Neuigkeiten

:writer: Noch auf der Suche nach der passenden Inspiration für den Dezember? Dann mach mit beim Trekzember! :xmas-tree:

Thema: Schreibstil  (Gelesen 1951 mal)

Amber

  • Trägerin des Schmökerkampfordens 1. Klasse
  • Commander
  • ****
  • Commodore
  • Beiträge: 2425
  • Happy Fluffy Tutu
Schreibstil
« am: August 30, 2017, 10:05:34 Vormittag »
... da ist mir beim Lernen doch gerade was untergekommen, was ganz gut hier her passt.

Grob zusammengefasst ging es darum, dass die meisten Leser von Onlinetexten (was unsere FF ja auch zumeist sind) ein anderes Leseverhalten haben, als Leser von Printtexten. Okay, ich ziehe mir längere FF prinzipiell auf meinen Reader, aber das nur nebenbei.

Beobachtet wurde, dass Onlineleser in einem F-Muster lesen, also quasi zwei horizontale Absätze intensiver und dann vertikal nach unten weiterhuschen, der Rest wird deutlich unaufmerksamer gelesen.
Das, denke ich, trifft bei FF-Lesern nicht unbedingt zu, es sei denn, sie wollen sich erstmal einen Überblick über Stil/Story verschaffen.

Nun wurden Stil-tipps gegeben, wie man als Autor den Leser catchen kann. Das meiste davon lass ich mal weg, da geht es primär um Marketing und Advertisements, aber den folgenden fand ich interessant:

Kurze Sätze mit rund 13 Wörtern statt Stakkato- oder Bandwurmsätzen.


Was sagt ihr dazu? Ich mag ja gerne lange Sätze, andererseits finde ich aber, dass kurze, knackige Sätze die Spannung steigern oder auch dramatisch sehr effizient sein können.

Klar, kommt auf die Situation an.

Ich selbst achte definitiv nicht aktiv darauf, wie ich schreibe, das fließt bei mir.

Wie ist es bei euch, was sagt ihr zu obiger These der "13-Wort-Sätze" und dem F-Muster?

BlueScullyZ

  • Lieutenant
  • ***
  • Beiträge: 580
Antw:Schreibstil
« Antwort #1 am: August 30, 2017, 01:45:56 Nachmittag »
Wenn ich mir einen Überblick zum Thema machen will oder auch zum Schreibstil, könnte es mit dem F-Schema sogar hinkommen. Hab ich im FF-Bereich lang nicht mehr gemacht, weil ich dazu übergegangen bin, ja jeden Kram, den ich anlese, auch zu kommentieren (und das geht nicht, wenn man es nicht richtig liest). Aber Texte, die mich weniger fesseln WÜRDE ich sehr gerne so lesen.
Aber was andere Texte angeht (Info- oder Sachtexte) trifft es auch nicht zu. Wenn ich es lesen will, dann lese ich auch den Text. Hätte ja sonst keinen Sinn und wär verschwendete Zeit.

Die 13 Wörter-Sätze halte ich für eine nette Durchschnittsangabe, aber mehr auch nicht. Wie Amber bereits schrieb, kommt es auf die Wirkung an, die der Satz erzielen soll. Soll er Spocks ausurfernde und detailierte Art möglichst umfassend beschreiben? An der Stelle passt dann sogar ein Bandwurmsatz, in dem man alle möglichen Alternativen in sperrigen Nebensätzen unterbringt. Soll ein komplizierter Zusammenhang von Kirk auf einen Befehl runtergebrochen werden, wären 13 Worte schon zu viel.


