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Thema: Gewaltdarstellungen in FFs  (Gelesen 3384 mal)

VGer

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Antw:Gewaltdarstellungen in FFs
« Antwort #30 am: September 19, 2016, 02:34:41 Nachmittag »
Für diejenigen, die Gewalt- und Actionszenen glaubhaft schreiben wollen, habe ich einen interessanten (wenn auch nicht unbedingt sci-fi-spezifischen) Artikel gefunden: 7 Types Of Violence You’re Picturing Wrong Thanks To Movies

ulimann644

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Antw:Gewaltdarstellungen in FFs
« Antwort #31 am: September 19, 2016, 04:33:42 Nachmittag »
Die Mythbusters-Folge, in der eine Autotür von Kugeln aus einer Knarre voll durchschlagen wurde, habe ich gesehen. Aus meiner Militärzeit kannte ich aber bereits die Warnung unseres Feldwebels: "Bloß nie hinter Autotüren in Stellung gehen!" Da würde man sein blaues Wunder erleben (weil die "blauen Bohnen" eben nicht abgehalten werden).

VGer

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Antw:Gewaltdarstellungen in FFs
« Antwort #32 am: September 19, 2016, 04:37:00 Nachmittag »
Geh bitte, einfach im Zickzack durch den Kugelhagel rennen. Funktioniert aber nur, wenn man der Held ist, quasi ein Lithmustest für Böse  ::) ;D

ulimann644

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Antw:Gewaltdarstellungen in FFs
« Antwort #33 am: September 19, 2016, 05:04:57 Nachmittag »
Geh bitte, einfach im Zickzack durch den Kugelhagel rennen. Funktioniert aber nur, wenn man der Held ist, quasi ein Lithmustest für Böse  ::) ;D

Heißt hier wer Neo...? ;) :D 8)

werewolf01

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Antw:Gewaltdarstellungen in FFs
« Antwort #34 am: September 19, 2016, 10:22:31 Nachmittag »
Im Zuge des Jagdscheins hatten wir auch Einiges über Ladungsenergien gehört und da wurde uns auch gesagt, dass eine Autotür vielleicht einen schon dreimal abgeprallten Querschläger stoppt, aber bei einem direkten Schuss sogar das ganze Auto durchschlagen werden kann (hängt natürlich auch von Entfernung, Kaliber, evtl Gegenwind etc ab, aber ist durchaus möglich).

Selbst Kleinkaliber, was ja auch beim Biathlon, zum allgemeinen Sportschießen etc verwendet wird (.22 lfb)und eigentlich ziemlich harmlos aussieht, kann massive Gegenstände von 40 cm Stärke oder auch mehr durchschlagen. Da war ich selbst sehr erstaunt drüber...

LG
werewolf

BlueScullyZ

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Antw:Gewaltdarstellungen in FFs
« Antwort #35 am: Oktober 20, 2016, 09:43:46 Vormittag »
Mich treffen Gewaltdarstellungen, je näher sie an der Realität sind. Ich kann damit ziemlich gut um, wenn es in einem Fantasy-Kontext geschrieben wird, als Beispiel. Oder eben wenn es vollkommen an der Realität vorbeigeschrieben ist - die Vergewaltigung, die nach drei Tagen wieder vergessen ist, weil man ja seine große Liebe gefunden hat, die einen rettete. Da werd ich dann nur ärgerlich, weil ich es einfach unsensibel finde, so mit dem Thema umzugehen.
Am härtesten treffen mich solche Szenen, die mir selbst jederzeit passieren können und die auch so geschrieben sind, als könnten sie genau so jederzeit passieren. Da leide ich am meisten mit. Vor allem aber auch, wenn die psychischen Folgen beleuchtet werden. Das müssen nicht immer die Folgen beim "Opfer" selbst sein.
Ich hab beispielsweise mal den Tod eines Charakters geschrieben. Nicht den Tod selbst, eigentlich hab ich nur den Umgang des Umfelds damit beleuchtet, aber das hat gereicht, um allein beim Schreiben einen echten Klos im Hals zu haben. Es wurde keine Leiche beschrieben, das einzige, was in der Hinsicht beschrieben war, waren die Umstände des Todes. Trotzdem tat es weh. Trotzdem habe ich den ausführenden (den Antagonisten und irgendwie auch mich) gehasst, als ich das geschrieben habe. Weil keine Beschreibung des Leichnams mich so mitgenommen hätte, wie die Gedanken, die Verzweiflung, die Hilflosigkeit und die Trauer des Umfelds.
Aber genau darauf lief die Geschichte leider hinaus, das war zentrales Thema und das hatte ich mir ausgesucht. Und es wäre falsch in meinen Augen gewesen, da die blutigere, aber "harmlosere" Darstellung zu wählen. Und auch, wenn mir der Charakter jedes Mal wieder unendlich leid tut, liebe ich diese Geschichte. Gerade weil er mir jedes Mal wieder unendlich leid tut, weiß ich, dass es so geworden ist, wie es werden sollte. Würde man mit den Charakteren in dem Moment nicht mitfühlen, wäre was falsch gelaufen.

