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Thema: Gruseliges Ambiente auf Raumschiffen  (Gelesen 400 mal)

Ijan'kato

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Gruseliges Ambiente auf Raumschiffen
« am: Januar 19, 2018, 04:31:32 Nachmittag »
Mir ist aufgefallen, dass ich es nicht schaffe, Star Trek und Grusel in das selbe Element zu bringen. Deshalb frag ich hier mal, ob euch das gelingt und wie ihr das empfindet. Ich meine, stellt euch vor, ihr wollt in eurer FF ein Kapitel einbauen, das in etwa das selbe Feeling erzeugt, wie wenn man einen Gruselfilm schaut und sich unter der Decke versteckt - wie würdet ihr das anstellen? Ich hab natürlich die Werke von der Gruselchallenge gelesen, allerdings stößt sich das ein wenig mit meinen eigenen "Erfahrungen", was das Genre SciFi bedingt. Herrje, ist das schwer zu beschreiben.
Ich denke immer, Grusel ist immer nur so lange gruselig, bis man sieht/weiss, wovor man Angst haben soll. Sobald das Gefürchtete eine Form bekommt, ist es vorbei mit der Gruselei. (Geht es noch jemandem so?)

Ich finde es extrem schwierig, in einem Setting, in dem alles offen (und normal ist), etwas klassisch-Gruseliges einzubauen. Da man ja eh im All ständig auf fremde Dinge stößt und Spezies, die nichtmal einen Körper haben (Calamarain zb.) und somit ja schon den klassischen Geist rational wegpusten, finde ich einfach keinen gelungenen Plot, bei dem man das Gruselige nicht "greifen" kann. Die Rationalität gepaart mit dem Wissen um Spezies, die alle möglichen Formen annehmen können, macht irgendwie jede Gedankenrichtung diesbezüglich zunichte.

Wie seht ihr das? Würdet ihr sowas geschrieben kriegen? Und wenn ja - wie?

Amber

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Antw:Gruseliges Ambiente auf Raumschiffen
« Antwort #1 am: Januar 20, 2018, 08:30:14 Vormittag »
Interessantes Thema.

Also, ich sehe es da so wie mit dem Humor: Was dem einen zusagt, gilt für den anderen ja nicht.

Ich hab bisher zwei gewollt Grusel-ST-Geschichten geschrieben. Und denke, mir ist da schon eine unheimliche Stimmung gelungen (und fand diese Einschätzung durch Feedback der Leser auch bestätigt). Und egal, ob man SciFi oder Fantasy oder whatever hat, manche Dinge bleiben einfach unheimlich und gruselig: Nichtwissen; das Gefühl, beobachtet zu werden; Moorleichen ( :P ); Geräusche, Stimmen in der Finsternis und so weiter. Meiner Meinung nach. Sieht ja nicht jeder so.

Um eine wirklich gruselige Stimmung aufzubauen, ist die richtige Wortwahl mMn wesentlich. Jemand späht dann um die Ecke und schmult nicht. "Schmulen" klingt halt lustiger und killt somit die Spannung.

Ach, so pauschal lässt sich das irgendwie nicht beantworten. Ich sehe es so: Weniger und schattenhafte Informationen, was los ist, sind für den Leser (mich) gruseliger, wenn dafür dann aber die Emotionen und die Umgebung wortgewandt und sehr gut geschrieben sind. Ich will mit den Protagonisten vor Angst vergehen und durch das Dunkle tappen. Oh, was noch genial ist, ist die Beschreibung von außen, also quasi ein Beobachter der ganzen Szene. Hast du zufällig "Das Mädchen" von King gelesen? DAS war gruselig!

Hm, hoffe, dir da vielleicht ein wenig geholfen haben zu können.  :)

ulimann644

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Antw:Gruseliges Ambiente auf Raumschiffen
« Antwort #2 am: Januar 20, 2018, 09:32:23 Vormittag »
Eine Referenz, die ich (in Teilen) heranziehen würde, ist der Film Alien (der ursprüngliche Film).
Was dabei auffällt ist: Sehr viel wird dort der Fantasie des Zuschauers überlassen. So bekommt man z.B. nicht zu sehen, was aus dem Captain der NOSTROMO wird. Sein Signal verschwindet einfach vom Bildschirm des Scanners, man hört Schreie - die irgendwann abreißen. Aus, die Maus.
Auf mich hatte das seinerzeit, beim ersten Anschauen, einen größeren Effekt, als wenn dort literweise Blut geflossen wäre. Was dann das andere Extrem wäre.

Ob aber nun  subtil, oder aber Splatter-Geschichte. Der beste Horror entsteht IMO oft durch besagte Ungewissheit was die Tatsachen betrifft - wie es Amber richtig gesagt hat. Und durch ein Enthüllen von Details (oder scheinbaren Details) an der richtigen Stelle.