Aber es hat auch was mit der Branche zu tun: Fanfiction-Leser wollen die Geschichte lesen. Sie wollen (nicht unbedingt) möglichst viele Informationen in kurzer Zeit oder wurden gezwungen, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen. Das ist bei Marketingtexten anders.
Sagen wir, jemand will ne neue Telefonanlage kaufen. Dann wird er sich wohl oder übel damit auseinandersetzen müssen. Am wohlsten fühlt er sich dann vermutlich auf einer Seite, die den genannten Statuten entspricht, weil sie die Informationen möglichst leicht verdaulich verpackt. Weil der potenzielle Leser nicht an interessanten Texten interessiert ist und (noch) nicht am Produkt, das beworben wird, sondern nur sein Problem gelöst haben will.
Das ist wie ich, wenn mein privater PC kaputt ist und irgendwas nicht geht. Ich liebe Technik, setze mich gerne damit auseinander, aber in dem Moment will ich einfach nur, DASS ES WIEDER GEHT  >:( ( :P ) Da sind mir die Feinheiten der elektronsichen Bauteile, die filligranen Platinen u. ä. sowas von schnuppe. Ich will eine Lösung. Mehr nicht.
Und ähnlich ist es bei Marketing. Sie soll zielgerichtet Bedürfnisse befriedigen oder aber sogar erst wecken. Egal, ob der Kunde Literaturfan ist oder nicht ;-)

Ijan'kato

  • Lieutenant Commander
  • ****
  • Beiträge: 1054
  • Tropifrutti-Fusseldödel: 1a Wahrheitsschleimometer
Antw:Schreibstil
« Antwort #2 am: August 30, 2017, 02:01:32 Nachmittag »
Da gehe ich mit Scully mit. Es kommt immer drauf an, mit welcher Intention man liest.
Aber ich hab es auch schon verbrochen, einen Satz zu fabrizieren, der ca. 80 Wörter hatte. Und der Witz: Es war mir nichtmal aufgefallen und erst, als man mich in einem Kommentar freundlich darauf hingewiesen hat, hab ich mich geschämt :D

Drago

  • Lieutenant Commander
  • ****
  • Beiträge: 834
  • Die Feder ist Mächtiger als das Schwert
Antw:Schreibstil
« Antwort #3 am: August 30, 2017, 07:26:51 Nachmittag »
Die Überschrift hat mich erst etwas irritiert, ich dachte, es ginge da jetzt mehr um den Schreibstil, der wie ein Fingerabdruck eines Autors ist - oder sein könnte.

Wenn ich es richtig verstehe, dann meinst du mehr die Text Strukturierung Amber? Ein Leser wird sich auf Storys, mit ordentlich Absätzen und kleinen Portiönchen eher anfreunden, als mit einem Fließtext, wie in einem Buch, so was?

Gabi

Antw:Schreibstil
« Antwort #4 am: August 30, 2017, 07:50:32 Nachmittag »
Beobachtet wurde, dass Onlineleser in einem F-Muster lesen, also quasi zwei horizontale Absätze intensiver und dann vertikal nach unten weiterhuschen, der Rest wird deutlich unaufmerksamer gelesen.

Ich musste so lachen, als ich diesen post heute Vormittag gelesen habe. Denn ich habe ihn *ungelogen* gesehen, nachdem ich einen Online-Artikel geöffnet hatte, den ich GANZ GENAU nach diesem Muster gelesen hatte. Das war in dem Moment wie die Faust aufs Auge. Also, ja, ich bekenne mich: Ich bin eine Schema-F-Leserin (daher dürfte wohl auch er Ausdruck "Schema F" kommen, oder?).

Wenn ich einen online-Artikel öffne, weil ich nach einer bestimmten Information suche, dann lese ich natürlich alles durch, aber wenn ich interessehalber reinklicke, weil mich eine Überschrift oder ein  Bild angesprungen hat, dann ist es genau wie oben beschrieben.