Sinnloser Gewalt kann ich auch nichts abgewinnen. Allerdings finde ich es schwer, die Linie zu ziehen, was sinnlos ist. Zu Teilen ist das auch Auslegungssache. Als Beispiel ziehe ich mal den Joker aus Batman heran. Der Typ ist in den meisten Fällen ohne viel Grund sehr, sehr grausam. Auch dadurch, dass er keinerlei Reue bei seinen Taten zeigt. Trotzdem muss ich zugeben, dass er ein sehr guter Gegenpart zum Protagonisten ist und seine Unberechenbarkeit und seine Sinnlosigkeit ... Ohne all das wäre er nicht Joker. Und in seiner eigenen wirren Logik macht es Sinn. Von außen betrachtet ist es einfach nur gefährlich und grausam.
Dann gibt es Geschichten, die von ziemlich grausamen Systemen erzählen - oder grausame Systeme, die Geschichten erzählt haben, um aus der Welt der Fantasie mal wieder raus zu kommen.
Wenn man allerdings merkt, dass es dem Autor nicht darum geht, beispielsweise Missstände aufzuzeigen oder es ihm nicht um die Entwicklung des Charakters geht, wie sich das auf ihn auswirkt, sondern es eben nur Mittel zum Zweck ist (wie schon geschrieben wurde: Verbandlung von OC und Canon ...), geht mir das ziemlich gegen den Strich.

Mit dem Rating tue ich mich allerdings auch sehr schwer. Wenn man durch eine Buchhandlung geht, findet man Harry Potter ja auch bei den Büchern ab 12 Jahren. Alle Bände! Und ich finde die Storys doch schon nicht ohne. Weder die Darstellung der Todesser, noch den Basilisken oder der Krieg der Magier. Höchst manipulative, grausame, kalte Wesen, die nach und nach ihren Tribut fordern. Aber ich hab es auch in der Grundschule gelesen und (meine Einschätzung) ziemlich gut verpackt. Aber es bleibt ja auch ein Fantasy-Kontext.
Aber Geschichten, die sich mit Drogenmissbrauch, sexueller Gewalt, Selbstverletzung u. ä. in der Realität auseinandersetzen, stehen auch bei Jugendbücher. Sogar ein recht großer Teil beschäftigt sich mit diesen Thematiken. Kaum ein Buch, was da steht, würde als Film die Freigabe FSK 12 kriegen. Weder "Du darfst nicht schreien" noch "Rote Linien", geschweigedenn "Bootcamp". Nicht, wenn es so verfilmt würde, wie es geschrieben ist. Wenn man allerdings die Kriterien für Filme anlegt, landet man ... ja, wo? Ich finde, dass man da schwer Vergleiche ziehen kann. Viele P18 Filme find ich schlicht nur langweilig, weil sie auf reinen Schockmomenten aufbauen und sich auf literweise Kunstblut beschränken. Vor allem in Genre Horror. Sobald ein vernünftiger Plot dahinter ist, der die Handlungen und Mechnismen wieder erklärt und nachvollziehbar ist, wenn die Gewalt teil des Plots und nicht der Plot Anhängsel der Gewalt ist, ist es meist auch schon wieder P16. Schwierig.
Andere Möglichkeit: Man orientiert sich mit der Darstellung am Canon. Der Manga Naruto ist ab 12 Jahren ... da fliest doch ne ordentliche Menge an Blut, die Gen-Jutsu bieten auch eine Reihe an psychischen Foltermöglichkeiten die rege genutzt werden und naja ... packt man das in entsprechend literarische Form, hat das doch ordentliches an Schock-Potenzial, was bei entsprechenden Lesern unabhängig vom Alter Schaden anrichtet.