Persephone

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Antw:Gruseliges Ambiente auf Raumschiffen
« Antwort #3 am: Januar 20, 2018, 01:49:54 Nachmittag »
Wenn es um Filmreferenzen geht, würde ich auf jeden Fall "Event Horizon" empfehlen.
Ich muss jetzt gestehen, dass ich ein ganz großer Angsthase bin. Ich kann keinen Horrorfilm schauen. Mein Freund allerdings fand diesen Film auch beim ersten Sehen ziemlich gruselig, was ich als aussagekräftig heranziehen würde.
Von ihm wurde auch gerade noch "Prometheus" genannt, was ja zur Alien-Reihe gehört. Dennoch fand ich es jetzt wichtig, diesen Film auch zu nennen. Spielt zwar nicht ausschließlich auf einem Raumschiff, aber zu großen Teilen.

Die Horrorelemente bei beiden Filmen zeichnen sich auch durch das aus, was nicht gezeigt wird.
Was bei Event Horizon auffällt: es wird nicht über eine feindliche Spezies die Angst verbreitet, sondern vielmehr über ein Ereignis, was einem Schiff wiederfahren ist. https://de.wikipedia.org/wiki/Event_Horizon_%E2%80%93_Am_Rande_des_Universums Hier der Link zum Wikipedia-Artikel mit Inhaltsangabe. Das ist doch besser, als wenn ich es erkläre^^
Die Angabe des Inhalts ist aber nicht so eindrucksvoll, wie der Film selber es dann ist. Klar, ab einem gewissen Punkt rutscht er in Splatter ab, sodass man sich fragen muss, warum das alles passiert, aber der Anfang ist doch recht anschaulich und zumindest für mich auch ein gutes Beispiel für Horror auf einem Raumschiff.

Ich denke, es wird sich wohl - wenn man nicht auf übernatürliche Phänomene zurückgreifen möchte - im groben darauf herunterbrechen lassen, dass man mit wenig Beleuchtung und viel Vermutung durchs Dunkel tappt und nicht weiß, welche Gefahren um einen herum lauern. Im Grunde das, was meine Vorredner auch schon aufgegriffen haben. Damit kann man wohl den meisten Spuk erzeugen.

Ob ich das selber schreiben könnte, bezweifle ich aber stark. Zumal sich da auch meine Motivation in Grenzen halten würde, weil ich der Meinung bin, dass es dann schon ein sehr gutes Ende mit plausibler Auflösung benötigt. Es muss nicht alles aufgelöst werden (ein paar Ungewissheiten sind immer gut ;) ), aber es wäre schon schön, wenn man den Leser nicht sich selbst überlässt und dieser sich fragen muss, warum er die Geschichte überhaupt gelesen hat.

Ijan'kato

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Antw:Gruseliges Ambiente auf Raumschiffen
« Antwort #4 am: Januar 20, 2018, 02:13:48 Nachmittag »
Event Horizon und die Alien-Reihe kenne ich natürlich beide und fand sie nicht im Geringsten gruselig. Vielleicht hab ich aber auch nur eine verkorkste Empfindung von "Grusel", denn das, was der gemeine Volksmund so als gruselig bezeichnet, finde ich recht schnarchig, oder kategorisiere es nicht als "Grusel", sondern als "Splatter". Und das sind m.E. zwei verschiedene Dinge. Zumal sich gerade das Gruselgenre viel zu sehr auf die bekannten Klischees abstützt. ("Wir sollten uns aufteilen" - "Ich renne lieber nach oben, statt zur Tür raus" - "Der mit der großen Fresse stirbt als Erstes" - "Hallo? Nick? Justin? Hört auf mit dem Spaß, ja?" - "Oh, der Axtkiller ist hinter mir her, deshalb springt das Auto nicht an, obwohl es vorher tadellos funktioniert hat"). Deshalb würde ich gerne etwas entwerfen, was gänzlich ohne das alles auskommt, tatsächlich noch gruseln kann und völlig ohne Gore auskommt.

Das, wovor man sich am meisten fürchtet, entsteht im eigenen Kopf an den Stellen, wo man weder was sieht, noch was hört. Ich glaube, da liegt der Hund begraben. Deshalb muss ich wohl mal schauen, wie ich das am besten umgesetzt kriege.

Janora

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Antw:Gruseliges Ambiente auf Raumschiffen
« Antwort #5 am: Januar 21, 2018, 01:56:55 Nachmittag »
Grusel liegt auch immer ein wenig im Auge des Betrachters/Lesers.
Ich zB. finde alles gruselig, was mit verrückt spielender Technologie zu tun hat. Da Star Trek ja eine Menge moderne Technik vorweisen kann, gibts da eine Menge was man einbauen kann.
Wie etwa, Türen, die von alleine auf und wieder zu gehen, ohne das jemand herein kommt
Plötzlicher Licht-/Stromausfall
Verzerrte Bild-/Tonübertragungen bei Kommunikation
Von selbst angehende Bild-/Tonübertragungen inkl. gruseliger/fremden Stimmen
Merkwürdige Scannanzeigen ("Wir haben etwas auf der Außenhülle, können aber nichts sehen.")
Verlassene Korridore/Räume, die eigentlich belebt sind

Das sind nur Ideen für ein Schiff als Schauplatz. Auf fremden Planeten kann man noch viel mehr einbauen.
Wobei ich auch der Meinung bin, dass das, was man nicht sieht, viel gruseliger ist, als ein hässliches Monster, das vor den eigenen Augen herumläuft.
Je nachdem, wo du dein Kapitel spielen lassen willst.