Das mit der Satzlänge funktioniert m.E. aber tatsächlich nur bei informativen Texten. Beim Prosa-Schreiben müssen Stellen, die den Leser atemlos zurücklassen sollen, hauptsächlich in kurzen knappen Sätzen beschrieben werden. Genauso anders herum: Es gibt Autoren, bei denen ist mir das Thema fast schon egal, weil ich ihre langen, verschachtelten Sätze so bewundere und für mich hier das Lesen tatsächlich so ein gewisses Frönen der Schreibkunst ist. Hier bei uns ist z.B. Scully so ein eloquentes Beispiel, auf sf3dff (sind ja auch einige User von hier Mitglieder) wären das die Geschichten von Max.

ulimann644

  • Serious Andorian
  • Commander
  • *****
  • Beiträge: 3258
  • a.k.a. Code Blau
    • RED UNIVERSE
Antw:Schreibstil
« Antwort #5 am: August 30, 2017, 09:45:52 Nachmittag »
Beobachtet wurde, dass Onlineleser in einem F-Muster lesen, also quasi zwei horizontale Absätze intensiver und dann vertikal nach unten weiterhuschen, der Rest wird deutlich unaufmerksamer gelesen.
Das, denke ich, trifft bei FF-Lesern nicht unbedingt zu, es sei denn, sie wollen sich erstmal einen Überblick über Stil/Story verschaffen.

Ich verhalte mich so, wenn ich Online-Nachrichten verfolge, bzw, wenn ich ein Post in einem Forum überfliege, und wissen will, ob ich das wissen will. Oder wenn ich im Buchladen Klappentexte überfliege.

Beim Lesen von Geschichten, egal ob online, oder offline, mache ich das nicht.

Nun wurden Stil-tipps gegeben, wie man als Autor den Leser catchen kann. Das meiste davon lass ich mal weg, da geht es primär um Marketing und Advertisements, aber den folgenden fand ich interessant:

Kurze Sätze mit rund 13 Wörtern statt Stakkato- oder Bandwurmsätzen.


Was sagt ihr dazu? Ich mag ja gerne lange Sätze, andererseits finde ich aber, dass kurze, knackige Sätze die Spannung steigern oder auch dramatisch sehr effizient sein können.

Wie ist es bei euch, was sagt ihr zu obiger These der "13-Wort-Sätze" und dem F-Muster?

Das ist IMO auch wieder so ein "Nur-Hobby-Schreiber-Tipps-Ding".

Ich wette, dass das kein kommerziell erfolgreicher Autor jemals so gehandhabt hat. Ich habe eine ganze Menge SF-Literatur (und auch sonstige Literatur ;)) gelesen, in den letzten 35 Jahren, und dabei u. a. Eins festgestellt. Nämlich, dass es eine Unzahl von Anfängen für Geschichten gibt - nur diesen hier nicht. :D

Abhängig von den verschiedensten  Grundvoraussetzungen für Geschichten kann so ein "Schema-F" dafür auch gar nicht funktionieren, da dann wirklich jede Geschichte mit reißerischer Action (auch so ein "Hobby-Schreiber-Ding-Dong-Tipp") beginnen müsste.

Natürlich kann man die Leute bewusst neugierig auf eine Geschichte machen. Zum Bleistift mit dem schlichten Satz am Anfang: Er (Sie) hatte einen Fehler gemacht.
Klar, wer ein neugieriger Mensch ist (also statistisch die Hälfte der potenziellen Leser ;) :D :D) wird sich da sofort Fragen stellen. Welcher Fehler, warum, wie, wo, was?
Aber natürlich klappt das nicht mit jeder Geschichte, also ist auch das nur ein Anfang von vielen Anfängen...

Obwohl: Im Grunde müsste jede Geschichte mit Lesen Sie bitte weiter beginnen. Denn tatsächlich gibt es nur einen wirklichen Anfang, der aus Nichts besteht, das plötzlich explodiert und sich ausdehnt... ;) :D :P

« Letzte Änderung: August 30, 2017, 09:47:50 Nachmittag von ulimann644 »

Amber

  • Trägerin des Schmökerkampfordens 1. Klasse
  • Commander
  • ****
  • Commodore
  • Beiträge: 2425
  • Happy Fluffy Tutu
Antw:Schreibstil
« Antwort #6 am: August 31, 2017, 07:32:33 Vormittag »
Die Überschrift hat mich erst etwas irritiert, ich dachte, es ginge da jetzt mehr um den Schreibstil, der wie ein Fingerabdruck eines Autors ist - oder sein könnte.