Auch wenn ich eigentlich nichts von langen Tag-Listen halte, find ich inzwischen, dass es doch der beste Kompromiss ist. Die, die Tags als Spoiler empfinden, können geflissentlich drüberlesen (am Coolsten wärs ja, wenn man sie ausblenden könnte ...), die, für die es wirklich wichtig ist, können es zum Filtern nutzen.

David

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Antw:Gewaltdarstellungen in FFs
« Antwort #36 am: Oktober 20, 2016, 11:58:43 Vormittag »
Bei mir ist das teilweise von Situtation und Figur abhängig.
Eine Schlägerei, wo ordentlich ausgeteilt wird, halte ich da nicht weiter für kompliziert.

Anders sieht es natürlich bei "härteren Darstellungen" aus.
"Ferne Welten" ist so ziemlich mein bislang einziges Buch, in welchem Gewalt in höherem Maße vorkommt.
Und ja, ich habe mich mit allen Szenen teilweise sehr schwer getan.

Als Autor, der mit wiederkehrenden Figuren arbeitet, fühlt und leidet man immer ein Stück mit.
Eine ganz andere Sache ist, die Figur umzubringen.
Habe ich ehrlich gesagt nie "wirklich" gemacht, höchstens in einer Art "virutellen Erfahrung".
Aber die Art und Weise (die ich durchaus etwas detaillierter angegangen bin - im konkreten Falle war eine Atombombe der Übeltäter), hat mich beim Schreiben dann auch ziemlich mitgenommen.
Da hatte ich auch zu kämpfen.
Ansonsten versuche ich mittlerweile auf explizite Gewalt oder gar das Töten von Figuren, zu verzichten, wo immer es möglich ist.

Einen Kampf zwischen 2 oder mehr Figuren kann man auch Anders beschreiben.
z.B. dass man nicht konkret jede Aktion beschreibt sondern eher das Ganze ins Chaos wandern lässt, nach dem Motto "Fäuste fliegen, ebenso wie Tische und anderes, was nicht niet- und nagelfest ist"
Hinterher kann man dann ja beschreiben, wie die Figuren nach so einer Schlägerei aussehen.
Da muss man dann nicht konkret jeden Schlag oder was auch immer beschreiben.

Die persönliche Grenze, wie weit man gehen will, muss jeder selbst ziehen und es kommt IMO auch immer auf die Umstände der Szene und der Geschichte insgesamt ein.
Ein Roman, der sehr dunkel gehalten ist (Überlebenskampf oder etwas ins der Art als Thema), kann durchaus expliziter gehalten werden.
bei einer hellen Geschichte (wo es eben zu Gewalt nur im Sinne einer Rangelei oder Barschlägerei kommt), reicht dann auch eher, dass man nur den Verlauf der Schlägerei als Ganzes ins Buch aufnimmt und hinterher vielleicht beschreibt ("Personen XYZ und ABC sahen in Anbetracht ihrer zerfetzten Klamotten und einiger, sichtbarer blauer Flecken aus, als hätten sie zehn Runden Wrestling mit einem Gorn hinter sich")

Es kommt eben immer auf das Thema der Handlung an und wie man das Ganze transportieren will.
Wichtig ist dabei auch, welche Rolle alle beteiligten Figuren an der Story spielen...
Stehen sich Protagonist und Antagonist gegenüber und es ist vielleicht sogar das finale Aufeinandertreffen:
Okay, das sollte man vielleicht nicht so einfach abfrühstücken, wie von mir im letzten Absatz beschrieben.
Ist es aber eher Mittel zum Zweck:
Zwei Leute treffen in einer Bar aufeinander, ein paar mehr kommen hinzu und erst da entwickelt sich eine Schlägerei (warum auch immer) und hinterher arbeiten die beiden erstgenannten zusammen.
Da sieht das anders aus.
Da kann man dann etwas mehr ins Detail gehen.

