene) Charaktere.