Wenn ich es richtig verstehe, dann meinst du mehr die Text Strukturierung Amber? Ein Leser wird sich auf Storys, mit ordentlich Absätzen und kleinen Portiönchen eher anfreunden, als mit einem Fließtext, wie in einem Buch, so was?

Ich hab das nur als Auftakt genommen, natürlich kann (und soll ^^) hier über Schreibstil persönlich/generell geplaudert werden.


Das ist IMO auch wieder so ein "Nur-Hobby-Schreiber-Tipps-Ding".

Ich wette, dass das kein kommerziell erfolgreicher Autor jemals so gehandhabt hat.

Hatte ich, glaub ich, erwähnt, ich bin beim Lernen über das Thema gestolpert. Ich studiere "Texter/Copywriter" und da befassen sich die Tipps rund ums Schreiben natürlich primär mit Werbung/Marketing.

Aber man wäre ja keine tolle Studentin, wenn man das Thema nicht gleich ausweiten würde. :)

Mal weg von der Satzlänge:

Ich hab hier im Archiv und in anderen viele Stile gelesen und da gab es positive wie negative Überraschungen. Ich liebe ja Dialoge (lesen/schreiben) und es gibt tatsächlich FF, die ausschließlich aus WR bestehen (kein Theaterstück!) und einfach großartig waren. Umgekehrt hab ich Autoren gelesen, die fast gänzlich auf WR verzichten, was wiederum auch zu der entsprechenden Story passte.

ulimann644

  • Serious Andorian
  • Commander
  • *****
  • Beiträge: 3258
  • a.k.a. Code Blau
    • RED UNIVERSE
Antw:Schreibstil
« Antwort #7 am: August 31, 2017, 07:35:07 Vormittag »
Ich hab hier im Archiv und in anderen viele Stile gelesen und da gab es positive wie negative Überraschungen. Ich liebe ja Dialoge (lesen/schreiben) und es gibt tatsächlich FF, die ausschließlich aus WR bestehen (kein Theaterstück!) und einfach großartig waren. Umgekehrt hab ich Autoren gelesen, die fast gänzlich auf WR verzichten, was wiederum auch zu der entsprechenden Story passte.

Das entspricht meiner eigenen Erfahrung (nicht allein hier im Archiv).

Bareil Nerys

  • Ensign
  • **
  • Beiträge: 277
  • spirituelle Riffelnase
Antw:Schreibstil
« Antwort #8 am: September 01, 2017, 06:46:19 Vormittag »
Ich hab das nur als Auftakt genommen, natürlich kann (und soll ^^) hier über Schreibstil persönlich/generell geplaudert werden.

Hatte ich, glaub ich, erwähnt, ich bin beim Lernen über das Thema gestolpert. Ich studiere "Texter/Copywriter" und da befassen sich die Tipps rund ums Schreiben natürlich primär mit Werbung/Marketing.

Aber man wäre ja keine tolle Studentin, wenn man das Thema nicht gleich ausweiten würde. :)

Mal weg von der Satzlänge:

Ich hab hier im Archiv und in anderen viele Stile gelesen und da gab es positive wie negative Überraschungen. Ich liebe ja Dialoge (lesen/schreiben) und es gibt tatsächlich FF, die ausschließlich aus WR bestehen (kein Theaterstück!) und einfach großartig waren. Umgekehrt hab ich Autoren gelesen, die fast gänzlich auf WR verzichten, was wiederum auch zu der entsprechenden Story passte.

Ich denke, dass Prosa (> Unterhaltungstexte) und Zeitungsartikel/Sachtexte (> Information) unterschiedliche Ziele verfolgen und daher stilistisch nicht miteinander zu vergleichen sind. Eine FanFiktion im Bericht-Stil wäre doch schrecklich zu lesen.