=A=

Bei Sexszenen verhält sich das sehr ähnlich.
Ich will ja keine "Bedienungsanleitung" schreiben.
Aber ich vertrete auch klar die Linie, dass Sex eine vollkommen natürliche und tolle Sache ist  :P
Hier also einen "Cut" zu machen, sobald beide Figuren (oder mehrere  :P :P :P - hab ich noch nie geschrieben) im Bett sind und erst hinterher weiter machen, finde ich dann doch irgendwie,... fantasielos.
Aber ich würde nicht so weit gehen, gerade zu eine "Bedienungsanleitung" zu schreiben oder so (ihr versteht sicher, was ich meine).
Erstens, weil derartige Details unwichtig sind, zweitens, weils ohnehin nicht so einfach zu beschreiben ist.
Ich konzentriere mich dann eher auf die Emotionen oder auf bildliche Umschreibungen, wie zum Beispiel:
"Hast Du einen Phaser in der Hose oder bist Du nur erfreut mich zu sehen?"
Das kann man natürlich auch ganz anders schreiben, aber warum sollte man.

Nebenbei bemerkt, ich finde in der Umgangssprache gibt es auch gute Wortspiele, wenn es dann zum "sprichwörtlichen Höhepunkt" kommt.
Da habe ich in einem Buch einfach den Begriff "Warp-10 erreichen" erfunden und finde, das klingt einfach irgendwie gut.
[...]
okay, das geht jetzt grad irgendwie Off-Topic
ich bin mir ziemlich sicher, dass wir zum Thema "Sex" bestimmt einen eigenen Thread haben :P
[...] okay, haben wir offenbar (noch) nicht - solle man ändern :P

Es gibt beim Thema Sex auch den Unterschied zwischen "Einvernehmlichkeit" (sei es aus Liebe oder "experimenteller Sicht) und "Zwang".
Letzteres will ich in meinen Werken nicht und daher spielt es für mich auch keine Rolle.
Aber darüber können wir gern in einem passenden Thread diskutieren

=A=

Ich hoffe, ich konnte meine Herangehensweise an das Thema "Gewalt in FF's" verdeutlichen.
« Letzte Änderung: Oktober 20, 2016, 12:26:36 Nachmittag von David »

BlueScullyZ

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Antw:Gewaltdarstellungen in FFs
« Antwort #37 am: Oktober 20, 2016, 12:28:10 Nachmittag »
Das stimmt, es kommt auf die Situation an. Die Barschlägerei war ein recht gutes Beispiel. Will ich zeigen, dass die beiden sich schon länger kennen und auf den Tod nicht ausstehen können? Dann reicht die Beobachtung eines Umstehenden vollkommen aus, die vielleicht sogar noch erschrockener ausfällt als die nüchterne Beschreibung der Handlung. Dienlicher wäre vielleicht sogar die unbeteiligte Schilderung des Barkeepers, der das ganze Getue schon kennt und schonmal die leeren Flaschen vom Tresen, bevor die zu Bruch gehen. Theoretisch reicht aber auch die Reaktion der Ehefrau, wenn der Kerl nach Hause kommt und grün und blau - letzteres womöglich in mehrfacher Hinsicht - ist.
Gibt es eine bestimmte brenzliche Situation während der Schlägerei, würde ich darauf wahrschienlich näher eingehen und einen anderen Betrachtungswinkel wählen. Vielleicht tatsächlich einen der Beteiligten. Oder jemanden, der von außen eingreift.
Ist es das erste Mal, dass die beiden aufeinander losgehen oder womöglich ein Punkt, an dem ein Charakter einen untypischen Verhaltenszug an den Tag legt (beispielsweise ein frommes Lamm, was zum Wolf mutiert) kommt es drauf an, in welchem Rahmen es stattfindet. Sind die zwei allein (Schlägerei), würde ich womöglich sogar die Szene ganz auslassen und den zweiten sich im Anschluss wundern lassen, evtl. im Dialog mit dritten, die am letztes damit rechnen, dass eben diese Person so handelt und das dann hinterfragen oder gar anzweifeln ("Damit hab ich nicht gerechnet"). Andererseits bietet sich gerade so eine Persönlichkeitsabweichung sehr dafür an, sie auszuschreiben. Da kann man dann durchaus das Ausmaß der Härte, mit der er vorgeht, beschreiben, um die Charakterveränderung zu verdeutlichen.