David

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Antw:Gruseliges Ambiente auf Raumschiffen
« Antwort #6 am: Januar 21, 2018, 02:51:01 Nachmittag »
Museen können ebenfalls Gruselig sein.
Besonders, wenn sie alt, verlassen und abgelegen sind.

Der Klassiker auf Raumschiffen wären für mich die Jeffries-Röhren
Unübersichtlich, eng, kaum Fluchtmöglichkeiten.

Oder ein weitläufiges Arboretum, in dem mittlerweile alle Pflanzen und Bäume vermodern.

ulimann644

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Antw:Gruseliges Ambiente auf Raumschiffen
« Antwort #7 am: Januar 21, 2018, 04:42:10 Nachmittag »
Eine andere Möglichkeit wäre, den/die Protagonisten mit etwas zu konfrontieren, das man zunächst gar nicht einschätzen kann, oder aber das so abstrakt ist, dass man eine Bewertung ob es böse oder negativ ist gar nicht einschätzen kann.
Auch Pflanzen, denen man keine böse Absicht unterstellen kann, die aber durch ihre Wirkung lebensgefährlich werden können wären ein Mittel um subtilen Horror zu verbreiten.

Amber

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Antw:Gruseliges Ambiente auf Raumschiffen
« Antwort #8 am: Januar 21, 2018, 06:00:56 Nachmittag »
Ganz klassisch: Dinge sehen und hören, die kein anderer wahrnimmt.
Damit lässt sich viel spielen.

ZB sieht der Protagonist, wie ein fremdes Wesen/Geist/whatever am Warpkern was rumfummelt, woraufhin Alarm losgeht, andernorts sieht er, wie ein Kollege von obigem Wemauchimmer angegriffen wird usw.

Er meldet es, und keiner glaubt ihm und am Ende kommt vielleicht sogar raus, dass er das alles selbst getan hat (durch Überwachungsaufzeichnungen).

Ich finde, es gibt massig unblutig/uneklige Möglichkeiten für Gruselambiente.

Drago

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Antw:Gruseliges Ambiente auf Raumschiffen
« Antwort #9 am: Januar 21, 2018, 09:39:30 Nachmittag »
Ganz klassisch: Dinge sehen und hören, die kein anderer wahrnimmt.
Damit lässt sich viel spielen.

Muss ich direkt an "Die Geist die ich rief" denken.  ;D Das war doch von dir oder?

Also sollte ich jemals meine FF Draco weiterschreiben, muss ich mich auch mit Grusel beschäftigen. Darum hab ich auch schon mehrmals drüber nachgedacht.
Ich selber würde mich als sehr empathischer Mensch beschreiben, darum glaube ich, ganz gut einschätzen zu können, was an einer Szene etwas gruselig macht.
Darum denke ich, es ist am Ende das Gleichgewicht, zwischen dem, was der Leser wissen darf und was nicht. Je nachdem, wie man dieses Gleichgewicht verschiebt, verschiebt man auch die Heftigkeit des "Oh!" Moments. Das könnte teilweise sogar spannungsaufbauender sein, als haufenweise Gore.

Für mich sind auch Details sehr wichtig. Es kann teilweise schon reichen, wenn man hin und wieder Details aus folgenden drei Kategorien einbaut Hören, Sehen, Fühlen. Angenommen, du der Charakter ist in einem Raumschiff und da funktioniert die Beleuchtung nicht, sondern nur, die Alarmleuchten (Sehen) es gibt Geräusche, die merkwürdig sind und vielleicht sogar den Ursprungsort zu ändern scheinen (Hören) und je nachdem kannst du dann noch mit emotionalen oder Umweltbedingten Sinneseindrücken spielen.

Und Ijan. Es überrascht mich irgendwie gar nicht, dass die der Volksmundgrusel zu lame ist  ^^

Janora

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Antw:Gruseliges Ambiente auf Raumschiffen
« Antwort #10 am: Januar 21, 2018, 09:48:03 Nachmittag »
Für mich sind auch Details sehr wichtig. Es kann teilweise schon reichen, wenn man hin und wieder Details aus folgenden drei Kategorien einbaut Hören, Sehen, Fühlen. Angenommen, du der Charakter ist in einem Raumschiff und da funktioniert die Beleuchtung nicht, sondern nur, die Alarmleuchten (Sehen) es gibt Geräusche, die merkwürdig sind und vielleicht sogar den Ursprungsort zu ändern scheinen (Hören) und je nachdem kannst du dann noch mit emotionalen oder Umweltbedingten Sinneseindrücken spielen.

Das seh ich auch so. Hast du ziemlich gut zusammengefasst.
Solche Details sind wichtig, damit sicher Leser besser in das Geschehen hineinversetzen kann und den Grusel quasi selbst erlebt.