Gabi

Antw:Schreibstil
« Antwort #9 am: September 11, 2017, 02:46:31 Nachmittag »
Falls es hier nicht hineinpasst oder der link bereits irgendwo schon steht (gefunden habe ich ihn beim Überfliegen nicht, aber das heißt ja nichts), bitte entsprechend streichen/verschieben.

Mich hat eine Autorin auf einen älteren Artikel von Andreas Eschbach aufmerksam gemacht, in welchem er eine 10-Punkte-Überprüfung zur Stilverbesserung von Texten anregt. (auf Adjektive, Inquit-Formeln, Passiv-Forumulierungen, Füllwörter, etc. ausgerichtet) Vielleicht ist das für die eine oder den anderen etwas zum nachdenken.

RogerVanDyke

  • Ensign
  • **
  • Beiträge: 120
Antw:Schreibstil
« Antwort #10 am: September 12, 2017, 05:46:59 Nachmittag »

Sehr hilfreich, wenn auch der Artikel zu der Marke die nicht genannt werden darf mich sehr zum Schmunzeln gebracht hat, denn eigentlich ist von der Versinnbildlichung genau das der Fall, den eigenen Text auf den Prüfstand stellen und das Siegel "Fertig zum Release" nur dann zu vergeben wenn der Text die Prüfung besteht.

Ich könnt mich echt kringeln. Übrigens, meine Autos kommen auch immer zur DEKRA und nicht zu der Marke, die nicht genannt werden darf :) :D :lol: :lol: :lol: :lol:      :danke:

ulimann644

  • Serious Andorian
  • Commander
  • *****
  • Beiträge: 3258
  • a.k.a. Code Blau
    • RED UNIVERSE
Antw:Schreibstil
« Antwort #11 am: Oktober 15, 2017, 06:58:27 Nachmittag »
@Emony
Die beiden neuen Links führen zu interessanten Seiten, mit weitgehend guten Tipps. Mit einer Ausnahme. denn dieser Punkt hier ist reiner Kokolores, und man merkt ihm an, dass er nicht von einem Profi geschrieben wurde:

Du musst das Ende einer Geschichte nicht kennen, wenn du sie anfängst. Nicht alles über e eine Geschichte zu wissen, bevor du sie schreibst, führt dich dazu, mehr kreative Möglichkeiten zu erforschen, und es macht deine Geschichte stärker.

Die Aussage ist schlicht falsch - denn wer das Ende seiner Geschichte nicht kennt, der kann auch nicht darauf hin arbeiten. Das mach eine Geschichte (und das kann man als Leser deutlich feststellen) nicht stärker sondern lediglich konfuser. Dieser Punkt ist so ein reines FF-Autoren Ding. Professionelle Schreiber würden über diese Aussage lachen, weinen, oder aber leise schmunzeln. Was sie nicht tun würden wäre, diesen Punkt ernst zu nehmen.

Emony

  • Homophilia
  • Commander
  • ****
  • Admiral
  • Beiträge: 4593
  • you can't take the sky from me
    • TrekNation
Antw:Schreibstil
« Antwort #12 am: Oktober 15, 2017, 07:21:50 Nachmittag »
Uli, ich schreibe fast immer drauf los, ohne das Ende meiner Geschichten zu kennen. Und lustigerweise sind das dann die, die mir am meisten Spaß machen, weil sie mich selbst hin und wieder überraschen. :D

werewolf01

  • Ensign
  • **
  • Beiträge: 297
Antw:Schreibstil
« Antwort #13 am: Oktober 16, 2017, 07:42:27 Vormittag »
Ich mache mir eine ungefähre Vorstellung davon, wie meine FF enden soll, manchmal kommt dann aber auch alles ganz anders ;D darauf lasse ich mich dann auch ein.