Im Allgemeinen versuche ich es auch zu vermeiden, wo es geht. Wo es Teil des Plots ist, gehört es eben dazu. Nur auf Biegen und Brechen sollte man es nicht in eine Geschichte hineinprügeln, nur damit man es drin hat.



[... verschoben nach hier ...] Und solche Szenen dann zu schreiben ... ne, ich würd mir vorkommen wie ein ziemlich dreister Spanner, der auch noch Kommentare aus dem Off dalässt xD


edit: Nicht, dass der Eindruck entsteht, ich bringe wahllos FF-Charaktere um. Erstens trifft es NIE Canon-Charaktere, zweitens überlege ich mir sehr genau, ob ich OCs über den Jordan schicke. Im oben genannten Fall handelte es sich um ein Fandom, in dem das durchaus üblich ist und auch realistisch (Korea um 1954-1955, 3km von der Front entfernt). Just 4Fun oder weil mir die Nase nicht mehr passt mach ich das garantiert nicht  :-\
« Letzte Änderung: Oktober 20, 2016, 12:59:48 Nachmittag von BlueScullyZ »

David

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Antw:Gewaltdarstellungen in FFs
« Antwort #38 am: Oktober 20, 2016, 12:52:19 Nachmittag »
Zitat
Und solche Szenen dann zu schreiben ... ne, ich würd mir vorkommen wie ein ziemlich dreister Spanner, der auch noch Kommentare aus dem Off dalässt xD

Okay, sorry, aber da hab ich beim Lesen gerade lachen müssen, weil ich mir die Situation vorstelle nach dem Motto, man sitzt als Autor "bildlich" auf der Couch daneben und dann kommen Sprüche wie "ey, Du kriegst das nicht hin?" oder "Brauchst Du Hilfe vom/von der Fachmann/frau?"

 :D :D :D :D
Danke für dieses unerwartete, erheiternde Kopfkino.
Ich krieg mich grad nicht mehr ein.

Nerys

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Antw:Gewaltdarstellungen in FFs
« Antwort #39 am: Februar 03, 2017, 08:17:18 Vormittag »
Ich habe zwei FFs gelesen, beide selbes Fandom, in beiden ging es darum, dass die Hauptfigur in die Fänge sadistischer Kerle gerät und sehr viel mitmachen muss. Beide waren noch nicht vollendet und die Gewalt (großteils sexueller Natur) so exzessiv, dass man sich als Leser nicht vorstellen konnte, dass das Opfer danach jemals wieder normal leben würde können, hartgesottener Cop hin oder her. Charaktere quälen tue ich ja auch gern, aber dermaßen zerstören? Was hat man als Autor davon? Nein, also meine Grenze als Leser war definitiv mehr als erreicht. Schreiben würde ich sowas ganz bestimmt nicht.

BlueScullyZ

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Antw:Gewaltdarstellungen in FFs
« Antwort #40 am: Dezember 20, 2017, 11:44:43 Vormittag »
Ich merke mit der Zeit auch einfach, dass Gewalt als Stilmittel sich auch extrem abstumpft, wenn man es exessiv verwendet. Wenn sich alle Nase lang die Rübe eingeschlagen wird, die Leute sich niederschießen und die Knochen brechen, dann kann man das alles entweder nur immer mehr ins Sadistische und Brachiale steigern, oder aber es wird langweilig. Außerdem kommt es dann noch auf die Ausführung selbst an. Ist die Szene und die Nachwirkung realistisch beschrieben? Damit geht einher, dass die Figuren, mit denen man schreibt, irgendwann weniger werden. Bei mir führt das dazu, wenn das zur Tagesordnung wird, dass ich mich von den Figuren, wenn es zu oft vorkommt, zu distanzieren beginne. Vor allem, wenn die Charaktere dabei noch eine lebensfeindliche Einstellung an den Tag legen, sprich, ihnen der Wert eines Lebens auch schlicht nicht bekannt zu sein scheint. Das genaue Gegenteil davon, ist, wenn Charaktere ständig angeblich tödliche und schwere Wunden davontragen, aber es immer überleben. Nicht knapp, mit entsprechendem Background, sondern weil Baum und STÄNDIG. Da verliere ich einfach das Gefahrengefühl gegenüber den Gewaltszenen und zucke nur gelangweilt mit den Schultern. Ich vermute dahinter meist, dass der Autor seine Charaktere nicht töten kann (aber nicht auf die "Action" verzichten will) oder aber zu faul ist, sich neue Charaktere zu bauen. Oder Angst vor der Reaktion der Leser hat, wenn er es durchzieht. Der schlimmste Mix, ist, wenn Nebencharaktere wie Vieh zu Hunderten abgeschlachtet werden und die Hauptcharaktere ständig davonkommen und sich als Herrscher über Leben und Tod aufspielen. In Punkto Gewalt, wie ich merke, das, womit ich das größte Problem habe.
Wenn es sich in der Waage hält, nicht ständig neue Gewalt passiert, es nicht sinnlos erscheint, sondern einen Hintergrund hat und der Umgang damit realistisch ist, ist es das Maß, das ich auch gerne lese. Ich will als Leser auch das Gefühl behalten, dass dem Autor jedes (fiktive) Leid, dass er generiert, irgendwo weh getan hat - bei einigen Geschichten hab ich allerdings eher das Gefühl, er saß sensationslüstern vor der Tastatur und dachte sich "Noch meeehr!".

ulimann644

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Antw:Gewaltdarstellungen in FFs
« Antwort #41 am: Dezember 22, 2017, 10:26:58 Vormittag »
Wenn es sich in der Waage hält, nicht ständig neue Gewalt passiert, es nicht sinnlos erscheint, sondern einen Hintergrund hat und der Umgang damit realistisch ist, ist es das Maß, das ich auch gerne lese. Ich will als Leser auch das Gefühl behalten, dass dem Autor jedes (fiktive) Leid, dass er generiert, irgendwo weh getan hat - bei einigen Geschichten hab ich allerdings eher das Gefühl, er saß sensationslüstern vor der Tastatur und dachte sich "Noch meeehr!".

Bei manch einem Autor entsteht dieser Eindruck.
Da ich bei DEAN CORVIN z.B. selbst mehr Kriegsaction habe, als in anderen Geschichten, versuche ich diesen Eindruck einerseits dadurch zu entgehen, dass ich die Gewalt nicht übermäßig brutal darstelle (was sich hier und da allerdings schwerlich vermeiden lässt - z.B. wenn jemand im Verhör in die Mangel genommen wird). Andererseits versuche ich, genau dieses Leid anhand persönlicher Schicksale darzustellen, um aufzuzeigen, dass Gewalt und Krieg nichts Gutes sind, sondern etwas Grausames, das nur Leiden schaft.
Eine Geschichte mit einem Kriegsszenario zu schreiben, ohne den Krieg, und dem, was dranhängt, mit einzubeziehen, wird andererseits schwerlich funktionieren. Wie du es sagst - es sollte sich die Waage halten und nicht zu sehr ins Extrem kippen.