LG
werewolf

ulimann644

  • Serious Andorian
  • Commander
  • *****
  • Beiträge: 3258
  • a.k.a. Code Blau
    • RED UNIVERSE
Antw:Schreibstil
« Antwort #14 am: Oktober 16, 2017, 10:25:50 Vormittag »
Uli, ich schreibe fast immer drauf los, ohne das Ende meiner Geschichten zu kennen. Und lustigerweise sind das dann die, die mir am meisten Spaß machen, weil sie mich selbst hin und wieder überraschen. :D

Ich bin überzeugt davon, dass das sehr viel Spaß macht - die Frage ist da für mich persönlich eher, wie sich ein solcher Stil, gerade bei größeren Projekten auf die Qualität für den Leser auswirkt.
Klar - im Grunde müsste mich das nicht kümmern, weil es ein Hobby ist. Allerdings sehe ich ganz persönlich, wenn ich schon veröffentliche, eine gewisse Verantwortung gegenüber meinen Lesern, auf einen gewissen qualitativen Level zu achten. Das betrifft aber in dem Fall mich persönlich und ist natürlich kein Muss für Jedermann.

Andererseits spielen Länge ind Art der Geschichte da bestimmt auch eine Rolle. Es gibt IMO Bereiche, wo ein solcher Stil besser klappt, als bei anderen Bereichen. Ich selbst kenne das Ende bei langen und sehr technischen Geschichten, oder aber Geschichten mit sehr vielen Charakteren (bzw. mehreren Handlungssträngen) zumeist sehr viel genauer, als bei einer eher romantischen Kurzgeschichte. Bei letzterer klappt das "ad hoc aus den Fingern saugen" oft eher, nach meiner Erfahrung.

Wobei "Das Ende kennen" nicht damit gleichgesetzt werden sollte (was oft fälschlich angenommen wird) wirklich jedes kleine Detail davon zu kennen - sondern eben nur das wirklich wesentliche. Ein gutes Beispiel ist da "Kadettenjahre 2". Ich wusste, dass Dheran Christian Carey kennenlernt, dass beide auf die Suche nach der Verlorenen Eisstadt gehen, sie am Ende finden, und dass ihnen der wissenschaftliche Erfolg vorenthalten werden wird. Doch zu Beginn auch nicht sehr viel mehr. So wusste ich zu Beginn des Romans weder, wer ihnen den Erfolg versagt, noch die genauen Gründe dafür. Das kam mir erst nach der Hälfte der Geschichte, nach und nach, in den Sinn. Aber hätte ich nicht gewusst, wie die Geschichte endet, dann wäre der Weg dorthin ziemlich abenteuerlich geworden - jede Wette.

Ich mache mir eine ungefähre Vorstellung davon, wie meine FF enden soll, manchmal kommt dann aber auch alles ganz anders ;D darauf lasse ich mich dann auch ein.

Das geht mir nicht anders. Klar, habe ich ein geplantes Ende schon zugunsten eines besseren Endes umgeschrieben. In 19 von 20 Fällen hat das aber eher Details betroffen, die eh nicht fix waren, als das komplette Ende der Geschichte.
Aber selbst in dem Fall wäre ich unterwegs schwer ins Stolpern geraten, wenn ich das Ende nicht in gewissem Umfang gekannt hätte. Wie oben gesagt - da spielt der Umfang und die Art der Geschichte sicherlich eine wesentliche Rolle. Was bei einer 20.000 Wörter-Geschichte vielleicht noch gut zu handeln ist - bei 125.000 Wörter gerät das bestimmt außer Kontrolle. Bei DEAN CORVIN hätte ich ohne eine gewisse Kenntnis vom Ende (und auch von den wesentlichen Punkten davor) ziemlich alt ausgesehen.

Darum halte ich den "Tipp", dass man das Ende nicht kennen muss, ganz persönlich, für keinen besonders guten - zumindest generell lässt sich das nicht bestätigen.